Volvo 780 Bertone – sicherer Schweden-Luxus aus Italien

Erstellt am 1. Oktober 2014
, Leselänge 5min
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Bruno von Rotz
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Volvo 780 Bertone (1987) - mit serienmässiger Niveauregulierung
Volvo 780 Bertone (1987) - die Technik stammte vom 760
Volvo 780 Bertone (1987) - grosse Fensterflächen im Stil der Zeit
Volvo 780 Bertone (1987) - Understatement war beim Design grossgeschrieben
Volvo 780 Bertone (1987) - die für das Fahren wichtigen Funktionen sind praktisch angeordnet
Volvo 780 Bertone (1987) - besonders gut gepolsterte Sitze mit Kreuzstützen
Bild von Partner Württembergische

Volvo hat wiederholt mit attraktiven Coupés das Marken-Image poliert und so war es kein Zufall, dass auch im Jahr 1982 präsentierte Baureihe 740 eine elegante Coupé-Ergänzung in Form des Modells 780 erhielt. Federführend dabei war Bertone gewesen, und im Gegensatz zum Vorgänger 262C hatten die italienischen Designer diesmal weitgehend freie Hand.

Bild Volvo 780 Bertone (1987) - deutlich eleganter als die kantige Limousinenbasis 760
Volvo 780 Bertone (1987) - deutlich eleganter als die kantige Limousinenbasis 760

Die edle Ergänzung einer wichtigen Baureihe

Bereits im Jahr 1975 begannen Volvos Ingenieure über den Nachfolger der Volvo-Baureihe 240/260 nachzudenken. Es war eine schwierige Zeit und Entwicklungs- sowie Design-Prioritäten und -Einflüsse wechselten täglich. Zuverlässigkeit, Treibstoffverbrauch, Langlebigkeit, Geräuscharmut und günstige Wartungskosten waren Entwicklungsprioritäten, gleichzeitig sollte auch Aussehen und Leistung stimmen.

Am Projekt P31 wurde jahrelang gearbeitet und gefeilt, aus einer Präsentation im Jahre 1980 wurde nichts. Dafür zeigte man aber am Genfer Autosalon in jenem Jahr ein Konzeptfahrzeug, das Volvo Concept Car genannt wurde und bis zur C-Säule das Aussehen des zukünftigen Volvo 760 vorwegnahm. Nur das Heck des Kombis war arg kurz geraten und ging so nicht in die Serie.

Bild Volvo 760 Turbo (1983) - nicht wirklich schneller als der TGV
Volvo 760 Turbo (1983) - nicht wirklich schneller als der TGV

Die endgültige Version des Volvo 760 wurde schliesslich im Februar 1982 erstmals gezeigt und sie kam mit ihrem kantigen und geradlinigen Design vor allem in den USA sehr gut an. Als Motoren kamen der V6-PRV-2,8-Liter, ein Vierzylinder-Turbo und der von Volkswagen gelieferte D24-Reihen-Sechszylinder-Diesel zum Einsatz. Dem 760 wurde schon bald der günstigere 740 beiseite gestellt.

Bild Volvo 740 - Weltneuheit - füllt die Lücke zwischen 240 und 760 - am Genfer Automobilsalon 1984
Volvo 740 - Weltneuheit - füllt die Lücke zwischen 240 und 760 - am Genfer Automobilsalon 1984

3,5 Milliarden SEK hatte die Entwicklung gekostet, aber sie sollte sich lohnen, denn bis zum 1998 zehrten alle Nachfolgemodelle vom Grundkonzept des 760. Über 1,2 Millionen  740/760-Modelle wurden von 1982 bis 1992 produziert.

Nach den Erfahrungen mit dem Volvo 262C sollte natürlich auch wiederum eine noble Coupé-Variante entstehen und auch diese basierte auf der Plattform des Volvo 760.

In kurzer Zeit entstanden

Wie schon beim Volvo 262C wurde wiederum Bertone mit der Entwicklung und dem Bau des Coupés betraut. Erste Kontakte wurden im August 1981 geknüpft, schon einen Monat später wurden erste Entwürfe diskutiert und im Mai 1982 wurde bereits das Engineering eingeschaltet.

Trotz eindeutiger Familienähnlichkeit zeigte sich das Volvo 780 Coupé von Bertone völlig eigenständig, weder Blech- noch Glasteile der Limousine wurden wiederverwendet. Dies war eine Abkehr von der Maxime, die man beim Volvo 262C bevorzugt hatte.

Bild Volvo 780 (1985) - elegante Erscheinung - Design by Bertone
Volvo 780 (1985) - elegante Erscheinung - Design by Bertone

Insgesamt wirkte das Coupé deutlich eleganter und weniger eckig als die Modelle der Baureihe 740/760, man spürte eine gesunde Portion italienischen Flair, ohne dass die nordischen Wurzeln verneint wurden.

Unter dem Blech wurde die Technik des Volvo 760 weitgehend unverändert übernommen, womit Motorisierung und Getriebevarianten gegeben waren.

Angebote eines Zwischengas-Händlers
Allard K1 (1948)
Allard K1 (1948)
De Tomaso Pantera GTS (1976)
De Tomaso Pantera GTS (1976)
Ford Mustang 350 GT (1966)
Ford Mustang 350 GT (1966)
Jaguar XK 120 DHC (1954)
Jaguar XK 120 DHC (1954)
0413404220
Luzern-Littau, Schweiz

Komfortabel und teuer

Wichtig war den Volvo-Leuten, dass beim Bau ein möglichst hohes Qualitätsniveau eingehalten werden konnte. Zuverlässigkeit und Präzision waren wichtiger als Sportlichkeit, dies war dem neuen Volvo anzuspüren. Und es resultierte auch in einen entsprechend hohen Preis, kam das Coupé  fast doppelt so teuer bei der Anschaffung wie die vergleichbare Limousine 760 GLE.

Bei der Lancierung wurden in der Schweiz 72’000 Franken fällig, ein Jahr später waren es schon 75’000 Franken. Dafür erhielt man auch einen Porsche 911 Targa oder einen gut ausgestatteten BMW 635 CSI.

Komplett ausgestattet und qualitätsgesichert

Für den stattlichen Grundpreis erhielt man ein komplett ausgerüstetes Fahrzeug, bei dem weder Schiebedach, noch Alufelgen, Ledersitze oder Musikanlage aufpreispflichtig waren. In Tat und Wahrheit gab es gar keine Aufpreisliste, alles war serienmässig.

Bild Volvo 780 Bertone (1987) - übersichtliches Cockpit vor dem Lenkrad
Volvo 780 Bertone (1987) - übersichtliches Cockpit vor dem Lenkrad

Und die Bertone-Leute kleckerten nicht. Die Holzfurniere im Inneren etwa waren elfschichtig und bestanden aus Buchen- und Ulmenholz. Die besonders bequem gepolsterten Sitze bedingten beim Bau eine achtmal längere Produktionszeit als es sonst üblich war. Die gesamte Montage des 780 bei Bertone nahm inklusive der umfangreichen kontinuierlichen Qualitätskontrollen zweieinhalbmal soviel Zeit in Anspruch als sie z.B. beim Fiat X 1/9 üblich war.

Den Abschluss der aufwändigen Produktion bildete ein rund 15 Kilometer langer Test auf der Strasse.

Kein Sportcoupé

1485 kg schwer wog das V6-Coupé leer und war damit sogar schwerer als der 760 GLE Kombi. Mit den 147 PS, die der zusammen mit Renault und Peugeot entwickelte Motor entwickelte, waren natürlich keine wirklich sportwagenmässigen Fahrleistungen möglich, vor allem auch, weil eine Automatik Standardausrüstung war. Den Sprint von 0 bis 100 km/h erledigte ein von der Automobil Revue 1987 geprüftes Coupé in 11,4 Sekunden, als Höchstgeschwindigkeit wurden 183 km/h gemessen. Mit 14,0 Litern pro 100 km erwies sich der Motor auch als nicht besonders sparsam und zudem störten sich die AR-Tester an der unglücklichen Abstimmung der Automatik.

Bild Volvo 780 (1985) - ideales Luxuscoupé für das vermögende Paar
Volvo 780 (1985) - ideales Luxuscoupé für das vermögende Paar

Am Komfortanspruch aber gab es kaum etwas zu kritisieren, an der Qualität genausowenig. “Wer sich diesen Preis leisten kann, Wert auf diskrete Eleganz legt und gediegenen Luxus zu schätzen weiss, der sollte sich den Volvo 780 unbedingt näher ansehen”, schloss der damalige Testbericht.

Unerfüllte Hoffnungen

Für den Bau und den erwarteten Ausstoss von 4000 Fahrzeugen pro Jahr investierte Bertone zusammen mit Volvo in eine neue Werkhalle in Grugliasco.

Die hohen Erwartungen konnte das hübsche Coupé aber nur bedingt erfüllen, insgesamt 8518 Fahrzeuge wurden von 1985 bis 1990 produziert, rund die Hälfte davon gelangte nach Amerika, der Rest verteilte sich vorwiegend auf die Zielmärkte Italien, Spanien, Österreich und die Schweiz.

Luxus der Achtzigerjahre

Mitte der Achtzigerjahre waren elektrisch verstellbare Sitze mit Speicherfunktion oder eine Musikanlage mit programmierbarem Equalizer und vier Lautsprechern noch die Spitze des Luxus, heute erwartet man das bereits vom Kleinwagen. Damit kann der Volvo 780 also nicht mehr punkten. Nachwievor luxuriös aber wirkt der Innenraum des Schweden-Coupé. Die dick gepolsterten Sitze sind bequem, die dank grosser Fensterflächen lichtdurchflutete  Kabine wirkt sympathisch. Nicht ganz zum Luxusansatz will der arg uninspirierte Motor passen, hier hätte man sich heute wie damals wohl eher einen seidenweich laufenden Achtzylinder gewünscht.

Bild Volvo 780 Bertone (1987) - grosse Fensterflächen im Stil der Zeit
Volvo 780 Bertone (1987) - grosse Fensterflächen im Stil der Zeit

Die Fahrleistungen reichen zum gemütlichen Reisen, das weiche Fahrwerk und die gute Geräuschdämmung filtern Umwelteinflüsse in hohem Masse. Selbst hinten lässt es sich gut aushalten, wenn man nicht gerade Gardemasse hat.

Die Antriebscharakteristik führt ganz automatisch zu einem vorausschauenden und gelassenen Fahrstil und spielt damit dem Sicherheitsauto im Designeranzug in die Hände.

Bild Volvo 780 Bertone (1987) - Bertone-Hinweis auf der C-Säule
Volvo 780 Bertone (1987) - Bertone-Hinweis auf der C-Säule

Der Volvo 780 war der letzte Volvo, der von Bertones Designqualitäten profitierte. Er gehört schon heute zu den Raritäten auf der Strasse, wirkt aber trotz seinem baldigen Einzug ins Oldtimerlager immer noch modern und zeitlos.

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, den von Bertone gebauten Volvo 780 kennenlernen zu können.

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Volvo 780 Bertone (1987) - mit serienmässiger Niveauregulierung
Volvo 780 Bertone (1987) - die Technik stammte vom 760
Volvo 780 Bertone (1987) - grosse Fensterflächen im Stil der Zeit
Volvo 780 Bertone (1987) - Understatement war beim Design grossgeschrieben
Volvo 780 Bertone (1987) - die für das Fahren wichtigen Funktionen sind praktisch angeordnet
Volvo 780 Bertone (1987) - besonders gut gepolsterte Sitze mit Kreuzstützen
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von fr******
18.10.2017 (19:34)
Antworten
In den Ländern mit beschränktem Hubraum auf zwei Liter (darüber Luxussteuern) gab es eine besondere Motorisierung für den 780 sowie die 960-Modelle. 2 Liter-4 Zylinder, DOHC, 16 Ventile und Turbo. Leistungausbeute gute 190 PS, dies mit einem Viergang-Schaltgetriebe und Overdrive. Da marschierte der 780 ganz anders als mit dem lahmen 2.8 PRV und 147 PS. Ausserdem gab es noch den 2.3 Liter Turbomotor mit 165 PS Leistung mit Schaltgetriebe/Overdrive sowie Automatik. Der Turbodiesel von VW ist zwar ein guter und sparsamer Motor aber eben auch anfällig und deshalb nicht viel vertreten.
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von Ru******
07.10.2014 (15:06)
Antworten
Am Anfang des Textes stehen die Motorisierungen des 780 Coupés, warum geht man dann gar nicht auf den Turbomotor ein? Er ist ganz erheblich schneller als der träge V6 und mit ihm war er - trotz nur vier Zylindern - standesgemäß motorisiert. Auch werden zwei ganz wichtige Änderungen des 780 leider gar nicht erwähnt: Ab 8/87 kamen ein viel schöneres Armaturenbrett und endlich(!) eine Einzelradaufhängung hinten, beides übernommen vom zeitgleich runderneuerten 760 (aber nur die Limousine!). Damit fährt das Auto sehr harmonisch, erst jetzt wirklich komfortabel und trotzdem auch etwas sportlicher. Diese Dinge hätte man bei solch einem Neupreis von Anfang an realisieren müssen und nicht erst während der Serie - zu spät. Auch deshalb wurde das Modell kein Erfolg. Es fehlten natürlich auch deutsche Verkäufe, denn in D. wurde er nie offiziell vertrieben. Bei den späten Baujahren hätte es auch theoretisch den V6-Motor mit Turbo gegeben, auch er kam leider nie.....

Trotzdem ein interessantes Auto heutzutage, auch in D. mittlerweile durch einige Importe zu finden!
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