Rockabilly scheppert aus einem übersteuerten Lautsprecher, junge tätowierte Damen unter schwarzen Zelten verkaufen Karnevals-Petticoats oder auf alt gemachte Leuchtreklame und irgendwo lässt jemand im Sekundentakt einen V8 aufheulen, dass es für Motor und umstehende Trommelfelle eine Qual ist. Ein zum Monstertruck umgebauter VW New Beetle lässt auf das Nachmittagsprogramm schliessen. Das zehnte Burn Out Mollis, das am 12. und 13. August 2023 auf dem Flugplatz am Rande der Glarner Alpen stattfand, präsentiert sich bereits in der ersten Minute so, wie man US-Auto-Treffen in Europa kennt.
Das Burn Out Mollis ist mehr ein Volksfest als ein Autotreffen. Einen Reparatursatz für einen Carter 2108 S oder eine Kühlerfigur für einen '49er Ford findet man hier nirgendwo. Aber dafür kann man sich in gleich mehreren Zelten Tinte unter die Haut, Metall durchs Fettgewebe oder ein paar Extranieten durch die Hose jagen lassen. Doch noch ist das alles freiwillig. Noch darf man auch als untätowierter, ungepiercter Hornbrillenspiesser in Bundfaltenhosen auf das Gelände und sich die Autos ansehen, wegen derer man ja ursprünglich einmal gekommen war. Und wer Bierzelt und Körperschmuckmeile links liegen lässt und sich schnurstracks auf die Landebahn begibt, kommt schliesslich doch noch auf seine Kosten.
Bereits bei der Einfahrt sind die Autos in zwei Gruppen eingeteilt worden – moderne US-Fabrikate versammelten sich auf der Südhälfte der Landebahn, historische Fahrzeuge im Norden. Da der Süden überwiegend von tiefergelegten Camaros, Mustangs und Corvettes des neuen Jahrtausends bevölkert war, orientierten wir uns vorwiegend nach Norden. Hier war sie alle versammelt: Full-Size-Sedans, Compacts, Muscle Cars, Personal Luxury Cars, Pick-ups, Hot Rods, Customs, Conversion Vans. Hier präsentierten sich die Exzesse einer Industrie, die sich auf ihrem Höhepunkt befand und in der niemand ein bedenkenvolles "Ja, aber ..." zu sagen schien.
Man muss sich nur einmal die Rückleuchten eines 1958er Mercury ansehen, um zu begreifen, dass in den goldenen Zeiten des US-amerikanischen Automobilbaus weder Ingenieure noch Kaufleute das letzte Wort hatten – sondern einzig die Stilisten. Ist doch egal, wenn sich an der technischen Grundlage seit 20 Jahren nichts geändert hat, wenn das Auto so aussieht, als könne man damit mal eben zwischen Frühstück und Mittagessen bis zum Mond und zurück fahren.
Während sich das Styling in den Jahren darauf immer weiter zurücknahm, uferten die Abmessungen der Karosserien immer weiter aus und gipfelten in gigantischen Schiffen wie dem 1972er Plymouth Gran Fury im Rasierapparat-Look und dem 1976er Cadillac Fleetwood Brougham, aus dessen Motorhaube heute ganze Kleinwagen gepresst werden.
Seiner Popularität entsprechend häufig war natürlich der Ford Mustang vertreten, der sich aber immerhin vielfältig als frühe Fastback, Hardtop und Convertible, als später Fox-Body sowie in verschiedenen Shelby-Derivaten präsentierte. Von der damaligen Pony-Car-Konkurrenz waren der Dodge Challenger und sein E-Body-Bruder Plymouth Barracuda sowohl in bedachter als auch offener Ausführung ungewöhnlich häufig zu bewundern.
Das Spektrum der ausgestellten Autos endete freilich nicht mit der Glanzzeit der US-Automobilindustrie. Auch aus der sogenannten "Malaise Era" hatten sich blecherne Vertreter eingefunden, die mit ihren kantig-kompakten Karosserien Mühe hatten, sich gegen die chromblitzende Herrlichkeit ihrer Vorgänger zu behaupten. Gleich zwei Chevrolet Malibu aus den späten Siebzigern hatten den Weg nach Mollis gefunden, ebenso ein 1981er Mercury Grand Marquis.
Mit der Rückkehr der Power in den US-Autobau Mitte der Neunzigerjahre endet die Nordhälfte des Flugplatzes. Dodge Viper RT/10 und Chevrolet Corvette ZR-1 leiten über zur erfolgreichen Wiedergeburt der Muscle Cars im neuen Jahrtausend. Danach geht es im Süden weiter, womit der Zuständigkeitsbereich von Zwischengas endet.
Der Ersteindruck hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Bei der Vielfalt der Autos hob sich das Burn Out Mollis dann doch wohltuend von den meisten anderen US-Auto-Treffen ab, auf denen Highjackers, Airbrush-Lackierungen und überbreite Hinterreifen mehr Regel als Ausnahme sind.
Jetzt nur schnell wieder die Ärmel runterkrempeln, damit niemand die fehlenden Tattoos bemerkt, bevor es zurück zum Ausgang geht. Dann sehen wir uns vielleicht im nächsten Jahr.

































































































































































































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