Bereits zum neunten Male fand auf dem Gelände der Brüssel Expo im Norden der belgischen Hauptstadt die Interclassics-Messe statt. In drei Hallen mit 40'000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gab es ein qualitativ herausragendes Angebot des Klassikerhandels. Auch Automobilclubs und Interessengemeinschaften waren wieder gut vertreten. Der einschlägige Begleithandel mit Automobilia und Kunst fehlte ebenfalls nicht. In dreizehn Kategorien wurden Preise vergeben, etwa für das beste gezeigte Auto eines Jahrzehnts, die beste Standpräsentation und natürlich für den "Best of Show", das tollste Auto der Messe. Nicht zuletzt erwartete den Besucher auch eine hervorragende Sonderschau.
110 Jahre Maserati
Beginnen wir also unseren Rundgang (der angesichts der Fülle der Eindrücke nicht vollständig sein kann) in der mächtigen Haupthalle "Palais 5". In deren hinterem Bereich war die diesjährige Sonderschau "110 Jahre Maserati" untergebracht, welche die diesjährige Interclassics in Brüssel maßgeblich geprägt hat. Anhand von 24 Autos, einigen Motorrädern, Filmen sowie begleitenden Informationen in drei Sprachen wurde das wechselhafte Schicksal der Marke mit dem Dreizack dargestellt. Wie auch im Vorjahr waren die Exponate der Sonderschau zwar effektvoll rötlich illuminiert, doch fotografisch ist dies aber eher hinderlich.
Sicherlich ist es keine leichte Aufgabe gewesen, die langjährige Firmenhistorie durch eine Auswahl an Rennwagen, Straßensportwagen und Sportlimousinen abzubilden, doch ist dies den Ausstellungsmachern hervorragend gelungen. Der Besucher konnte so die Historie der Firma Maserati Schritt für Schritt nachvollziehen. Diese erstreckt sich von der frühen "Rennfahrerära" der Brüder Maserati über die durch den Industriellen Adolfo Orsi geprägte Zeit, das eher kurze Intermezzo mit der Firma Citroën, den Abschnitt unter der Ägide von Alejandro de Tomaso uns die gemeinsame Zeit mit Ferrari bis zur aktuellen "Ära Stellantis".
Für jeden Abschnitt wurden typische Autos gezeigt, wobei in der "Orsi-Ära" sogar Motorräder den Namen Maserati trugen. Das älteste Exponat war der Rennwagen Tipo 26 von 1928, das jüngste ein aktueller MC 20. Beim Rundgang konnte man Rennwagen der Fünfzigerjahre entdecken wie den 250 F von 1954 oder den Maserati 300 S von 1955. Natürlich fehlte auch der Maserati A6GCS/53 vom diesjährigen Ausstellungsplakat nicht. Aus der Zeit unter Citroën wurden natürlich nicht nur der charakteristische SM, sondern auch die Sportwagen Bora, Merak und Khamsin präsentiert.
Die große Sportlimousine Quattroporte wurde als Prototyp von Frua gezeigt sowie in modifizierter Form als Feuerwehrwagen für die Formel 1. Besondere Erwähnung verdient sicher auch der von der Carrozzeria Pinin Farina gestaltete Maserati 1500 GT von 1951, der den Berichterstatter deutlich an den Cisitalia 202 erinnerte. Ein weiteres Beispiel für gelungenes Design war schließlich der Maserati 2000 GS Frua Spider, eine Leihgabe des Louwman-Museums.
Viele Clubs, viele Preisträger
Auch in diesem Jahr zeigte die belgische Unternehmensgruppe D'Ieteren auf ihren prämierten Messeständen unter anderem einige Schätze der firmeneigenen "Gallery": je zwei Audi 100, Seat, Golf I und einen Škoda Oktavia Combi von 1965. Auch eine klassische BMW Isetta wurde dort neben dem Microlino der Jetztzeit in Relation gesetzt.
Bleiben wir noch ganz kurz bei den Preisträgern. Den Titel "Best of Show" errang der 1953er Maserati A6 GCS aus der Autoworld Brüssel; die Auszeichnung für die beste Restaurierung ging an einen eindrucksvollen Apollo 5000 GT Spyder aus dem Jahre 1966. Die belgische Oldtimervereinigung BEHVA (Belgian Historic Vehicle Association) kürte einen BMW 319 Drauz Roadster von 1934 auf dem Stand des BMW Bavaria Clubs zum "Best of Show".
Angenehm fiel erneut auf, dass hier den Oldtimerclubs hinreichend Gelegenheit zur Präsentation geboten wurde. So gab es etwa eine kleine Ausstellung von "Microcars" und interessante Clubstände der belgischen Clubs für die Oldtimer der Marken Citroën und Peugeot.
Italien, Frankreich, Deutschland
Die diesjährige Sonderschau schien sich auch auf das Händlerangebot ausgewirkt zu haben. Nicht nur, dass zahlreiche Wagen von Maserati angeboten wurden. Vielmehr bestand auch an anderen italienischen Fabrikaten – namentlich Ferrari und Alfa Romeo – kein Mangel. Abgesehen von etlichen "Preis-auf-Anfrage"-Angeboten oder einem Ferrari 250 GT 2+2 für 450'000 Euro hätten bespielweise ein Alfa Romeo Giulia SS für 139'500 Euro, ein Maserati Bora für 129'500 Euro oder für 159'950 Euro, ein Lamborghini Espada für 195'000 Euro, ein Ferrari 348 Spider für 119'950 Euro sowie ein Lancia Delta Integrale Evoluzione II für 139'500 Euro zur Auswahl gestanden.
Die Brücke zu den französischen Marken schlug der Citroën SM, von dem gleich mehrere Exemplare – darunter ein Chapropn-Cabriolet "Mylord" von 1971 für 145'000 Euro – im Angebot waren, wohingegen eine nur 42'600 km gelaufene DS von 1971 für 39'500 Euro offeriert wurde. Auch Autos britischer Hersteller waren wieder gut vertreten. So hätte man beispielweise die Qual der Wahl zwischen einigen linksgelenkten Roadstern von Morgan, einem Lotus Esprit, einem Range Rover für 55'000 Euro oder einem Daimler SP 250 für 68'500 Euro sowie einem ultraflachen Aston Martin Lagonda gehabt. Ein wohl etwas zuwendungsbedürftiger Jaguar XK 120 OTS war am Samstag bereits verkauft, wie etliche andere Exponate auch.
Natürlich waren auch Fahrzeuge deutscher Hersteller im Angebot, sogar ein seltener Glas 1700 GT Cabriolet für 97'500 Euro. Bei BMW begann die Angebotsskala bei einem sechszylindrigen Z3 von 1999 für 17'000 Euro und endete bei einem von Axel Schuette offerierten 507 ohne konkrete Preisangabe. Preislich dazwischen lag etwa ein BMW 327 Sport-Kabriolett von 1939 für 119'327 Euro. Einige Mercedes-Benz der Baureihe 123 – auch Coupés – wurden angeboten; ein 300 CE-24 Cabriolet der Baureihe 124 mit unter 100'000 km Laufleistung war für 45'500 Euro im Angebot. Ein 380 SEC von 1982 sollte 17'500 € kosten.
Fast elfmal so viel – nämlich 189'000 Euro – wären für einen Mercedes-Benz 300 Cabriolet D von 1954 fällig gewesen. Das obere Ende der Preisskala dürften zwei 300 SL – ein Flügeltürer und ein Roadster – wiederum auf dem Stand von Axel Schuette markiert haben. Für Porsche seien hier beispielhaft ein in der Farbe "Blutorange" lackierter 911 Targa von 1969 für 117'500 Euro, ein 928 S4 mit intensiver grüner Innenausstattung für 34'750 Euro und ein 968 von 1992 für 31'750 Euro erwähnt.
Niedriger Preis oder niedrige Laufleistung?
Es gab auch wieder einige Autos mit geringer Laufleistung, die oft von der niederländischen Firma Alphons Ruyl angeboten wurden. Dort konnte man etwa einen Peugeot 505 Familiale von 1984 mit einer Laufleistung von nur 26'700 km für 28'000 Euro oder einen Citroën AX 14 mit 35'000 km für 14'500 Euro finden. Ein mimosengelber Mercedes-Benz 230 CE von 1982 war bereits "verkocht". Schließlich hätte man dort noch einen hellgrünen VW Lupo 1.0 mit nur 6828 km "auf der Uhr" für 8750 Euro mitnehmen können.
Auch wenn die meisten Offerten in einer anderen Preisliga spielten, so hätte der Besucher dieses Mal in Brüssel für unter 9000 Euro eine wirklich extreme Auswahlentscheidung treffen können: Wäre seine Wahl wohl auf den 8500 Euro teuren Methusalem Chenard & Walcker 10 CV von 1927 gefallen? Oder hätte er sich lieber für den bislang oft unterschätzten Renault Renault Avantime 2.2 CDI für 8000 Euro entschieden?
Fazit: Wie die Schwestermesse in Maastricht zeigt auch die Interclassics Brüssel qualitativ hochwertige klassische Automobile. Drei gut gefüllte Ausstellungshallen sind für einen erlebnisreichen Tag völlig auseichend. Sie verzichtet auf automobilferne "Lifestyle"-Produkte ebenso wie auf ein Übermaß an neuzeitlichen sog. "Hypercars" und gibt der Clubszene hinreichend Raum. Mehr können sich Besucher einer Oldtimermesse eigentlich nicht wünschen.




















































































































































































































































































































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