68 Autos, zwei Ferrari-Werkzeugsets und ein Schumacher-Foto standen an der RM/Sotheby’s-Versteigerung am 25. November 2023 in der Münchener Motorworld zum Verkauf bereit. Vier Autos, darunter der Ferrari Enzo von 2004, waren bereits vor Auktionsbeginn zurückgezogen worden. Die Vorbesichtigung lief Beobachtern zufolge ruhiger als auch schon, was eine gewisse Besorgnis ausgelöst hatte.
Trotzdem konnten aber schliesslich 87 Prozent der Wagen an neue Besitzer vermittelt werden. Von den insgesamt geschätzten EUR 21,5 Millionen konnten EUR 15,6 Millionen realisiert werden. Pro zugeschlagenes Auto wurden EUR 264’898 als Verkaufspreis notiert.
Das Risiko zahlte immer sich nicht immer aus
62 % aller Wagen waren ohne Mindestpreis angeboten worden. Das war nicht ohne Risiko. Und tatsächlich wurden 25 % der Autos für 70 % oder weniger des gemittelten Estimates zugeschlagen.
So konnte man BMW 327/28 als Coupé für nur EUR 86’250 kaufen, ein Mercedes-Benz 220 Cabriolet A von 1952 für EUR 80’500 oder ein Porsche 911 Carrera 3.2 Cabrioelt von 1986 für EUR 77’050.
Für ein Alfa Romeo Giulietta Sprint Coupé von 1962 reichten EUR 46’000, für einen Maserati Ghibli 4.7 von 1968 EUR 128’800.
Einige Überflieger
Die insgesamt deutliche Abweichung der Höchstgebote von den Schätzwerten (im Schnitt wurde 74 % des gemittelten Estimates erreicht) sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch Autos gab, die die Erwartungen deutlich übertrafen.
So wurden für den Boschert B300 Gullwing von 1989, einem Flügeltüren-Coupé auf Basis des W124-300-CE-Coupés, schliesslich EUR 455’000 bezahlt, obwohl nur EUR 250’000 bis 300’000 geschätzt worden waren.
Dieses Einzelstück war 1989 an der IAA Frankfurt in Silbermetallic ausgestellt, wurde dann aber 1990 in “Bornit” umlackiert.
Im Windschatten des Boschert erreichen zudem zwei weitere Tuning-Autos höhere Notierungen als erwartet, es waren dies ein Mercedes-Benz 230 “AMG Conversion” von 1967 und ein Mercedes-Benz SL 65 AMG Black Series von 2009.
Ebenfalls deutlich mehr erzielen als erwartet konnte der Lancia Delta HF Integrale Evo II von 1994, der in der Farbe “Giallo Ginestra” für EUR 135’700 (geschätzt EUR 80’000 bis 100’000) vermittelt wurde.
Und auch das schliesslich teuerste Auto der Versteigerung, der Ferrari 365 GTS/4 Daytona Spider von 1973 erreichte mit EUR 3’098’750 einen höheren Verkaufspreis als erwartet.
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BMW und Mercedes-Benz
14 BMW und 13 Mercedes-Benz machten zusammen fast 40 % des Angebots aus. Die BMW waren im Schnitt 34, die Mercedes-Benz 45 Jahre alt. Alle Mercedes konnten verkauft werden, während ein BMW, ein 501 Baur Cabriolet bei halbem Schätzwert stehenblieb.
Von den acht Porsche und fünf Aston Martin liessen sich jeweils weniger als zwei Drittel vermitteln, während die Verkaufsquote bei Ferrari 100 % betrug, nachdem alle fünf angebotenen Wagen zugeschlagen waren.
M-Auswahl komplett verkauft
Im BMW-Angebot fiel die umfangreiche Auswahl an Fahrzeugen der M-Division mit Typen wie M3, M3 E30, junge Ms auf. Alle sieben angebotenen Autos (der M1 war zurückgezogen worden) konnten verkauft werden, im Schnitt wurden allerdings nur 69 % des mittleren Schätzwerts geboten.
Angesichts von EUR 143’750 für einen M3 Sport Evolution von 1992 sollte man sich aber wohl nicht beklagen.
Junge Autos
Das Durchschnittsalter der angebotenen Fahrzeuge betrug im Schnitt nur 36 Jahre, ein Drittel der Autos waren noch keine Youngtimer, 15 davon noch keine zehn Jahre alt.
Von den 29 Autos mit Baujahr 2000 oder jünger konnten 25 verkauft werden, die Höchstgebote lagen im Schnitt bei 76 %. Highlight war nach dem Rückzug des Ferrari Enzo der BMW 3.0 CSL mit Baujahr 2023, eine Art Tribute-Car zum legendären 3.0/3.5 CSL der Siezzigerjahre.
Der moderne Nachfahre liess sich für EUR 1’017’500 verkaufen, also deutlich teurer als der Neuwagenpreis, der bei EUR 750’000 lag.
Zwei günstige Vorkriegs-BMW
Nach Rückzug des BMW 328 Roadster von 1938 verblieben nur zwei weitere Vorkriegs-Autos im “Rennen”, beide von BMW.
Sie wurden beide günstig abgegeben, für den BMW 319 etwa zahlte man nur gerade EUR 77’050.
Günstige Entwicklungs-Pagode?
Eine besondere Geschichte hatte der angebotene Mercedes-Benz 230 SL von 1963. Fritz Nallinger persönlich hatte ihn bestellt und er diente als Entwicklungsfahrzeug mit Automatik und Servolenkung. Nallinger fuhr den SL auch privat und dokumentierte Stärken und Schwächen akribisch.
Ungewöhnlich am Auto ist sicherlich auch die originale Farbgebung mit Orange-Metallic für die Lackierung und Türkis für das Interieur.
EUR 220’000 wurden schliesslich für diese besondere Pagode bezahlt, deutlich weniger als erwartet.
Breites Superklassikerangebot mit gemischtem Ergebnis
Es mangelte nicht an typischen Superklassikern in München.
Brillieren konnten sie allerdings nicht und einige blieben auch unverkauft, so etwa der Aston Martin DB5 Vantage von 1965, bei EUR 520’000 war Schluss, erwartet worden waren EUR 750’000 bis 850’000.
EUR 212’750 für einen Ferrari 330 GT 2+2 von 1965 erscheinen günstig, EUR 86’250 für einen BMW 3200 CS von 1963 ebenfalls.
Während ein Porsche 356 A 1600 Speedster von 1957 bei EUR 220’000 stehenblieb, fand ein 356 Pre-A 1500 S Cabriolet von 1954 für EUR 212’750 einen neuen Besitzer.
Stehen blieb auch der Porsche 911 Carrera RS 2.7 Touring von 1973 und zwar bei EUR 370’000.
Die Gesamtbilanz der Superklassiker war also gemischt, die Bieter offenbar ziemlich wählerisch.
Insgesamt dürfte RM/Sotheby’s mit dem Ausgang der Versteigerung von München nicht unzufrieden gewesen sein, fehlende Begeisterung im Saal wurde oft durch Internet- oder Telefonangebote kompensiert. Und langweilig war die rund 3 Stunden 45 dauernde Versteigerung vor gut gefüllten Rängen sicherlich nicht.
Angebotene und verkaufte Fahrzeuge
Die folgende Tabelle listet alle angebotenen und verkauften Fahrzeuge mit Schätzpreisen, Höchstgeboten und Verkaufspreisen. Die Preis-Umrechnung erfolgte zum am Auktionstag gültigen Tageskurs. Alle Angaben ohne Gewähr.
| Lot | Fahrzeug | Jahr | EUR Est von | EUR Est bis | EUR HG | EUR VP | CHF VP | % Est | S |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 104 | Mercedes-Benz 560 SL | 1989 | 40'000 | 50'000 | 34'000 | 39'100 | 37'927 | -13.11%
|
V |
| 105 | BMW M3 | 2003 | 60'000 | 70'000 | 46'000 | 52'900 | 51'313 | -18.62%
|
V |
| 106 | BMW M5 | 1985 | 70'000 | 100'000 | 62'000 | 71'300 | 69'161 | -16.12%
|
V |
| 107 | Porsche 718 Cayman GT4 | 2022 | 90'000 | 110'000 | 75'000 | 86'250 | 83'662 | -13.75%
|
V |
| 108 | BMW M1 | 1981 | 400'000 | 500'000 | Z | ||||
| 109 | Lexus LFA | 2011 | 500'000 | 600'000 | 580'000 | 657'500 | 637'775 | +19.55%
|
V |
| 110 | Aston Martin DB6 Vantage | 1966 | 260'000 | 320'000 | 275'000 | 314'375 | 304'943 | +8.41%
|
V |
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Legende: Spalte S = Status (V = Verkauft, N = Nicht verkauft, Z = Zurückgezogen, U = Unter Vorbehalt)
Est = Estimate/Schätzwert, HG = Höchstgebot, VP = Verkaufspreis




















































































































































































































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