Haben wir uns nicht alle schon einmal überlegt, wie unsere nach 2010 gebauten, mit zahlreichen digitalen Helfern ausstaffierten Autos und Sportwagen wohl jemals Oldtimer werden können, ohne an irgendwelchen irreparablen Steuermodulen zu scheitern?
In Zürich präsentierte die Schmohl AG am 4. Juli gleich zwei Neuheiten: Den neuen Bugatti Tourbillon und für diesen gleich dazu einen neuen Bugatti-Showroom. Auch wenn auf 350 qm Platz für drei Autos gefunden werden soll, dürfte der neue Tourbillion mit sagenhaften 1800 PS Systemleistung vorerst der Star in der Manege sein. Er ist seit 20 Jahren der erste Bugatti, der nicht nach berühmten Bugatti-Rennfahrern der Vergangenheit benannt wird; eine Entscheidung, die wohl intern eifrig diskutiert wurde. Denn alternativ standen etwa auch die Namen von Abschnitten berühmter Rennstrecken auf der Liste der Namenskandidaten.
Anspielung an die Vergangenheit
Der Name Tourbillon machte am Ende aber klar das Rennen und ist gemäss Bugatti als perfekte Verkörperung des Charakters dieses Autos. Tourbillon ist als französisches Wort zum einen Anspielung auf Bugattis französisches Erbe und seine Heimatstadt Molsheim. Zum anderen verweist die Bezeichnung auf die uhrmacherische Erfindung Abraham-Louis Breguets, eines in der Schweiz geborenen Genies, das 1801 nach Frankreich übersiedelte.
Diese unvergleichlich originelle, ebenso komplexe wie schöne Kreation ermöglicht es, die Auswirkungen der Schwerkraft auf die Uhr auszugleichen, um eine einheitlichere Zeitmessung zu gewährleisten. Noch heute, über 200 Jahre später, wird sie als Höhepunkt der Uhrmacherkunst verehrt.
Zeitlos
Dieses Gefühl der mechanischen Zeitlosigkeit war ein zentrales Element bei der Entwicklung des Bugatti Tourbillon. Bei einem Auto, das in diesem und in den kommenden Jahrhunderten an Concours-Treffen teilnehmen wird, kann die Technik leicht überaltern – insbesondere grosse digitale Bildschirme. Daher ist es wichtig, so viele zeitlose Komponenten wie möglich zu verwenden.
Der Tourbillon nutzt daher eine Reihe von Design- und Konstruktionstechniken, die niemals altern werden, einschliesslich eines vollständig analogen Kombiinstruments, das von Schweizer Uhrmachern mit derselben Sorgfalt und Liebe zum Detail wie die besten Zeitmesser der Welt hergestellt wird. So wie diese über Generationen hinweg zu Erbstücken werden, ist auch der Tourbillon als Auto für die Ewigkeit konzipiert.
Ohne Turbolader, aber mit vielen Designbezügen
Das 1800 PS starke Auto der Superlative - davon gut 1000 PS aus dem neuen V16 Saugmotor ohne jede Aufladung - beginnt jetzt seine Testphase.
Was als erstes auffällt, ist das im Vergleich zu den Vorgängern Veyron oder Chiron deutlich flachere Design - auch bei der Front und Kühlerpartie. Jascha Straub, Manager Individualisierung aus der Design-Abteilung erklärt diese Evolution mit einem historischen Vorbild: Auch ein Type 57 SC hatte den Anspruch, noch stromlinienförmiger und zugleich eleganter zu werden als das Basismodell Bugatti 57C.
Weitere interessante Design-Elemente mit historischen Anleihen sind das seit dem legendären Modell Atlantic berühmte, damals werkstoffbedingt genietete Rückgrat, mittig über das gesamte Dach und natürlich erneut der seitliche und mit abgesetzter Lackierung betonte Bogen, der jedoch ebenfalls flacher - und auch weniger rundlich, also etwas maskuliner ausfällt. Am Heck verweisen die Designer auf kraftvoll wirkende, von hinten weitgehend freistehende und sichtbare Laufflächen der Hinterreifen im „naked bike“ Look, was auch ein neues Heckleuchten-Design mit sich brachte, das in seinem Schwung ein klein wenig an McLaren-Sportwagen erinnert.
Der hohe Bugatti-Anspruch für die Automobilentwicklung „Einzigartig oder gar nicht“ wird aber zweifellos vollumfänglich erreicht. Nicht nur werden neue Massstäbe in Leistung und Design gesetzt; sogar der aktuelle Käufer-Geschmack und Zeitgeist scheint im Auge behalten worden zu sein, ohne dass dabei ein modisches Auto entstanden worden wäre. Im Gegenteil; der Tourbillon wirkt, als könne er leicht zu einem zeitlosen und begehrten Oldtimer mutieren - und dafür auch technisch überleben.
Die ersten Prototypen sind bereits auf der Strasse, um die Auslieferung an die Kunden ab dem Jahr 2026 vorzubereiten. Insgesamt werden 250 Exemplare zu einem Startpreis von 3,8 Millionen Euro netto gebaut; ein Grossteil der Produktion ist aber wohl bereits verkauft. Die Handmontage erfolgt im Atelier in Molsheim, wo bereits die Bugatti-Modelle Bolide & Mistral gebaut wurden.
Informationen und die genauen Spezifikationen zum Bugatti Tourbillon können auf der Website von Bugatti nachgelesen werden.












































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