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Healey Silverstone - Form als Funktion des Zwecks

Erstellt am 2. September 2022
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
36
Bruno von Rotz 
9
Balz Schreier 
5
Stephan Traber 
1
Archiv Karl Ludvigsen 
1
Archiv 
31
Healey Silverstone (1950) - wurde in Rallyes, aber auch bei Strassenrennen eingesetzt
Healey Silverstone (1950) - 160 km/h dürften sich ziemlich abenteuerlich anfühlen
Healey Silverstone (1950) - "an aptly named new model for the sports car racing enthusiast", schrieb Autocar im Juli 1949
Healey Silverstone (1950) - mit 109 cm sehr falch
Healey Silverstone (1950) - gemäss Werk rund 160 km/h schnell
Healey Silverstone (1950) - für den Sportfahrer
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Den Namen Healey bringen auch Nicht-Experten mit britischen Sportwagen zusammen, schliesslich gehören der Austin-Healey 3000, dessen Vorgänger Austin-Healey 100 und deren kleiner Bruder Austin-Healey Sprite zu ben bekanntesten britischen Klassiker der Fünfziger- und Sechzigerjahre. Doch es gab schon Sportwagen mit dem Namen Healey, bevor der “Hundred” 1952 an der Earls Court Motorshow in London als Erfolgsmodell lanciert wurde.

Bild Rallye Monte Carlo 1931 - Der Sieger von 1931, Donald Healey, fährt ohne Beifahrer in einem Invicta S
Rallye Monte Carlo 1931 - Der Sieger von 1931, Donald Healey, fährt ohne Beifahrer in einem Invicta S

Nicht zuletzt war Donald Healey ein begeisterter Rennfahrer, er hatte unter anderem an der Alpenfahrt und auch am Klausenrennen in der Schweiz teilgenommen und 1931 die Rallye Monte Carlo auf einem Invicta S gewonnen. Wenn er sich also mit der Konstruktion eines Automobils befasste, musste dieses sportlichen Ansprüchen genügen.

Einer der ersten Nachkriegssportwagen

Noch während der Kriegsjahre begannen Donald Healey zusammen mit Achilles Sampietro und Ben Howden über einen Sportwagen nachzudenken. Die ersten Pläne für den Wagen entstanden im Highland Hotel in Coventry. Nach Kriegsende nahmen die Entwicklungsarbeiten dann ernsthaftere Züge an. Ziel war es, einen echten Konkurrenten zum Vorkriegs-BMW 328 zu etablieren.

Bild Healey Silverstone (1950) - Blick auf den Motor
Healey Silverstone (1950) - Blick auf den Motor

Den Motor besorgten sich das Team bei Riley, wo ein fortschrittlicher 2,4-Liter-Vierzylinder mit hemisphärischen Zylinderköpfen und zwei seitlichen Nockenwellen zur Verfügung stand. Mit 100 PS erschien er kräftig genug für das Ansinnen zu sein.

Bild Healey Silverstone (1950) - Blick auf das Chassis der Normalausführung
Healey Silverstone (1950) - Blick auf das Chassis der Normalausführung

Das Chassis war ein Stahlblech-Kastenrahmen mit Querverstrebungen, da insgesamt leicht und trotzdem ziemlich stabil war. Vorne baute Sampietro Einzelradaufhängungen mit zwei Kurbellängslenkern und Schraubenfedern ein, die für ein grosses Hubvermögen sorgten. Hinten wurde eine Starrachse mit Schraubenfedern und Panhardstab montiert.

Donald Healey selber konstruierte die Lenkung und liess diese auch patentieren. Bereits 1946 waren die Arbeiten soweit fortgeschritten, dass der Wagen vorgestellt werden konnte.

Bild Der erste Healey-Sportwagen und dahinter von links nach rechts - Sammy Sampietro, Donald Healey und Ben Bowden
Der erste Healey-Sportwagen und dahinter von links nach rechts - Sammy Sampietro, Donald Healey und Ben Bowden

Den Healey 2,4-Litre gab es mit verschiedenen Karosserien von Estland und Elliot, die unter den Bezeichnungen Westland, Elliot, Duncan und Sportmobile vermarktet wurden. Später kamen Varianten von Tickford und Abbott dazu. Von Anfang an wurden die nicht gerade günstigen Autos auch bei Rennveranstaltungen eingesetzt, so siegte Graf Lurani mit Carlo Sandri in der Touring Klasse an der Mille Miglia von 1948.

Die Automobil Revue konnte mit einem mit Duncan-Sportkarosserie versehen Healey 2,4 Litre eine Probefahrt durchführen und notierte 1948:
“Tatsächlich sind Beschleunigungszahlen von etwa 11 Sekunden von 0 auf 100 km/h beim Durchschalten ohne weiteres zu erzielen, und auch im Direkten zieht der Wagen geradezu erschreckend. Da die kurzen Vorderkotflügel die Sicht auf Räder und Aufhängung freigeben, lässt sich der Wagen auf kurvenreichen Strassen sehr genau placieren. Obwohl der Motor fast unverändert der 2,5-Liter-Maschine des grösseren Riley-Typs entspricht, also nicht sehr hoch gezüchtet wurde, können die Hinterräder infolge des hohen Drehmomentes (und wohl auch wegen der Konzentration der Massen nach vorn) selbst noch im vierten Gang beim Beschleunigen zum Durchdrehen gebracht werden. Gerade in coupierten Gelände lassen sich mit dieser Variante des Healey in aller Sicherheit und ohne jede Ermüdung des Fahrers unglaublich hohe Durchschnitte herausfahren, wobei allerdings der Fahrkomfort, im Gegensatz zu den etwas ‘ausführlicheren’ Versionen der gleichen Marke, erst an zweiter Stelle .kommt. Infolge der hohen Übersetzung für einen nicht zu grossen Vierzylindermotor dreht die Maschine noch bei hohen Geschwindigkeiten im direkten Gang nicht allzu schnell (4700 Touren entsprechen annähernd 160 km/h) und kommt in den unteren Gängen auf ansehnliche Tempis. Eine verlockende sportliche Maschine, deren weiche, angenehme Federung von den harten Schlägen alter Sportwagen auffällig absticht.”

Es geht sportlicher

Donald Healey war aber mit den verschiedenen Sportwagen-Varianten, die sich auch nur schwer verkaufen liessen, nicht ganz zufrieden. Er strebte nach einem leichteren Rennsportwagen, der es mit den Schnellsten auf der Rundstrecke aufnehmen konnte.

Bild Healey Silverstone (1949) - der Werks-Demonstrator
Healey Silverstone (1949) - der Werks-Demonstrator

Das neue Modell, das in Anlehnung an die Rennstrecke “Silverstone” genannt wurde, basierte auf dem Healey 2,4-Litre, der Motor wurde aber 20 Zentimeter nach hinten versetzt, die Hinterradaufhängung modifiziert, der Benzintank vergrössert. Den Motor liess man unverändert.

Die Leichtmetall-Karosserie wurde auf den rennsportlichen Einsatz ausgelegt. Im Prinzip handelte es sich um eine elegantere Variante des Duncan Competition 2-Seaters. Der Aufbau war relativ eng geschnitten und sah Scheinwerfer hinter dem Kühlergitter vor. Die Kotflügel konnten demontiert werden, sowohl die Ausführung mit als auch jene ohne Kotflügel war im Rennsport zugelassen.

Bild Healey Silverstone (1950) - Abbildung aus einem Verkaufsprospekt
Healey Silverstone (1950) - Abbildung aus einem Verkaufsprospekt

965 kg brachte der Zweisitzer trocken auf die Waage, als Höchstgeschwindigkeit nannte der Hersteller 160 bis 175 km/h. Mit 4,36 Metern Länge und 160 cm Breite war der Wagen nicht gerade klein, mit einer Höhe von 109 cm aber sehr niedrig.

Hatte der Prototyp noch ein umklappbare Windschutzscheibe, wurde diese bei späteren Exemplaren halb versenkbar montiert, um im Rennbetrieb weniger Luftwiderstand zu bieten.

Bild Healey Silverstone (1950) - mit Riley-Motor
Healey Silverstone (1950) - mit Riley-Motor

Der neue Sportwagen wurde von der Presse begeistert aufgenommen, in Grossbritannien wurde er für £ 975 (plus  Steuern) in den Farben Grün, Rot und Blau (mit beigem Interieur) angeboten, in der Schweiz wurden dafür CHF 16’500 verlangt, was etwa das Doppelte des Kaufpreises für einen MG TD (CHF 7850) oder gleich teuer wie ein Alvis TA14 war.

Die Automobil Revue berichtete über den Silverstone anlässlich dessen Erscheinen am Genfer Automobilsalon von 1950:
“Der am Salon gezeigte 2-plätzige Roadster ist das einzige Modell, welches zur Zeit von dieser
nunmehr auf den Sportwagenbau spezialisierten Firma hergestellt wird. Der Silverstone ist ein
Sportwagen reinsten Wassers, dessen Konstruktion bewusst auf jegliches schmückende Beiwerk verzichtet. Alles ist auf hohe Dauerleistung, beste Fahreigenschaften und Sicherheit berechnet. Der Rahmen besteht aus leichten Kastenträgern, die durch grossdimensionierte Rohrtraversen verstärkt sind. Der Riley-Motor mit einer Bremsleistung von 105 PS ist etwas gegen die Fahrzeugmitte zurückverschoben. Die sorgfältig auf Gewichtseinsparung hin entworfene Karosserie weist bei aller spartanischen Einfachheit dennoch einige bemerkenswerte Details auf; so ist die Windschutzscheibe in der Motorhaube versenkbar; das waagrecht untergebrachte Reserverad dient gleichzeitig als Heckabschluss und hinterer Stossfänger, und die Scheinwerfer sind hinter dem Kühlergitter eingebaut, Ausgezeichnete Polsterung der beiden Einzelsitze, ein reich dotiertes Armaturenbrett und ein kurzer Schalthebel in der Mitte sind so die äusserlichen Merkmale, die sich der sportliche Fahrer wünscht und hier bis zum letzten verwirklicht sieht. Im Verhältnis zu seinen Leistungsmerkmalen muss der Silverstone als preiswertes Sportfahrzeug angesprochen werden.”

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Rover 3.5 Saloon P5 (1971)
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Sporterfolge und Weiterentwicklung

Das Modell Silverstone war ein sportlicher Volltreffer. Sofort stellten sich erste Rennerfolge ein. Donald Healey und Ian Appleyard siegten 1949 am Alpine-Rallye in ihrer Klasse und wurden Gesamtzweite. Beim Daily Express International Trophy Race in Silverstone (sic!) konnte der Team-Preis gewonnen werden, es fuhren Louis Chiron, Tommy Wisdom und Tony Rolt. 


Bild Healey Silverstone (1950) - Werbung aus dem Jahre 1950 - Louis Chiron
Healey Silverstone (1950) - Werbung aus dem Jahre 1950 - Louis Chiron

Louis Chiron war offensichtlich vom Auto angetan, denn er wurde in der Werbung mit folgenden Worten zitiert:
“Ich war überrascht von der hervorragenden Dauerleistung des Motors, der während einer vollen Stunde stärkster Beanspruchung ausgesetzt war; die Strassenhaltung und Abfederung haben mich begeistert, und die Bremsen haben sich als erstaunlich zuverlässig erwiesen. Ich gratuliere … zu diesem allen denkbaren Ansprüchen gewachsenen Wagen.”

Healey blieb nicht auf diesen Lorbeeren sitzen, sondern entwickelte den Sportwagen weiter. Eine verbesserte Version erschien im April 1950 und sie wies eine leicht modifiziert Karosserie bei praktisch unveränderter Technik auf. Es gab etwas mehr Platz für die Besatzung, eine teleskopisch ausgeführte Lenksäule, ein grösseres Lenkrad und eine Sitzbank anstelle der Kübelsitze. Auch die Windschutzscheibe war vergrössert werden, eine Stosstange vorne schützte den Bug, ein zusätzlicher Lufteinlass verbesserte die Kühlung des Motors.

Doch auch dies reichte nicht, um den Wagen zum kommerziellen Erfolg zu machen. 105 Healey Silverstone wurden von 1949 bis 1950 gebaut, dann war Schluss. Bei einem Exemplar war der Riley-Vierzylinder durch einen 5,5-Liter-Cadillac-V8 ersetzt worden.

Am Lenkrad des Silverstone der zweiten Serie

Dass man sich in einem inzwischen über 70-jährigen Wagen setzt, spürt man beim im Juni 1950 im Kanton Zürich erstmals immatrikulierten Silverstone der zweiten Serie sofort.

Bild Healey Silverstone (1950) - umfangreich bestücktes Armaturenbrett
Healey Silverstone (1950) - umfangreich bestücktes Armaturenbrett

Das Lenkrad hat man direkt vor der Brust, die Sitzposition ist relativ aufrecht, das ganze Cockpit ziemlich eng. Wenn man aber einmal Platz gefunden und die Pedale ertastet hat, dann fährt sich der luftige Sportwagen relativ einfach. Die Gänge lassen sich gut schalten, die Rundumsicht ist formidabel. Im Ohr hat man den wohlklingenden Riley-Motor, das Fahrwerk strapaziert den Rücken nicht über Gebühr.

Bild Healey Silverstone (1950) - mit 160 cm gar nicht so schmal
Healey Silverstone (1950) - mit 160 cm gar nicht so schmal

Mit diesem Wagen kann man wirklich problemlos zur Oldtimer-Veranstaltung fahren und dort dann für Furore sorgen. Selbst einem Start an der Mille Miglia stünde einem eigentlich nichts entgegen und man dürfte die 1000 Meilen gut hinter sich bringen können, wenn es nicht gerade aus allen Wolken regnet. Da gäbe es manch unbequemeres Autos …

Bild Healey Silverstone (1950) - man sitzt ziemlich draussen
Healey Silverstone (1950) - man sitzt ziemlich draussen

Der fotografierte Healey Silverstone von 1950 wird am 15. Oktober 2022 von der Oldtimer Galerie Toffen versteigert.

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Healey Silverstone (1950) - wurde in Rallyes, aber auch bei Strassenrennen eingesetzt
Healey Silverstone (1950) - 160 km/h dürften sich ziemlich abenteuerlich anfühlen
Healey Silverstone (1950) - "an aptly named new model for the sports car racing enthusiast", schrieb Autocar im Juli 1949
Healey Silverstone (1950) - mit 109 cm sehr falch
Healey Silverstone (1950) - gemäss Werk rund 160 km/h schnell
Healey Silverstone (1950) - für den Sportfahrer
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