Sie ist legendär, die Tour de France Auto, die von 1899 bis 1986 als Strassenrennen durchgeführt wurde. 50 Mal fand sie statt und in den Sechzigerjahre wurde sie auch für Sport-Prototypen wie den Ford GT40, den Ferrari 512 S, den Porsche Carrera 6 oder den Matra MS650 zur Rennveranstaltung, an der man sich internationales Renommee holen konnte. Dass man dabei besser ausgeruht an den Start kam, beweisen die Daten der 13. Tour de France Auto im Jahr 1964.
Damals gewannen Lucien Bianchi mit George Berger auf einem Ferrari 250 GTO, der bereits im Vorjahr siegreich war,, nachdem sie in neun Tagen 6000 km zurückgelegt hatten. Von den 117 in Lille gestarteten Autos kamen gerade einmal deren 36 am Ziel an. Ford blies damals zur Grossattacke, doch war der Ford Mustang einfach nicht schnell genug, um den GTO zu gefährden. Immerhin konnte der amerikanische Hersteller bei den Tourenwagen siegen.
Auf historischen Spuren
53 Jahre später wendete sich das Schicksal, ein Ford GT40 heimste den Gesamtsieg der 26. Tour Auto, der historischen Nachfolgeveranstaltung der Tour de France Auto, ein.
Zurücklegen musste er allerdings nur 2500 km, dafür hatte er es aber mit gegen 250 gegnerischen Teams zu tun.
Während allerdings 1964 auf insgesamt acht Rundstrecken, darunter auch Monza und Pau, sowie bei acht Bergrennen um die besten Zeiten gekämpft wurde, gab es 2017 deutlich weniger Gelegenheit, sich auf der Rennstrecke und bei gezeiteten Spezialprüfungen zu messen.
Ein anspruchsvolles Unterfangen
Anspruchsvoll war die Teilnahme aber trotzdem. Trotz deutlich besseren Wetterbedingungen als erwartet, stellten die lange Strecke und das Mitschwimmen im normalen Verkehr durchaus erhebliche Herausforderungen dar. 15 Stunden unterwegs zu sein, war keine Seltenheit, Unfälle bescherten der Organisation teilweise erhebliche Verzögerungen. Einige Teilnehmer versuchten auf normalen Strassen durch nicht vorschriftsgemässes Fahren Zeit aufzuholen, was weder der Organisation noch der Polizei genehm war.
Selbst wenn fast an jedem Tag auch 50 km auf der Autobahn zurückgelegt wurden, forderten die rund 400 bis 600 Tages-Kilometer die Besatzungen doch aufs Äusserste. Leider ging auch einigen Konkurrenten die Strasse aus, einige Unfälle waren zu verzeichnen.
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Attraktives Fahrzeugfeld
Einmal mehr hatte die Organisation um Patrik Peter (Peter Auto) ein sehr attraktives Fahrzeugfeld zusammengestellt. Die Bedingung für den Start ist es, dass das gleiche oder ein ähnliches Auto an der Tour de France Automobile, die bis 1986 veranstaltet wurde, teilgenommen haben muss. Dass sich unter diesen Rahmenbedingungen viele Porsche 911, einige Lancia Stratos und diverse Ferrari 308 oder 275 GTB zusammenfanden, ist naheliegend.
Doch es gab auch viele typisch französische Exoten zu bewundern, etwa eine Horde Jidé, eine Gruppe von Deutsch-Bonnets, einige Panhard, viele Alpine-Renault sowie Fahrzeuge der Marken CG, Ligier oder Hotchkiss.
Das Spektrum, das die rund 250 Teilnehmerfahrzeuge boten, war wirklich ausserordentlich vielseitig. Kein Wunder standen Tausende von Zuschauern an den Strassen Spalier, wenn der Renntross durchzog. Auch wenn der Ferrari 250 GT0, wie er 1964 siegte, fehlte.
Bewundert werden mussten sicher auch die Besatzungen der Fahrzeuge, die nicht auf Hunderte von Pferdestärken zurückgreifen konnten. 2500 km im Fiat 600 D ist sicherlich eine ganz eigene Erfahrung.
Wer übrigens nur Exoten vom Schlage eines Ferrari oder Porsche erwartet hätte, sah sich schnell getäuscht, denn unter den Teilnehmerwagen fanden sich auch Peugeot 504, Saab 96, Opel GT, Volvo 142 oder BMW 2002.
Ein prunkvoller Beginn
Traditionell nimmt die moderne Tour Auto in Paris im Grand Palais ihren Anfang. Dort, wo einst Neuwagen anlässlich der Mondiale de l’Automobile, also dem Pariser Autosalon, präsentiert wurden, zeigten sich nun die Wettbewerbsfahrzeuge, die im Renn- oder Regularitätsmodus etwa im Verhältnis drei zu ein Fünftel antragen, im besten Lichte.
Nach der Wagenabnahme gab es dann fünf Tages-Etappen zu bewältigen, welche die Teilnehmer u.a. in den Norden und den Südwesten Frankreichs führten.
Erstmals durch die Bretagne
Zum ersten Mal führte die Strecke die Konkurrenten in die Bretagne, es gab neue Landschaften, aber auch neue Architekturen zu entdecken. Natürlich stand auch bereits am ersten Tag der Besuch einer Rennstrecke auf dem Programm, es handelte sich um den Bugatti-Rundkurs in Le Mans.
454 km mehr zeigte schliesslich der Tacho bei der Ankunft in Saint Malo, wo sich die Mechaniker um das Wohlergehen der sich noch im Rennen befindlichen Fahrzeuge kümmern konnten.
Überführungsetappen, Sonderprüfungen und Rundstrecken
Die weiteren vier Tage liefen nach einem ähnlichen Muster ab. Auf Überführungsetappen folgten Sonderprüfungen auf abgesperrten Strassenabschnitten oder Rundstrecken. Dabei hatten die Piloten teilweise nicht nur mit der Strasse, sondern auch mit Hagel und Schnee zu kämpfen.
Andrew Smith und James Cottingham auf dem Ford GT40 bauten derweil konsistent ihre Führung in der VHC-Klasse aus.
Auf der längsten Sonderprüfung von Saint Céré, die immerhin 13,9 km umfasste, konnten die Fahrer und ihre Maschinen zeigen, was in ihnen steckt. Kaum weniger anspruchsvoll war die Fahrt auf dem zweiältesten französischen Rundkurs namens Albi-Le-Séquestre, den schon die Tour de France Auto genutzt hatte.
Viele Sieger
Der Sieg war Smith und Cottingham auch auf der letzten Etappe von Toulouse nach Biarritz nicht mehr zu nehmen. Sie hatten 11 der 15 Teilsiege erzielt, vier auf den Rundstrecken und sieben auf Sonderprüfungen. Nur eine Shelby Cobra 289 hätte dem Ford GT40 noch gefährlich werden können, doch es sollte nicht so sein.
Schliesslich wurden die Schweizer Raphael Favaro und Lucien Charles Nicolet auf ihrem Jaguar E-Type Zweite mit einer Minute Vorsprung auf die Dritten Olivier Ellerbrock und Olivier Louisoder auf einem weiteren Ford GT40.
Als Sieger der Fahrzeuge der Perioden G1 und G2 gingen Viard/Haquette auf einem Ford Escort Mk1 RS 2000 ins Ziel, während die Perioden H1 und H2 sowie I durch John/Sibel auf einem Ligier 2 DFV auf Platz Eins gemeistert wurden.
Bei den gleichmässig fahrenden Teams konnten sich Tomas Hinrichsen und Solange Mayo auf einem Maserati 200 SI durchsetzen.
Kompetent organisiert
Die Organisation des mit fast 250 Teilnehmer- und weiteren 180 Service- und Organisationsfahrzeugen sehr umfangreichen Rallye-Trosses ist kein einfaches Unterfangen, doch die Peter-Auto-Crew meisterte dies weitgehend souverän.
Dass die Landschaften, durch die gefahren wurde, nicht ganz so eindrücklich wie in anderen Jahren waren, das störte wohl die Fotografen mehr als die Teilnehmer, die ja schliesslich auch noch die Nächte in Schlössern und Hotels geniessen konnten. Dies durften sie auch, schliesslich hatten sie einen fast fünfstelligen Betrag für ihre Teilnahme auf den Tisch geblättert, und da war ein passendes Auto, eine Begleitmannschaft und Kosten für Benzin sowie Reparaturen oder Hin-/Rücktransport noch nicht dabei.
Vielfältige Eindrücke werden in der Fotogalerie zu diesem Artikel vermittelt, es lohnt sich, die über 300 Fotos duchzugehen!


















































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































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