Am 47. AvD Oldtimer-Grand-Prix, der vom 9. bis 11. August 2019 auf dem Nürburgring rund 53’500 Zuschauer in seinen Bann zog, waren rund 500 historische Rennwagen in über einem Dutzend Renn- und Demonstrationsläufe flott unterwegs, liessen Muskeln spielen und ihre Motoren dröhnen. Bei gemischten Wetterverhältnissen bot sich auf dem Grand-Prix-Kurs viel Abwechslung fast rund um die Uhr.
Während die Werksdelegationen grossteils durch Abwesenheit glänzten, sorgten die Amateure für überraschend volle Startfelder und viel Abwechslung, eigentlich genauso, wie man es schon vor bald 50 Jahren bei den ersten Durchführungen gekannt hat.
Das atemberaubende Abendrennen am Samstag
Überhaupt nicht über mangelndes Interesse beklagen konnte sich das Rennen 5, bei dem es sich um das seit Jahren beliebte Abendrennen der zweisitzigen Rennwagen und GT-Fahrzeuge der Fünfzigerjahre bis 1960/61 handelte. Weil sich mehr als die erlaubten 50 Teams anmeldeten, musste sogar gesiebt werden.
Man fühlte sich an die Le-Mans-Rennen der Fünfzigerjahre erinnert, vor allem als die Dämmerung vollends hereinbrach und nur noch die Scheinwerfer die einzelnen Fahrzeuge verrieten.
Michael Gans konnte das Rennen nach gut zwei Stunden und 30 Runden schliesslich für sich entscheiden, der Lotus 15 mit seinem schmächtigen Vierzylinder hatte zuverlässig mitgehalten. Auf Platz 2 fuhr der Lister Chevrolet Knobbly von Lewis/Majzub gefolgt vom Elva Mk VII S von Wulf/William.
Tourenwagen Classics mit den Stars von einst
Für einen Höhepunkt sorgen jeweils auch die Autos der ehemaligen DTM. In der Tourenwagen Classics fahren sie echte Rennen und lassen ihre Muskeln spielen. Am besten gelang dies dem Ford Capri Zakspeed Turbo von 1980, von Peter und Stefan Mücke an den Start gebracht.
Sie schafften es doch tatsächlich, auch deutlich modernere Tourenwagen vom Schlag eines BMW E46 WTCC oder Mercedes-Benz CLK DTM aus dem Jahr 2000 hinter sich zu lassen.
Im Feld fuhren auch gestandene Helden mit, etwa Klaus Niedzwiedz wie damals im Ford Sierra RS 500: “Es ist beeindruckend, dass die Resonanz in der breiten Öffentlichkeit so gross ist; viele Besucher hier kommen aus meiner Generation, aber ich sehe auch viele jüngere Menschen, die sich für diese Autos interessieren”, meinte der Dortmunder.
Neben ihm drehten auch Volker Strycek (Opel Omega) und Prinz Leopold von Bayern (natürlich BMW M3) wie damals am Lenkrad und begeisterten die vielen Zuschauer auf den Tribünen.
Auch im DRM Revival fuhren viele Klassiker mit, so dass man sich schon fast in die damaligen Tourenwagenzeiten zurückversetzt fühlte. Die flammenspeienden Rennwagen gehören seit jeher zu den Lieblingen des Publikums.
Historische Formel-1-Boliden
Für bunte und wohlklingende Startfelder sorgte wieder einmal die FIA Masters Historic Formula One Meisterschaft mit mehr als einem Dutzend Formel-1-Wagen der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre mit Cosworth-Motoren.
Die Abstände waren eher geringer als in der modernen F1, Stretton konnte auf dem Tyrrell 012 aber beide Läufe für sich entscheiden, wenn auch mit relativ geringem Vorsprung. Im ersten Rennen folgten Cantillon im Williams FW07C auf Platz 2, im zweiten Rennen am Sonntag Matteo Ferreraza auf dem Ligier JS11/15.
Bei den historischen Grand Prix Cars ging es noch weiter in die Vergangenheit zurück, mit dem Maserati 250F traten dort auch die grossen Sieger der Fünfzigerjahre an.
Mit dem Rennausgang hatten diese Autos allerdings wenig zu tun, vorne fuhr im ersten Rennen Michael Gans im Cooper T 79 knapp vorne weg, während das zweite Rennen an Peter Horsman im Lotus 18/21 ging.
Heisse Konkurrenz bei den Formel Junior Autos
Fast schon hauteng ging es bei den Formel-Junior-Monoposti der FIA Lurani Trophy zu. Zweimal durfte Manfredo Rossi Di Montelera, angetreten im Lotus 22, zuoberst auf Podest, beide Male lag Bruno Weibel, ebenfalls auf Lotus 22, nach 13 Runden nur um Sekundenbruchteile zurück.
Platz 3 ging jeweils an Pierro Tonetti auf einem Brabham BT6, der noch vor kurzem als fast unschlagbar galt in der Klasse E1.
Mit über 40 Formel-Fahrzeugen mit Mittel- und Frontmotoren war die FIA Lurani Trophy sehr gut besetzt.
Wunderschöne GT-Fahrzeuge
Für viele Zuschauer sind allerdings nicht die Einsitzer, sondern die GT-Sportwagen die Lieblinge. Sie überzeugten auch am Nürburgring wieder mit schönen Formen und eindrücklichen Tonkulissen.
Ob vier, sechs, acht oder zwölf Zylinder, es gab fast jede Zündfolge zu hören.
Die GT-Fahrzeuge kämpften in verschiedenen Rennen und Serien und sie zeigten schönen Rennsport.
Solchen boten auch die Prototypen im FIA Masters Historic Sports Car Championship. Lola vor Chevron und Abarth Osella hiess die Reihenfolge im Ziel, mancher Zuschauer hätte aber vielleicht lieber den herrlichen Alfa Romeo 33 TT 3 auf dem Podest gesehen.
Attraktive Soundkulisse
Wie gut die Rennwagen von damals klangen, das konnte man fast in jeder Rennserie mitverfolgen und sogar die Vorkriegsboliden hatten bezüglich Musikalität einiges zu bieten. Einige Müsterchen zeigen sich in diesem Videoclip:
Bis in die Gegenwart
Am AvD OGP wurde aber nicht nur die Vergangenheit gefeiert.
Mit den Masters Endurance Legends wurden sozusagen die Rennoldtimer der Zukunft präsentiert, was bei den Zuschauern durchaus auf offene Ohren stiess, schliesslich gehören auch die Autos der Neunzigerjahre schon bald ins Oldtimer-Segment. Wer weiss, welche Sport- und Rennwagen am 68. OGP im Jahr 2040 am Start sein werden.
Sehenswertes rund um die Strecke
Wie immer waren es nicht nur die Rennen und Demonstrationsläufe, von denen es natürlich auch 2019 viele gab, welche das Interesse des Publikums auf sich zogen.
Rund 30 Club-Treffen fanden rund um den Rennkurs statt, etwa 70 Aussteller aus allen Bereichen des historischen Rennsports präsentierten im Fahrerlager ihre Fähigkeiten und überall gab es interessante Goodies zu kaufen. Auch das kulinarische Angebot präsentierte sich vielfältig, an Durst oder Hunger musste niemand darben.
Der Classic-Geist zog durch das ganze Gebiet, überall wurde Wert auf eine historisch angehauchte Note der Stände gelegt.
Aus Zuschauersicht jedenfalls konnte man auf eine gelungene Veranstaltung zurückschauen, die mehr anbot, als man in zwei Tagen erfassen konnte.





























































































































































































































































































































































































































































































































Kommentare