1972 ist ein ereignisreiches Jahr in der Geschichte von BMW. Am Stammsitz in München werden die Olympischen Sommerspiele ausgetragen, und pünktlich weihen die Bayrischen Motorenwerke dort auch ihr neues Verwaltungsgebäude – den sogenannten Vierzylinder – ein. Vor diesem Gebäude wurde im selben Jahr auch der Prototyp BMW Turbo X1 präsentiert, ideeller Vorgänger des späteren M1. Ausserdem änderte man mit der Vorstellung des 5er-BMW auch die Nomenklatur in den Modellbezeichnungen. Von nun an kombinierte man die erste der Modellreihe mit dem zweizifferigen Hubvolumen dahinter.
Und weil das alles noch nicht genug war, gründete man auch noch eine eigene Motorsport GmbH. Ein "M" war geboren und feiert heuer 50-jährigen Geburtstag. "M Love" aus dem Delius-Klasing-Verlag ist das Jubiläumsalbum dazu.
M – Von Anfang an auf Speed
Mit der Gründung der Motorsport GmbH vor 50 Jahren wollte Geschäftsführer Jochen Neerpasch die sportlichen Aktivitäten des Hauses BMW bündeln. Die im Tourenwagensport erfolgreichen Bayern haben sehr früh ihr Markenprofil auf Sportlichkeit ausgelegt, auch um sich vom eher komfortablen Stil des grössten Wettbewerbers in Stuttgart abzuheben. Dafür engagierte man sich erfolgreich mit den CSL-Modellen auf der Rundstrecke und heimste zahlreiche Siege und Meisterschaften ein.
Neerpasch schwebte aber mehr vor. Er wollte für die Zukunft ein Fahrzeug in der Serie haben, aus dem man dann auch ein erfolgreiches Renneinsatzfahrzeug ableiten konnte. Am Ende kam es dann doch ganz anders. Denn mit dem 1987 vorgestellten M1 stellte die M GmbH ihr Renneinsatzgerät vor, aus dem denn dann ein eine verkäufliche Strassenversion abgeleitet wurde. Der erste Rennwagen von BMW ging in Serie.
Der M1 gilt als Vater der eigenständigen M-Modelle aus München, auch wenn es zuvor bereits andere BMW-Modelle mit dem prestigeträchtigen M im Namen gab. Sie hatten ihre Karriere als Serienmodelle begonnen. Denn mit dem M1 betrat BMW das Neuland der Supersportwagen und wurde plötzlich in einem Atemzug mit britischen oder italienischen Exoten genannt. Der M-Kult konnte beginnen.
M Love – die ganze Geschichte
Auf über 230 Seiten wird im Buch "M Love" die Geschichte der faszinierenden M-Modelle von BMW in interessanten Berichten aufbereitet. Von der Entstehungsgeschichte des Unternehmens über die Entwicklung erster Modelle sowie der Teilnahme im Motorsport, Tourenwagensport mit 2800 CS, CSL und später dem M3. Unvergessen die Formel-1-Teilnahme mit dem Turbomotor sowie dem Gewinn der F1-Weltmeisterschaft 1983. Dazu gesellt sich dann die Vorstellung zahlreicher Modellreihen: M3, M4 und M5. In 50 Jahren kommt einiges zusammen.
Das Buch entstand mit tatkräftiger Unterstützung der M GmbH und – man darf angesichs des Impressums vermuten – auch auf deren Initiative. Entsprechend grosser Aufwand wurde dabei betrieben. Verschiedene Autoren machen sich an die unterschiedlichen Themenbereiche. Dabei entstehen in zahlreichen Kapiteln teils wort-, teils bildgewaltige Zugänge zum jeweiligen Thema.
M – ganz Persönlich
Interessante Einblicke bieten die unterschiedlichen persönlichen Zugänge innerhalb des Buches. Hier werden wahre Fans von M-Modellen vorgestellt, dort kommt der Leiter der M GmbH zu Wort. Vorstellungen und Interviews eint der ganz individuelle Zugang zu den M-Modellen. Frank van Meel, heutiger Leiter dem M GmbH, einst von der Quattro GmbH abgeworben, hat den M-Modellen den heckakzentuierten X-Drive beigebracht, und damit der konsequenten Hinterradantriebsauslegung leise Servus gesagt. Während in den Sammlerporträts aus aller Welt dagegen die Garagen geöffnet werden. Seltene Fahrzeuge, Sammlergeschichten, Motorsportleidenschaften – das sind ganz tiefe Zugänge zur Marke.
Der Japaner Maskuni Hosobuchi besitzt die grösste private M-Sammlung der Welt. Seit 500 Jahren lebt seine Familie auf dem selben Grundstück, seit 40 Jahren bereichert die ständig wachsende M-Sammlung die Umgebung auf dem Grundstück.
Kellergeheimnisse
Das Buch "M Love" öffnet für den Leser auch den Keller zu den geheimen Projekten. Nicht alles, was mal als Projekt angedacht wurde, landete später auch im Ausstellungsraum. Denn Prototypen bieten die Chance bislang unerforschte Wege zu erkunden. Ob M3 Pick-up, M5 Cabriolet, M3 Compact, M8 oder M3 CSL V8 (nicht zu verwechseln mit dem M3 GTR).
Hier werden die Modelle vorgestellt, derer sich die M GmbH annahm. Sie demonstrieren die Kreativität, und das eine oder andere Modell hätte es auch verdient gehabt, in Serie zu gehen. Leider hat es aus dem einen oder anderen Grund nicht sein sollen. Gleichwohl, manchem Modell ebnete einer dieser Prototypen den Weg auf die Strasse. Etwa der M Roadster auf der Basis des Z1, aus dem später der Z3 erwuchs.
Motorsport trifft Kunst
Ein ganz besonderes Kapitel in der Geschichte der Motorsport GmbH nehmen die Art Cars ein. Alles begann 1975 mit dem in Le Mans eingesetzten 3.0 CSL von Hervé Poulain, der das von der M GmbH vorbereitete Fahrzeug im Gegenzug für die Bemalung durch Alexander Calder erhielt. Der Gesamtsieg stand stets ausser Reichweite in Le Mans, der Aufmerksamkeit konnte man sich trotz Ausfall in der 73. Runde sicher sein. Jeder wollte einen Calder-CSL sehen. Ohne Sieg schrieb das erste von bislang 19 Art Cars in Le Mans Geschichte. Wer erinnert sich noch an den Sieger von 1975. Den Calder-CSL kennt man.
Fazit
Angesichts der 50-jährigen Geschichte und der "Schirmherrschaft" von BMW ist es wenig Überraschend, dass "M Love" unterm Strich eine reine Erfolgsgeschichte ist. Misserfolge haben in einem Album keinen Platz. Wer das Buch unter diesem Aspekt liest, erhält einen fulminanten Rückblick auf die Geschichte der M GmbH. Wortgewandt hier, bildreich dort, und an vielen Stellen auch beides zusammen. Unterschiedliche Einblicke und Zugänge machen die Unternehmensgeschichte, die Modellgeschichte und die motorsportllichen Erfolge nachvollziehbar.
Ein überaus mitreissendes Buch, das an vielen Stellen auch in interessante Tiefen geht. Ansprechend gelayoutet, wertig produziert und damit ein netter Geschenkband für jeden BMW-Fan. Denn die Bedeutung der M GmbH für BMW kommt in diesem Buch etwas zu kurz. Aber das wäre dann ja auch eine andere Geschichte. Deutsche Automobilgeschichte und ihr Erfolg wäre ohne die M GmbH auf jeden Fall um einige Kapitel ärmer. Deshalb sei das Buch als Lektüre auch all jenen empfohlen, die sich für deutsche Ingenieurskunst im Automobilbau und deren Erfolge interessieren. Egal ob auf der Rennstrecke oder auf der Strasse. Für 50 Euro ist das Werk auf jeden Fall günstiger als Fussmatten im M-Design beim nächsten BMW-Händler (mit M-Verkaufsrecht).
Bibliografische Angaben
- Titel: "M Love"
- Sprache: Deutsch (es gibt auch eine englische Ausgabe)
- Herausgeber: BMW M GmbH (Marketing Communications)
- Verlag: Delius Klasing,
- Auflage: 1. Auflage 2022 (Juli)
- Format: 297 x 298 mm, gebunden
- Umfang: 240 Seiten, 332 Abbildungen (farbig und s/w)
- ISBN: 978-3-667-12375-6
- Preis: EUR 50.00
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