Chevrolet Corvette C3 1969 - donnernde Frühlingsgefühle

Erstellt am 2. Mai 2014
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Balz Schreier 
27
Bruno von Rotz 
20
General Motors 
1
Tino Rossini 
1
Archiv 
50

Der erfolgreichste amerikanische Sportwagen litt in unseren Breitengraden lange unter einem Zuhälter- und Aufschneider-Image und vor allem die extravertiert gestaltete dritte Auflage trug einen wesentlichen Teil dazu bei, denn sie war laut, auffällig und unvernünftig bis zum Abwinken. Rund 45 Jahre nach ihrem Erscheinen aber sind aus den Vorbehalten Sympathien geworden.


Chevrolet Corvette C3 (1969) - die "Coke Bottle"-Form ist hier schön zu erkennen
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Auffällig unterwegs

Mit einer Corvette C3 wird man kaum übersehen, vor allem nicht, wenn sie gelb und eines der frühen noch mit Chromelementen garnierten Exemplaren ist. Das liegt nicht zuletzt an ihrer deftigen Aussprache. Unauffällig abfahren ist unmöglich, der V8-Bariton ist immer präsent. Aber auch das Styling mit der langen Motorhaube, dem hohen Heck und den Kiemen auf der Seite, die keine Verzierung sind, sondern zum Abführen der heissen Luft aus dem Motorraum dienen, lässt die Köpfe der Passanten drehen.


Chevrolet Corvette C3 (1969) - die Klappscheinwerfer übernahm die C3 von ihrer Vorgängerin C2, nun aber waren sie vakuum-betrieben
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Doch es sind meist freundliche Kommentare, die man erntet, denn diese urtümlich brachiale Ausstrahlung wirkt heute nostalgisch und nicht mehr bedrohlich in einer Zeit, da selbst ein automatik-geschalteter Diesel bessere Viertelmeilenzeiten erreichen dürfte, als eine 350 HP Corvette.

Die Sache mit den Pferdestärken

350 HP, also Pferdestärken, tönt nach viel, aber damals gaben die Amerikaner ihre Motorenleistungen noch “brutto brutto” an. Die 355 SAE-PS können so stark nicht gewesen sein, sonst hätte sich der Testwagen, den Road & Track Ende 1967 mass, wohl nicht 7.7 Sekunden für den Spurt von 0 auf 60 Meilen pro Stunde genommen und es bei einer Höchstgeschwindigkeit von 206 km/h bewenden lassen.


Chevrolet Corvette C3 (1969) - Blick auf den 5,4 Liter grossen V8-Motor
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Allerdings gehörte die C3 nicht zu den windschlüpfigsten Designs und auch das Gewicht der Road & Track C3 lag mit 1599 kg nicht gerade auf der leichten Seite.

Aber die Prioritäten der Designer hatten sowieso woanders gelegen. Und für Leute mit Viertelmeilen-Ambitionen gab es zudem die 427 mit über 400 PS.

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Präsentation im Jahr 1967

Im Spätsommer 1967 wurde die komplett neu gestylte Corvette C3 präsentiert. Allerdings war die Form dann doch nicht so neu, denn bereits im April 1965 war an der New Yorker Motorshow nämlich eine zukunftsweisende Studie gezeigt worden, die Mako Shark II hiess. Der Prototyp nahm die Silhouette der C3 vorweg und auch die Form der kräftig ausgebildeten Kotflügel. Weil die Karosserie über den Räder füllig und dazwischen schlank ist, erinnert sie ein wenig an eine Coca-Cola-Flasche.


Chevrolet Corvette Mako Shark II (1965) - zeitlose und moderne Formgebung
Archiv Automobil Revue

Natürlich musste sich die Mako-Designer Larry Shinoda dann noch einige Änderungen gefallen lassen, bis die Serienversion C3, gestaltet durch das Chevrolet-Styling-Team unter David Holls, stand, aber die Grundsätze der Formgebung wurden nicht verändert. Im Vergleich zum Vorgängermodell waren die Unterschiede dafür umso deutlicher.


Chevrolet Corvette Sting Ray (1966) - wunderschönes Sport Coupé der Serie C2
Archiv Automobil Revue

Im vorderen Überhang zeigte sich die C3 länger (insgesamt 4,625 Meter), insgesamt minimal schmäler, aber immer noch rund 1,76 Meter breit, und flacher (1,22 Meter hoch) als ihre Vorgängerin C2.


Chevrolet Corvette (1968) - elegante und sportliche Statur
Archiv Automobil Revue

Mit dem Wachstum wurde die Neue auch ein bisschen schwerer, denn das Werk nennt 1967 1456 kg für das Coupé und 1461 für das Cabrio, während die C2 etwa 30 kg weniger auf die Waage brachte.

Technisch blieb aber fast alles beim alten, nur Detailmodifikationen , die den Komfort steigern oder das Fahrverhalten steigern sollten, waren nötig. Auch die Motoren blieben praktisch unverändert, als Automatik gab es nun eine Dreistufen-Hydramatic.

Im Innern passte man die Corvette der Zeit an und vergass auch nicht, einige interessante Finessen einzubauen.

Finessen und Spezialitäten

Man hatte sich bei Chevrolet einige Neuerungen ausgedacht, die die Corvette in Richtung “Flash Gordon” entwickelten. So wurden nicht getragene Gurten genauso die Kontrollleuchten gemeldet wie offene Türen. Ganz speziell waren auch die glasfaser-angesteuerten Kontroll-Lichtlein, die über die Funktionsweise der Lampen und Blinker Auskunft gaben.


Chevrolet Corvette C3 (1969) - sogar die technischen Daten sind im Innern aufgeführt
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Dass auch noch die Scheibenwischer in Ruheposition durch ein vakuum-betriebenes Schutzblech zugedeckt wurden, erstaunt ab so vielen “Gadgets” dann schon nicht mehr.

Verbesserungen und gesetzlich bedingte Anpassungen

In den folgenden Jahren wurde die Corvette stetig “à jour” gehalten. Für das Modelljahr 1969 wurden zum Beispiel die Türgriffe neu gestaltet, die Heckleuchten anders gezeichnet, neue Sitze und eine auf Wunsch teleskopisch verstellbare Lenksäule eingebaut. Bemerkenswerte war aber sicher die Verstärkung des Kastenrahmenchassis und die Verbesserung der Geräuschisolation. Der Standardhubraum stieg ohne Leistungsveränderung (300/350 HP) von 5,4 auf 5,7 Liter, weiterhin waren auch die Siebenliter-V8 mit 390/400/435 HP erhältlich.


Chevrolet Corvette (1972) - der letzte Jahrgang mit Chromstossstangen vorne
Archiv Automobil Revue

1970 wurden wiederum neue Sitze mit Kopfstützen und Dreipunktgurten verfügbar und das Motorenprogramm vernahm kleine Anpassungen, für das Jahr 1972 schliesslich wurden einige Motoren eingestellt und die Leistung nun hierzulande in DIN kommuniziert, was 200/255 DIN-PS für den 5,7-Liter, 270 DIN-PS für den 7,4-Liter bedeutete.


Chevrolet Corvette (1974) - ohne Chromschmuck, dafür mit anderen Zutaten
Archiv Automobil Revue

Im Spätsommer 1972 aber wurde eine komplett modellgepflegte Corvette mit längerer, tiefergezogener Frontpartie und integrierter Stosstange präsentiert, Zur Erhöhung der Sicherheit wurden in den Türen Seitenplanken als Kollisionsschutz eingebaut. Die Geräuschisolation und die Karosserieaufhängung waren weiter verbessert worden. Die Motoren aber hatten spürbar an Leistung verloren, 190 respektive 245 DIN-PS leistete die 5,7-Liter-Version, der 7,4-Liter brachte es neuerdings auf 275 DIN-PS, Tribut an die Abgasvorschriften der USA. Die Marketingabteilung positionierte die erneuerte Corvette nun als Tourensportwagen, die Zeiten der “Muscle Cars” war vorbei.


Chevrolet Corvette (1974) - die Heckpartie hat weiterhin vier grosse Leuchten
Archiv Automobil Revue

1974 verschwand dann auch hinten die Chromstossstange, 1975 nahm die elektronische Einspritzung Einzug in den Kunststoffsportwagen und auch die ersten Katalysatoren wurden verfügbar. Die Motorenpalette wurde zunehmend ausgedünnt, die Leistung sank teilweise auf deutlich unter 200 PS.

Mit diversen Retouchen hielt man die C3 unglaubliche 15 Jahre am Leben. Dann folgte 1983 die Ablösung durch das Modell C4, das kürzer, aerodynamischer und flacher daherkam. Ob es auch schöner war, diese Beurteilung überlassen wir dem Leser.


Chevrolet Corvette (1986) - deutlich geglättete Linien beim C3-Nachfolger C4
Archiv Automobil Revue

Bis und mit C3 waren von General Motors 730’000 Corvette verkauft worden, davon 542’741 C3s, also den grössten Teil. 1979 gilt als bestes Jahr mit 53’807 verkauften Exemplaren.

Mit der letzten C3 ging auch das Achtspur-Tonbandgerät unter, dem wohl weniger nachgetrauert wurde als der rund 15 Jahre gebauten C3. Der Preis vervierfachte sich in den 15 Jahren Bauzeit von USD 4’663 auf USD 18’290.

Kein Rennwagen

Die Corvette C3 ist kein Rennwagen, sie fordert einem auch nicht zum Rasen auf. Sie hat auch keine unangenehmen Manieren und Besonderheiten, die einen davon abhalten würden, den Wagen auch einmal auszuleihen. Dieser Wagen wurde auf eine problemlose Verwendung im Alltag ausgerichtet. Er startet problemlos, die Kupplung geht leichtgängig, die Gänge rasten exakt ein. Als Fahrer freut man sich an der jederzeit spürbaren Kraft und an der muskelbepackten Tonspur. Die Lenkung geht genügend leichtgängig, die Übersicht im offenen Cabriolet lässt kaum Wünsche übrig, nur die Front ist halt gar etwas weit weg, zumal man ziemlich tief sitzt.


Chevrolet Corvette C3 (1969) - Kopfstützen gab es ab Baujahr 1969
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Obschon gerade die C3 auch auf Rennstrecken erfolgreich war, setzt man sie heute lieber im Cruising-Modus ein, lässt Landschaften vorbeiziehen und im Frühling blühende Wiesen und Bäume.

Man geniesst die anerkennenden Blicke der Passanten, das einstige Rotlicht-Image des Wagens scheint vergessen zu sein. Heute fahren Zuhälter ja auch eher Nobles aus Deutschland, England oder Italien und keine amerikanischen Kunststoffsportwagen mehr.

So hat der Schlusssatz von Road & Track in der Januar-Ausgabe 1968 wohl auch heute noch seine Berechtigung: “Die Corvette 327 ist ein komfortables, schnelles, sicheres und zuverlässiges Automobil. Für diejenigen, die ihren Wagen gross, grell und voller blinkender Lichter sowie Geheimtüren haben wollen, ist die Corvette das Richtige. Wer als Connaisseur Finessen, Effizienz und modernste Aufhängungstechnik vorzieht, wird sich unglücklicherweise eher nach Europa orientieren müssen.”


Chevrolet Corvette C3 (1969) - der 5,4-Liter-Motor mit 350 HP verleiht mächtig Vortrieb
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Aber während die Preise dieser europäischen Spitzenprodukte schon damals und noch viel mehr heute für viele unerschwinglich waren und sind, sorgen die grossen Stückzahlen, die günstigen und gut erhältlichen Ersatzteile und die entspannten Qualitäten der Corvette
für ein volkstümliches Vergnügen, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Wir danken dem Surber US-Car-Center für die Gelegenheit, die wunderschön gelbe Chevrolet Corvette C3 350 HP aus dem Jahr 1969 für diesen Bericht portraitieren zu dürfen.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von co******
28.12.2017 (17:40)
Antworten
Ich kann mich über die Unterschätzung der frühen C3 Chrommodelle nur wundern. Mit einer restaurierten Lenkung, optimal eingestellter Fahrwerksgeometrie, härteren Federn und leicht getuntem Motor lassen sich durchaus respektable und konkurrenzfähige Fahrleistungen auf Sportwagen Niveau abrufen. Einige Porsche die mich bei einer schönen Ausfahrt auf der Landstraße ärgern wollten haben es ungläubig realisieren müssen.
von MIKE DREHER
31.05.2017 (23:19)
Antworten
Ja, das Zuhälter-Image hatte der Corvette lange. Es legte sich Ende der 70er frühen 80ern, als die Pimps MB 500 SEC mit goldenen Rädern fuhren. 1985 brachten die Neufeld Brothers ein rotes C3 Cabrio 1975 mit Automat an unseren Oldtimer-Lunch mit, 39,000 km, mint condition. Man war sich einig: Wenn man einen Corvette möchte, müsste man den jetzt kaufen. Und das ist jetzt 32 Jahre her!
Das Problem mit der langen (Knudsen-?) Nase, die immer wieder eingedrückt wurde, weil die beiden schwarzen Puffer links und rechts zu kurz sind, wurde auf Anraten eines Freundes letztes Jahr endlich geniaal gelöst: in die beiden nutzlosen Puffer wurden Parksensoren eingebaut. Jetzt piepts mit Intervall und dann dauernd von 20 cm bis vor null. Fuxen, die bei mir arbeiten, erhalten mitunter als fringe benefit diesen Corvette für ein Wochenende. Grössere Freude kann man nicht bereiten. Aber: schon 50 km sind für die reifere Jugend eine Tortur, vor allem wegen des Lärms. Ich erklärte kürzlich einem Studenten (23): "Der Grenznutzen von null Auto zu Deinem Suzuki Swift (170 TKM, Jg. 2001, CHF 1,490 ab MFK)) ist fast unendlich gross. Der Zusatznutzen vom Suzuki zu diesem Corvette ist minimaal." Freude herrscht!
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