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Mercedes-Benz in aller Welt – Motorsport auf der Langstrecke (Buchbesprechung)

Erstellt am 5. August 2022
, Leselänge 6min
Text:
Holger Merten
Fotos:
Heel Verlag (Repro Zwischengas) 
10
Heel Verlag 
1
Deutschlandfahrt 1950 - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Langstreckenfahrten in den Fünfzigerjahren - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Lüttich-Rom-Lüttich - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Tour de France - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Carrera Panamericana - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Die Heckflosse auf der Langstrecke - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"

Wie sehr doch das Marketing unser Wissen prägt. Beispiel Mercedes-Benz: Seit dem Wiedereinstieg in die Formel 1 vor gut 25 Jahren stellt das Unternehmen die Erfolge im Formelsport in den Mittelpunkt seiner Aussendarstellung. Erfolge auf der Rundstrecke – Stichwort: Silberpfeile vor und nach dem Zweiten Weltkrieg – werden als historische Kontinuität der eigenen Renngeschichte aktiv vermarktet. Dabei hat Mercedes-Benz auch eine lange und erfolgreiche Geschichte bei Langstreckenrennen nach dem Zweiten Weltkrieg vorzuweisen, die mittlerweile aber ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Nun hat sich Peter Schröder diesem Kapitel gewidmet und ein Buch über die Langstreckeneinsätze von Mercedes-Benz zwischen 1950 und 1964 gewidmet.

Langstreckenrennen – Vorläufer der Rallye

Langstreckenrennen sind die Vorläufer der heutigen Rallyes. Es waren Ausdauerfahrten über lange Distanzen, deren Zweck darin lag, die Zuverlässigkeit unter Beweis zu stellen. Zu den Bekanntesten gehört sicher die Rallye Monte-Carlo, die als Sternfahrt organisiert war. Das bedeutet, die Teilnehmer starteten von verschiedenen festgelegten Startorten in Europa und erhielten entsprechend der Schwere der Anfahrt Punkte gutgeschrieben.

Bild Deutschlandfahrt 1950 - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Deutschlandfahrt 1950 - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"

Ganz anders ausgelegt war die Rallye Lüttich-Rom-Rüttich: eine Ohnehaltfahrt, bei der die Teilnehmer so schnell wie möglich die festgelegte Strecke zurück legen mussten. Dazu gehörte insbesondere die Überquerung der Alpen über verschiedene Pässe bei Tag und Nacht. Besonders ab 1950 entwickelte sich hieraus eine ganz gewisse Form des Motorsports, aus dem sich dann ab den Sechzigerjahren der Rallyesport erwuchs, was dann in die Hochzeit der Siebziger- und besonders der Achtzigerjahre mit der Gruppe B führte.

184 Seiten auf der Piste

Das Buch gliedert sich in drei grosse Kapitel: nämlich die Rennen, an denen Daimler-Benz in Europa, Afrika und Mittel- wie Südamerika teilnahm. Das Unternehmen wurde dabei von den Veranstaltern zur Teilnahme eingeladen, was angesichts des Status der jungen Bundesrepublik nach 1945 eher überrascht, aber den Nimbus von Mercedes-Benz unterstreicht. Schröder stellt in den drei Kapiteln dann die einzelnen Teilnahmen von Daimler-Benz vor. Dabei handelte es sich bis auf wenige Ausnahmen zu Beginn um keine Werkseinsätze.

Bild Langstreckenfahrten in den Fünfzigerjahren - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Langstreckenfahrten in den Fünfzigerjahren - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"

Vielmehr unterstützte Daimler-Benz das Engagement von Privatfahrern, indem es die Fahrzeuge aufbaute, vorbereitete und aussichtsreichen Kandidaten zur Verfügung stellte. Alles vor dem Hintergrund, dass Rennleiter Alfred Neubauer eher auf den Grand-Prix-Sport setzte und die Aufnahme der Serienproduktion sowie die Entwicklung neuer Modelle eine hohe Priorität hatten. Nach einer Einführung folgt ein kurzer Abschnitt zur Ausgangssituation in Europa, um dann mit dem ersten Einsatz bei der Sternfahrt nach Monte-Carlo zu beginnen.

Einsatz für Einsatz

Der Autor beschreibt bei den einzelnen Rennen nicht nur den Renneinsatz und -verlauf, sondern beginnt deutlich davor. Dazu gehören Anekdoten zu den Initiatoren eines Einsatzes wie auch die Überlegungen, mit welchem Fahrzeug man antreten soll und den voraussichtlich grössten Erfolg habe. Durch diese tiefschürfende Herangehensweise ergibt sich ein rundes Bild zur jeweiligen Veranstaltung. Dem Leser wird klar, wer sich für das Rennen engagierte, warum beispielsweise das jeweilige Fahrzeug zum Einsatz kam und welche Erfolgsaussichten man in Stuttgart erwartete. Hierbei ist anzumerken, dass man dort insbesondere die britische Konkurrenz fürchtete und dass erwartbare Niederlagen den Ruf der Marke beschädigen könnten.

Bild Die Heckflosse auf der Langstrecke - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Die Heckflosse auf der Langstrecke - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"

Interessanterweise kommen auch die Veranstalter nicht zu kurz. Schröder führt teilweise ausführlich die interessantesten Passagen der Einladungen auf, in denen mit blumigen Worten der Wert der Veranstaltung, aber auch die unbedingte Teilnahme von Daimler-Benz wünschenswert wäre. Last but not least spielen auch die Fahrer eine wichtige Rolle. Anfangs noch Privatfahrer, wandelt sich der ganze Tourenwagensport spätestens nach dem Ausstieg aus dem Grand-Prix-Zirkus zu engagierten Werkseinsätzen mit Werksteams.

Die eingesetzten Fahrzeuge

Unvergessen der Einsatz der 300-SL-Flotte bei der Carrera Panamericana 1952 und das Bild vom Team Kling/Klenk mit der zerborstenen Scheibe aufgrund einer Kollision mit einem Geier. Als die Scheibe ersetzt wurde, bestand Kling darauf, dass die Mechaniker auch ein paar Gitterstäbe über der Windschutzscheibe montierten, um vor weiteren Einschlägen geschützt zu sein. Mit dem 300 SL hatte Mercedes-Benz bereits wieder eine sportliche Allzweckwaffe, die sich auch bei den 24 Stunden von Le Mans beweisen sollte.

Bild Tour de France - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Tour de France - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"

Aber der 300 SL war noch nicht das bevorzugte Sportgerät bei den Langstreckenfahrten. Zu Beginn der Fünfzigerjahre wurde in Europa zunächst auf den 170 – teilweise sogar als Diesel – gesetzt. Einfach um in derselben Hubraumklasse den deutlich stärkeren englischen Hauptkonkurrenten aus dem Weg gehen zu können. Später wird dann der Ponton zum Einsatz kommen. Und ab Ende der Fünfzigerjahre ist für viele Jahre der 220 SE ein Erfolgsgarant auf den Schotterpisten in Europa, Afrika und Amerika. Die eingesetzten Fahrzeuge wurden im Werk natürlich für die Ansprüche der einzelnen Wettbewerbe vorbereitet und modifiziert, aber im Grunde genommen war man noch sehr seriennah unterwegs. Ein Umstand, der später dann auf dem 300 SE fortgesetzt wurde. Fahrer wie Eugen Böhringer, Hans Herrmann, Dieter Glemser sowie das bekannte Frauenteam Ewy Rosqvist und Ursula Wirth schrieben sich in die Siegeslisten ein.

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Gut recherchiert

Peter Schröder hat im Archiv von Daimler-Benz ausgiebigst recherchiert. Das kommt der Qualität des Buches zu Gute. Ausschreibungen, Einladungen, Presseinformationen, Hintergründe und interne Besprechungsprotokolle machen aus den einfachen Rennen aufregende Geschichten mit viel Liebe zum Detail. Da werden aufregende Tankstellenaufenthalte länger beschrieben als langweilige Rennabschnitte. Einzelne Mechanikerleistungen mehr honoriert als schlechte Fahrereinsätze. Es ist diese Vielfalt und das individuelle Vorstellen jedes Renneinsatzes, die dieses Buch so spannend machen. Schröder gewährt dem Leser den spannenden Blick hinter die Kulissen und liefert eine authentisch und spannungsgeladene Geschichte zu jedem einzelnen Rennen.

Bild Lüttich-Rom-Lüttich - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Lüttich-Rom-Lüttich - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"

Hintergrund

Daimler-Benz wollte in der Nachkriegszeit neue Märkte wie beispielsweise Afrika oder Südamerika erschließen. Dazu nutzte das Unternehmen ab den Fünfzigerjahren Ausdauerveranstaltungen auf transkontinentalen Strecken mit mehreren Tausend Kilometern Länge, um vor internationalem Publikum Haltbarkeit und Ausdauer neuer Fahrzeugmodelle erfolgreich unter Beweis zu stellen. Über die Jahre wurden aus diesen zuerst von ortsansässigen Werksvertretungen unterstützen Teams offizielle Werksmannschaften, die mit penibel geplanter und aufwendiger Logistik sowie mit herausragenden Fahrern zu beeindruckenden Siegen fuhren. Diese heute kaum bekannte Epoche der Mercedes-Benz-Geschichte bietet Triumphe und Dramen auf staubigen Pisten. Das Buch beschreibt Politik und Strategien und strapaziöse Einsätze von Mensch und Maschine auf materialmordenden Etappen.

Fazit

Glücklicherweise finden sich auch heute noch Autoren, die die Recherche und das aufwendige Aufbereiten der Ergebnisse in Buchform nicht scheuen. Die "Langstreckenfahrten" von Mercedes-Benz zwischen 1950 bis 1964 sind so ein interessantes Kapitel der Motorsportgeschichte aus Stuttgart-Untertürkheim, das sich erzählt gehörte. Dem Leser wird auf über 180 Seiten ein direkter Einstieg in ein fast vergessenes  Kapitel von Daimler-benz gewährt. Die umfassenden Rennbeschriebe werden durch ausgiebiges Bildmaterial sowie weitere Zusatzinformationen wie Presseinformationen, Veranstaltungseinladungen und nicht zuletzt dem gut geschriebenen Text zu einem packenden Bericht. Dem Kenner werden hier und da ein paar Fehler zu den Konkurrenzfahrzeugen auffallen. Als Beispiel sie hier die Verwechslung eines Porsche 550 mit einem 356 SL (Gmünd-Coupé) zu nennen. Aber das tut der Tiefe des Buches keinen Abbruch.

Allenfalls vermissen darf man eine Rennstatistik am Ende des Buches. Denn die Ergebnisse der einzelnen Rennen werden nicht immer so deutlich wie es eben eine Ergebnisliste darstellen kann. Dafür verspricht das Titelbild den Einstieg in eine ganz besondere Renngeschichte. Und wenn man am Ende aussteigt, ist man sicherlich nicht enttäuscht. Mercedes-Benz-Liebhaber bekommen hier einen ganz besonderen Bild- und Geschichtsband geboten. Und daran können sich auch die Leser erfreuen, die einfach Fans des historischen Motorsports sind. Bei einem Preis von € 39,95 ist dieses Buch auf jeden Fall wert, gelesen zu werden.

Bild Einband - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
Einband - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
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Bibliografische Angaben

  • Titel: "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950–1964"
  • Autor: Peter Schroeder
  • Verlag: Heel-Verlag
  • Auflage: 1. Auflage Februar 2022
  • Format:  217 x 25 x 297 mm, gebunden, 
  • Umfang: 184 Seiten, zahlreiche Abbildungen (farbig und s/w) und Illustrationen
  • ISBN: 978-3-96664-371
  • Preis: EUR 39,95
  • Kaufen/Bestellen: Online bei amazon.de , online beim Heel-Verlag , oder in der guten Buchhandlung

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Deutschlandfahrt 1950 - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
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Die Heckflosse auf der Langstrecke - Buch "Mercedes-Benz – Langstreckenfahrten 1950 - 1964"
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