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Der legendäre Lotus 18 - Grand-Prix-Sieger und Scheunenfund

Erstellt am 19. Oktober 2012
, Leselänge 3min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Archiv Daniel Reinhard 
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Archiv 
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1960 baute Lotus den ersten Mittelmotor-Rennwagen und stellte damit gleichzeitig einen Meilenstein in der Motorsportgeschichte auf die Räder. Dieser Monoposto wurde in der Formel 1 und der Formel 2 mit Vier- und später mit Acht-Zylinder Motoren von Climax eingesetzt.

Aber dasselbe Auto wurde auch als Formel Junior angeboten, mit ab Werk montiertem Ford 105E Motor mit 88PS bei 7500 U/min.

Einige benutzten jedoch einen BMC-Motor und der deutsche Gerhard Mitter gar einen Zweitaktmotor von DKW.

Lotus 18 Formel Junior (1960) - Scheunenfund - beeindruckende Auspuffschar
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Aus heutiger Sicht wäre es undenkbar, mit nur einem Chassis in sämtlichen Formel-Klassen anzutreten. Das Basisfahrzeug wurde zudem von vielen Privatbesitzern umfangreich verändert. So hatte das Auto des Rob Walker Teams eine komplett andere Kraftübertragung als die Werkswagen. Und es gab den 18er sogar mit Vanwall-, Borgward- und Maserati-Technik.

1960 wurden vom Typ 18 125 Stück gebaut, was einer Produktion von zwei Fahrzeugen pro Woche bedeutete.

Überschaubare, aber effiziente Technik

Ein einfacher Gitterrohrrahmen diente als Chassis und liess den 18er gegenüber dem Vorgängerfahrzeug des Typs 16 um rund 27 kg, abspecken. Die Vorderachse arbeitete mit Dreiecksquerlenkern ungleicher Länge. Die sehr einfach aufgebaute, aber fast genial zu nennende Hinterradaufhängung des Lotus war mit einem unteren Querlenker und der gleichzeitig als oberer Querlenker dienenden Antriebswelle ausgerüstet. Die Führung in Längsrichtung erfolgte durch zwei Schubstreben.

Lotus 18 Formel Junior (1960) - Scheunenfund - Gitterrohrahmen und Kunststoffbeplankung
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Drehstabilisatoren vorne und hinten übten einen bedeutenden Einfluss auf die Fahreigenschaften aus. Die Bremsen lagen hinten beiderseits des Achsgehäuses, um die ungefederten Massen so gering wie möglich zu halten.

Die Scheibenbremsen konnten jedoch auch ohne grosse Schwierigkeiten in die Räder verlegt werden. Das sehr kompakt ausgelegte Fünfganggetriebe, beim Formel Junior stammte es vom Renault Dauphine, war leicht zugänglich. Die Uebersetzungen vom 3., 4. und 5. Gang konnten binnen Minuten gewechselt werden, indem man einfach den Getriebedeckel abnahm und die Zahnräder herauszog.

Debüt in Argentinien

Innes Ireland debüttierte mit dem Werks-18 F1 anlässlich des GP Argentinien 1960, konnte sogar für kurze Zeit die Führung übernehmen und wurde schlussendlich guter Sechster. Kurz darauf gewann er die Glover Trophy sowie den Lavant Cup im Forme-1 sowie im Formel-2.

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Citroen DS Super (1973)
Volvo 145 B20 Kombi (1972)
Rover 3500 P6 V8 (1971)
Mercedes Benz 350 SLC Coupé (1977)
+41 79 445 32 04
Gommiswald (oberer Zürichsee), Schweiz

Mit nagelneuem Fahrzeug zum Sieg

Vom Produkt überzeugt, bestellte Rob Walker die Formel-1-Version des Lotus 18. Erst eine Woche vor dem GP Monaco wurde das Auto fertig und Stirling Moss gewann auf Anhieb mit diesem nagelneuen Auto den GP von Monaco am 29. Mai 1960. Er bescherte damit Lotus den ersten Grand-Prix-Sieg. Man muss sich dies einmal vorstellen! Im Vergleich zu den den schwer wirkenden Frontmotor-Monoposti von Mercedes, Vanwall und Maserati muss der Lotus wie ein Spielzeug durch die engen Kurven des Fürstentums gedriftet sein.

Colin Chapman holte sich am Ende des Jahres mit seinen eingesetzten Fahrzeugen den zweiten Platz in der Konstrukteurswertung hinter Cooper.

Mit Moss am Steuer gewann der Lotus 18 noch den Grand Prix der Vereinigten Staaten in Riverside am 20. November 1960, im Folgejahr wiederum den GP Monaco vom 14. Mai 1961.  

Lotus 18 (1960) - beim Bergrennen von Marchairuz im Jahr 1960
Copyright / Fotograf: Archiv Daniel Reinhard

In der Scheune gefunden - tatsächlich

Der für diesen Bericht portraitierte Scheunenfund, ein Lotus 18 Formel Junior, brachte Peter Monteverdi, der bekannte Automobil-Konstrukteur, aus England mit in die Schweiz, damals aber noch mit Ford-Motor. Er fuhr mit diesem Lotus Formel Junior nachweislich folgende drei Rennen: Am 2.10.1960 bestritt er das Bergrennen Marchairuz, wo er handicapiert (mit einem vom Knie bis zum Fuss eingegipsten Bein, das beim Fahren arge Schmerzen bereitete) den 3. Platz in der Formel Junior herausfuhr. Am 13.10.1960 startete er beim Flugplatzrennen von Innsbruck und am 29.1.1961 nahm er am auf Schnee ausgetragenen Rennen in Arosa teil. Beide Rennen konnte er nicht beenden.

Ende 1961 verkaufte Peter Monteverdi dieses Auto an Georges-Henri Rossetti, der die Saison 62 damit bestritten hat. Rossetti fuhr hernach noch diverse Lotus F3 an internationalen Rennen, was jedoch mit bescheidenem Erfolg gekrönt wurde. Er übernahm in den Siebzigerjahren das fast pleite gegangene Lamborghiniwerk.

1963 sass Benito Secchi, 1964 Samuel Hauser und 1966 Gérald Storrer, der später auch noch in Jo Sifferts Lotus 24 zu sehen war, am Steuer.

Wer den für diesen Bericht portraitierten Lotus auf einen DKW-Motor umrüstete, konnte bisher noch nicht in Erfahrung gebracht werden.

Nach dem letzten Besitzerwechsel wird der Lotus jetzt zu neuem Leben erweckt. In einer gut versteckten Garage wird er mit viel Liebe zum Detail restauriert. Zwischengas bleibt am „Rad“ und wird zu gegebener Zeit wieder über dieses legendäre Auto berichten.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ne******
22.08.2015 (20:47)
Antworten
Man kann nur hoffen, dass die Restaurierung behutsam erfolgt und möglichst viel Originalsubstanz erhalten wird!
von he******
25.11.2014 (13:42)
Antworten
Ob er ein Hewland Getriebe hatte, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Wahrscheinlich ist es jedoch, denn mit dem DKW-Getriebe baute der Motor sehr hoch und wäre im Heck des Lotus 18 nie unterzubringen gewesen. Manche, z.B. Otto Mathé aus Innsbruck, behalfen sich allerdings, indem sie das DKW-Getriebe um 180° verdreht anflanschten.

Hier sehen Sie Gerhard Mitters DKW - Lotus 18 am Gaisbergrennen in Salzburg 1960:

http://www.technischesmuseum.at/motorsport-in-oesterreich/objekt/mediaid/329279/search/a2-465?returnurl=%2fmotorsport-in-oesterreich%2fperson%2farticleid%2f1775

http://www.technischesmuseum.at/motorsport-in-oesterreich/objekt/mediaid/329464/search/a2-465?returnurl=%2fmotorsport-in-oesterreich%2fperson%2farticleid%2f1775

Hier in Wien - Aspern 1961:
http://www.technischesmuseum.at/motorsport-in-oesterreich/objekt/mediaid/330636/search/a2-465?returnurl=%2fmotorsport-in-oesterreich%2fperson%2farticleid%2f1775

Hier noch off Topics ein Foto, das vor allem für die Schweizer Kenner klassischer Automobile interessant sein dürfte: Es handelt sich wohl um einen Porsche Abarth mit Königswellen-Motor, der da beim Flugplatzrennen in Innsbruck 1962 onduliert wurde. Das Zulassungskennzeichen: ZH 11120:

http://www.technischesmuseum.at/motorsport-in-oesterreich/objekt/article_entity_id/12_1962/order/0/mediaid/234088?returnurl=http://www.technischesmuseum.at/motorsport-in-oesterreich/veranstaltung/articleid/2507

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