Genfer Autosalon 2018 - die Rückkehr der Zukunft

Erstellt am 12. März 2018
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Bruno von Rotz 
130

Natürlich ist ein moderner Autosalon wie derjenige von Genf, der sich neuerdings neudeutsch Geneva International Motor Show, abgekürzt GIMS, nennt, keine Oldtimermesse. Gezeigt werden sollen schliesslich vor allem die Autos der Gegenwart und die Konzeptfahrzeuge, die die Zukunft vorwegnehmen.


Am zweiten Pressetag ging es noch mit dem Besucheransturm (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Doch viele Autohersteller haben schon lange erkannt, dass die eigene Tradition Vertrauen bei den Käufern schafft und so bringen sie immer wieder auch alte Autos mit nach Genf. Die grossen Hersteller zeigten allerdings am 88. Genfer Autosalon, offen vom 8. bis 18. März 2018, nur ausnahmsweise ihre alten Wagen, eine Ausnahme war hier einzig Renault.

120 Jahre Renault

Renault kann im Jahr 2018 den 120. Geburtstag feiern. Entsprechend brachte man einen Type A von 1898 mit an die Rhone-Stadt. Der Type A war das erste Automobil, das Louis Renault unter seinem eigenen Namen fertigte. Mit dieser Voiturette fuhr er über die Steigung der Rue Lepic auf die Anhöhe von Montmartre. Er dürfte dabei einiges Aufsehen verursacht haben, obschon dieser frühe Renault schon alle Charakteristiken eines modernen Automobils aufwies.


Renault Type A (1898) - der Anfang der Marke Renault (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Tatsächlich bestellten einige Zuschauer des Spektakels gleich ein Exemplar und legten damit mit den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft der Marke Renault.

80 Jahre Autosalon in einer Sonderschau

Nur sechs Wochen hatten die Organisatoren der Sonderschau “Le Retour du Futur” Zeit, Fahrzeuge zu suchen, zu versichern, zu transportieren und in attraktiver Weise dort zu präsentieren, wo letztes Jahr noch der Quant, ein Sportwagen mit “Flusszellen”-Antrieb, stand.


Die eindrückliche Sonderschau "Le Retour du Futur" wurde in kürzester Zeit organisiert (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Elf Autos hatten Urs P.  Ramseier und seine Gehilfen zusammengetragen und sie repräsentierten zusammen sehr gut, wofür der Genfer Autosalon schon seit Jahrzehnten steht.


Alfa Romeo 6C 2300B Pescara Worblaufen (1938) - in der Sonderschau "Le Retour du Futur" (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Gezeigt wurden einerseits zwei Alfa Romeo 6C 2300, die bei der Carrosserie Worblaufen für den Genfer Autosalon 1938 als Cabriolet eingekleidet wurden.


Bizzarrini Ghepardo (2006) - Konzeptfahrzeug mit Achtzylinder-4,1-Liter-Motor (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Ihnen gegenüber standen sechs Italiener, je drei Bizzarrini-Konzeptfahrzeuge und drei Showcars von Bertone und Pininfarina, darunter der bis heute spektakuläre Lamborghini Marzal von Gandini und der ebenso spektakuläre Bizzarrini Manta, den einst Giorgetto Giugiaro für Italdesign entworfen hatte.


Pininfarina Birdcage (2005) - auf der Basis eines Maserati MC12 aufgebaut (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

In der Ecke gesellten sich noch zwei Kleinstwagen dazu, die im Jahr 1956 in Genf auf zwei beieinander liegenden Ständen präsentiert worden waren, der Belcar und der Soletta 750. Als drittes kleines Auto ergänzte der Meanie, entstanden vor Jahresfirst, das Triplett mit durchaus ähnlichem Gedankengut.


Meanie (2017) - mit Mittelmotor in der Sonderschau "Le Retour du Futur" (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Fast alles Designer der grossen Autohersteller besuchten den überschaubaren Stand früher und später und holten sich Inspirationen für zukünftige Projekte. Genau dies war mit der Sonderschau auch beabsichtigt, es sollte gezeigt werden, dass in Genf immer wieder aufsehenerregende und zukunftsweisende Autos präsentiert wurden.


Lamborghini Marzal (1967) - erlebte seine Uraufführung in Genf im Jahr 1967 (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Gerne hätten wir noch den Opel Genève von 1975 in der Ausstellung gesehen, damit wäre gleich noch ein Zeichen gesetzt worden. Opel hätte doch noch ein Auto in Genf gehabt, nachdem der Hersteller bekanntlich dem Autosalon fernblieb. Und schliesslich war die damalige Studie nach der Stadt im Westen der Schweiz benannt worden.

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Klassiker als Anziehungspunkte

Auf einigen Ständen fand man Klassiker als Anziehungspunkte. Brabus verfolgt dieses Rezept seit Jahren, bei RUF ist die Grenze zwischen früher und heute sowieso fliessend.


Lamborghini MIura (1971) - trat vor zwei Jahren beim Concours Suisse in Coppet an (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dass ein Concours d’Elégance mit einem Lamborghini Miura und einem Avion Voisin wirbt, versteht sich von selber, dass die Automobil Revue immer wieder gerne den damit mitinitiierten Sigma Formel 1 Wagen von 1969 zeigt, steht der Traditionszeitschrift gut an.

Wenn die Vergangenheit hilft, die Gegenwart zu verkaufen

Selbst wenn keine alten Autos auf dem Stand waren, wurde trotzdem immer wieder gerne an die eigene Vergangenheit erinnert, sei es mit vorbeihuschenden Klassikern auf den Video-Wänden wie bei Renault und Toyota oder durch einen Aufkleber auf dem Stand wie bei Subaru.


Manchmal muss man die Tradition schon suchen ... (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Kleinstwagen wie der Microlino oder Konzeptfahrzeuge wie diejenigen von Honda oder Volkswagen verdanken ihren Sympathiebonus sicherlich der an Autos der Vergangenheit erinnernden Formgebung.


Ford Mustang GT 390 Fastback (1968) - nein, das originale Filmauto ist das nicht (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Und natürlich stellt man, wenn man ein Sondermodell, das an einen Film von 1968 erinnert, lancieren will, auch gerne den passenden Klassiker auf den Stand, wie es Ford mit dem “Bullit”-Mustang GT 390 tat, auch wenn es nicht das Filmauto war.


Ford GT40 Mirage M1 (1967) - siegte 1967 mit Jacky Ickx am sTeuer in Spa bei den 1000 km (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Nicht vergessen sollte man die beiden Rennwagen, die auf der TAG-Heuer-Sonderschau zu finden waren, ein Ford GT40 Mirage aus den Sechzigerjahren und der vermutlich einzige noch existierende Super Levéque aus dem Jahr 1911.

Retro, Retro

Retro als Thema ist nachwievor gefragt.


Eadon Green Zeclat (2018) - Retro-Sportwagen (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dies zeigte eine ganze Reihe von Herstellern, angefangen mit Franco Sbarro über Morgan oder Eadon Green bis zu David Brown oder Corbellati, wo ein 1800 PS starker Supersportwagen mit an Sechzigerjahre-Ferraris erinnernden Karosserieformen verpackt wird.

Die konfliktbeladene Gegenwart

Die Gegenwart stellt für die Autohersteller viele Herausforderungen bereit. Da ist einerseits die Nachfrage nach Supersportwagen mit früher undenkbaren Leistungsspitzen oder nach SUVs mit fetten Reifen und brachialer Optik. Da sind gleichzeitig aber auch die drohenden Fahrverbote, die den Diesel auf dem Genfer Salon praktisch in die Ecke gedrängt haben, so dass kaum ein Anbieter betonen mochte, dass er solche Autos auch noch in der Fahrzeugpalette führt.


Audi e-tron SUV (2018) - noch unter der Decke (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Viel lieber zeigten die Autofirmen von Audi bis Toyota zukunftsweisende Elektroautos und Hybridfahrzeuge. Volvo hat dafür sogar eine eigene Marke gegründet und mit dem Polestar 1 ein kräftiges Hybridcoupé präsentiert.

Die Zukunft im Kondensat

Sowieso konnte der kundige Besucher fast auf allen Ständen einen Blick in die Zukunft werfen. Autonom fahrende Fahrzeuge mit innovativer Lichttechnik und fast geräuschfrei drehenden Elektromotoren gab es überall und gerne in jungfräulichem Weiss oder Silber zu bewundern.


Renault EZ-GO (2018) - sieht nur noch begrenzt wie ein Auto aus, interessiert aber umso mehr (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bei Renault etwa fuhr ein selbständig hin und her pendelndes Sitzungszimmer auf dem Stand herum, bei Toyota gab es die zukünftige Mobilität gleich in drei Grössen- und Geschwindigkeitsvarianten zu bewundern. Und Volkswagen zeigte gleich drei seiner ID-Konzeptfahrzeuge, die immer seriennäher daherkommen.


VW ID Concept (2018) - mittelgrosses Konzeptfahrzeug (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Selbst die Räder sind nicht mehr garantiert, der Rinspeed Snap jedenfalls leistet auch ohne diese seine Dienste und mit dem PAL-V Liberty kann man dank ausklappbaren Rotoren auch fliegen.


PAL-V LIberty (2018) - Premiere in Genf, fährt und fliegt (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Eindrückliche Ausstellungstechnik

Einmal mehr eindrucksvoll war der Spaziergang durch die Genfer Hallen auch wegen der Ausstellungstechnik, die sich fast noch schneller weiterentwickelt als die präsentierten Autos. Während auf dem einen Stand ein riesiger Löwe als fast schon traditionelle Skulptur thront, stand bei Jeep ein Willys von 1941 auf natürlichem Waldboden.


Willys Jeep (1941) - auf echtem Waldboden (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Rund herum aber gab es Displaytechnik der Superlative. Noch nie zuvor konnten diese Videowände so gross und gleichzeitig so detailreich bespielt werden. Und sie befinden sich neuerdings nicht nur an den Wänden, sondern sogar am Boden, unter den Autos.


Nissan Formula E (2018) - auf animiertem Boden (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Es gibt kaum noch statische Hintergründe, alles bewegt sich und verstärkt die Wirkung der Ausstellungsobjekte oder lenkt den Besucher ab, je nachdem, wie gut und passend die Aufstellung gelungen ist.


Huch, sind da die Füsse nass geworden? (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Geblieben aber sind Schnittmodelle und Technik-Exponate, gut so!


Subaru XV (2018) - noch immer gibt es Schnittmodelle (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Zusammenfassend darf gesagt werden, dass ein Besuch am Genfer Autosalon lohnt, auch wenn man als Neuwagenkäufer nicht immer auf seine Rechnung kommt, weil viele Fahrzeuge gar nicht gezeigt werden (können). Wer sich aber auch für die Zukunft und die etwas realitätsferneren Ideen der Autohersteller und der Zubehörindustrie, erwähnt seien hier Autoreifen mit eingebauter Sensorik, interessiert, der findet in Genf jedes Jahr wieder viel Sehenswertes.


Der Reifen der Zukunft, mit eingebauten Sensoren, bei Goodyear (Genfer Autosalon 2018)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Während dieser Bericht hauptsächlich auf die Vergangenheit fokussiert, sind in der Bildergalerie auch viele der modernen Konzeptfahrzeuge und Zukunftsstudien integriert.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von mr******
15.03.2018 (10:24)
Antworten
Tolle Sache, das Wiedersehen von Ikonen wie Lamborghini Marzal und Bizzarini Manta. An welche Prototypen des diesjährigen Salons mag man sich wohl in 50 Jahren noch erinnern?
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