Das alte Blaupunkt Frankfurt hat in der Schweiz doch noch nicht ausgedient, zumindest dann nicht, wenn auf den UKW-Frequenzen Radio gehört werden soll. Denn nach der Abschaltung der staatlichen Radioprogramme der SRG (Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft) per Ende 2024 wurde nun per Parlamentsentscheid vom 9. Dezember 2025 entschieden, dass die für 2026 auch für die privaten Sender vorgesehene Abschaltung und Umstellung auf DAB+ so nicht weiter zwingend sein soll. Da die Programme der zur SRG gehörenden SRF jedoch bis zu einem Viertel der Hörer eingebüsst haben, will nun die SRG einen Schritt zurück buchstabieren und schnellstmöglich wieder auf UKW auf Sendung gehen.
SRG fühlt sich im Stich gelassen
Die SRG schreibt nun in einer Medienmitteilung, sie habe sich mit ihrem Entscheid zur UKW-Abschaltung an eine vor zehn Jahren mit der Radiobranche und dem Bund vereinbarte Abmachung gehalten und sei «solidarisch vorangegangen», um privaten Radios den Weg zu ebnen.
Da jedoch einige Privatradios vorläufig nicht bereit seien für eine Abschaltung, sehe sich die SRG gezwungen, ebenfalls wieder auf UKW zu setzen. «Ein vollständiger Verzicht der SRG hätte nur Sinn gemacht, wenn die gesamte Branche wie vereinbart Ende 2026 UKW abgeschaltet hätte», heisst es weiter.
Schon jetzt würden aber neun von zehn Minuten Radio digital gehört, darum werde die SRG «weiterhin stark auf digitale Kanäle und DAB+ setzen». Nicht zuletzt auch deshalb, weil ein grosser Teil der Hörerschaft den Wechsel bereits vollzogen habe. Mit der Rückkehr zu UKW will die SRG sicherstellen, dass keine Hörerinnen und Hörer verloren gehen, während die digitale Strategie fortgesetzt werde.
Die Umsetzung werde zum gesetzlich, technisch und wirtschaftlich bestmöglichen Zeitpunkt erfolgen, um eine effiziente Wiedereinführung zu gewährleisten.
Weiterfahren mit UKW
Zudem sinkt damit eine gewisse Abhängigkeit von rein digitalen Kommunikationsnetzen. Schade an der ganzen Posse ist hingegen der zusätzliche, nicht mit eingeplante Aufwand, der nun getrieben werden muss, um wieder auf Sendung zu gehen. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass die SRG zum Sparen angehalten ist und eine kommende Volksabstimmung – die «Halbierungsinitiative» – damit droht, dass den staatlichen Medien die Hälfte ihres Budgets gekürzt werden sollen.
Als erfreulicher Nebeneffekt dürfen mit diesem Entscheid in der Schweiz aber noch intakte, voll funktionsfähige Empfangsgeräte eine ganze Weile länger ihren Dienst tun, statt dass diese hätten vorzeitig entsorgt werden müssen. In einem historischen Fahrzeug, das mit einem UKW-tauglichen Gerät ausgerüstet ist, bleibt man damit in der Schweiz auch weiterhin auf Empfang. Ob auch der öffentliche Verkehrsfunk wieder auf UKW zurückkehren wird, ist derzeit noch nicht bekannt.


















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