Die meisten Zwischengas-Leser werden vermutlich milde lächeln, wenn man sie mit Basiswissen über das Fahren und Unterhalten eines Oldtimers belehren möchte. Doch schliesslich wächst Anhängerschaft der Oldtimer- und Youngtimer-Fahrer ja Jahr für Jahr und irgendwie müssen sich die nachgerutschten Piloten von Klassikern ja das Grundwissen aneignen können.
Genau hier setzt die “Oldtimer-Fahrschule” von Martin Henze auf. Mit seinem 256-seitigen Buch will er Grundwissen vermitteln, Novizen vorsichtig an das Thema heranführen.
Von einem Praktiker geschrieben
Henze ist kein klassischer Bücherschreiber, er ist Praktiker. Er wuchs sozusagen mit alten Autos auf, liebt seinen VW Käfer genauso wie seine Alfa Romeo Giulia und bewegt im Alltag einen Mercedes-Kombi der Baureihe 124. Und auch er musste Erfahrungen sammeln, beispielsweise bei den ersten Schaltversuchen mit einem spontan gekauften frühen Käfer, der ein unsynchronisiertes Getriebe und Seilzugbremsen aufwies.
Seine Erfahrungen und auch sein Wissen aus vielen Schrauberstunden gibt Henze nun in seiner “Oldtimer-Fahrschule” weiter und er hat dabei auch ein Auge auf die ganz jungen Leser und die Frauen geworfen.
Die wichtigen Grundlagen vermitteln
Über 26 Kapitel bringt Henze seinen Lesern die wichtigsten Handgriffe bei, begonnen beim Starten eines kalten und warmen Motors, über richtiges Schalten und Bremsen, bis zu Grenzbereichserfahrungen. Er gibt auch Tips zum Oldtimerkauf und für die Fahrzeugauswahl. Und er erläutert die Wichtigkeit von Wartung und Unterhalt, etwas, was gerade Oldtimer-Fahrschüler von ihrem modernen Wagen in dieser Art so gar nicht kennen. Denn wer sich heute einen Polo oder einen Adam kauft, der öffnet vielleicht tatsächlich während der ersten 30’000 Kilometer nie die Motorhaube. Beim Oldtimer ist das ganz anders, da muss ständig etwas geschmiert werden und die Ölstandskontrolle erfolgt im Motorraum und nicht am Anzeigeinstrument.
Dass Henze nicht auf alle Fahrzeugtypen eingehen kann, versteht sich von selbst. Wo möglich gibt er aber Hinweise für weiterführende Literatur.
Die grossen Unterschiede
Generell setzt Henze viel Gewicht darauf, die Unterschiede zwischen modernen und alten Autos zu erklären und mehr Verständnis für antike Technik zu erzeugen. Und er vermittelt Basiswissen über Themen, die man rund um das moderne Auto kaum mehr beachtet, etwa über Schmierstoffe und ihre Eigenschaften oder über Reifen und ihre Wichtigkeit.
Umfangreich illustriert
Viele Bilder machen das Lesen des Buches unterhaltsamer, manche komplizierte Erklärung gelingt mit Bild auch besser. Manch ein Leser hätte sich wohl noch mehr Zeichnungen und Detailabbildungen gewünscht, um Zusammenhänge noch besser zu verstehen.
Noch hilfreicher wären aber in einigen Teilen des Buches Grafiken statt der verwendeten Auflistungen im Fliesstext. Wenn es beispielsweise um Fehlersuche im Pannenfall geht, dann würde ein Ablaufdiagramm gute Dienste leisten.
Etwas abseits des Hauptthemas
Bei einigen Kapiteln entfernt sich Instruktor Henze etwas vom eigentlichen Thema, etwa, wenn er im “Oldie Styleguide” über andere schöne Dinge erzählt, die zum alten Auto passen. Aber das wollen wir gerne durchgehen lassen.
Auch, dass bei einem derartig umfangreichen Buch nicht jede historische Aussage immer bis ins Detail geprüft werden kann, ist verständlich. Hier aber trotzdem nochmals der Hinweis, dass nicht Glas die mit einem Zahnriemen angetriebene obenliegende Nockenwelle erfunden hat, sondern Bill Devin in den USA. Weil jener aber seine Bauweise nicht patentierte und zudem in nur in kleinen Stückzahlen nutzte, gelang dann eben erst Glas die Grossserien-Einführung.
Grosser Leserkreis
Fast jeder, selbst langjährige Oldtimer-Fahrer, werden im unterhaltsam geschriebenen Buch von Henze noch Neues erfahren können. Mehr profitieren können aber naturgemäss Leute, die sich neu mit alten Autos befassen, ob sie dies nun in Hinsicht auf eine Anschaffung oder aus Freundschaft zu einem Oldtimer-Enthusiasten tun, ist einerlei. Henze adressiert bewusst auch die Frauen und Kinder in seinem Büchlein, denn er weiss, dass die Odltimerszene etwas überaltert und der Nachwuchs wichtig ist.
Am besten ist wohl, wenn man dieses Buch aktiv verschenkt und damit für mehr Wissen bei der nächsten Generation sorgt. Mit EUR 25.00 kostet es nicht die Welt und vielleicht pflanzt man damit ja die Saat, die sicherstellt, dass die alten Autos auch morgen und übermorgen noch auf unseren Strassen zirkulieren können.
Bibliografische Angaben
- Titel: Oldtimer-Fahrschule - alte Autos lieben und verstehen
- Autor: Martin Henze
- Sprache: Deutsch
- Verlag: Helmut Horn
- Auflage: 1. Auglage 2017 (März)
- Format: Gebunden, 24 x 16,7 cm
- Umfang: 256 Seiten, über 200 Bilder
- ISBN: 978-3-928593-11-3
- Preis: EUR 25.00 (in Deutschland inkl. MWSt. und Versandkosten
- Kaufen/bestellen: Online beim Verlag oder im Buchhandel





























































































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