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Saab 96 V4 – Das Winterauto aus dem Norden

Erstellt am 28. Dezember 2021
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz / Paul Krüger
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Bruno von Rotz 
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Saab 96 (1975) - Je tiefer der Schnee, desto überlegener der Saab im Vergleich zur Konkurrenz
Saab 96 (1975) - Je tiefer der Schnee, desto überlegener der Saab im Vergleich zur Konkurrenz
Saab 96 (1975) - Vor unberührter Schneedecke
Saab 96 (1975) - Dick eingeschneit. Ob er wohl anspringt?
Saab 96 (1975) - 15-Zoll-Räder von Ronal und gute Winterreifen
Saab 96 (1975) - Auf Schnee ist auch diese Achse lenkbar
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Wer wie die Schweden ein Land hat, das bis zum Polarkreis reicht, baut ganz von alleine Autos, die Schneemassen, Sturmböhen und Eiseskälte trotzen und sich im Notfall auch mit Hirschtalg abschmieren lassen. Da sollte so ein mitteleuropäischer Winter eine leichte Übung sein, sogar in den Alpen. Also trotzen wir den 15 Zentimetern Neuschnee und unternehmen in einem Saab 96 des Baujahres 1975 eine Probefahrt, während die meisten anderen Oldtimer Winterschlaf halten.

Bild Saab 96 (1975) - Verchromter Türgriff auf verschneiter Karosserie
Saab 96 (1975) - Verchromter Türgriff auf verschneiter Karosserie

Der Einstieg in den rundlichen Gesellen geht ohne Probleme vonstatten. Bedienungsorgane finden sich an zu erwartenden Stellen, alles ist gut beschriftet. Auch das Zündschloss sitzt dem Gewohnheitstier zuliebe bei der Lenksäule und nicht zwischen den Sitzen wie bei späteren Saab-Modellen. Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt und längerer Standzeit springt der vom Schnee befreite beim ersten Versuch an. Einen Alfa hätte man wohl erst eine halbe Stunde mit der Heizdecke vorwärmen müssen.

Vier Zylinder, vier Takte, vier Gänge

Losfahren, Lenken und Bremsen verlangen allesamt nach keinen speziellen Fähigkeiten. Nur die Lenkradschaltung und die leicht zur Mitte versetzten Pedale bedingen etwas Angewöhnung für den modernen Autofahrer. Die Geräuschkulisse hat wegen der V-Anordnung der vier Zylinder etwas Spezielles, die Fahrleistungen sind nicht berauschend, reichen aber zur Eingliederung im Alltagsverkehr problemlos aus. Bei seinem Debüt 1960 war der 96 noch mit einem 38 PS starken Dreizylinder-Zweitakter von 750 Kubikzentimetern ausgerüstet. Erst zum Modelljahr 1967 bot er seinem Fahrer vier Takte und Zylinder, wodurch der Hubraum sich verdoppelte und die Leistung auf 65 PS bei 4700 Umdrehungen pro Minute stieg.

Bild Saab 96 (1975) - Stolzer Hinweis auf den Ford-Viertakter
Saab 96 (1975) - Stolzer Hinweis auf den Ford-Viertakter

Der V4 mit 60 Grad Bankwinkel stammte von Ford Deutschland und war ein Universalmotor, der ab 1962 neben Taunus, Transit, Consul, Capri und Granada auch in Löschpumpen, Stromgeneratoren und Pistenraupen zum Einsatz kam. Kurz nach dem Saab bekam im März 1967 auch der Matra 530 den 1,5-Liter-V4 implantiert.

Bild Saab 96 (1967) - der V4-Motor mit 1'498 cm3 und 65 PS vor der Vorderachse, gute Zugänglichkeit zu allen relevanten Komponenten war garantiert
Saab 96 (1967) - der V4-Motor mit 1'498 cm3 und 65 PS vor der Vorderachse, gute Zugänglichkeit zu allen relevanten Komponenten war garantiert

Die Automobil Revue begrüsste in ihrem ersten Kurztest 1967 den Wechsel zum Viertaktmotor: "Sofort auffallend ist die grössere Elastizität des Viertaktmotors. Der nutzbare Drehzahlbereich ist in den einzelnen Gängen viel weiter gespannt. Dank der längeren Vorderachse (27,7 statt 24,9 km/h bei 1000 U/min im 4. Gang) kommt es nicht mehr vor, dass beim vollen Ausfahren der Gänge der vom Zweitakter her bekannte plötzliche Leistungsabfall eintritt. Man stösst jetzt oben nicht mehr an eine Drehzahlgrenze, und man kann aus viel niedrigeren Geschwindigkeiten ohne Gangwechsel beschleunigen. […] Die Motorleistung ist jetzt mit 65 DIN-PS so gross, dass man beim schnellen Starten und beim raschen Wechsel zwischen dem 1. und 2. Gang die Vorderräder kurzzeitig zum Durchdrehen bringen kann."

Liebenswert altertümlich

Zehn Jahre später, als der Saab 96 schon längst ein lebendes Fossil in den Ausstellungsräumen der Autohändler war, wurde das Vierzylinder-Modell dann endlich auch von Auto, Motor und Sport getestet. Redaktor Klaus Westrup war sich zum Glück darüber im Klaren, dass bei diesem Auto, das einen Grossteil seines Reizes aus seiner Andersartigkeit zog und schon 1977 nur noch von Liebhabern gekauft wurde, normale Testkriterien dem Wagen nicht gerecht würden. So war denn dieses eine Mal in der Geschichte von AMS ein veralteter Motor ein Pluspunkt.

Bild Saab 96 (1975) - Gute Winter-Eigenschaften dank Frontmotor und Vorderradantrieb
Saab 96 (1975) - Gute Winter-Eigenschaften dank Frontmotor und Vorderradantrieb

"Dass der Saab 96 vor zehn Jahren gerade dieses Triebwerk bekam und kein anderes, kann auch heute noch als vernünftige Entscheidung gewertet werden. Denn das stummelige V-Aggregat passt nicht nur gut unter die Motorhaube, sondern auch gut zum ganzen Auto. Ein hochdrehender Reihen-Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle und fünffach gelagerter Kurbelwelle würde in der historischen Umgebung sicherlich deplaciert wirken, ganz im Gegensatz zu dem altmodischen V4, der schon von der andersartigen Geräuschkulisse her auf seine Besonderheit aufmerksam macht."

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Angenehm zu fahren

Trotz seiner sparsamen Breite von nur 1,59 Metern hat man recht viel Platz im Saab und fühlt sich wohl. Die Gürtellinie ist für damalige Verhältnisse recht hochgezogen zu Lasten der seitlichen Fensterflächen und der Rundumsicht. Dies ist heute weniger ungewohnt als es wohl vor 40 Jahren war. In ruhiger Fahrt mit erstaunlich tiefen Innenraumgeräuschpegeln können auch längere Strecken unspektakulär, aber ausserordentlich sympathisch bewältigt werden.

Bild Saab 96 (1975) - Nachgerüstetes, aber zeitgenössisches Holzlenkrad
Saab 96 (1975) - Nachgerüstetes, aber zeitgenössisches Holzlenkrad

Klaus Westrup vermerkte 1977 dazu: "Drinnen ist der Saab 96 ein durch und durch vernünftiges Automobil, das nur durch seitliche Enge und kleine Fen­sterflächen daraufhinweist, das es mitt­lerweile in die Jahrzehnte gekommen ist. Vier Leute haben Platz, die Front­sitze sind höchst behaglich – ganz be­sonders der Fahrersessel, der mit thermostatisch geregelten Heizdrähten versehen ist."

Bild Saab 96 (1975) - Besonders Wichtig im Winter ist die Heizung
Saab 96 (1975) - Besonders Wichtig im Winter ist die Heizung

Auch das Fahrverhalten wurde gelobt: "Schätzenswert sind sein guter Geradeauslauf und sein ordentlicher Federungskomfort, der zusammen mit den bequemen Polstern für gute Langstreckentauglichkeit sorgt. Und lobenswert ist natürlich die Fähigkeit des Veteranen, sich dank hoher Vorderachslast und großer 15 Zoll-Räder auch im tiefen Schneematsch gut zurechtzufinden — viel besser jedenfalls, als es viele Autos der heutigen Zeit tun. Dies trägt zusammen mit der wirksamen und gut regulierbaren Heizung zum Wohlbefinden bei und zu dem Gefühl, man sei gut aufgehoben. Gemütlichkeit bietet dieses charaktervolle alte Auto in ähnlichem Maße wie ein mittelalterliches Fachwerkhaus, und sie nimmt um so mehr zu, je tiefer das Tiefdruckgebiet wird."

Hervorragende Winter-Eigenschaften

Zu der Feststellung, dass der Saab 96 besser mit verschneiten Strassen zurechtkommt als viele modernere Autos, kommt man selbst 44 Jahre später noch. Im Winter offenbart der Saab seine Vorzüge – je schlechter die Strassenverhältnisse, desto deutlicher hebt sich der Schwede von der automobilen Masse ab. Dank Frontantrieb und weit vorne placiertem Motor ist Traktion kein Problem. Die schmalen 155er Reifen auf den grossen Ronal-Rädern finden mit dem richtigen Profil immer Halt; die hohe Vorderachslast von knapp 60 Prozent trägt ihren Teil dazu bei.

Bild Saab 96 (1975) - Je tiefer der Schnee, desto überlegener der Saab im Vergleich zur Konkurrenz
Saab 96 (1975) - Je tiefer der Schnee, desto überlegener der Saab im Vergleich zur Konkurrenz

Im Saab fühlt man sich im Schnee deutlich wohler als mit manch moderneren Gefährt, er leitet den Zustand der Strassenoberfläche jederzeit ehrlich und ohne Filter an den Fahrer weiter. Der Handbremshebel sitzt genau dort, wo man ihn braucht, und verzögert ohne elektronischen Schnickschnack die Hinterräder, so dass man jederzeit mit einem entschlossenen Anziehen des Hebels die erwünschte Richtungsänderung einleiten kann.

Bild Rallye Monte Carlo 1964 - Carlsson auf Saab
Rallye Monte Carlo 1964 - Carlsson auf Saab

Erik Carlsson bewies bei seinen beiden Monte-Siegen 1962 und 1963, dass er sogar ganz ohne Handbremse das Heck zum mitlenken bringen konnte: gezielte Lastwechsel in der Kurve lassen den kleinen Saab von starkem Untersteuern abrupt in heftiges Übersteuern wechseln. Wer den Dreh raus hatte, konnte so mit dem schwedischen Kugelblitz auf unbefestigten Pisten teuflisch schnell unterwegs sein. Der in schneereichen Gegenden wegen seiner Traktion so beliebte Volkswagen hingegen drehte sich dank eben jenes Grip-bringenden Heckmotors gerne auch einmal ungewollte um die eigene Achse.

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Ein Winterauto oder ein wintertaugliches Auto?

Diese enge Verbindung von Vor- und Nachteil wirft die Frage auf, welche Eigenschaften im Allgemeinen wohl ein Auto zu einem guten Begleiter im Winter der Sechziger- und Siebzigerjahre machen. Zum Beispiel die Fähigkeit, seine Scheiben frei von Beschlag zu halten. Und wieder zieht der VW gegen den Saab den Kürzeren; denn Luft kocht und gefriert zwar nicht – aber Luft heizt auch kaum. Zwar wärmt ein Käfer besser als allgemein behauptet, aber gegen das schwedische Wasser-Heizkraftwerk kommt er nicht an. Das Kühlsystem des 96 ist so sehr auf eisige Umgebungstemperaturen und die Produktion von genug behaglicher Abwärme ausgelegt, dass im Sommer zusätzliche Luftklappen in den Kotflügel geöffnet werden müssen, damit der Motor nicht überhitzt.

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VW 1300 (1969) - im Schnee und doch startbereit

Die Frontantriebs-Typen von Citroën waren dank ihrer endlosen Federwege ebenfalls hervorragende Winterautos, aber bis auf die grossen DS  alle luftgekühlt. Der Renault 4 beraubte sich ein wenig seiner Traktion, da sein Motor nicht auf, sondern hinter der angetriebenen Vorderachse lag und sie daher weniger stark belastete, machte diesen Nachteil aber durch überdurchschnittliche Geländegängigkeit wieder wett. Sogar ein Alfasud wäre kein schlechtes Winterauto gewesen, wenn er nicht so eine üble Salz-Allergie gehabt hätte. Wohingegen die hinterradgetriebenen deutschen Kompakt-Limousinen vom Schlage eines Opel Kadett B oder BMW 02 nur mit zwei Zementsäcken im Kofferraum halbwegs vom Fleck kamen. Dafür hatten sie, einmal in Schwung gebracht, über das Gaspedal auch hinten eine präzise lenkbare Achse. Subaru beendete 1979 schliesslich die Diskussion um die richtige Antriebs-Achse (die in den meisten Fällen ohnehin eher ideologisch beantwortet wurde), indem sie den Allradantrieb vom Schlachtfeld auf die Strasse holten und den Leone in Europa anboten.

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Subaru 1600 4WD (1979) - Russis Subaru im Schnee

Sie alle sind ob ihrer Eigenschaften in der Lage, winterlichten Strassenverhältnissen irgendwie zu trotzen – mal mehr, mal weniger gut. Aber nur Saab schuf mit dem 96 ein Auto, das von Anfang an als Winterauto konzipiert war. Deshalb überlassen wir das Schlusswort unseres Winterausflugs abermals Herrn Westrup: "Mit diesem Auto zum Polarkreis zu fahren, gehört zu den reizvollsten Aufgaben, die einem Autofahrer entstehen können."

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Bild Saab 96 (1975) - Je tiefer der Schnee, desto überlegener der Saab im Vergleich zur Konkurrenz
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Bild Saab 96 (1975) - Stolzer Hinweis auf den Ford-Viertakter
Bild Saab 96 (1975) - Welcher Teil des Autos sich wohl hierunter verbirgt?
Bild Saab 96 (1975) - Die C-Säule mit Regenrinne und blauem Saab-Logo
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von ga******
06.01.2022 (09:19)
Antworten
Nur eine kleine Korrektur zum netten Artikel.
Der Saab 96 startete 1960 nicht mit 750ccm- sondern mit dem 850ccm-Motor, wie er auch im Kombi Saab 95 seit 1959 zum Einsatz kam. Das unterschied ihn unter anderem vom Vorgänger Saab 93. Nur die sportliche Version Saab 750 GT wurden weiterhin mit einem leistungsgesteigerten 750ccm-Motor ausgerüstet, allerding nun mit Vierganggetriebe und erst 1962 mit der Einführung des Saab Sport kam die Umstellung auf den 850ccm-Motor.
von vo******
06.01.2022 (08:20)
Antworten
Übrigens, der fünfeckige Tankdeckel findet sich hauptsächlich beim Volvo Amazon, so auch bei meinem.
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