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Die grossen Volkswagen – Traurige Lösungen und Nasenbären (Buchbesprechung)

Erstellt am 28. April 2022
, Leselänge 3min
Text:
Paul Krüger
Fotos:
Motorbuch Verlag (Repro Zwischengas) 
15
Wie es dazu kam | "Die grossen Volkswagen"
EA 97 und Co. | "Die grossen Volkswagen"
Der Typ 3 | "Die grossen Volkswagen"
Die Technik des Typ 3 | "Die grossen Volkswagen"
Typ 3 Variant und Stadtlieferwagen | "Die grossen Volkswagen"
Die Langnase und die Konkurrenz | "Die grossen Volkswagen"

Wie einst im Ausstellungsraum der Händler wurden die Mittelklasse-VW oberhalb des Käfers (insbesondere 411 und 412) auch in der Literatur bisher eher stiefmütterlich behandelt. Eberhard Kittler und Joachim Kuch sahen deshalb den Bedarf für ein neues, sich ausschliesslich und in aller Tiefe mit den grossen Volkswagen befassendes Buch. Neben Typ 3, Typ 4 und Karmann-Ghia – wie der Untertiel verspricht – gehen die Autoren auch auf die brasilianischen Mittelklasse-Modelle und Sportwagen sowie alle gescheiterten Prototypen aus Wolfsburg ein. Für grösstmögliche Akkuratesse haben Kittler und Kuch neben zahlreichen Archivgängen auch mit den Liebhaber-Clubs der einzelnen Modelle zusammengearbeitet, die heute oft mehr über ein Auto wissen als der Hersteller selbst.

Detaillierte Hinführung zum Thema

Das merkt man dem Buch "Die grossen Volkswagen" auch an. Kittler und Kuch nennen nicht nur Konstruktionsdetails, sondern erläutern auch wie es zu ihnen kam. Zum Beispiel, warum 1500 Variant und TL ("Traurige Lösung") 1965 von der A-Säule aus "fernbedienbare" Luftausströmer erhielten, während sich Limousinen-Fahrer weiterhin tief in den Fussraum bücken mussten. Die allgemeine Entstehungsgeschichte vom EA 47 zum Typ 3 und schliesslich zum EA 97, der dann nach Brasilien abgeschoben wurde, kommt natürlich auch nicht zu kurz. Ebenso wird erläutert, warum sich VW Ende der Fünfziger genötigt sah, überhaupt ein Modell oberhalb des erfolgreichen Käfers anzubieten.

Bild EA 97 und Co. | "Die grossen Volkswagen"
EA 97 und Co. | "Die grossen Volkswagen"

Freilich lassen sich nach über 60 Jahren nicht mehr alle Dinge zweifelsfrei klären. Löblich: unsichere Informationen werden nicht als Fakt, sondern als Wahrscheinlichkeit genannt und unterschiedliche Quellen angegeben; so etwa bei der Frage, ob nun Reutter oder Wendler die Prototypen des VW 1500 baute. Ebenso werden historische Presseberichte zitiert, um den Eindruck der Wagen bei ihrem Erscheinen zu vermitteln. Kurios: 32 Jahre vor der Mercedes-A-Klasse kippte bereits ein VW 1500 S im Test um.

Bild Der Typ 34 | "Die grossen Volkswagen"
Der Typ 34 | "Die grossen Volkswagen"

Neben den offiziellen Spielarten aus Deutschland (Karmann-Ghia Typ 34) und Brasilien (SP 2 und Karmann-Ghia TC 145) stellen Kittler und Kuch auch Kleinserien-Modelle unabhängiger Hersteller auf VW-Basis vor, etwa den bildhübschen Hofer Corrida oder den Sbarro Filipinetti für den Schweizer Rennstallbesitzer. Zum Abschluss jedes Fahrzeug-Kapitels fasst eine grosse Tabelle noch einmal alle wichtigen Produktions-Änderungen nach Jahr und Monat zusammen.

Reich und historisch bebildert

Zur Illustration dient überwiegend altes Bildmaterial; allerdings nicht nur historische Werksfotos, sondern auch zeitgenössische Aufnahmen des Strassenverkehrs, die zeigen, dass die Verkehrsführung um den Züricher Hauptbahnhof schon in den Sechzigern eine Katastrophe war. Auch die Fotos den meisten Prototypen sind historisch – was nicht verwundert, da die meisten von ihnen nach der Erprobung verschrottet wurden. Neues Bildmaterial kommt nur selten zum Einsatz, meist wenn Prototypen doch einmal überlebt haben oder bestimmte Details gezeigt werden sollten, von denen es vermutlich kein historisches Material in guter Qualität gibt. Das Typ-3-Variant-Taxi auf Seite 77 dürfte aber ein Phantasie-Produkt sein, da Droschken in Deutschland seit jeher vier Türen haben müssen.

Bild Der VW 411 | "Die grossen Volkswagen"
Der VW 411 | "Die grossen Volkswagen"

Interessant sind die kleinen Kapitel über Motorsport, da man die braven bis biederen Mittelklasse-VW nicht wirklich damit assoziiert. Ein vierter Platz bei der Rallye Monte Carlo hinter drei Porsche 911 ist ein durchaus respektables Ergebnis für einen VW 411. Im Anhang ab Seite 190 folgen dann noch Tabellen mit Produktions- und Verkaufszahlen inklusive Limousinen-Kombi-Verhältnis sowie eine tabellarische Übersicht aller Lackfarben nach Modell und Modelljahr. Musterkarten für Lack- und Polsterfarben gibt allerdings nur exemplarisch. Die technischen Daten sind jedoch vollständig für alle Typ 3, Typ 4 und Typ 34 sowie sehr detailliert und enthalten neben den Getriebe-Übersetzungen auch die einstigen Listenpreise.

Bild Anhang mit Farb- und Polstermuster | "Die grossen Volkswagen"
Anhang mit Farb- und Polstermuster | "Die grossen Volkswagen"

Fazit

"Die grossen Volkswagen" bietet trotz des vergleichsweise geringen Umfangs von 214 Seiten erfreulich viel Tiefgang und hohe Informationsdichte. Für 34,90 Euro bekommt man nun erstmals seit langem wieder ein Buch, das sich ausschliesslich mit Volkswagens Mittelklasse befasst und sie nicht als eine Käfer-Randnotiz abtut. Dabei kann es dank der ausführlichen Datenkästen und der vielen historischen Fotos ebenso als Nachschlagewerk dienen wie als Schmökerband für den Kaffeetisch.

Bild Einband | "Die grossen Volkswagen"
Einband | "Die grossen Volkswagen"

Bibliografische Angaben

  • Titel: Die grossen Volkswagen
  • Autor: Eberhard Kittler, Joachim Kuch
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Motorbuch Verlag
  • Auflage: 1. Auflage 2022
  • Format: Festeinband, 230 x 265 mm
  • Umfang: 216 Seiten, 220 Fotos und Abbildungen
  • ISBN: 978-3-613-04440-1
  • Preis: EUR 34,90
  • Kaufen/bestellen: Online bei amazon.de , beim Motorbuch Verlag oder über den einschlägigen Buchhandel

 

Bilder zu diesem Artikel

Bild Wie es dazu kam | "Die grossen Volkswagen"
Bild EA 97 und Co. | "Die grossen Volkswagen"
Bild Der Typ 3 | "Die grossen Volkswagen"
Bild Die Technik des Typ 3 | "Die grossen Volkswagen"
Bild Typ 3 Variant und Stadtlieferwagen | "Die grossen Volkswagen"
Bild Die Langnase und die Konkurrenz | "Die grossen Volkswagen"
Bild Der Typ 34 | "Die grossen Volkswagen"
Bild Grosse VW aus Brasilien | "Die grossen Volkswagen"
Bild Brasilianische VW-Sportwagen | "Die grossen Volkswagen"
Bild Der VW 411 | "Die grossen Volkswagen"
Bild Der VW 412 | "Die grossen Volkswagen"
Bild Anhang mit Farb- und Polstermuster | "Die grossen Volkswagen"
Quelle:
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von gi******
29.04.2022 (16:34)
Antworten
Mir hat das Buch auch ganz gut gefallen, allerdings hätte man in Bezug auf sportliche Einsätze etwas mehr zeigen und genauer recherchieren können. Der erwähnte Platz 4 bei der Monte 1969 ist Humbug, richtig wäre Platz 16 von 27 platzierten Teilnehmern für den vom niederländischen Importeur gemeldeten VW 411 mit Gijs Van Lennep, dem Le Mans-Sieger von 1971 und Jooks Klein
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von Ru******
03.05.2022 (09:06)
Antworten
Es ist doch sehr verwunderlich, warum der VW 1500/1600 heutzutage oft in die Nähe des 411/412 gerückt wird. Letzterer hatte gerade einmal nur lächerliche und somit für VW tatsächlich katastrophale 10 % der Verkäufe des im Unterschied dazu sehr erfolgreichen Typs VW 1500/1600. Der hieß übrigens in seiner Zeit niemals "Typ 3", man hätte gar nicht gewußt, was das heißen soll! Was Anfang der 60er noch zu einem großen Erfolg beim 1500 und später 1600 führte, phasenweise nach dem Käfer auf Platz 2 der Zulassungen, war um 1970 herum beim 411 eine uraltbackene Katastrophe. Gerade der 1500/1600 Variant war der mit riesigem Abstand meistverkaufte Kombi der 60er Jahre überhaupt, er machte rund die Hälfte der drei Modelle Limousine/Schrägheck/Kombi aus. Wer also Lust auf historisch Korrektes hat, sagt niemals "Typ 3" zu ihm, wenn er mal einen sieht, sondern "VW 1500" oder eben "VW 1600" (ab ´65). Und er wird bei fast drei Millionen verkaufter Fahrzeuge beim 1500/1600, im Unterschied zum 411/412, niemals von einem Mißerfolg sprechen!
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