In den gegenwärtigen Diskussionen über Elektromobilität und erneuerbare Energien mag es überraschend erscheinen, dass ausgerechnet Oldtimer eine Rolle in der Nachhaltigkeitsdebatte spielen könnten.
Der MG Car Club ist einer der traditionsreichsten Automobil-Markenclubs der Welt. Gegründet wurde der 1930 in England und hat heute über 30’000 Mitglieder weltweit. Der MG Car Club Deutschland als „Affiliated Centre“ des MG Car Clubs in England hat derzeit mehr als 1000 Mitglieder.
Da Tradition verpflichtet, hat der MG Car Club Deutschland e.V. mit seinen jüngsten Aktivitäten, der Club-Initiative "Move Green" darauf abgezielt, CO2-Neutralität bei Clubveranstaltungen sicherzustellen.
Die Aktivitäten sind nicht nur symbolischer Natur, sondern aktive Schritte in Richtung Klimaschutz. Die Idee ist einfach umsetzbar: Emissionen, die durch gefahrene Kilometer bei Club-Ausfahrten entstehen, werden durch Förderung von entsprechenden Projekten in Deutschland ausgeglichen. Es begann 2020 mit dem Erwerb von CO2-neutralen Kraftstoff auf Zertifikatbasis, in diesem Jahr ist dies die Renaturierung von Mooren in Norddeutschland. Dies ist zweifellos ein begrüßenswerter Schritt, aber das wahre Highlight ist der Einsatz von eFuel.
CO2-neutraler Treibstoff
eFuel, oder "Carbon Neutral Fuel," ist ein synthetischer Kraftstoff. Mittels erneuerbarer Energie, wie Wind- und Sonnenenergie, wird aus Wasserstoff und CO2 durch Air Capture Methanol hergestellt, welches dann weiter zu Kerosin, Diesel oder Benzin verarbeitet wird. Die Prozesse sind seit den 1930er Jahren bekannt und erprobt.
Mit einem solchen eFuel der Firma P1 wurden vier ausgewählte Fahrzeuge des Clubs während des „Murginsel Treffens“ in diesem August in Gernsbach betankt. Diese Fahrzeuge kamen mit leerem Tank an und wurden nahezu vollständig mit eFuel versorgt. Im Ergebnis gab es keine spürbaren Unterschiede im Fahrverhalten im Vergleich zu herkömmlichem Benzin.
Während dieser Aktion fiel auf, dass eFuel weniger Geruch aufweist als konventioneller Kraftstoff. Ein erfreulicher Nebeneffekt, der auf die Reinheit dieses synthetischen Kraftstoffs hinweist. Dieser Aspekt ist besonders bemerkenswert, da er nicht nur die Umweltauswirkungen reduziert, sondern auch den Fahrerlebnis für die Teilnehmer selbst verbessert.
Weiter denken
Doch warum sollte das Experiment des MG Car Clubs interessieren? Die Antwort liegt in der ambitionierten Vision der Clubmitglieder. Sie verstehen, dass Nachhaltigkeit nicht nur für die Zukunft, sondern auch für die Gegenwart gilt. Es gibt weltweit über 1,3 Milliarden Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb, die mit eFuel betankt aktiv an der CO2 Reduzierung mithelfen können, um den Klimaschutz zu unterstützen. Die Dekarbonisierung muss aber schnell beginnen, wenn wir der Klimakrise Herr werden wollen. Und die problemlose Nutzung von eFuel in Oldtimern legt nahe, dass eFuels auch für modernere Fahrzeuge eine vielversprechende Alternative darstellen könnte. Daher ist der MG Car Club Deutschland e.V. auch der eFuel-Alliance beigetreten, um aktiv den Einsatz der eFuels zu unterstützen.
Die Herausforderung liegt auf der Hand: Die Produktion von eFuel muss gesteigert und kostengünstiger werden, um für den Massenmarkt zugänglich zu sein. Der Einsatz von eFuel wird bereits von einigen Fahrzeugherstellern zertifiziert. Nun muss von staatlicher Seite das Potential erkannt und der Einsatz erlaubt werden. Als Argument gegen eFuels werden oft die hohen Herstellungskosten genannt. Doch eFuel-Produzenten sind mittlerweile in der Lage, Produktionskapazitäten hochzufahren. Es werden Produktionskosten im Bereich von ca. 80 EUR-Cent pro Liter kommuniziert, die in ungefähr 10 Jahren erreichbar sind. Die Weichen – vor allem von politischer Seite - müssen also nun gestellt werden. Denn beschleunigte eFuel-Herstellung unterstützt den Klimaschutz durch sofort wirksame Dekarbonisierung.
Die Initiative des MG Car Clubs Deutschland ist daher nicht nur ein symbolischer Akt, sondern ein schönes Beispiel dafür, wie Innovation und Tradition Hand in Hand gehen können, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Die Diskussion mit Besuchern von Veranstaltungen wird angeregt und zeigt das Potential gerade von eFuel für eine schnelle Dekarbonisierung auf. Vor allem das lokale Presseecho war sehr positiv und unterstrich, wie solche praxisnahen Aktionen Offenheit für neue Wege im Bereich des Umweltschutzes fördern können. Gut durchgeführte Aktionen werden deutlich positiver aufgenommen werden als Diskussionen!



























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