Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners

Boxenstop in Tübingen - das aktive Museum für die ganze Familie

Erstellt am 17. Mai 2018
, Leselänge 13min
Text:
Emanuel Zifreund
Fotos:
Emanuel Zifreund 
46
Ferrari unter sich - Boxenstop Museum Tübingen
Antony Murketts Helm, den er dem Museum 1987 vermacht hat - Boxenstop Museum Tübingen
Apfelbeck Boxermotor - Boxenstop Museum Tübingen
Ariel und andere Motorräder - Boxenstop Museum Tübingen
Arrangement - Boxenstop Museum Tübingen

„Die Zeiten, in denen es ausreichte, an eine Halle voller Autos und Motorräder das Schild Automuseum zu schrauben und auf Besucher zu warten, sind vorbei“, begrüsst mich Reiner Klink. Sein Ziel sei ein aktives Museum das die Besucher in das Geschehen mit einbezieht, eine Erlebniswelt für die ganze Familie. Denn nur wenn man gemeinsam ein Hobby erlebt, meint er, haben alle etwas davon, und so soll es bei einem Wochenendausflug ja auch sein.

Bild Das Boxenstop Museum - Boxenstop Museum Tübingen
Das Boxenstop Museum - Boxenstop Museum Tübingen

Auch nach der ersten halben Stunde sollen nicht nur die Männer noch Spass haben, sondern alle, die hergekommen sind. Eines seiner Vorbilder ist das Schweizer Verkehrshaus, auch wenn er dessen Grösse bewusst nicht anstrebt. Okay, das alles klingt zunächst vielversprechend, ich bin gespannt, ob er das Versprechen auch halten kann.

Mich überrascht die riesige Märklin-Ausstellung im Erdgeschoss, die aber zum Ende des Winters abgebaut wird, um den dort sonst ausgestellten Oldtimern wieder Platz zu machen. „Während andere Museen über Winter schliessen, haben wir damit knapp 10’000 Besucher angezogen“, meint Reiner Klink und freut sich über einen Schweizer Eisenbahnfan, der den Glacier Express made by Märklin bewundert. Das Konzept scheint aufzugehen.

Bild Märklin Modell-Eisenbahn - Boxenstop Museum Tübingen
Märklin Modell-Eisenbahn - Boxenstop Museum Tübingen

Nicht Masse sondern Klasse ist das Ziel des ausgefallenen Museums, das dennoch 85 beeindruckende Fahrzeuge, eine Spielzeugsammlung mit über 2500 Exponaten sowie zahllose Zweiräder unter einem Dach vereint. Die Autos kann man hautnah erleben, also ohne weiträumige Abschrankungen, die den Besucher sonst von den Exponaten trennen. Das alles verteilt sich über 4 Stockwerke und will schon alleine dadurch erarbeitet sein.

Das ehemalige Omnibus-Betriebsgebäude wurde 1985 in ein Museum umgebaut und seitdem immer wieder ausgebaut und erweitert. Der letzte, vierte Umbau, brachte weitere 200 m² Ausstellungsfläche im Dachgeschoss hinzu, insgesamt macht das 1200 m². Die Arbeiten in dem währenddessen geöffneten Museum dauerten fast sechs Monate, die Baugenehmigung durch die Stadt sechsmal so lange …

Bild Ein Tisch im Restaurant - Boxenstop Museum Tübingen
Ein Tisch im Restaurant - Boxenstop Museum Tübingen

Inzwischen haben wir uns im Restaurant in dem Raum „Rastelli“ niedergelassen, benannt nach dem weltgrössten Jongleur vor dem zweiten Weltkrieg. Gemäss der Vorgabe, dass verschiedene Themenzimmer die Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit mitnehmen sollen, wird hier Zirkus- und Varietéstimmung vermittelt. Jedes Stockwerk hat seinen eigenen Charakter, alle Bereiche sind individuell und mit auffallend viel Liebe zum Detail ausgestaltet. Wer einen Raum zum zweiten Mal betritt, entdeckt neue Details, die ihm vorher entgangen sind.

Vier Säulen hat das Museum, das nahe der beliebten Tübinger Altstadt liegt:

  • Der klassische Museumsbetrieb
  • die Gastronomie  mit eigenem Restaurant und eigener Küche
  • Oldtimerreisen
  • Rallyes

Erlebnis-Gastronomie

Hier sitzt man mitten zwischen den Exponaten, unter den Glastischplatten gibt es viel zu entdecken, beispielsweise eine Modelleisenbahn, die man fahren lassen kann. Und daran haben nicht nur die kleinen Besucher ihre Freude. Nicht weiter verwunderlich, dass die Räume gerne für Feiern und andere Anlässe gebucht werden. Die angrenzende Terrasse wird ebenfalls bewirtschaftet und findet bei gutem Wetter regen Zuspruch.

Bild Im Restaurant - Boxenstop Museum Tübingen
Im Restaurant - Boxenstop Museum Tübingen

Interessante Oldtimerreisen

Inzwischen Marktführer, begann dieser Bereich 1993 mit einer Oldtimerreise nach Paris zur Retromobile, vermutlich eine der ersten gut durchorganisierten Veranstaltungen dieser Art zu jener Zeit. Daraus haben sich mittlerweile etwa 30 Reisen im Jahr entwickelt. Im Komfortbus geht es nach Le Mans, Goodwood, der Mille Miglia und zu anderen Zielen, oder man fährt im eigenen Klassiker, wie bei dem 20jährigen Jubiläum nach Petersburg, oder zu anderen interessanten Zielen.

Fast die Hälfte aller Teilnehmer der Reisen sind Frauen, das gebotene Programm muss also beide Geschlechter gleichermassen ansprechen. Ein gut ausgearbeitetes Tourenbuch entsteht, wenn das Ehepaar Klink die geplante Fahrt vorher abfährt und somit genau weiss, welche Route geeignet ist.

Die Tagesetappen von ca. 200 km lassen jedem genügend Zeit, sich den Tag nach eigenen Vorstellungen einzuteilen, lediglich das gemeinsame Abendessen mit der Fahrerbesprechung für den nächsten Tag steht als fixer Termin. Für Notfälle steht der ehemalige Boxenstop Renntransporter zur Verfügung, der ausserdem den Koffertransport übernimmt. Wer abends das Hotel erreicht, findet seine Koffer bereits auf dem Zimmer vor.

Bild Zeitgenössiche Einrichtung - Boxenstop Museum Tübingen
Zeitgenössiche Einrichtung - Boxenstop Museum Tübingen
Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Mini 1.3 (1997)
Mini 1.3 (1997)
BMW 2002 Tii (1972)
BMW 2002 Tii (1972)
Jaguar F-Type Roadster S3.0 V6 (2014)
Jaguar F-Type Roadster S3.0 V6 (2014)
Jaguar XKR S/C Cabriolet (2001)
Jaguar XKR S/C Cabriolet (2001)
+41 (0)71 450 01 11
St. Margrethen, Schweiz

Abwechslungsreiche Rallyes

Die sportliche Veranstaltung Starmaxx startet dieses Jahr zum dreizehnten Mal für Youngtimer und Klassiker der Zukunft, die Sonderprüfungen finden selbstverständlich auf gesperrten Strecken statt. Bei 90 Teilnehmern ist Schluss, ein Rahmen, der ein gemeinsames Abendessen im eigenen Restaurant noch zulässt.

Wer aber meint, er bekäme in Tübingen keine reinrassige Technik präsentiert, für den geht‘s jetzt zum klassischen Museumsbetrieb.

Das Museum in Zentrum

Bild Arrangement - Boxenstop Museum Tübingen
Arrangement - Boxenstop Museum Tübingen

Stellvertretend für die ausgestellten Exponate werden hier nur einige wenige beschrieben, schliesslich soll der Artikel ja nicht die Freude an einem Besuch nehmen. Beginnen will ich mit einem seltenen Exponat, das meine Aufmerksamkeit gleich zu Beginn erregte.

Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners

Apfelbeck Boxermotor

Der in Tübingen ausgestellte Rennmotor des berühmten österreichischen Motorenkonstrukteurs ist ein Einzelstück. Das mit Rollenstösseln und zwei Dell‘Orto-Vergasern versehene Aggregat erreichte für die frühen 50er Jahre beachtliche 85 PS aus einem Hubraum von 700 ccm und soll bis 9000 U/Min gedreht haben. Er war ursprünglich für BMW-Motorräder konzipiert worden. Im Vergleich zum Original waren die Ansaug- und Abgasströme „umgedreht“, wo ursprünglich Frischgas angesaugt wurde, stösst der Apfelbeckmotor jetzt verbrannte Gase aus.

Bild Apfelbeck Boxermotor - Boxenstop Museum Tübingen
Apfelbeck Boxermotor - Boxenstop Museum Tübingen

Die kurze Museumstour geht auf zwei Rädern weiter.

NSU Sportmax

„Der Renntiger“ H.P. Müller hat mit der Sportmax Geschichte geschrieben, gewann er doch als erster Privatfahrer seit Einführung der Weltmeisterschaft einen WM-Titel in der Soloklasse. Ihm wurden von NSU zwei Sportmäxe überlassen, die mit Ihren 28 PS ausreichend motorisiert waren, um die 200 km/h Marke zu erreichen. Mit der hier ausgestellten Maschine wurde der Rennfahrer 1955 Weltmeister, das Zweirad verfügt noch über den Originalmotor.

Bild NSU Sportmax (1955)
NSU Sportmax (1955)

1983 erwarb Ulrich Funk diese NSU-Sportmax und restaurierte sie von 1994 bis 1996 akribisch bis ins kleinste Detail in einer Qualität, die ihresgleichen sucht. Nach seinem allzu frühen Tod übernahm sein Bruder die Maschine und verkaufte sie dem Boxenstop Museum, wo sie 1985 bis 1991 bereits schon einmal ausgestellt war.

Und damit kommen wir zu vier Rädern.

BMW 700 Sport Coupé

Das Sportcoupé erschloss nach dem zweiten Weltkrieg BMW eine breitere Käuferschicht, waren die grossen V8 Limousinen und die kleinen Isetta/600er Modelle doch eher Nischenprodukte. Aus der Idee des Wiener Generalimporteurs Denzel, einem BMW 600er Fahrgestell eine Coupé-Karosse überzustülpen entstand mit Hilfe des italienischen Stylisten Michelotti eine äusserst sportliche Erscheinung, sodass der BMW-Vorstand grünes Licht für den 700er mit selbsttragender Karosserie gab.

Bild BMW 700 Sport Coupé (1959)
BMW 700 Sport Coupé (1959)

Die ausgestellte Rennsemmel stammt aus dem Besitz von Sepp Greger, der wie Edgar Barth, Hans Stuck, Jochen Neerpasch oder Raunno Altonen -um nur einige zu nennen- zwischen 1960 und 1965 zahllose Erfolge mit dem Wagen erzielte.

Bild BMW 700 Sport Coupé (1959)
BMW 700 Sport Coupé (1959)

Der leichte Flitzer fährt sich erstaunlich sportlich, hat ein ausgewogenes Fahrverhalten und Fahrer grösserer, hubraumstärkerer Autos mussten sich warm anziehen, wollten sie dem 700er Paroli bieten.

Bild BMW 700 Sport Coupé (1959)
BMW 700 Sport Coupé (1959)
Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners

Maserati 4 CL

Vor dem nahezu im Originalzustand befindlichen Monoposto aus den 40er Jahren bleiben viele Besucher ehrfürchtig stehen. Es wurde von der Scuderia Enrico Platé / Mailand, einem halboffiziellen Werksteam mit dem Schweizer Rennfahrer Baron de Graffenried eingesetzt und kam 1965 nach England. Erst 1990 bot der bekannte Maserati-Händler Dan Margulies den Wagen wieder zum Verkauf an.

Bild Maserati 4 CL (1950)
Maserati 4 CL (1950)

De Graffenried startete 1948 beim ersten Grand Prix auf englischem Boden in Silverstone. 50 Jahre später luden die Engländer die damaligen Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen ein. Leider konnte de Graffenried „seinen Maserati“ nicht fahren, da zu diesem Zeitpunkt der Motor noch zerlegt war. Erst 1999 wurde die extrem aufwändige Revision durch die Firma Feierabend in Würzburg abgeschlossen. Jetzt röhrt der alkoholbetriebene Rennwagen wieder so wie früher, unglaublich laut und richtig schnell, sauschnell sogar, wie der Schwabe sagt.

„Baby-Bugatti“ Typ 52

Ettore Bugatti entwarf 1927 ein Modell in Halboriginalgrösse, das batteriebetrieben für seinen jüngsten Sohn Roland gedacht war. Dieses Spielzeugauto fuhr fast 20 km/h schnell und erregte soviel Aufmerksamkeit, dass Bugatti beschloss, es in Serie zu bauen. Die meisten der wohl etwa 100 produzierten Exemplare wurden mit verlängertem Radstand gebaut, um den Kindern genügend Platz zu bieten. Sogar Kinderrennen auf den Strassen von Nizza wurden damit ausgetragen.

Bild Bugatti Baby Typ 52 (1927)
Bugatti Baby Typ 52 (1927)

Der in Tübingen gezeigte, reizvolle Baby-Bugatti stammt aus einer Nachfertigung des Bugatti-Owners-Club, der diese 1997 reproduzieren liess.

Lloyd - die weisse Maus

Carl F. Borgward musste das Image der zum Borgward-Konzern gehörenden Firma Lloyd aufpolieren, Sprüche wie „wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd“ waren dem Umsatz abträglich. So entstand die Idee, einen aussergewöhnlichen Rennwagen auf die Beine zu stellen. Der Rennfahrer und Lloyd-Händler Karl-Heinz-Schäufele entwarf „die weisse Maus“. Unter einer in mühevoller Handarbeit aus Aluminium gehämmerten Karosserie tat ein luftgekühlter Zweitaktmotor mit 300 ccm seinen Dienst. Im Mai 1954 war es dann soweit, in Montihery nahe Paris rannte der Wagen 72 Stunden und stellte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 112 km/h insgesamt 14 internationale Geschwindigkeitsrekorde ein.

Bild Lloyd Die weisse Maus (1954)
Lloyd Die weisse Maus (1954)

Im darauffolgenden Jahr, bei Temperaturen von bis zu 40 Grad, machten sich Karl-Heinz Schäufele, sein Mitarbeiter Hermann Ricker sowie der Borgward Rennfahrer Adolf Bruders erneut auf nach Paris. Der Motor hatte nun aber 400 ccm und keine stehenden sondern liegende Zylinder. Auch diese Fahrt endete mit diesmal 12 internationalen Geschwindigkeitsrekorden, eine auch aus heutiger Sicht bemerkenswerte Leistung.

Nach dem Konkurs der Borgward-Werke fand der Wagen in Hamburg in dem Automuseum Hillers eine neue Heimat. 1996 konnte Boxenstop die flotte Flunder weitgehend im Originalzustand erwerben und in den Jahren 2004 und 2005 restaurieren. 50 Jahre nach der legendären Rekordfahrt drehte Gerhard Mitter, der Sohn des unvergessenen Formel 1 Rennfahrers „natürlich wieder in Frankreich“ erstmals wieder ein paar schnelle Runden damit.  Die englische „Classic and Sports Car“ kommentierte den Einsatz im folgenden Jahr mit den Worten: Der Lloyd-Stromlinienrennwagen war einer der grossen Stars beim Festival of Speed 2006.

Autobianchi Bianchina

Einem Silvesterausflug nach Italien ist es zu verdanken, dass der kleine blaue Wagen jetzt in Tübingen steht. Während sich der Museumsbesitzer vor einem Ausstellungsraum für Aston Martin und Abarth-Rennwagen begeisterte, entdeckte seine Frau im hintersten Eck das süsse kleine Auto und drückte sich ebenfalls die Nase am Schaufenster platt. „Der muss es sein“, mit glänzende Augen, Sie ahnen es, die Sache war gelaufen. Für eine Motorisierung mit 15 PS bewegt sich die Italienerin bergauf wie bergab erstaunlich zügig.

Bild Autobianchi Bianchina (1960)
Autobianchi Bianchina (1960)

Das Auto, das bis heute nicht geschweisst werden musste, gehörte viele Jahre dem Pfarrer aus Ferrara. Man solle sich bekreuzigen bevor man losfährt, gab der italienischen Händler, Senior Giuntti, noch als Ratschlag mit, sonst mache das Auto keinen Mucks. Solche netten Geschichten erfährt man in diesem Museum immer wieder, was den Aufenthalt für alle interessant und abwechslungsreich gestaltet.

Bild Autobianchi Bianchina (1960)
Autobianchi Bianchina (1960)

Lister Jaguar - mit Costin Alukarosserie

Der Boxenstop-Lister ist das erste Fahrgestell, das an einen Kunden, die Gebrüder Murkett aus Cambridge, verkauft wurde. Sie waren Rover- und Jaguarhändler. Aus Werbezwecken verwendeten sie einen 1,5l Rovermotor. Später kam ein Jaguar D-Typ-Motor zum Einsatz, danach in Amerika ein Buick V8 Motor. Das bei einem Brand schwer beschädigte Fahrzeug kam Anfangs der 80er Jahre zurück nach England und wurde von Barry Simpson Engineering restauriert, die (neue) Karosserie stammt von William Pritchard / London, wo auch seinerzeit die Lister-Bleche geformt wurden.

Bild Lister Jaguar (1957)
Lister Jaguar (1957)

Der erste Eigentümer, Antony Murkett hat das Boxenstop 1987 besucht und war zu Tränen gerührt, als er seinen alten Kampfgefährten wieder sah. Er vermachte dem Museum seinen Helm, mit dem er in der Mitte der 50er Jahre in dem Lister sass. Schauen Sie sich den Wagen an. Er steht noch heute so da, als ob er im nächsten Moment losspringen wolle.

Bild Antony Murketts Helm, den er dem Museum 1987 vermacht hat - Boxenstop Museum Tübingen
Antony Murketts Helm, den er dem Museum 1987 vermacht hat - Boxenstop Museum Tübingen

Porsche 906 /Carrera 6

Was soll man zu diesem Wagen sagen, was nicht schon bekannt ist. Unter der Federführung von Ferdinand Piech entstanden und konsequent als Rennauto konstruiert, ein Geschoss, das in der Klasse bis 2l mehr oder weniger unschlagbar war. Die Zeitschrift „Hobby“ bezeichnete ihn im Februar 1966 in einem ausführlichen Bericht als „Deutschlands Trumpf für die Weltmeisterschaft“. Ein leichter, verwindungssteifer Gitterrohrrahmen, eine Weiterentwicklung des luftgekühlten 6-Zylindermotors des 911, Typ 901/20, sowie viele weitere konstruktiv für den Rennsport ausgelegte Details ermöglichten hervorragende Fahreigenschaften.

Bild Porsche 906 Carrera 6 (1966)
Porsche 906 Carrera 6 (1966)

Der hier ausgestellte Wagen hatte eine sehr kurze Renngeschichte, kam er doch bei seinem dritten Einsatz von der Fahrbahn ab und verunfallte dabei schwer. Erst 1992 erwarb Boxenstop das Chassis und weitere Einzelteile von Bernd Leirich. Die Firma Bill Bredley Racing in Fellbach und die beiden Spezialisten Paddy O‘Grady sowie der leider viel zu früh verstorbene Deutsche Bayer sind bei der Restaurierung mit immensem Aufwand und ohne Wenn und Aber vorgegangen.

Dieter Glemser aus Warmbronn, ehemals mit einem Porsche Carrera 6 erfolgreich unterwegs, meinte anlässlich eines Besuches in Tübingen „So schön wie dieses Auto hat kein 906 das Werk verlassen“. Man kann also sagen: alles richtig gemacht.

Zu den vielen Fahrzeugen ist stets auch eine Beschreibung parat, die grundsätzliche Informationen zu dem Modell sowie zu der Geschichte des ausgestellten Exponates selbst gibt.

Bild Rennsemmel und andere - Boxenstop Museum Tübingen
Rennsemmel und andere - Boxenstop Museum Tübingen

Die Sonderausstellungen sollen nicht unerwähnt bleiben. Letztes Jahr ging es erfolgreich um die MV-Augusta, jeden 6. Januar steht ein Dampftag auf dem Programm und 2018 wird es die erste “Art Eisenbahn“ geben, angelehnt an die in Tübingen seit Jahren erfolgreiche „chocolART“, ein international bekanntes Schokoladenfestival in der Altstadt. Ich bin gespannt, ob es gelingt, der “chocolART“ mit ihren Sweeties eine Veranstaltung mit “Handfestem vor‘m Boxenstop“ entgegenzustellen.

Der “Erlebnistag im romantischen Tübingen“ lockt regelmässig auch Interessenten mit längerem Anreiseweg an, Interessenten aus Zürich und Basel sieht man hier regelmässig - so weit weg ist die Schweiz ja dann auch wieder nicht. Dabei zahlt es sich aus, dass das Museum mitten in Tübingen liegt und nicht in einem entfernten Industriegebiet, denn die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ebenso problemlos wie mit dem eigenen Auto.

Bild Der Glacier Express - Boxenstop Museum Tübingen
Der Glacier Express - Boxenstop Museum Tübingen

Nach einer Museumsführung und einem reichhaltigen Vesperbuffet beginnt die 90-minütige Stadtführung, deren Abschluss eine für Tübingen typische Stocherkahnfahrt ist, direkt am Neckar kann danach gegessen werden.

Einfach gesagt, Boxenstop ist ein Teil von Tübingen oder auch, Tübingen ist ein Teil vom Boxenstop. Das harmoniert in allerbester Weise.

Ein weiteres Angebot ist das Boxenstop Magazin, das auf 130 Seiten über die geplanten Aktivitäten und Reisen detailliert informiert.

Und wer „mit dazugehören will“, dem steht der Freundeskreis Boxenstop offen. Er informiert seine Mitglieder über die Hauszeitung StreckenPOST alle zwei Monate über neue Aktivitäten, bietet kostenlose Inserate, lädt im Frühjahr ohne Nenngeld zu einer Ausfahrt ins Grüne mit Picknick ein und bietet weitere Vorteile und attraktive Einkaufskonditionen bei seinen Partnern.

Bild Der Eingangsbereich - Boxenstop Museum Tübingen
Der Eingangsbereich - Boxenstop Museum Tübingen

Enden wir mit der Erwähnung dessen, was das neu dazu gewonnene Dachgeschoss zu bieten hat. Einmal steht hier “der Gigant“, knapp 700 kg schwer und fast 7 Meter lang, ein Dragster aus den USA. Der Österreicher Gerry Steiner hat den fast 1000 PS starken Wagen einst gefahren und damit Geschwindigkeiten von bis zu 370 km/h erreicht. Auch die Weltmeister-Motorräder von Toni Mang (1980, Kawasaki) und Hermann Paul Müller (1955, NSU) haben hier Platz gefunden. Die Ebene heisst „La Pista“ in Anlehnung an die Teststrecke auf dem Dach des Fiat-Werkes in Turin, einer von vielen Themenräumen, die entsprechend ausgestaltet sind.

Bild Stimmungsvolles Arrangement - Boxenstop Museum Tübingen
Stimmungsvolles Arrangement - Boxenstop Museum Tübingen

Wer mehr erfahren möchte, dem seit die Webseite empfohlen, die aber einen Besuch in Tübingen auch nicht ersetzen kann.

Und um die Eingangs gestellte Frage zu beantworten: Ja, das im Vergleich zu vielen anderen eher kleine Museum kann die geweckten Erwartungen erfüllen, die vielfältigen Angebote machen eine runde Sache daraus. 

Bilder zu diesem Artikel

Bild Antony Murketts Helm, den er dem Museum 1987 vermacht hat - Boxenstop Museum Tübingen
Bild Apfelbeck Boxermotor - Boxenstop Museum Tübingen
Bild Ariel und andere Motorräder - Boxenstop Museum Tübingen
Bild Arrangement - Boxenstop Museum Tübingen
Bild Das Boxenstop Museum - Boxenstop Museum Tübingen
Bild Der Eingang zur Todeswand - Boxenstop Museum Tübingen
Bild Der Eingangsbereich - Boxenstop Museum Tübingen
Bild Der Glacier Express - Boxenstop Museum Tübingen
Bild Der Speisetisch - Boxenstop Museum Tübingen
Bild Die Dampfmaschinenabteilung - Boxenstop Museum Tübingen
Bild Die Motorradsteilwand - Boxenstop Museum Tübingen
Quelle:
Logo Quelle
von sn******
27.05.2018 (16:39)
Antworten
Dieser Artikel weckt bei mir als gebbürtigem Tübinger Erinnerungen an alte Zeiten , als ich in den 70 er Jahre manchmal in der Brunnenstraße bei Omnibus Schnaith und der zugehörigen Mosterei ausgeholfen habe. Das dort, wo damals die heute legendären Mercedes Busse der Baureihe O 302 standen, heute ein Museum ist, habe ich zwar schon mal gehört aber nicht gedacht, dass es so interessant ist. Beim Betrachten der tollen Bilder ist in mir der Entschluss gereift diese Kleinod in der alten Heimat bald zu besuchen. Manchmal brauch eben nicht nur das Auto eine kleine Starthilfe, sondern auch der Mensch.. Bei mir war`s dieser Artikel. Danke dafür und bis bald in Tübingen, vielleicht trifft man ja den Einen oder Anderen dort mit dem man damals geschraubt hat.
von jr******
24.05.2018 (18:52)
Antworten
Sehr interessanter und informativer Artikel. Macht Lust auf einen Besuch.
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.
Bild Kooperations-Partner
Bild Kooperations-Partner
Angebote unserer Partner
Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners
Angebot eines Partners
Loading...
Oha! Kostenlos Texte und Fotos sehen?
Zwischengas auf allen Geräten
Einfach hier anmelden:
Neu hier?
1x kostenlos registrieren und dauerhaft Inhalte freischalten!