Saalbach-Classic Rallye 2018 - ein Weltmeister, viel Alpenpanorama und spannende Entscheidungen

Erstellt am 2. Juli 2018
, Leselänge 6min
Text:
Thomas Suter
Fotos:
Zipser/Keller - Courtesy Saalbach-Classic 
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Fahren auf den schönsten Strassen der Alpen – das ist Credo der Saalbach-Classic. Am 20. bis 23. Juni 2018 Wochenende zum 6. Mal ausgetragen, ist sie immer noch ein kleiner Geheimtipp in der üppigen Fülle der Historic-Rallies: Ein übersichtliches Startfeld mit 60 Teams in der Sport-Trophy und 10 Equipen in der Weekend-Trophy.


Fahren auf schönen Strecken in beeindruckender Landschaft - Saalbach-Classic Rally 2018
Copyright / Fotograf: Zipser/Keller - Courtesy Saalbach-Classic

Moderate Streckenlängen ohne heimtückische Sonderprüfungen garantieren eine intime Veranstaltung in lockerer Stimmung und toller Umgebung mit sorgfältig ausgesuchten Routen. Und trotzdem: An der Spitze wurde um 100stel-Sekunden gefightet.

Breites Markensprektrum

Ein illustres Feld wurde an der Saalbach-Classic präsentiert: Die Markenvielfalt reicht von A wie Alfa Romeo bis V wie Volkswagen (ein Käfer und erst noch mit schwedischer Besatzung, die auf Achse angereist war!), insgesamt waren 23 unterschiedliche Marken am Start. Die Mercedes 300 SL Flügeltürer glänzten für einmal durch Abwesenheit, dafür waren gleich zwei BMW 507 Cabriolets gemeldet.


BMW- und Porsche-Klassiker - Saalbach-Classic Rally 2018
Copyright / Fotograf: Zipser/Keller - Courtesy Saalbach-Classic

Und ein ganz spezieller Engländer war am Start: Die Startnummer 4 zierte ein Lagonda T2 Compressor aus dem Jahr 1930 – ein Auto, das früher Leslie Hawthorn gehörte, dem Vater von Mike Hawthorn, Formel-1-Weltmeister 1958 (und Verursacher der Le-Mans-Katastrophe von 1955). 


Lagonda T2 Compressor (1930) - Saalbach-Classic Rally 2018
Copyright / Fotograf: Zipser/Keller - Courtesy Saalbach-Classic

Die Teilnehmer kamen vorwiegend aus Österreich und Deutschland, je ein Team aus Italien, Schweden und der Schweiz. „Wir wollen die Saalbach-Classic bei jeweils maximal 80 Autos deckeln. Wir sind lieber klein und fein, legen keinen Wert auf Schicki-Micki und haben dafür schöne Autos mit netten Besatzungen am Start“, schildert Walter Zipser, „Allround-Verantwortlicher“ der Saalbach-Classic, die Absichten des Veranstalters.

Warmfahren mit Röhrl

Los gings am Donnerstag gegen Abend mit einer „Warmfahr-Etappe“ von einigen wenigen Kilometern mit fünf Schlauchwertungsprüfungen, die zu einem Bergrestaurant mit offizieller Begrüssung durch Walter Röhrl und zum Abendessen führte.


Lancia Lambda (1927) - Saalbach-Classic Rally 2018
Copyright / Fotograf: Zipser/Keller - Courtesy Saalbach-Classic

Kurz nach dem Beginn der Rallye war das Feld der Vorkriegsautos bereits ein wenig ausgedünnt: ein Alvis Eagle musste die Waffen strecken, der Starter war defekt. Ein Alvis Speed 20 kam frisch von der Revision, trotzdem streikte der Motor nach wenigen Kilometern.

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Grossglockner mal zwei

Nach dem kurzen „Warmfahren“ (das in einem veritablen hochalpinen Unwetter mit Sturmböen und Regen à-discretion endete) folgte am Freitag die Königsetappe: Der Grossglockner war zweimal zu bezwingen. 2504 Höhenmeter sind nicht ohne -  der eine oder andere Vergaser hatte Mühe, die Benzinversorgung ohne Verschlucken sicher zu stellen. Und auch im einen oder andern Team wurde wohl der Sauerstoff etwas knapp. Nicht nur die Höhenluft sorgte für Schwierigkeiten: Bei der ersten Überquerung am Morgen musste die Strasse durch dicht stehende Nebelbänke eher geahnt als gesichtet werden.


Jaguar E-Type OTS (1969) - Saalbach-Classic Rally 2018
Copyright / Fotograf: Zipser/Keller - Courtesy Saalbach-Classic

Und am Nachmittag sorgte bei der zweiten Querung Graupelschauer und feiner Schneefall dafür, dass das eine oder andere Auto erstmals überhaupt das kühle Weiss zu sehen bekam. Am Samstag folgte das zweite Highlight mit der Salzburg-Bayern-Runde, als weiterer Höhepunkt  nach dem Grossglockner wurde die Rossfeld-Panorama-Strasse befahren.

Anspruchsvolles Gleichmässigfahren

Insgesamt war die Strecke mit über 50 Wertungsprüfungen gespickt. Abschnittmessungen, die auf die Hunderstelsekunde genau gefahren werden mussten, wechselten sich mit Schnittfahren über mehrere Kilometer ab. Die Crews waren also gefordert und an der Spitze tobte während der gesamten Rallye ein enger Kampf. 


Mercedes-Benz 230 SL (1964) - Saalbach-Classic Rally 2018
Copyright / Fotograf: Zipser/Keller - Courtesy Saalbach-Classic

Vor einem Jahr wurden Karsten und Monika Wollenberg mit ihrem Mercedes Benz 230 SL gerade mal um eine (!) Hunderstelssekunde geschlagen, dieses Jahr sicherten sie sich mit einem deutlichen Vorsprung den Sieg.

Die berühmte Hundertselssekunde beeinflusste die Resultatliste aber auch dieses Jahr wieder: Sie entschied zwischen Platz zwei und drei. Das bessere Ende behielten Werner Fessl / Wolfgang Artacker mit ihrem Fiat Abarth 124 Spider für sich, Heimo + Katarina Hofstätter mit ihrem Alfa Romeo 1750 GTV mussten sich mit Rang drei begnügen.

Ergebnisse in Kürze

1. Wohlenberg / Wohlenberg (D), Mercedes Benz 230 SL, 12.95 Punkte.
2. Fessl / Artacker (A), Fiat 124 Abarth, 21.42. 
3. Hofstätter / Hofstätter (A), Alfa Romeo 1750 GTV, 21.43. 
4. Weise / Weise (A), Porsche 356, 21.71. 
5. Schöggl / Artacker (A), Alfa Romeo 1750 Spider Veloce, 22.32. 
6. Panis / Bürger (A), BMW 328, 23.44.

Alle Resultate sind auf der Website der Saalbach-Classic einsehbar.

„Rallye-Weltmeister Walter Röhrl“

Die Rennfahrer-Ikone Walter Röhrl vorzustellen, heisst eigentlich, Eulen nach Athen zu tragen. Der zweifache Weltmeister (1980 + 1982), Europameister 1974, vierfacher Rallye-Monte-Carlo-Sieger (1980 mit Fiat 131 Abarth, 1982 mit Opel Ascona 400, 1983 mit Lancia Rallye 037 und 1984 mit Audi Quattro) ist Ehrenpräsident und Mitveranstalter der Saalbach-Classic.


Siegerehrung mit Walter Röhrl - Saalbach-Classic Rally 2018
Copyright / Fotograf: Zipser/Keller - Courtesy Saalbach-Classic

Obwohl kolportiert wird, Röhrl sei Gesellschaftlichem eher abhold, zeigte er sich während der gesamten Rallye sehr aufgeräumt. Bei seiner Begrüssungsansprache strich er heraus, wie ihm das Fahren mit Autos Spass macht, die weder Elektronik noch andere verpönte Fahrassistenten eingebaut haben: „Ich will spüren, was das Auto macht und vor allem will  i c h  das Auto dirigieren und mich nicht vom Auto dirigieren lassen“.

Und mit einem Lächeln auf den Stockzähnen weist er daraufhin, dass er von „jedem Luftgekühlten ein Exemplar in seiner Garage stehen hat“. Man kann davon ausgehen, dass er nicht Tatra-Modelle meinte… Während der Saalbach-Classic faltete er seine 1.91m in einen Porsche-Turbo (mit der Startnummer „Walter Röhrl") aus dem Werks-Museum.

„Porsche-Werksfahrer“

Guten Mutes reisten Wilfried und Elke Krings aus Deutschland mit ihrem Alvis Speed Special aus dem Jahre 1934 nach Saalbach. Am Donnerstag Nachmittag gab’s einige Probleme mit der Kalibrierung des Tripmasters. Das war aber erst der Anfang – dann kam’s knüppeldick: Der frischrevidierte Motor verweigerte seinen Dienst, Wilfried Krings rechnete schon mit einem erneuten Motorschaden und verzichtete, den Alvis überhaupt an den Start zu bringen. Unverrichteter Dinge wollten sie  – begreiflicherweise etwas frustriert – wieder nach Hause fahren.

Dann wendete sich, zumindest für’s Team, alles zum Guten: Nachdem eine Besatzung für einen Porsche 356 von Porsche-Salzburg ausfiel, konnten Krings / Krings kurzerhand in das Coupé wechseln und die Saalbach-Classic doch noch unter die Räder nehmen – diesmal im Status von echten Porsche-Werksfahrern…

„Harald Neger“

„Neger darf ja nicht mehr sagen, also bin ich einfach der Harald“, so stellte sich Harald Neger beim Briefing den Rallye-Teilnehmern vor. Er war zuständig fürs Roadbook und das liess keine Wünsche offen. Haarklein alles aufgeführt – nicht der kleinste Fehler war auszumachen.

Harald, so nannten ihn die Teilnehmer dann das ganze Wochenende, blickt auf eine lange Rennkarriere zurück. Von Mitte der siebziger bis Anfang der achtziger Jahre fuhr er in der Tourenwagen-Europa­meister­schaft, meist mit Heribert Werginz und Umberto Grano und dies ausschliesslich mit Produkten eines bayrischen Herstellers. Dann fuhr er lange Jahre erfolgreich in der Rallye- und Rallye-Cross-Szene. Seit Beginn vor sechs Jahren gehört Harald zum harten Kern der Saalbach-Classic-Organisatoren.

„Ein Schwatz mit Walter“   

Donnerstag Nachmittag, der Chronist versucht zusammen mit seiner Beifahrerin den Tripmaster richtig zu kalibrieren. Man liegt etwas verrenkt im Fussraum des Beifahrersitzes, um an der richtigen Schraube vor allem in die richtige Richtung zu drehen. Aus den Augenwinkeln lässt sich ein langer Schatten erkennen, der sich über’s Auto zieht. Mit einem Kontrollblick stellt man fest: Eben hat Walter Röhrl sein Rennrad angehalten, um kurz nachzufragen, ob alles im grünen Bereich sei. Er komme von seiner täglichen 40-km-Runde zurück, meinte er – es lässt sich in der gebirgigen Umgebung leicht feststellen, dass ihn seine Runde kaum nur durch ebenes Gelände führte. Dann erklärte er, nun müsse er unter die Dusche – der Chronist ergänzt, dass er wohl auch noch nach seiner Katze schauen müsse.


Alfa Romeo 2000 Touring Spider (1959) - Saalbach-Classic Rally 2018
Copyright / Fotograf: Zipser/Keller - Courtesy Saalbach-Classic

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