So eine Hochzeit verändert das Leben. Als Stephanie und Jörg Solar im Sommer 2018 heirateten, feierten sie ihr Fest auf dem Gelände und im Clubheim des MSC Brokstedt, der sportlichen Heimat des Speedway-Weltmeisters Egon Müller – um nur den bekanntesten Sproß zu nennen. Brokstedt mit seinem "Holsteinring", einem Sandbahn-Oval, liegt nur eine Dreiviertelstunde nördlich von Hamburg, wo die Solars leben.
Und weil das Paar seit Jahren seine Motorradliebhaberei mehr als nur hobbymäßig betreibt – Jörg besitzt eine Werkstatt für klassische Motorräder im Hamburger Portugiesenviertel – fragten sie vorsichtig beim MSC an, ob man nicht auch mal eine Flattrack-Veranstaltung auf dem Holsteinring ausrichten könne.
Daraus wurden die "Hotshoe Days" – der Name kommt von dem Gleitschuh am linken Fuß der Flattrack-Fahrer, der ob der kontinuierlichen Reibung mit der Sandbahn gerne warm zu werden pflegt. Die Veranstaltung findet seitdem jährlich im Juli statt, sogar während der Corona-Pandemie. Da haben Stephanie und Jörg es geschafft, die Sicherheitsauflagen einzuhalten, damit ihr kleines, buntes Trainingswochenende gelingen konnte. Und so passiert es, dass man als unbedarfter Zuschauer einen Ausflug ins Grüne macht, in die holsteinische Landschaft, und dass man irgendwo hinkommt, ohne Erwartungen, und man fühlt sich auf Anhieb pudelwohl.
Weil es viel zu gucken gibt: alte Motorräder vor allem, die beherzt bewegt werden. Es gibt Bratwurst und Bier und Kuchen und ein Abendprogramm mit Grill und Musik vom Plattenspieler. Man setzt sich in Gras oder auf die Tribüne an dem 400-Meter-Sandbahn-Oval und schaut dem Treiben zu. Es gibt ein Fahrerlager, wo die Fahrer schrauben und abends die Lichterketten leuchten. Und alle, die da sind, haben stets ein zufriedenes Grinsen im Gesicht.
110 Teilnehmer waren es in diesem Jahr, eingeteilt in Klassen. Da darf jeder mitmachen, der Lust hat; vielleicht in der Startergruppe der "Absolute Beginners", zum Reinschnuppern für Leute ohne Rennerfahrung – und ohne Stress. Oder bei den "Inappropriate Bikes", wo auch Chopper und Café Racer mitfahren dürfen. Sogar Mopeds und Mofas sind erlaubt. Sehr beliebt ist die unkomplizierte Yamaha SR 500. Und dann gibt es natürlich auch die Liebhaber-Maschinen wie die bildhübsche Terrot mit JAP-Motor oder die Velocette mit Rickman-Rahmen von Mike aus den Cotswolds, der eigens für dieses Wochenende über den Kanal geschippert ist. Und echte Flattracker wie die BSA von Jörg. Er bringt gleich mehrere Bikes mit in seinem alten Ford Transit.
Und weil es um nichts geht außer um Spaß – keine Rundenzeiten, keine Platzierungen – bleibt das auch so. Einen Pokal, den "Hotshoe", gibt es natürlich trotzdem. Aber der Gewinner wird beim Luftballontreten ermittelt, nicht auf der Piste. "Von uns wird keiner mehr Weltmeister", meint Jörg und wiederholt damit den Anspruch, vor allem eine gute Zeit mit Freunden und gleichgesinnten Motorradliebhabern zu erleben. Nächstes Jahr fahr' ich jedenfalls wieder nach Brokstedt.








































































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