Reihe um Reihe, auf einer windigen, eher fragil aussehenden Rampe werden VW Transporter aus einer riesigen Fabrik gefahren. Mit solchen Bildern warb VW in den 1960er-Jahren unter anderem in ihrer Kundenzeitschrift „Flotter Transport“ für die Vielfalt und den Erfolg des VW Transporters.
Die Bilder der bunten Busflotten stammten vom VW-Werk in Hannover. Gebaut wurde sie, nachdem in Wolfsburg, so erstaunlich dies klingen mag angesichts der Dimensionen dieser Fabrik am Mittellandkanal, der Platz ausgegangen war.
Vorgestellt in einer eher spröden Pressekonferenz am 12. November 1949, lief der erste Volkswagen Typ 2 am 8. März 1950 in Wolfsburg vom Band. Dieses «Band» war derweil eher eine freigemachte Ecke, wo man mit sehr viel Handarbeit die ersten Kastenwagen und kurz darauf verglaste Kombis baute. Allen gemein war der 25-PS-Motor aus dem Käfer, ein fehlendes Heckfenster, dafür ein VW-Logo aus Aluguss auch hinten, und die für ein Nutzfahrzeug damals ungemein moderne, sachliche Form. Damals nannte das VW-Werk diese die «Metro-Bauweise».
Aus allen Nähten
Nur 10 Fahrzeuge entstanden so pro Tag in einer ersten Phase. Die Nachfrage dafür aber sollte alle Erwartungen übertreffen. Nachdem der erste Transporter an einen Kunden ausgeliefert worden war – übrigens war dies der Parfumhersteller 4711 in Köln – setzten immer mehr Unternehmen auf den robusten Kasten. Bereits vier Jahre später waren 100’000 Transporter vom Band gerollt. Und die Produktion in Wolfsburg, wo sich der Käfer stramm der ersten Millionengrenze näherte, platzte aus allen Nähten.
Ab 1954 evaluierte das Volkswagenwerk unter Direktor Heinrich Nordhoff einen möglichen, zweiten Standort. Über 200 solcher Möglichkeiten wurden geprüft, als beste Lösung zeichnete sich eine riesige freie Fläche von 1.1 Quadratkilometer in Hannover im Stadtteil Stöcken ab. Auch die Nähe zum Stammwerk Wolfsburg, ebenfalls im Bundesland Niedersachsen, mag den Ausschlag gegeben haben.
Ende Februar wurde der Landkauf vertraglich besiegelt, bereits am 1. März 1955 erfolgte die Grundsteinlegung des Werks. Und am 8. März 1956 lief der erste Transporter der damals nach Wolfsburg grössten Automobilfabrik Europas vom Band. Die Grundorganisation des Stammwerks wurde für Hannover kopiert.
Nur 13 Monate
Rund 62’000 Fahrzeuge sollten es im angebrochenen, ersten Produktionsjahr werden. 1957 waren es 91'993 Fahrzeuge. Nahezu lückenlos war der Übergang von der Produktion in Wolfsburg nach der in nur 13 Monaten aus dem Boden gestampften Fabrik geglückt. 1959 ergänzte eine eigene Motorenfertignung die Produktionsanlagen.
Insgesamt 16 verschiedene Modelle wurden bisher in Hannover gebaut. Darunter alle Generationen des VW Transporters vom T1 bis zum T6.1, dazu der grössere LT, der Kübelwagen Typ 181, der Post-Kleinfourgon "Fridolin" Typ 147, der von Toyota in Lizenz gebaute Pick-Up Taro, der Amarok oder in jüngster Zeit der Multivan und der vollelektrische ID. Buzz.
Zeitweise kamen aus dem Karosseriebau auch die Rohkarossen des Porsche Cayenne oder gar der von Wolfsburg hierher ausgelagerte VW Käfer hinzu. Dies, nachdem der Golf dessen Bänder ab 1974 im Stammwerk Wolfsburg übernommen hatte. Rund 11 Millionen Fahrzeuge haben bisher das Werk verlassen.
2021 erfolgte ein grösserer Umbau im Werk, Ziel war es, die Produktion elektrischer Fahrzeuge zu integrieren. 2024 schliesslich verliess der letzte Bulli die Fabrik, ein T6.1. Dessen Nachfolger, eine Kooperation mit dem ehemaligen, ewigen Konkurrenten Ford und deren Transit, wir heute in einem Billiglohnland, in der Türkei gebaut. „Wir kämpfen dafür, den Bulli zurück zu bringen“, steht irgendwo auf einem Flur auf einem Plakat, es sind Wahlen für den VW-Betriebsrat angesagt, starke Worte.
Aktuell zwei Modelle
Dass ein Autowerk auch nach 70 Jahren noch seiner Aufgabe gerecht wird und sich den ständig ändernden Gegebenheiten anpassen kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Anderswo sind die grossen Stammwerke längst Geschichte, sie wurden ausgelagert, die Gelände umgenutzt und oft blieb von der einstigen Geschäftigkeit nicht viel übrig. In Hannover-Stöcken aber wird noch richtig produziert, aus den Blech-Pressen greifen Roboter im Sekundentakt Karosserieteile und legen sie aufs Band, in einer anderen Halle werden Karosserien und die Fahrwerk des ID. Buzz und Multivans miteinander verheiratet. In der Endkontrolle rollen neue VW ID. Buzze und Multivan vom Band, bereit zur Auslieferung.
Eine felsenfeste Garantie, dass dies auch weiterhin der Fall sein wird, gibt es natürlich nicht. Erstmals in der Geschichte sprach man in der jüngsten Vergangenheit bei VW von Werksschliessungen. In Hannover wird aber gerade die Produktion des ID. Buzz AD vorbereitet. Dieser erste, schlüsselfertig angebotene, autonom fahrende Van soll ab 2027 ein neues Zeitalter einläuten. Und die Verkaufszahlen des ID. Buzz steigen, auch dank neuen Modellen. Zudem wird die Produktion der Camperversionen „California“ aus dem kleinsten VW-Werk in Hannover-Limmer im Sommer 2026 in das Stammwerk Stöcken integriert.





















































































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