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Austin A40 Farina – Rallye-Erfolg zum Serienstart

Erstellt am 14. Mai 2021
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bonhams 
22
Courtesy Bonhams 
6
Archiv 
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Zum Einstand gelang dem neuen Austin A40 Farina 1959 ein besonderer Erfolg, ein Frauenteam belegte den 10. Gesamtrang der Ralye Monte Carlo und gewann den Damenpreis, mit einem Auto, das gerade einmal 948 cm3 und um die 35 PS aufwies. Aber dies alleine ist nicht der Grund, warum der Wagen eine besondere Rolle in der Markengeschichte von Austin einnimmt.

Vorstellung Ende 1958

Dem grossen Publikum gezeigt wurde der erneuerte Austin A40 an der Earls Court Motorshow Ende Oktober 1958. Bereits einige Wochen zuvor war die Presse informiert worden.

Austin A40 (1961) - kurz gebaut und praktisch
Archiv Automobil Revue

Im Earls-Court-Bericht schrieb die Automobil Revue:
“Wie eine Bombe hat die Linie des A 40 eingeschlagen. Schon als dieser Wagen herauskam, waren sich die Fachleute über den Wert der neuen Schöpfung einig. Ungewiss war dagegen, wie das kaufende Publikum und vor allem das Publikum in England selber diese Kreation aufnehmen würde. Inzwischen hat es sich aber gezeigt, dass eine wahre Flut von Bestellungen einläuft. Ganze 15’000 Wagen stehen auf der Warteliste. Bereits sieht man den A 40 auch im Londoner Verkehr auftauchen, aber da die Produktion noch weiter angekurbelt werden muss, sind sie noch selten. Die eher kantige Form findet offensichtlich ungeteilte Sympathie; wie aus zahlreichen Befragungen hervorgeht, können sich viele Leute nicht so ohne weiteres mit dem Station-Wagon-ähnlichen Aussehen befreunden. Die Vernunft spricht dafür, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und liebt eben das Althergebrachte. Wie oft hat man es doch bei Autos schon erlebt, dass man sich an eine Form erst gewöhnen muss, bevor man sie als schön empfindet. Offensichtlich ist aber der A 40 auf dem besten Weg, einer neuen Karosserielinie den Weg zu ebnen. Das Schlagwort heisst: Geräumigkeit. Warum — so fragen sich jetzt viele — sollen sie sich auf engem Raum zusammenkuschen, wo sie doch ebensogut einen Wagen mit reichlich bemessenem Innenraum haben können?”

Moderne Schale …

Tatsächlich wies der Austin A 40 Farina eine komplett andere Karosserieform auf als sein rundlicher Vorgänger. Battista Farina und sein Sohn Sergio hatten dem Kleinwagen ein kantiges Kleid gegeben, das mit grossen Fensterflächen punkten konnte und den Passagieren relativ viel Raum verschaffte  und dies trotz der geringen Grundfläche von 366 x 151 cm. Die Presse sprach von einem “Grossraum-Kleinwagen”, was angesichts des zierlichen Radstands von nur 216 cm erstaunen musste.

Austin A40 (1958) - Ansicht von hinten
Archiv Automobil Revue

“Der Platzgewinn ist dadurch entstanden, dass der verlorene Luftraum über dem sonst üblichen Heckkoffer in den Karosserieinnenraum einbezogen wurde”, notierte die Automobil Revue. Dazu kam, dass die Türen relativ lange waren und einen Öffnungswinkel von 90 Grad aufwiesen, somit wurde ein relativ komfortabler Zugang zu den Sitzplätzen garantiert. Im Kofferraum blieben immerhin 330 Liter Stauraum übrig und durch Umklappen der hinteren Sitzbank konnte der Gepäckraum noch substantiell vergrössert werden.

Viel Glas machte den Innenraum luftig und auch die Sicherheit kam dank gepolstertem Armaturenbrett und weicher Dachverkleidung nicht zu kurz.
Gegenüber dem Vorgänger A 35 war der A 40 übrigens 20 cm länger und 11 cm breiter, gleichzeitig um 6 cm niedriger geraten.

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… und bewährte Technik

Während also die selbstragende Karosserie komplett neu war, wurde fast die gesamte Technik vom Vorgängermodell übernommen. Damit war der A 40 Farina weiterhin heckgetrieben und wies einen längs eingebauten Vierzylindermotor mit hängenden Ventilen und seitlicher Nockenwelle auf.  39 SAE-PS bei 5000 U/min wurden als Leistung und als Grund für die Bezeichnung A 40 angegeben.

Austin A40 (1961) - konventionelle Technik
Archiv Automobil Revue

Von den vier Vorwärtsgängen waren die oberen drei synchronisiert. Die Vorderräder waren an Dreieckslenkern einzeln aufgehängt, während hinten eine Starrachse mit Halbelliptikfedern für die Radführung sorgte. Immerhin war die Gesamtfläche der vier Trommelbremsen um 25 Prozent gewachsen.

Viele Vorzüge

Mochte die Form nicht alle überzeugen, so gab es an der Praxistauglichkeit kaum etwas auszusetzen. Sportlich war der kleine Austin zwar nicht, immerhin 40,9 Sekunden vergingen, bis der Wagen aus dem Stand Tempo 100 km/h erreicht hatte und mehr als 113 km/h lagen auf der nächsten Geraden kaum drin.

Dafür war der trocken 725 kg schwere Wagen relativ sparsam. Je nach Fahrweise reichten 6 bis 8,5 Liter Benzin pro 100 km.
Auch das Fahrverhalten konnte im über 2500 km führenden Langstreckentest der Automobil Revue anfangs 1959 überzeugen. Dazu trugen die leichtgängige und weitgehend stossfreie Lenkung genauso bei wie die vertrauensbildende Fahrdynamik mit Tendenz zum Untersteuern.
Kein Wunder, las sich das Testfazit für den CHF 7670 teuren Briten positiv:
“Austin ist mit dem A40 ein guter Wurf gelungen, der seinen Weg machen wird, auch wenn er, wie jedes neue Modell, noch in einigen Kleinigkeiten verbesserungsfähig ist. Er ist ein repräsentativer Kleinwagen, in dem sich jedermann sehen lassen darf und der nicht nur im Aussehen, sondern auch in punkto Leistung und Nutzraum die Grenzen seiner Klasse sprengt.”

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Erfolg an der Rallye Monte Carlo 1959

Praktisch und alltagstauglich war der kleine Austin mit Pinin-Farina-Optik also, aber der kompakte Wagen erwies sich auch auf völlig unerwartetem Terrain erfolgreich. Pat Moss trat zusammen mit Beifahrerin Ann Wisdom im A 40 zur Rallye Monte Carlo im Februar 1959 an. In einem Jahr, in dem die Franzosen bei der berühmten Rallye fast nach Belieben dominierten, rettete der Austin A 40 Farina die britische Ehre. Die Automobil Revue dokumentierte den kleinen Triumph:
“… schliesslich kamen die Engländer auch im Wettbewerb um den Damencup zum Zuge, indem die mit überschwänglicher Publizität angekündigte Mannschaft der beiden Europameisterinnen Pat Moss und Ann Wisdom den neuen von Farina entworfenen Austin A 40 bei seinem ersten sportlichen Einsatz gleich zum Erfolg brachten. Die beiden fröhlichen Fahrerinnen äusserten sich begeistert über Fahreigenschaften dieses Ein-Liter-Wagens, der als serienmässiges Fahrzeug antrat, aber von der Fabrik vorbereitet worden war. Ja, das gibt es eben, im Automobilsport …"

Austin A40 Farina (1958) - Patt Moss und Anne Wisdom bei der Preisübergabe an der Monte Carlo Rallye 1959
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Die beiden Damen kamen übrigens auf den 10. Gesamtplatz und liessen dabei diverse deutlich PS-stärkere Autos hinter sich. Und es blieb nicht bei diesem einen Erfolg, beinahe hätten die schnellen Ladies auch noch bei der Rallye des Alpes brilliert. Und der Meister der britischen Tourenwagenmeisterschaft 1960, George Shepherd, steuerte auch einen Austin A 40 Farina.

Praktische Ergänzung

Ein Jahr nach der Vorstellung erschien auf den Earls Court Autosalon in London im Oktober 1959 die Kombivariante des Austin A 40 mit einer zweiteiligen Heckklappe. Während die Heckscheibe nach oben klappte, ging der andere Teil nach unten auf.

Austin A40 (1959) - als Countryman mit praktischer Heckklappe
Archiv Automobil Revue

Der Mehrpreis betrug im Heimmarkt gerade einmal zehn britische Pfund und der zusätzliche Nutzwert des “Countryman” dürfte manchen Käufer schnell überzeugt haben.

Verlängerung zum Mark II

Im Oktober 1961 erschien dann die zweite Auflage, die 10 cm mehr Radstand aufwies und einen stärkeren Einlitermotor mit nun 40 SAE-PS unter der Haube hatte. Ein grösserer Tank, verfeinerte Aufhängungen und kleinere Änderungen im Cockpit machten den A40 frisch für die zweite Runde.

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Gebaut bis 1967

Ein Jahr später wuchs der Hubraum des Motors auf 1098 cm3 und die Leistung konnte damit auf rund 48 PS gesteigert werden. So wurde der Wagen bis 1967 produziert.

Ingesamt 342’162 A40 Farina wurden in neun Jahren gebaut, von der ersten Serie liessen sich 169’612 Exemplare absetzen, von der zweiten 172’550 (gemäss Wikipedia).

Geschichtsträchtig

Der Wagen, der Pat Moss und Ann Wisdom 1959 in Monaco die Damentrophäe eintrug, wurde als Chassis AA2S62642 bereits 1958 gebaut und mit dem Kennzechen “XOE 778” für die Strasse zugelassen. Nach seiner aktiven Zeit landete der besondere Austin irgendwann auf einem Hinterhof, wurde dort aber Ende der Siebzigerjahre entdeckt und schliesslich restauriert.

Austin A40 Farina (1958) - so wurde der Wagen um 1977 wiedergefunden
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Seine Wiederauferstehung war 1980 auch die Hauptgeschichte in der ersten Ausgabe der britischen Oldtimerzeitschrift “Practical Classics”. In der Folge wurde der Wagen an diversen historischen Rallye-Veranstaltungen eingesetzt und hat in der damaligen Form mit einigen der frühen Rallye-Aufklebern bis heute überlebt.

Austin A40 Farina (1958) - zweifarbig
Copyright / Fotograf: Bonhams

2016 wurde “XOE 778” wieder für die Nutzung auf öffentlichen Strassen vorbereitet und soll sich heute in einsatzfähigem Zustand präsentieren.

Austin A40 Farina (1958) - Blick ins Cockpit
Copyright / Fotograf: Bonhams

Bonhams versteigert diesen historisch interessanten Austin A40 Farina am 22. Mai 2021 im Rahmen der MPH-Auktion , als Schätzwert sind £ 40’000 bis 50’000 angegeben, ein Concours-Auto darf man dafür allerdings nicht erwarten, Spuren eines langen Rennwagenlebens allerdings schon.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von jo****
18.05.2021 (14:24)
Antworten
heute fahren solche "frisierten" A40 am Goodwood Revival neben u.a. stärkeren Ford Fairlanes, ein Genuss!
von ae******
18.05.2021 (12:40)
Antworten
Pat Moss wurde dann die Ehefrau von Eric Carlson, dem unerschrockenen Saab Helden. Zusammen wären sie, hätte es einen Mixed Wettbewerb im Rallye Sport gegeben, unschlagbar gewesen.
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