Der älteste, bis heute regelmässig stattfindende Oldtimeranlass hat eine Tradition von 129 Jahren.
Erstmals 1896 ausgetragen und bis 1901 wiederholt, findet der London to Brighton Veteran Car Run seit 1927 regelmässig statt. Aus Tradition starten die Teilnehmer früh morgens nach Sonnenaufgang am ersten Novembersonntag von einer Ecke des Hydeparks in London nach dem See- und Vergnügungsort Brighton an der Kanalküste. Zugelassen sind ausschliesslich Automobile, die vor 1905 gebaut wurden.
Der erste Run war eine eher spontane Aktion zur Feier von neuen Geschwindigkeitsvorschriften zu Ende des 19. Jahrhunderts im Vereinigten Königreich. Der Red-Flag-Act, der in verschiedenen Etappen zwischen 1856 und 1878 etabliert worden war, wurde Ad-Acta gelegt, oder zumindest die absurden Tempolimits aufgehoben und die Vorschrift, dass einem motorisierten Strassenfahrzeug ein Mann mit einer roten Flagge vorausgehen müsse.
Bereits 1878 durfte der Mann zwar aufsitzen statt dass er zu Fuss gehen musste, doch es galten ausserorts 4 Meilen pro Stunde und Innerorts 2 Meilen pro Stunde, was schnellem Schritt und «trödeln zu Fuss» gleichkam. Im Herbst 1896 aber wurde das Limit auf 14 Meilen pro Stunde ausserorts angehoben, ein Tempo, bei dem manches Auto der Pionierzeit bereits an sein Limit gelangte. Die rote Flagge aber, von der kolportiert wird, dass sie zum Start des «Emanzipation Run» – so hiess die erste Austragung – zerrissen worden sei, sie wäre somit bereits ab 1878 nicht mehr nötig gewesen. Vermutlich aber bot das Hassobjekt soviel nötige Symbolik für das historische Ereignis, dass man sie nochmals hervorgeholt hatte.
Start des Automobilismus
Und historisch bedeutungsvoll ist der erste Run nicht nur deshalb, weil er einen jährlich wiederkehrenden Event und eine feste Grösse im Kalender vieler Enthusiasten ist, sondern weil die damals 32 teilnehmenden Automobilisten und jene eine, erste britische Automobilistin damit in UK erstmals öffentlich in Erscheinung getreten sind. Sie haben damit der britischen Fahrzeugindustrie, die bei den Fahrrädern führend war, die Chance eröffnet, den gesetzlich verursachten Rückstand bei der Automobilentwicklung binnen kürzester Zeit wettzumachen.
Mit dem Kauf des ersten königlichen Motorwagens, eines British Daimler, durch König Edward VII auf Anregung des ersten «Gentleman-Drivers» der Automobilgeschichte, Lord Montagu of Beaulieu, im Jahre 1900 war das Automobil auch auf der Insel gesellschaftsfähig geworden. Vielleicht war auch dies einer der Gründe, dass während fast 30 Jahren kein London-Brighton-Run mehr gefahren wurde. Zudem wurde 1901 die Maximalgeschwindigkeit auf 20 Meilen in der Stunde erhöht, kein Grund mehr wie zuvor die Einführung der 14-Meilen-Marke zu feiern.
Erst 1927 erinnerte man sich wieder der Ereignisse – auf Initiative zweier Zeitungen! – aus der Frühzeit. Dies war sinnigerweise genau dann, als die britische wie auch internationale Autoindustrie mit einer Fülle von Marken aufwarten konnte, die so nie mehr erreicht wurde.
In der Folge wurde der Run bis zum Ausbruch des Zweite Weltkriegs jährlich durchgeführt. Danach zwangen die Ereignisse und Benzinrationierungen zu einer Pause bis 1947.
Seither ist der London-to-Brighton-Run der grösste und wichtigste Anlass für Pionierfahrzeuge weltweit. Die rund 400 Automobile und ebensovielen Zweiräder mit und ohne Motor auf der Startliste reisen von rund um den Globus an um die rund 80 Kilometer Strecke nach Brighton zurückzulegen. Es versteht sich, dass die Route ausschliesslich den Überlandstrassen folgt, zur Hauptsache der alten A23. Bei den steilsten Steigungen Red Hill, Hammer Hill und Clayton Hill stehen jeweils freiwillige Helfer bereit, die die schwachbrüstigen Gefährte über die Steilstrecke schieben helfen.
Das Ziel des Runs war ursprünglich der Preston Park in Brighton, doch die heutige Zieleinfahrt ist natürlich beim Madeira Drive, jener Seepromenade vor der berühmten, viktorianischen Gusseisenbalustrade direkt bei dem berühmten Vergnügungspier von Brighton.
Mehr Infos zum diesjährigen Run vom 2. November gibt es hier

































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