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Alfa Romeo 6C Figoni Coupé 1933 – einmaliger Sportwagen der Stromlinien-Ära wieder auf der Strasse

Erstellt am 17. August 2012
, Leselänge 4min
Text:
Stefan Fritschi
Fotos:
Bruno von Rotz 
23
Archiv 
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 Alfa Romeo 6C 1750 GS 6th Series Coupé Figoni (1933) - am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2012 - Kategorie 'C - The Art of Streamlining'
 Alfa Romeo 6C 1750 GS 6th Series Coupé Figoni (1933) - am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2012 - Kategorie 'C - The Art of Streamlining'
 Alfa Romeo 6C 1750 GS 6th Series Coupé Figoni (1933) - am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2012 - Kategorie 'C - The Art of Streamlining'
 Alfa Romeo 6C 1750 GS 6th Series Coupé Figoni (1933) - am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2012 - Kategorie 'C - The Art of Streamlining'
 Alfa Romeo 6C 1750 GS 6th Series Coupé Figoni (1933) - am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2012 - Kategorie 'C - The Art of Streamlining'
 Alfa Romeo 6C 1750 GS 6th Series Coupé Figoni (1933) - am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2012 - Kategorie 'C - The Art of Streamlining'
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Am Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2012 nahm in der Kategorie C „The Art of Streamlining“ auch der Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport Figoni Coupé 1933 mit Fahrgestell-Nummer 121215054 teil. Der Wagen wurde vor kurzem wieder in seinen Ur-Zustand versetzt, nachdem er lange Jahre eine Rennwagen-Karosserie trug, respektive die (verbastelte) Originalkarosse in falscher Farbe. Und der Besitzer, der ihn als Schuljunge hatte fahren sehen, will ihn nicht ins Museum stellen, sondern ihn auf der Strasse nutzen.

Enzo Ferrari holte Talent Vittorio Jano zu Alfa Romeo

Lange Zeit stand der Alfa Romeo 6C im Schatten seines grossen Bruders 8C. Dabei hat auch die Version mit dem kleineren Motor sehr vielen Karossiers als Basis gedient. 1929 wurde der 6C 1750 als Nachfolger des 6C 1500 eingeführt und entwickelte sich sehr schnell vom relativ schlicht gestrickten Strassenfahrzeug zum ernst zu nehmenden Rennwagen. Dahinter stand der Alfa-Romeo-Rennfahrer und Vize-Rennleiter Enzo Ferrari, der den begabten Konstrukteur Vittorio Jano von Fiat zu Alfa holte.

Reihen-Sechszylinder, Supercharger, zwei obenliegende Nockenwellen

Schon der 1500 mit seinem vorne längs eingebauten Reihen-Sechszylinder mit obenliegender Nockenwelle fuhr viele Erfolge ein, darunter der Sieg bei der Mille Miglia 1928. Der 1929 am Autosalon von Rom vorgestellte 1750 unterschied sich praktisch ausschliesslich durch den grösseren Hubraum vom kleineren Bruder.

Die ursprüngliche Idee hinter der Vergrösserung war, den Carozzerias die Möglichkeit zu geben, schwerere und grössere Aufbauten für die luxusverwöhnten Kunden zu realisieren. Die zuerst angebotene Chassis-Version Touring hatte deshalb einen Radstand von 3,10 Metern. Doch schon kurze Zeit später lancierte Alfa Romeo den verkürzten 6C 1750 Sport. Die neue Version beinhaltete auch einen überarbeiteten Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen - eine überaus wichtige Neuerung.

Dies war der Beginn einer Reihe von erfolgreichen Grand Prix- und Sportwagen-Fahrgestellen, das stärkste davon der 95 Brutto-PS starke Super Sport mit Kompressor. Sport und Super Sport wurden nach zwei Jahren durch den Gran Tourismo mit Saugmotor und den Gran Sport mit Kompressor und 2,70 Meter Radstand abgelöst.

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Eines der letzten 6C-Chassis ging zu Figoni nach Paris

Als eines der letzten der sechsten Serie bekam 1933 Joseph Figoni (ab 1935 Figoni & Falaschi) ein solches Gran Sport-Chassis in seine Werkstatt in Boulogne-sur-Seine bei Paris geliefert. Aufgrund des „Geburtsorts“ des Karosserieaufbaus steht auf dem Kühlergrill-Logo  denn auch „Alfa-Romeo Paris“. Nebst Figoni karossierten den 6C unter anderem auch Farina, Castagna oder Zagato. Letzterer wurde vorwiegend bei Rennfahrzeugen aufgrund des Leichtbaus seiner Schöpfungen berücksichtigt, während Figoni hauptsächlich durch seine eleganten, eher ausladenden Cabriolets und Coupés bekannt war.

Das hier gezeigte Fahrzeug ist denn auch ein damals sehr typisches Design in Tropfenform, welches Schnelligkeit und eine gute Aerodynamik suggerieren sollte und wie es schon von einem anderen berühmten Franzosen bekannt war: Bugatti. Die starke, runde Grafik auf der Seitenflanke erinnert denn auch stark an ein Produkt aus Molsheim.

1933 präsentierte Figoni sein 6C-Coupé in schwarz-weisser Zweifarblackierung am Pariser Salon auf dem Alfa-Stand und gewann später einige Preise an Schönheitswettbewerben, so 1934 in Nizza und Monte Carlo.

Schon kurz nach Fertigstellung zum Rennwagen umgebaut

Doch der französische Käufer des Ausstellungsstücks hatte ganz andere Pläne. Er liess schon kurz nach dem Kauf die Stromlinien-Karosserie aus Aluminium entfernen und ersetzte sie durch eine offene Leichtbaukonstruktion, um damit Rennen fahren zu können.

Dazu musste der Alfa in französischer Rennfarbe Blau lackiert werden. Guy Don und Jean Desvignes konnten unter anderem immerhin den sechsten Gesamtrang in Le Mans einheimsen. Nach dem Ende der Rennkarriere kam die originale Figoni-Karosserie wieder auf das Fahrgestell und wurde so nach Südafrika an George Elkin verkauft, wo er durch einige Hände ging.

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Original-Arbeitsanweisung im Sitz

Der aktuelle Besitzer sah den Figoni-Alfa als Schüler in den Strassen von Johannesburg. Doch erst im Jahr 2008 konnte er schliesslich den damaligen Besitzer zum Verkauf überreden. Inzwischen war der Wagen in zwei verschiedenen Blautönen lackiert und mehrmals restauriert worden. Viele schlampig mit Fiberglas und Spachtel reparierte Bereiche führten zur Überzeugung, dass nur eine professionelle Vollrestaurierung zu einem überzeugenden Resultat führen würde.

Die kanadische Firm RX Autoworks in Vancouver und Historiker Simon Moore machten sich an die Arbeit. Anhand von alten Originalfotos und der alten Arbeitsanweisung, die im Sitz eingenäht war, wurde der Figoni unter Erhaltung möglichst vieler Originalteile bis zur letzten Schraube neu aufgebaut. Trotz der grossen Karosserie liegt das Leergewicht bei nur 920 kg.

Nach den Schönheitswettbewerben wieder auf die Strasse

Die Technik war natürlich genauso von der Bastelwut der zahlreichen Vorbesitzer betroffen. Heute ist der Grauguss-Motor mit Alu-Zylinderkopf und Memini-Vergaser aber wieder voll einsatzfähig. Die 85 Brutto-Pferdchen in langhubiger Auslegung von 65 x 88 mm stampfen fröhlich vor sich hin, und der Roots-Lader singt wieder sein heiseres Lied vom Kurvenfegen in Le Mans – wie damals, als er noch im Rennwagen steckte.

Anfang 2012 war das Kunstwerk fertig und hatte gleich seinen ersten Auftritt beim Concorso d'Eleganza Villa d'Este (Gesamtsieg, "Best of Show"). Nach Pebble Beach (Kategoriensieg, nominiert, aber nicht ausgewählt für "Best of Show") will der heutige Besitzer diesen traumhaften Vertreter der Stromlinien-Form nicht einfach ins Museum stellen. Er hat vor, ihn regelmässig zu fahren, damit ihn  die Schuljungen und viele andere Menschen auch bewundern können - dort, wo er hingehört: auf der Strasse.

Weitere Informationen

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Technische Daten für Alfa Romeo 6C und 8C (1934, Nachfolgemodell)

Technische Daten für Alfa Romeo 6 C 2300 1934 und 8 C 2900

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