Komplettrestaurierungen sind teure Projekte. Kommerziell machen sie kurzfristig nur selten Sinn, speziell im aktuellen Markt mit bestenfalls stagnierenden Klassikerpreisen. Nur für superteure Klassiker kann sich eine Restaurierung auch finanziell lohnen. Dies weiss auch Hannes Gautschi von Emil Frey Classics.
“Bei diesem Dodge Kingsway geht es um ein Herzensprojekt der Familie, die uns den Auftrag für das Projekt gab”, erklärt Gautschi im Gespräch.
Tatsächlich wurde der im Jahr 1958 gebaute und 1959 erstmals in Indien zugelassene Dodge vom Erstbesitzer nie mehr verkauft. Der Wagen gehörte dem Grossvater und wurde offenbar kräftig genutzt. Viele Modifikationen und die Spuren des Alters zeigen, dass die fast 70 Jahre ihren Tribut gefordert haben.
Nun aber soll der Wagen wieder wie einst dastehen. Dies bedeutet, dass nicht zeitgerechte Modifikationen rückgängig gemacht werden sollen, vor allem aber Rost und Alterungsspuren beseitigt werden müssen.
Viel Erfahrung vorhanden
Hier kommt das Emil-Frey-Classics-Team ins Spiel. Thomas Wälchli ist beim Dodge für Mechanik und Antriebsstrang sowie das Gesamtprojekt zuständig, Jens Kehnscherper fokussiert sich auf Carrosserie und Anbauteile.
Manfred Horner schlägt sich derweil mit der Elektrik herum.
Am gradlinigsten sind die Herausforderungen, welche die Mechanik stellt. Reihensechszylinder-Motor und Getriebe waren Standardteile, die auch in anderen Fahrzeugen der Chrysler-Gruppe, insbesondere im bauähnlichen Plymouth Savoy, zum Einsatz kamen. Auch die Karosserie wurde in ähnlicher Form bei vielen Produkten jener Zeit genutzt, Chromanbauteile, Zierleisten, Schriftzüge und anderes aber waren dann teilweise wieder spezifisch für den Dodge Kingsway, den es so eigentlich nur im Export gab. Und weil die Autos in verschiedenen Märkten, darunter auch Indien mit der Premier Automobiles Limited, lokal montiert wurden, gibt es zwischen den verschiedenen Landesausführungen kleinere und grössere Unterschiede.
Spezialitäten und Besonderheiten
Der zu restaurierende indische Dodge Kingsway etwa hat das Lenkrad rechts und ob Interieurmaterialen und ähnliches mit den US-Ausführungen übereinstimmten, kann erst durch aufwändige Nachforschungen identifiziert werden. «Sowieso ist eine gute Recherche entscheidend für die Güte der Restaurierung», erklärt Gautschi. “Viele Stunden sind nötig, um möglichst umfangreiches Bildmaterial, Ersatzteilkataloge, Schemata und Handbücher zu beschaffen”.
Nicht alles, was bei anderen Modellen auf dem Markt erhältlich ist, gibt es auch für den Dodge. Zierteile und Elemente der Innenausstattung sind besonders heikel. Soviel wie möglich wird daher aufgearbeitet. Im Extremfall hilft 3D-Druck und einige Dinge müssen auch nachgegossen werden.
Für die Zusatzinstrumente, denen der Zahn der Zeit hart zugesetzt hat, gibt es bisher noch keine Lösung. Auch hier muss im Extremfall nachgebaut werden. Den Kabelbaum hofft Horner beschaffen zu können, aber noch ist nicht klar, ob dieser dann auch für eine rechtsgelenkte Version brauchbar sein wird.
Bei der Elektrik wurde besonders viel “verbastelt” über die Jahre, etliche Sicherungen, die ursprünglich nicht eingebaut waren, sollten offenbar die stetig spröder werdende Elektrik schützen. Dies soll alles wieder auf Originalzustand zurückgebaut werden.
Neben Ersatzteilen und Recherche ist ein dritter Faktor entscheidend für den Erfolg des Restaurierungsprojektes, nämlich die Passion der Handwerker. Aber die sieht man dem Dreierteam sofort an, sie haben Freude an der Arbeit an diesem Dodge.
Rundum-Service
In ein paar Monaten lässt sich ein solches Restaurierungsprojekt natürlich nicht abschliessen, selbst wenn ein erheblicher Teil der Arbeit “inhouse” bei Emil Frey Classics erledigt werden kann.
“Unter ein bis zwei Jahren ist ein solches Werk nicht machbar”, führt Gautschi aus und sein Team nickt. Die Auftraggeber-Familie wird also noch einige Zeit auf die erste Ausfahrt warten müssen.
Immerhin geht es bei einem zweiten Fahrzeug, das die Sammlung komplettieren soll, etwas schneller. Weil der Fünfzigerjahre-Cadillac des Grossvaters nicht mehr vorhanden war, fand man in Deutschland einen passenden Ersatz, der in gutem Zustand gekauft werden konnte und nun nur noch farblich angepasst werden muss. Auch solche Projekte übernimmt Emil Frey Classics, schliesslich betreut man die Kunden gerne komplett.
Kontaktinformationen
Emil Frey Classics AG
Bahnhofplatz 2
CH-5745 Safenwil
Telefon: +41 62 788 79 20
E-Mail: [email protected]
Web: www.emilfreyclassics.ch






















































