Mit 1000 Krafträdern fing alles an. Heute ist der Einbecker "PS.Speicher" von Karl-Heinz Rehkopf eine der bedeutendsten Fahrzeug-Sammlungen Europas. Gerade feierte die Stiftung den zehnten Geburtstag des Museums.
Die Torte kam auf der Ladefläche einer Piaggio Ape. Sie war so gigantisch, dass die Ape in die Federn ging, und jeder hat ein Stück bekommen. Der Stifter hielt eine seiner kurzweiligen Reden: "Mein Name ist Karl-Heinz Rehkopf.", fing er an. Als ob irgendjemand der Anwesenden nicht gewusst hätte, wer dieser charmante ältere Herr ist. Er kokettiert ganz gerne damit, dass ihn früher niemand auf der Straße erkannt habe. Seit der Eröffnung des "PS.Speichers" vor zehn Jahren hat sich das geändert – und wie.
Das mit dem "PS.Speicher" war ursprünglich eine ganz andere Idee; das hatte Rehkopf sich eigentlich anders vorgestellt. "In mein Testament hatte ich geschrieben, dass nach meinem Tod ein Museum entstehen sollte." 1000 Motorräder hatte Rehkopf bis dahin angesammelt, und sein ursprüngliches Ziel war gewesen, die Geschichte der deutschen Motorrad-Industrie möglichst lückenlos abzubilden: DKW, Victoria, NSU, Horex, Zündapp und viele andere. Das diskrete Hobby eines erfolgreichen Geschäftsmannes. Doch die Testamentsvollstrecker lehnten ab. Stattdessen schlugen sie Rehkopf vor: "Sie fangen an, und wir machen mit."
Sie gründeten eine Stiftung; dann gingen Rehkopf und seine Frau Gabriele, studierte Kunsthistorikerin, auf Reisen. Ein Jahr lang besuchten sie Technik-Museen in Deutschland und dem benachbarten Ausland. Sie studierten Ausstellungskonzepte und wussten bald, wie sie es nicht machen wollten: "Das Garagenprinzip", sagt sie, "ein Fahrzeug neben dem anderen." Was das Ehepaar auch bald lernte, war, dass sie niemals die gesamte Sammlung würden zeigen können. "280 bis 320 Exponate. Mehr kann kein Besucher wahrnehmen.", so Gabriele Rehkopf. Erst in Zwickau, im August-Horch-Museum, gefiel ihnen das Konzept auf Anhieb. Die dortigen Ausstellungsmacher Eva und Matthias Kaluza wurden zu Partnern für den "PS.Speicher".
Doch es gab weiteres Kopfzerbrechen: Zwar erfüllte die Rehkopfsche Sammlung ihr Ziel, die Geschichte der deutschen Motorradindustrie abzubilden. Doch würden die Besucher seines Museums dafür genauso brennen wie der Stifter selbst? Wohl kaum. Rehkopf ist ein offener Geist. Und er hatte Glück. Eine große Sammlung aus dem Rheinland ergänzte die Exponate um die italienischen, japanischen und amerikanischen Marken aus einer Zeit, als das Auto das Motorrad verdrängte und letzteres zum Freizeitobjekt beförderte. Die Leute wollten ein Dach über dem Kopf.
Die Geschichte der Motorisierung beginnt mit den Motorrädern, geht aber mit dem Auto in die Fortsetzung. Rehkopf übernahm die jahrelang vernachlässigte Kleinwagen-Sammlung Störy und noch einige mehr. Die spektakulärste Akquise war jedoch die Nutzfahrzeug-Sammlung von Emil Bölling in Sittensen bei Hamburg, die der "PS.Speicher" 2015 übernommen hat. Ein Youtube-Video dokumentiert den logistisch höchst anspruchsvollen Umzug nach Einbeck auf Achse. Dafür hatte Rehkopf leerstehende Fabrikhallen in Einbeck an den "PS.Speicher" angedockt. Dort sind jetzt die Sammlungen zu sehen, für die das Museum zu klein ist. 2500 Exponate sind es insgesamt, davon 500 im Museum selbst. 2000 stehen in den Depots, die inzwischen auch öffentlich zugänglich sind.
Und diese Autos werden auch gefahren: Rund 40 Exemplare aus der Sammlung haben Chefmechaniker Michael Marx und seine Mannschaft in den letzten Monaten für die achte Rallye des "PS.Speichers" startklar gemacht. Insgesamt haben mehr als 210 Fahrzeuge teilgenommen; die Strecke führte über 162 Kilometer durch Niedersachsen und Thüringen.
Das Fachwerkstädtchen Einbeck hat sich seit der Gründung des "PS.Speichers" herausgeputzt. Litt es zuvor unter dem Strukturwandel mit reichlich Leerstand, so finden heute Menschen dorthin, die ohne die hervorragende Fahrzeugsammlung nie einen Anlass gefunden hätten, die Autobahn 7 zwischen Göttingen und Hannover zu verlassen. Eine Million Menschen haben seit der Eröffnung vor zehn Jahren den "PS.Speicher" besucht. Der Stifter selbst sowie sein Werk gehören längst noch nicht zum alten Eisen. "Ich werde bald 88,", sagte Rehkopf während seiner kurzen, launigen Geburtstagsrede auf seinen geschichtsträchtigen Speicher, die irgendwie auch ihm selbst galt, "aber ich fühle mich wie 87."


































































































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