Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners

AC Aceca - zukunftsweisender Sportwagen mit Heckklappe

Erstellt am 20. Mai 2016
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
46
Bruno von Rotz 
5
Jürg Kaufmann 
1
Archiv 
12
AC Aceca (1955) - sieht fast ein wenig nach Mille Miglia aus
AC Aceca (1955) - gehörte damals zu den flottesten Coupés
AC Aceca (1955) - über 160 km/h lief ein Aceca damals
AC Aceca (1955) - dank leichter Alu-Karosserie fährt sich der Wagen sehr handlich
AC Aceca (1955) - das Coupé ist sicherlich einer der komfortablesten MM-Teilnehmer, die man sich aussuchen kann
AC Aceca (1955) - genug Platz für zwei Personen und einen grossen Hund - aber wo ist der Vierbeiner?
Bild von Partner Württembergische

Der AC Aceca war nicht der erste Sportwagen mit einer Hecktüre, aber der zweite nach dem Aston Martin DB 2/4 und in seiner gesamten Konstruktion eines der besten Coupés seiner Zeit.

Bild AC Aceca (1955) - mit einer praktischen Heckklappe
AC Aceca (1955) - mit einer praktischen Heckklappe

Zuerst der Roadster, dann das Coupé

Im Oktober 1953 präsentierte die kleine britische Firma AC den Roadster Ace dem Publikum der Londoner Earls Court Motor Show. Der Wagen war eine der wenigen echten Neuentwicklungen auf dem Autosalon und mit Leichtmetallkarosserie und Einzelradaufhängungen rundum (nur zum Vergleich: Maserati führte noch bis in die Siebzigerjahre die Hinterräder an einer Starrachse) eine vielbeachtete Neuheit.

Bild AC Ace (1954) - eng an das Design von Tojero angelehnt, noch vor dem Redesign
AC Ace (1954) - eng an das Design von Tojero angelehnt, noch vor dem Redesign

90 PS leistete der AC-Reihensechszylinder und dies reichte für eine Spitze von über 160 km/h.

Bild AC Ace (1954) - das unverkleidete Chassis an der London Motor Show im Jahr 1954, dahinter das neue Coupé Aceca
AC Ace (1954) - das unverkleidete Chassis an der London Motor Show im Jahr 1954, dahinter das neue Coupé Aceca

Nur ein Jahr später stand der Roadster bereits mit modifizierter Frontpartie in London. Begleitet wurde er von einem eleganten Coupé, das Aceca genannt wurde und das genauso wie die neue Frontgestaltung ein Werk Alan Turners war.

Fortschrittlicher Sportwagenbau

Roadster und Coupé waren nach modernen Konstruktionsprinzipien gebaut. Die Aussenhaut bestand aus Aluminiumblechen, die über Stahl- und Holzprofile gezogen wurden. Ein weit hinten montierter Motor bewirkte eine fast optimale 50:50-Gewichtsverteilung, die Einzelradaufhängungen sorgten für ein gutes Fahrverhalten.

Bild AC Ace (1954) - der AC-eigene Reihensechszylinder leistete weniger als der Bristol-Motor
AC Ace (1954) - der AC-eigene Reihensechszylinder leistete weniger als der Bristol-Motor

Nur der 1991 cm3 grosse Sechszylinder-Motor ging bis in die Zwanzigerjahre zurück, war aber mit hängenden Ventilen und obenliegender Nockenwelle durchaus nicht veraltet.

Angebote eines Zwischengas-Händlers
Lotus Elan Sprint S4 (1971)
Lotus Elan Sprint S4 (1971)
Aston Martin DB2 Vantage (1953)
Aston Martin DB2 Vantage (1953)
Porsche 911 Carrera RSR 3.0 (1974)
Porsche 911 Carrera RSR 3.0 (1974)
MG MGC GT Competition (1970)
MG MGC GT Competition (1970)
0041 56 631 10 00
Bergdietikon, Schweiz

Teuer …

Billig war der in Handarbeit zusammengebaute Sportwagen natürlich nicht. Die Coupéversion kostete mit CHF 21’800 sogar noch 3500 Franken mehr als die schon nicht wohlfeile Roadster-Variante. Für dieses Geld gab es bei BMW beispielsweise eine Achtzylinder-Limousine 502, bei MG gleich zwei der A Roadster.

… aber gut

Für das viele Geld erhielt man aber auch einen fortschrittlichen Sportwagen mit vier Gängen und Overdrive. Zeitgenössische Testfahrer lobten die gute Übersichtlichkeit, die einsehbaren vorderen Kotflügel, die für guten Seitenhalt ausgeformten Kübelsitze und das in Längsrichtung verstellbare Lenkrad. Das am freudigsten begrüsste Ausstattungsdetail aber war natürlich die praktische Hecktüre, die das Beladen des Sportwagen wirklich einfach machte.

Bild AC Aceca (1954) - Coupé-Version als Ergänzung zum Roadster
AC Aceca (1954) - Coupé-Version als Ergänzung zum Roadster

Gelobt im Testbericht von Eason Gibson, der 1956 in “Country Life” erschien, wurde das Fahrwerk mit grossen Reserven und die ausserordentlich guten (Trommel-) Bremsen.  Der Testwagen beschleunigte im Übrigen in 13,2 Sekunden von 0 bis 60 Meilen pro Stunde (96 km/h) und erreichte eine Spitze von 101.4 MPH (163 km/h).

“Wenn man erfährt, wie effizient der Aceca die Zielsetzung seiner Erbauer erfüllt, dann erscheint der Wagen nicht als teures Auto”, schloss der damalige Testbericht. 3

Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners

Eigentlich mit drei Motoren

Die Verantwortlichen bei AC erkannten schon bald, dass man motorentechnisch nachrüsten musste, um der erstarkten Konkurrenz zu begegnen. Eine Vereinbarung mit Bristol zum Bezug des leistungsfähigen Sechszylinders konnte abgeschlossen werden, somit standen nun 125 PS (alternative auch 105 PS) zur Verfügung.

Bild AC Ace Bristol (1960) - 106 PS leistete der Zweiliter in der Standardausführung, es durften aber auch 130 oder 150 PS sein
AC Ace Bristol (1960) - 106 PS leistete der Zweiliter in der Standardausführung, es durften aber auch 130 oder 150 PS sein

Als Bristol dann die Herstellung des ursprünglich von BMW übernommenen Reihensechszylinders aufgab und sich selber amerikanischen Achtzylindern zuwandte, brauchte AC eine neue Lösung und fand diese im Sechszylinder-2,6-Liter des Ford Zephyr, dem Ken Rudd zu einer Leistungssteigerung verhalf. Dieser stand aber nur noch die letzten beiden Produktionsjahre (1961 bis 1963) zur Verfügung.

Die Buick-Variante

Bei den drei Motoren blieb es aber nur werkseitig. Daneben entstanden, zumeist auf private Initiative hin, auch Varianten mit anderen Motoren. In den USA setzte Rip Carter anfangs der Sechzigerjahre einen Buick-V8 in das Aceca-Chassis, ein Einbau, der erstaunlich leicht vonstatten ging, dauerte die Transformation doch nur gerade zwei Wochen während Randzeiten. Und das Ergebnis überzeugte, wie ein Bericht in der Zeitschrift Road & Track im März 1962 bezeugte. Trotzdem blieb der AC-Buick ein Einzelstück, doch später sollten viele ähnlich gelagerte Sportwagen mit der aus dem Buick weiterentwickelten Rover-V8-Variante entstehen, darunter solche der Marken TVR, Marcos und Morgan.

Auch mit zwei Sitzen mehr

Wer A sagt, muss auch B sagen, und so verlängerte man in Thames Ditton den Radstand des Aceca um 26 cm und schuf damit Platz für eine zweite Sitzreihe. Das Heck musste entsprechend angepasst werden und man gab auch dem Bug eigene Züge.

Bild AC Greyhound (1959) - die um eine Sitzbank verlängerte Variante des Aceca mit geänderter Front, gesehen an der London Motor Show 1959
AC Greyhound (1959) - die um eine Sitzbank verlängerte Variante des Aceca mit geänderter Front, gesehen an der London Motor Show 1959

Greyhound hiess der 2+2-Sitzer, der von 1959 bis 1963 mit denselben Motoren und Aufhängungselementen gebaut wurde wie die Ace und Aceca Zweisitzer. Mit nur 83 gebauten Exemplaren blieb der Greyhound aber noch seltener als seine kürzeren Geschwister.

Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners

Kleinserienproduktion

Im Vergleich zu anderen Sportwagen, die ihm folgten, blieb der Aceca eine Rarität. Gerade einmal 151 Coupés mit AC-Motor, 169 mit Bristol und acht mit Ford-Rudd-Sechszylinder wurden gebaut, bis die Produktion im Jahr 1963 gestoppt wurde.

Rauer als die Bristol-Variante

An Bord des Aceca mit AC-Motor vermisst man den Bristol-Sechszylinder schon ein wenig. Nicht nur ist der AC-Reihensechser etwas schwerer, es fehlt ihm im Vergleich auch ein wenig an Leistung und er läuft deutlich rauher.

Bild AC Aceca (1955) - Reihensechszylinder mit drei SU-Vergasern
AC Aceca (1955) - Reihensechszylinder mit drei SU-Vergasern

Mit dem unter einer Tonne schweren Coupé hat er aber trotzdem keine Mühe und er lässt sich mit dem gut abgestuften Vierganggetriebe blendend bei Laune halten. Die Lenkung überzeugt, die Bremsen geben zu keiner Kritik Anlass.

Bild AC Aceca (1955) - 120 Meilen pro Stunde zeigt der Tacho an
AC Aceca (1955) - 120 Meilen pro Stunde zeigt der Tacho an

Auch im Coupé ist die Übersichtlichkeit gut und sollte Regen einsetzen, wird man das feste Dach sicherlich schätzen. Für die grosse Reise wird man über das gut beladbare Kofferraumabteil froh sein.

Bild AC Aceca (1955) - das Coupé ist sicherlich einer der komfortablesten MM-Teilnehmer, die man sich aussuchen kann
AC Aceca (1955) - das Coupé ist sicherlich einer der komfortablesten MM-Teilnehmer, die man sich aussuchen kann

Es gibt definitiv unbeqemere Autos, um an der Mille Miglia teilzunehmen, man muss sich ob dem vielen Komfort fast ein wenig schämen, wenn man alle die Barchetta-Fahrer im nicht allzu seltenen Regen an der italienischen Traditionsveranstaltung beobachtet. Und heizen können jene auch nicht, ganz im Gegensatz zum Aceca, der serienmässig Warmluft im Cockpit verteilt.

Bild AC Aceca (1955) - an der Mille Miglia 2014
AC Aceca (1955) - an der Mille Miglia 2014

Das fotografierte Auto, das 1955 in London erstmals registriert wurde und danach mehreren Besitzern in Grossbritannien, in den USA und in der der Schweiz treu diente,  jedenfalls nahm 2014 an der Mille teil und soll jetzt am 28. Mai 2016 an der Versteigerung der Galerie Fischer anlässlich der Swiss Classic World unter den Hammer kommen .

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

AC Aceca (1955) - sieht fast ein wenig nach Mille Miglia aus
AC Aceca (1955) - gehörte damals zu den flottesten Coupés
AC Aceca (1955) - über 160 km/h lief ein Aceca damals
AC Aceca (1955) - dank leichter Alu-Karosserie fährt sich der Wagen sehr handlich
AC Aceca (1955) - das Coupé ist sicherlich einer der komfortablesten MM-Teilnehmer, die man sich aussuchen kann
AC Aceca (1955) - genug Platz für zwei Personen und einen grossen Hund - aber wo ist der Vierbeiner?
Quelle:
Logo Quelle
von Jo******
24.05.2016 (12:44)
Antworten
Beim AC Ace Roadster stellt sich die Frage, was war zuerst, das Ei oder die Henne: Der Ace gleicht frühen Ferrari-Barchettas wie ein Ei dem andern. Auch die Front des Greyhounds erinnert irgendwie an den Ferrari 250 GTE. Wer hat hier wem abgekupfert?
JoT
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
24.05.2016 (12:45)
Favicon
Man sagt, dass die Frontgestaltung auf ein Pininfarina-Design zurückgehe und Pininfarina hat ja bekanntlich auch die meisten der damaligen Ferrari-Modelle verantwortet ...
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1 min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.
Bild Kooperations-Partner
Bild Kooperations-Partner
Angebote unserer Partner
Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners
Angebot eines Partners
Loading...
Oha! Kostenlos Texte und Fotos sehen?
Zwischengas auf allen Geräten
Einfach hier anmelden:
Neu hier?
1x kostenlos registrieren und dauerhaft Inhalte freischalten!