Fischgrat und rurale Wendemanöver an der Rallye Routes des Vosges 2014

Erstellt am 27. Oktober 2014
, Leselänge 3min
Text:
Thomas Suter
Fotos:
Route des Vosges 
21

Ist „Fischgrat“ für Sie ein Bestandteil eines Kochrezeptes? „Chinesenzeichen“ mischen Sie in Ihre Buchstabensuppe? Dann sollten Sie Ende Oktober nicht in die Vogesen gehen. Dort findet dann jeweils die Rallye „Routes des Vosges“ statt, eine kleine, aber feine Veranstaltung.


Lancia Stratos - an der 17. Rallye Route des Vosges 2014
Copyright / Fotograf: Route des Vosges

Verfügen Sie aber über einen Intelligenzquotienten, der eher vom Durchschnitt nach oben tendiert, dann ist dies schon die halbe Miete. Eine Gefahr lauert noch für Teams, die aus Paaren bestehen: Es besteht die akute Gefahr, dass man sich innerhalb von 48 Stunden komplett auseinanderlebt! 

Experten am Werk

Gestartet wird an der „Routes des Vosges“ in zwei Klassen, den „Experts“ und den „Tourists“. Und wenn schon, dann schon: Als Kaltstart gleich bei den Experts melden, ganz nach dem Motto „no risk, no fun“.

Am Freitag Abend bis in die Nacht findet der Prolog statt. Nach einem sanften Einfahren nach Roadbook mit Chinesenzeichen und Schnittfahren beginnen die Gemeinheiten mit den Kartenausschnitten und dem Fischgrat und mit Kartenausschnitten, die zusammengesetzt werden müssen. Alles im selben Kartenmassstab? Nein, das wäre doch viel zu einfach. Das Roadbook der Etappe wird übrigens erst eine Minute vor der Startzeit ausgeteilt. Also keine Chance, sich seriös darauf vorzubereiten. Das führt dann bei den Kartenausschnitt-Prüfungen dazu, dass sich plötzlich Rallye-Teilnehmer aus allen Richtungen herkommend auf einer Kreuzung im Nirgendwo treffen ...


Maserati Mistral - an der 17. Rallye Route des Vosges 2014
Copyright / Fotograf: Route des Vosges

Das Team des Chronisten tat sich beim Prolog (der glücklicherweise separat gewertet wurde) besonders schwer, schaffte es aber immerhin, den Besenwagen, der die Kennzeichen am Strassenrand abräumen musste, knapp auf Distanz zu halten!

Querbeet durch die Vogesen

Richtig los ging es dann am Samstag Morgen um 08.00 Uhr. In den folgenden 12 Stunden wurde die Gegend von Plombières-Les-Bains (Grossregion Epinal) kreuz und quer durchfahren, alles auf schönsten Nebenstrassen, sozusagen querbeet durch die Vogesen.
Die Fahrer hatten ab und an die Gelegenheit, die schöne Gegend zu geniessen, die Beifahrer mussten über Roadbook und Karten gebeugt hart und konzentriert arbeiten.

Alles in allem entschädigte die Routenführung für die Anstrengungen – trotzdem wünschte man sich an einen Gran Premio Tazio Nuvolari zurück, der im Vergleich zur „Routes des Vosges“ ein wahres “Nasenwasser” ist: Schlauchfahren kann jeder und die Strecke muss nicht mühsam zusammen-gepuzzelt-werden. In den Vogesen war man abends schon stolz, wenn man deutlich vor dem Besenwagen ins Ziel gekommen war, hinter vorgehaltener Hand stieg das Selbstwertgefühl, die Prüfungen einigermassen erfüllt und das Etappenziel gefunden zu haben.

Am Sonntag ging es mit zwei weiteren Etappen, die ähnlich denen vom Samstag aufgebaut waren, zu Ende. Am Mittag war Schluss und das Gros der Teilnehmer dürfte froh gewesen sein, dass es keine Nacht-Etappe wie am Samstag Abend gab: Das herumstochern in unendlichen Nebenstrassen, durch Gehöfte und durch unübersichtliche Wälder mit x-fachen Wendemanövern und neuem Suchen entfiel ...

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Ohne Schick-Micki

Das Fazit: Eine Gruppe Enthusiasten um den Chef-Organisator Michel Thomas schafft es, ohne jeden Schicki-Micki eine herausragende Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Durchfahrten erfolgten ohne Personal in Selbstkontrolle und oh Wunder: Auch das funktioniert. Die Lebenspartnerinnen des Organisationsteams haben wahrscheinlich Tage vor dem Start zur „Routes des Vosges“ nichts anderes mehr gemacht, als Früchte-Kuchen und Quiches zu backen, die den Rallyeteilnehmern während der kurzen Pausen gereicht wurden – dies alles trotz der hohen Ansprüche an die Beifahrer in einer entspannten, lockeren Atmosphäre.

Einheimische Sieger

Ach ja, einen Sieger gab es auch, selbstverständlich ein Franzose (Teams aus Frankreich, Luxemburg, Belgien, Deutschland und der Schweiz waren am Start): Thierion/Thierion führten ihren Alfa Romeo GTV auf den 1. Platz, gefolgt von Fluck/Fluck (F) auf einem Renault Alpine A110 1300 und Hansen/Hilger (F) mit einem Triumph 2000.

In der Nettowertung waren als bestes Schweizer Team Rickenbacher/Küng auf dem Lancia Stratos, klassiert,  gefolgt im hinteren Teil der Rangliste von T. Suter/C. Steinegger auf Alfasud ti; R. Suter/Gabriel im Aston Martin; D. Suter/Vetter auf MG A; Schorno/Betschart im Maserati Mistral; sowie Burri/Rogger im Fiat 850 Coupé (Zeitverlust wegen einer Gaskabel-Reparatur).

Aber schon im nächsten Jahr gibt es Gelegenheit für eine Revanche. Weitere Informationen und die vollständigen Ergebnisse finden sich auf der Website der Veranstaltung .

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