Während wir im deutschen Sprachraum unter "Mitgliederversammlung" eher eine dröge Tischsitzveranstaltung mit mässigem Unterhaltungswert verstehen, kennt man es in Südostengland als einen der besten Anlässe des historischen Motorsports. Am 13. und 14. April 2024 konzentrierte sich das 81. Goodwood Members' Meeting wieder ganz aufs Wesentliche: alte Autos, die schnell im Kreis fahren. Fast kein Rahmenprogramm (ausser einer Versteigerung und einem kleinen Rummelplatz), keine Kleidervorschrift, kein gerade einmal 50-sekündiges Einzelzeitfahren, das "Bergrennen" genannt wird, obwohl der sanfte Anstieg im Asphalt kaum die Bezeichnung "Hügel" rechtfertigt.
Beim Goodwood Members' Meeting werden noch bis zu 30 Autos – auch dies muss man erst einmal hinkriegen – gleichzeitig auf den 3,8 Kilometer langen Rundkurs losgelassen, um sich dort in 20 Umläufen so gut es geht nach ihrer Geschwindigkeit zu sortieren. Einzige Bedingung: sämtliche Fahrer müssen Mitglieder des Goodwood Road Racing Clubs sein – daher der Name. Ansonsten darf alles mitgebracht werden, was schnell fährt und Krach macht: vom 120-jährigen Rekordauto, das aus kaum mehr als einem nackten Leiterrahmen mit 200-PS-Motor besteht, bis zum Renntourenwagen der Siebziger, der nur noch äusserlich wie eine brave Familienlimousine aussieht.
Des einen Leid...
Fahrzeuge des letztgenannten Typs zankten sich am Samstag in der "Gordon Spice Trophy" über 50 Minuten und am Sonntag noch einmal im "Gordon Spice Sprint" über die halbe Distanz. Hier trafen Mini 1275 GT und Rover 3500 aufeinander – buchstäblich. Denn kleiner Kotflügelstupser von Nick Sleep gegen Larry Warr wurde ihm selbst zum Verhängnis, als Warrs weißer Krawallzwerg deshalb kurz vor Lavant Corner von der Strasse abkam, gezwungenermassen die Abkürzung über die nasse Wiese nahm, unlenk- und unbremsbar auf die Strecke zurückschlitterte und am Kurvenausgang den schubsenden Marlboro-Rover abräumte.
Das fahrende 200-PS-Skelett trat in der "S. F. Edge Trophy" für Fahrzeuge vor 1923 an. Als Rekordwagen mehr auf hohe Geschwindigkeit als auf schnelle Beschleunigung ausgelegt, fiel der Darracq 200 HP mit Mark Walker am Steuer beim Start zunächst auf den zehnten Platz zurück. Einmal in Fahrt, startete Walker jedoch dank der überlegenen Leistung seines Gefährts eine fulminante Aufholjagd, die nach fünf Runden auf dem zweiten Platz endete – nur gut zwei Sekunden hinter dem siegreichen Sunbeam Indianapolis von Julian Majzub, der von Startposition 1 ins Rennen gegangen war.
Ähnlich dominant führte John Spiers im McLaren M1B das Feld der "Surtees Trophy" für Sportprototypen der Sechzigerjahre an, bis ihn ein Dreher zweieinhalb Minuten vor Schluss die überlegene Führung und den Sieg kostete. Die beiden Chevron-B8-Piloten Ben Mitchell und Andrew Kirkaldy, sie sich schon über mehrere Runden duelliert hatten, zogen vorbei und setzten ihren Kampf bis in die letzte Runde fort. Kirkaldy ging in seinem blauen Chevron zwar als erster über die Ziellinie, bekam aber noch zehn Strafsekunden für einen Frühstart aufgebrummt, sodass Mitchell zum Sieger erklärt wurde.
Enge Strecke, enge Zweikämpfe
Räumlich eng wurde es im "Ken Miles Cup", bei dem 30 Ford Mustang des Jahrgangs 1965 für 50 Minuten auf die Strecke gingen. Gordon Shedden mit der Startnummer 166 ging das Rennen besonders forsch an, suchte in jedem Duell Karosseriekontakt und hatte sich schon bald die Nase seines schwarzen Coupés plattgedrückt. Den Sieg allerdings sicherte Andrew Jordan für den Mustang mit der Nummer 49, der sich nach dem Fahrerwechsel innerhalb weniger Runden von der achten Position an die Spitze gekämpft hatte und die Führung bis ins Ziel verteidigte.
In diesem Rennen zeigte sich auch die Hingabe der Organisatoren, die nach einem Unfall der Nummer 14 nicht nur die beschädigte Schikane vor Start/Ziel wieder herrichteten, sondern auch die abgestürzten Blumentöpfe mit den Narzissen wieder aufhingen. Natürlich machte auch das alte Material auf der Strecke die Schinderei nicht immer bis zum Schluss mit. Benzinpumpen, Getriebe und ganze Motoren kapitulierten unter der Dauerlast. Bei der Grover-Williams Trophy verlor der Bugatti mit der Startnummer 3 sein rechtes Hinterrad samt Antriebswelle.
Den spannendsten Zweikampf – es war wirklich einer, denn die beiden Duellanten hatten schon nach drei Runden über zehn Sekunden Vorsprung auf den Rest des Feldes – bot aber der "Parnell Cup" für Formel-Rennwagen der Jahre 1935 bis 1953. Fünf Runden lang versuchte William Nuthall im Cooper T23 John Ure im Cooper T24 von der Spitze zu verdrängen. Dabei zeigten sich wunderbar die Stärken der Autos und Piloten: Was Nuthall beim Beschleunigen gutmachte, holte sich Ure auf der Bremse zurück – wobei sie nie weiter als 0,3 Sekunden auseinander lagen.
Erst bei Rennhälfte am Ende der fünften Runde konnte Nuthall vorbeziehen, aber Ure nicht abschütteln. Die beiden Cooper-Piloten gingen mit nur einer halben Sekunde Abstand über die Ziellinie.
Schaulaufen mit Lauda und Berger
Fahrerisch weniger spektakulär, aber inhaltlich dennoch höchst gelungen waren die Demoläufe historisch bedeutender Rennwagen. Zu Ehren des vor fünf Jahren verstorbenen Niki Lauda pilotierte Chris Goodwin den McLaren MP4/2B des Österreichers um den Goodwood Circuit. Gerhard Berger setzte sich selbst noch einmal hinter das Steuer seines Ferrari 640 aus der Saison 1989.
Voll wurde es noch einmal, als sich 24 der vielleicht kompromisslosesten Rennwagen aller Zeiten auf dem Kurs versammelten, um der letzten Saison des Canadian-American Challenge Cup – kurz Can-Am – zu gedenken. Einige Zuschauer hätten sich gewünscht, auch diese Monster in einem Wertungslauf am Limit bewegt zu sehen. Doch auch bei Halbgas waren Anblick und Akustik ein Erlebnis. Trotzdem ist es verständlich, dass mancher den braven Paradelauf im Vergleich zum restlichen Programm ein wenig langweilig fand. Aber damit muss man rechnen. Es ist eben nur eine Mitgliederversammlung.















































































































































































































































































































































































































Kommentare