Der mysteriöse andere Maserati Mexico von Pietro Frua

Erstellt am 27. August 2015
, Leselänge 3min
Text:
Bruno von Rotz und Stefan Dierkes
Fotos:
Bonhams 
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Maserati Archiv / Werk 
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Pietro Frua, Archiv Roberto Rigoli (Familie Frua), Turin (I) 
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Archiv 
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Im Oktober 1966 präsentierte Maserati das 2+2-plätzige Coupé Mexico in Paris. Technisch basierte es auf dem um 11 cm gekürzten Quattroporte-Chassis, als Motor wurden eine 4,7- und eine 4,2-Liter-Variante des bewährten Achtzylinders angeboten. Die Karosserien des Mexico wurden bei Vignale gebaut, insgesamt rund 485 Exemplare verliessen die Fertigung zwischen 1966 und 1972. Sie trugen allesamt die Karosserieform, die weitgehend dem von Virginio Vairo für die Carrozzeria Vignale entworfenen Prototyp entsprach, der 1965 auf dem Turiner Salon gezeigt worden war.


Maserati Mexico (1971) - gefälliges Serien-Coupé (Vignale)
Archiv Automobil Revue

Baukasten-Technik

Der Maserati Mexico nutzte wie Quattroporte vordere Trapez-Dreieckslenker mit Schraubenfedern und eine hintere Starrachse mit Blattfedern zur Radführung. Gebremst wurde rundum mit Scheiben. Der Motor war ein V8 mit 90-Grad-Winkel, dessen 16 Ventile über insgesamt vier Nockenwellen gesteuert wurden. Mit 4,7 Litern Hubraum leistete das Aggregat rund 290 PS und beschleunigte das etwa 1650 kg schwere viersitzige Coupé auf bis 255 km/h (gemäss AR-Katalog).

Die Technik des Mexicos war dann wiederum die Basis für den legendären Maserati Ghibli.

Die drei Alternativen von Pietro Frua

Der rührige Karosseriebauer und Designer Pietro Frua, der für Maserati unter anderem den Quattroporte und den Mistral, aber auch attraktive 5000-GT-Coupés karossierte, baute drei individuelle Mexico-Varianten. Da war einmal der sogenannte Frua-Prototyp des Mexico aus dem Jahr 1967 mit der Chassisnummer AM 112.001, der aber erst nach der Präsentation des Serienmodells fertig wurde und sich von diesem durch die ungewöhnliche Scheinwerfergestaltung unterscheidet.

1969 entstand eine optisch an den Maserati Mistral angelehnte Mexico-Variante mit der Chassisnummer AM 112.F.588, die mit einem 4,2-Liter-Motor ausgerüstet worden war.


Maserati Mexico 4700 Frua (1968) - attraktiv geformtes Einzelstück
Copyright / Fotograf: Maserati Archiv / Werk

1968 aber entstand ein Einzelstück mit 4,7-Liter-V8, das optisch vermutlich zu den attraktivsten Entwürfen Fruas überhaupt gehört. Stilistisch bot es Elemente des Quattroporte, aber auch des 5000 GT, den Frua für Aga Khan gebaut hatte. Insgesamt wirkte das Ergebnis, das in Himmelbalu (“Blu Celeste”) gespritzt und mit einem roten Lederinterieur ausgestattet wurde, sehr harmonisch und in seiner Gesamtheit eleganter als der Serien-Mexico.

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Mysteriöse Geburt

Gesichert ist, dass dieser Maserati Mexico mit Chassisnummer AM 112/1.003 in Eile entstand, denn er sollte den Frua-Stand auf dem Genfer Autosalon zieren. Im März 1968 wurde der Wagen fertiggestellt, aber die Mechanik war zu diesem Zeitpunkt unvollständig, der Motor lief nicht. Dies wäre für eine Präsentation in Genf kein Problem gewesen, trotzdem wurde der Wagen wohl damals in Genf gar nicht gezeigt, auch wenn einige Quellen das Gegenteil behaupten. Jedenfalls existiert kein Foto, das den besonderen Mexico auf dem Frua-Stand zeigen würde und auch die Automobil Reviue nennt ihn nicht in ihrem akribischen Salonbericht..

Fast von der Bildfläche verschwunden

Nach der Übernahme von Maserati durch Citroën im Jahr 1968 liefert Frua den Wagen erst im Dezember 1969 an Maserati aus. Das Werk verkauft den Wagen an den spanischen Importeur Auto-Paris in Barcelona. Der Lieferschein vom 27. März 1970 nennt die unveränderte Farbe Celeste mit roter Conolly-Lederaustattung, Klimaanlage, Radio und Elektron-Räder.


Maserati Mexico Frua (1968) - wie er ursprünglich gebaut wurde
Copyright / Fotograf: Pietro Frua, Archiv Roberto Rigoli (Familie Frua), Turin (I)

Kurz danach wurde der Wagen an einen Spanier verkauft, vier Jahre später aber wieder für einen Quattroporte II eingetauscht. Nach weiteren Bestzerwechseln erhielt der Wagen schließlich die vorderen Blinker und Rückleuchten des Quattroporte I und wurde Silber lackiert. So gelangte er schließlich 1980 zu dem deutschstämmigen Sammler Hans Heinrich Kuss  in Barcelona, der ihn später mit seiner dritten Farbe Metallicgrau versah.


Maserati Mexico Frua (1968) - grosse Fensterflächen
Copyright / Fotograf: Bonhams

Nachdem der Wagen die größte Zeit seines Autolebens in Spanien verbracht hatte, erwarb ihn schließlich 2013 der belgische Sammler Nicolas Hollanders de Ouderaen und liess ihn komplett restaurieren. Dabei erhielt der Frua-Mexico die neue Farbe Hellgrünmetallic.

Wertvoller Showstar

Nach der Restaurierung wurde der Wagen an einigen Concours-Veranstaltungen gezeigt und er gewann unter anderem den “Best of Show” am 100-Jahre-Maserati-Anlass. Weitere Stationen waren der Salon Privé in London und der Chantilly Concours im Jahr 2014.


Maserati Mexico Frua (1968) - 2+2-Sitzer
Copyright / Fotograf: Bonhams

Nun soll das elegante Coupé wiederum einen neuen Besitzer finden, Bonhams bringt das Einzelstück am 5. September 2015 bei der Chantilly-Versteigerung unter den Hammer und nennt einen Schätzpreis von Euro 550’000 bis 750’000 (CHF 590’000 bis 810’000) angesichts, was angesichts der Seltenheit nicht unrealistisch erscheint.

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