In neuem Glanz - Lackrestaurierung beim Oldtimer
Zusammenfassung
Dass der Lack beim Oldtimer eine der wichtigsten Komponenten einer Restaurierung ist, dürfte jedem Autoenthusiasten kar sein. Eine schlechte Lackierung kann den Kaufpreis massiv mindern und den Gesamteindruck des Wagens enorm verschlechtern. Dieser Bericht gibt einen Einblick in die Arbeit eines Lackierers und was es beim Lackieren von Oldtimern zu beachten gilt.
Dieser Artikel enthält folgende Kapitel
- Den richtigen Ton treffen
- Auf Spurensuche
- Gewissenhafte Vorbereitung
- Elektronische Farbtonsuche
- Gutes Farbgefühl
- Viel Handwerk
- Schichtarbeit
- Spezialfall Metallic-Lack
Geschätzte Lesedauer: 8min
Leseprobe (Beginn des Artikels)
Wer seinen Young- oder Oldtimer restauriert, weiß, dass über den Erfolg der Restaurierung die Lackierung des Fahrzeuges entscheidet. Selbst wenn alle Vorarbeiten am Blech professionell ausgeführt wurden, kann eine schlechte oder unsachgemäße Lackierung den Gesamteindruck und Wert des Fahrzeuges nachhaltig beeinträchtigen. Viele Hobby-Restauratoren geben ihr Fahrzeug zu einem Profi-Lackierer, um ein perfektes Lackkleid für ihr Fahrzeug zu bekommen. Doch Lackierer ist nicht gleich Lackierer, denn bei der Lackierung eines Young- oder Oldtimers muss Vieles vom Profi beachtet und mit dem Kunden abgestimmt werden, damit die Lackierung am Ende auch zum Fahrzeug passt.
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Als Beispiel möchte ich seine Ausführungen zum Thema historische Einschicht-Metalliclackierungen herausgreifen, zu dem ich selbst große praktische Erfahrung habe:
Da wird suggeriert, man könne einfach den Klarlack weglassen, um eine echte Einschicht-Metalliclackierung zu erreichen. Das ist kurz gesagt unprofessioneller Blödsinn und es wundert kein bisschen, dass solche Oberflächen nicht haltbar sind. Die heute erhältlichen 2K Metallic-Basislacke sind einfach nicht dafür gemacht, ohne schützende Klarlackschicht der Witterung ausgesetzt zu werden.
In den letzten Jahren durfte ich originalgetreue Metalliclackierungen für zahlreiche Fahrzeuge rekonstruieren, darunter ein Delahaye 135 M Coupé, einen Mercedes W125 Rennwagen und sogar eine Hoffmann-Vespa. Dabei wurden Einschichtlacke nach historischer Rezeptur verwendet. Alle diese Fahrzeuge werden aktuell als normale Oldtimer bzw. im historischen Rennbetrieb gefahren und ihre Lackoberflächen zeigen sich bei entsprechender Pflege der Benutzung gut gewachsen.
Gerade bei Metalliclackierungen kommt es neben Farbton und Helligkeit zentral auf Form und Grösse der verwendeten Effektpigmente an, wenn man tatsächlich eine historisch korrekte Oberflächenwirkung erreichen will. Dazu gibt es allerdings in den Standard-Mischsystemen der etablierten Lackkonzerne kaum Variationsmöglichkeiten, was die tatsächliche Authentizität der erreichbaren Resultate stark einschränkt. Wenn man also ernsthaft versucht Farbtöne und Oberflächenwirkungen anzupassen, helfen letztendlich nur Formulierungen, die auch wirklich auf originalgetreue Inhaltsstoffe zurückgreifen können.
Genauso wenig kann man Untergrund-Vorbereitung und Grundierungsmaterialien über einen Kamm scheren wie es der Autor darstellt. Diese müssen genau auf die unterschiedlichen zeittypischen Lacksysteme abgestimmt sein, sonst drohen Haftungsprobleme, Rissbildung oder andere Katastrophen.
Auf dem Gebiet der historisch korrekten Rekonstruktion von Karosserieoberflächen gibt es tatsächliche Fachleute, die hier über langjährige Praxis im Fahrzeugbereich verfügen - nicht nur bei der Pinsellackierung mit Öllacken, sondern auch fachgerechter Verarbeitung von historischen Nitrozellulose-, Kunstharz- und Thermoplast-Materialien. Dazu gehört nach meiner Erfahrung die überzeugende Arbeit von René Grosse in Wusterwitz (Stellmacherei, Blechformung und Anwendung zeitgenössischer Lackiermaterialien, sowie weitere Gewerke). Sein Team hat in den letzten Jahren nicht nur originalgetreue Komplett-Lackierungen, sondern auch zahlreiche kleinteilige Lackreparaturen innerhalb von Originaloberflächen ausgeführt, durch die historische Substanz und damit häufig auch monetärer Mehr-Wert von Fahrzeugen erhalten werden konnte.
Auch was Stellmacherei und allgemein tragfähige Kenntnisse im Wagenbau angeht, braucht es leider (oder glücklicherweise) etwas mehr als eine Firma, die sich hauptberuflich mit der Instandsetzung von historischen Fenstern beschäftigt. Spontan kann ich dazu ausgewiesene Fachleute wie Peter Piela in Zwönitz (Stellmacher und Wagenbauer) und Wolfram Böhnhard in Mihla (Schreinerei, Stellmacherei und Wagenbau) empfehlen, die eine Vielzahl beeindruckender Referenzprojekte vorweisen können.
Dasselbe gilt für die Analyse vom Lackproben und die tatsächlich fachgerechte Interpretation der dabei gewonnenen Messwerte. So etwas kann nur mit Hilfe einer breit aufgestellten Datenbank von verifizierten Vergleichsproben zu sinnvollen Ergebnissen führen. Hier hat besonders das Institut für Automotive Forensik (IfaF) in Frankfurt a. M. entscheidende Grundlagen gelegt, was dem Autor jedoch nicht bekannt zu sein scheint.
Dr. Gundula Tutt
Mit freundlichen Grüßen aus Karlsruhe.
Ludwig
wenn allein mit meinem vollen Namen zu unterschreiben schon zu viel Werbung ist, dann hat meine Arbeit wohl Masstäbe gesetzt. Es ist schön, dass Sie das anerkennen.
freundliche Grüsse nach Mannheim,
Dr. Gundula Tutt
Wer diesen Artikel ohne Vorkenntnisse liest, kann auf ein völlig falsches Gleis rutschen. Bei Oldtimern kann das empfindliche Wertverluste zur Folge haben, womit wir wieder beim Thema wären. Ich kann über eine derartige Sorglosigkeit im Umgang mit Fakten nur den Kopf schütteln. Der Rest wurde von Frau Tutt ja schon ausführlich (und völlig richtig) erklärt.
Schraubergrüße aus Karlsruhe
Ludwig














































































































































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