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40 Jahre Versuchs- und Rekordfahrten in Nardo

Erstellt am 16. Juli 2015
, Leselänge 3min
Text:
Porsche AG / Tamara Tanner
Fotos:
Daimler AG 
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Archiv 
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Das Nardò Technical Center feiert dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Die weltweit einzigartige Kreisbahn für Hochgeschwindigkeiten mit einer Länge von 12,6 Kilometern sollte die Forschungs- und Entwicklungsprozesse verbessern, indem Fahrzeuge unter extremen Bedingungen getestet werden.

Bild Mercedes-Benz C 111/III Rekordwagen (1969) - auf der Hochgeschwindigkeitsbahn von Nardo
Mercedes-Benz C 111/III Rekordwagen (1969) - auf der Hochgeschwindigkeitsbahn von Nardo

Seit 3 Jahren in den Händen von Porsche

Seit 2012 wird das Automobil-Testgelände von der Porsche Engineering Group GmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart, betrieben und bietet mit mehr als 20 Teststrecken sowie Prüfeinrichtungen auf mehr als 700 Hektar Fläche Möglichkeiten für alle denkbaren Erprobungsstufen.

Bild Mercedes-Benz C 111/II D Rekordwagen (1976) - auf der Rundstrecke von Nardo 1976
Mercedes-Benz C 111/II D Rekordwagen (1976) - auf der Rundstrecke von Nardo 1976

„Das Nardò Technical Center ist die ideale Ergänzung zu unseren Prüf- und Forschungseinrichtungen im Entwicklungszentrum Weissach. Und zwar mit dem grossen Vorteil, dass wir in Nardò dank des milden Klimas unsere Sportwagen an 365 Tagen im Jahr erproben können", sagt Wolfgang Hatz, Vorstand Forschung und Entwicklung der Porsche AG. „Diese einzigartigen Bedingungen stellen für die gesamte Automobilindustrie eine wertvolle Ressource zur effizienten Fahrzeug-Erprobung dar."

Umfangreiche Zukunftspläne für den Ausbau des Testgeländes

„Auf dem Prüf- und Testgelände steht unseren Kunden bereits heute die komplette Palette an Erprobungsdienstleistungen zur Verfügung", sagt Malte Radmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Porsche Engineering Group. „Doch damit nicht genug: Für die nächsten Jahre existieren umfangreiche Pläne hinsichtlich Ausbau und Neuerungen, um den Entwicklungsanforderungen der Zukunft gerecht zu werden."

Bild Mercedes-Benz C 111/III Rekordwagen (1969) - bei Versuchs- und Rekordfahrten auf der Rundstrecke von Nardi im April 1978
Mercedes-Benz C 111/III Rekordwagen (1969) - bei Versuchs- und Rekordfahrten auf der Rundstrecke von Nardi im April 1978

Die Idee des Testzentrums als „Gesellschaft für Automobilteststrecken Nardò" (Società Autopiste Sperimentale Nardò) wurde 1975 von Fiat in die Realität umgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt existieren der Rundkurs mit Bahnen für Personen- und Lastkraftwagen sowie eine Personenkraftwagen-Dynamikfläche. Sieben Jahre später folgt der Ausbau um eine Dynamikfläche für Lastkraftwagen.

Abgeschiedenheit und strenge Geheimhaltungsvorkehrungen

Im Jahr 1999 übernimmt die italienische Prototipo-Gruppe das Prüf- und Testgelände und erweitert Nardò um insgesamt 5.000 Quadratmeter neue Werkstatt- und Büroflächen, um der steigenden Kundenzahl gerecht zu werden. 2002 und 2008 folgen Teststrecken zur Erprobung von Fahrkomfort und Geräuschentwicklung sowie eine Handling-Strecke, der auf einer Länge von 6,2 Kilometern einzelne Kurven der Nürburgring-Nordschleife nachempfunden sind. Im Mai 2012 übernimmt die Porsche Engineering Group die Verantwortung für das Versuchs-Areal.

Bild Mercedes-Benz C 111/II D Rekordwagen (1976) - mit 5-Zylinder-Dieselmotor mit Turbo-Aufladung
Mercedes-Benz C 111/II D Rekordwagen (1976) - mit 5-Zylinder-Dieselmotor mit Turbo-Aufladung

Nardò geniesst seinen legendären Ruf auch aufgrund der Abgeschiedenheit und der strengen Geheimhaltungsvorkehrungen. Für die Automobilhersteller sind die nahezu unbegrenzten und effizienten Testmöglichkeiten entscheidend. Binnen weniger Wochen lassen sich beispielsweise Aussagen zur Korrosionsfestigkeit über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs machen oder klimatische Bedingungen unterschiedlicher Länder und Regionen nachbilden - ob afrikanische Offroad-Piste oder auch bei Sonnenschein regenasse Strassenflächen. Zusätzlich werden zeitaufwendige Anlieferwege und hohe Transportkosten vermieden, da die hohe Diversität der Prüfstrecken den Entwicklern eine grosse Bandbreite an Erprobungen an ein und demselben Ort ermöglicht.

Schnellster Automobilrundkurs der Welt

Geschichte hat das Nardò Technical Center auch auf der Ringstrecke geschrieben, die mit einem Durchmesser von vier Kilometern und einer Streckenlänge von 12,6 Kilometern bis heute als schnellster Automobilrundkurs der Welt gilt. Sie bildet die Grundlage für zahlreiche Rekorde unterschiedlicher Kraftfahrzeughersteller.

Den Beginn machte Mercedes-Benz mit dem C111-IV, der 1979 zum ersten Mal mit exakt 403,978 km/h die 400-km/h-Grenze durchbricht.

Bild VW ARVW - der Rekordwagen von VW, gezeigt am Genfer Autosalon 1981
VW ARVW - der Rekordwagen von VW, gezeigt am Genfer Autosalon 1981

Der ARVW (Aerodynamik Research Volkswagen) stellt 1980 gleich sechs Klassenrekorde und zwei Weltrekorde in Sachen Geschwindigkeit auf der Strecke in Nardò auf.

Bild Mercedes-Benz C 111/IV Rekordwagen (1979) - während Versuchs- und Rekordfahrten in Nardo 1979
Mercedes-Benz C 111/IV Rekordwagen (1979) - während Versuchs- und Rekordfahrten in Nardo 1979

Porsche sorgt 1982 mit einem 928 S für einen 24-Stunden-Rekord. Der damals revolutionäre Porsche mit Frontmotor und Schaltgetriebe an der Hinterachse legt 6.033 Kilometer in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 251,4 km/h zurück. Mehr als zehn Jahre danach lieferte Porsche einen eindrucksvollen Beweis für die Transaxle-Bauweise: Mit einem serienmässigen Porsche 928 GTS legt ein österreichisches Privatteam 1993 in Nardò in 24 Stunden 6.377,25 Kilometer zurück und realisiert einen Schnitt von 265,72 km/h.

Überboten wird dieser Rekord erst 2002 von dem Volkswagen-Konzeptauto „W12 Nardò", das bis heute insgesamt sieben Weltrekorde hält, unter anderem den 24-Stunden-Entfernungs- und Geschwindigkeitsrekord mit 7.740,576 Kilometern in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 322,891 km/h.

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