Dieses Jahr meint es das Wetter nicht gut mit motorsportlichen Veranstaltungen: Nebel sorgte für die kürzesten 24 Stunden aller Zeiten am Nürburgring, langanhaltender Regen bei den 24 Stunden von Le Mans für eine mehrstündige Safety-Car-Phase. Und beinahe wäre auch das Solitude-Revival ins Wasser gefallen. Aber der Reihe nach.
Die Strecke an der Glemseck dürfte allen Motorsportfans bekannt sein, eine detaillierte Beschreibung erübrigt sich. Zitiert sei nur "Striezel" Stuck, der begeistert von der Strecke meinte, sie komme für ihn vom Fahrcharakter her gleich nach dem Nürburgring. Die Fahrer hätten früher richtig kämpfen müssen. Es seien schon einige interessante Ecken mit dabei, meint er, und er sollte es ja wissen.
Zunächst wurden die zahlreichen Besucher schon vor dem Eingang von den säuberlich aufgereihten Fahrzeugen begrüsst, die später am "Corso Classico" teilnehmen sollten. Geboten wurde ein rollendes Museum. Fahrzeuge von A bis Z, egal ob zwei, drei oder vier Räder, ob gross oder klein, stark oder schwach motorisiert, ob Vorkriegsfahrzeuge oder junge Rennautos, deren aktive Zeit noch gar nicht so lange zurückliegt – es gab alles zu sehen. Bei 400 Nennungen sollte für jeden etwas dabei gewesen sein. Erwartungsgemäss war die Veranstaltung am Stadtrand von Stuttgart etwas Mercedes- und Porsche-lastig, was der Sache aber keinen Abbruch tat.
Richy Müller, den die meisten als Targa-fahrenden Tatortkommissar Thorsten Lannert kennen, liess es sich nicht nehmen, einmal das Modell zu wechseln. Er durfte den Carrera GTL Abarth des Porsche-Museums pilotieren, woran der rennbegeisterte Schauspieler sichtliches Vergnügen hatte. Privat ist der gelernte Werkzeugmacher seit einigen Jahren mit grosser Freude mit einem braunen 911 Targa unterwegs, der dem Wagen aus der Fernsehserie zum Verwechseln ähnlichsieht.
Landrat Roland Bernhard, der die Veranstaltung genehmigt hatte, wurde zum Dank im roten ONS-Sicherungsfahrzeug um den Kurs gefahren. Gerne hätte er noch weitere Runde genossen, was der Zeitplan allerdings nicht zuliess. Der Porsche 914/6 GT war 1972 Herbert Linges erster ONS-Dienstwagen gewesen und hatte sich bald als schnellste Feuerwehr der Welt etabliert
Nasser Samstag
Der samstägliche Vormittag verlief noch reibungslos, wurde dann um 13:25 Uhr aber zum "Tag als der Regen kam" – allerdings nicht langersehnt, wie in dem Schlager von Dalida, sondern eher wie von den Besuchern und dem Veranstalter befürchtet.
Richy Müller und alle anderen, die da mit ihren Fahrzeugen noch auf der Stecke waren – auch solche ohne Dach –, mussten freilich ihre Runde noch beenden, was teils schöne Fotos ergab und trotz Slick-Reifen ohne Unfälle vonstatten ging.
Danach hiess es zweimal – Besucher der 24 Stunden vom Nürburgring kennen diesen Satz zur Genüge – "in einer halben Stunde wissen wir mehr", während einige Betreiber der Stände auf dem Verkehrsübungsplatz wortwörtlich im Wasser versanken. Kurzum: Das Rennen musste abgebrochen werden.
Walter Röhrl soll bei einer seiner früheren Fahrten auf der Solitude gesagt haben, Regen sei kein Problem, sondern lediglich eine Frage der Aufmerksamkeit und des Fahrzeugs. Im Porschezelt stellte er sich den Fragen der begeisterten Zuschauer und stand für Fotos und Autogramme zur Verfügung.
Länger zu tun hatte noch der Geländewagen des Veranstalters, der seinem Namen als "Zugfahrzeug" alle Ehre machte. Die Wiese, auf der viele Besucher geparkt hatten, war von dem Regen völlig aufgeweicht worden, was zu zahlreichen traktionsarmen Abreiseproblemen führte. Glücklich, wer den gut organisierten Shuttleservice vom Parkplatz in Leonberg genutzt hat.
Trockener Sonntag
Am Sonntag hielt sich das Wetter und bot den Besuchern nun die erwartete Unterhaltung. Wer durch die Streckenunterführung auf den Verkehrsübungsplatz ging, konnte die Teilnehmerfahrzeuge gründlich inspizieren, mit den Besitzern diskutieren, exquisit speisen oder anschauen, wie Porsche "50 Jahre Turbo" feiert. Raritäten wie den "Dreikantschaber", einen Porsche 2000 GS Carrera 2 mit skurriler Leichtmetall-Karosserie, konnte man ebenfalls bestaunen. "Stadionsprecher" Johannes Hübner erzählte unterdessen interessante Geschichten zur Strecke, ihrer Geschichte oder den Fahrzeugen.
Natürlich war einiges an Motorsport-Prominenz zugegen: Man konnte mit Jochen Mass, Karl Wendlinger, Bernd Schneider oder auch Norbert Haug ins Gespräch kommen, um nur einige zu nennen. Der erfolgreiche Stuttgarter Rennfahrer Günter Steckkönig, der dieser Rennstrecke eng verbunden ist, pilotierte den Martini-Porsche mit der Nummer 926 – nicht nur zur Freude der Zuschauer, sondern auch zur Feier seines 88. Geburtstages.
Trotz der nassen Zwangspause am Samstag war die Rennwagenschau auf dem historischen Kurs vor den Toren von Stuttgart eine gelungene Veranstaltung. Und im Gegensatz zum Nürburgring wurde hier auch mehr als die halbe "Renndistanz" gefahren. Wir freuen uns schon auf 2025 bei hoffentlich stabilerem Wetter.



















































































































































































































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