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Opel Rekord C - der goldene Traum unserer Väter

Erstellt am 16. Februar 2016
, Leselänge 8min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
37
Archiv Winters/Siragna 
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GM Corporation / Opel 
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Archiv 
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“Der Rekord ist ein guter Reisewagen: bequem, geräumig, grosser Kofferraum, sehr gute Heizung. Der 1500 und der 1700 sind allerdings lahm.”

So stand es zuoberst als Zusammenfassung im Testbericht, den Thomas Messner für die ADAC Motorwelt verfasste. Und vielleicht hatte der Schweizer Erstbesitzer, der sich den hier portraitierten goldfarbenen Rekord im Jahr 1971 kaufte, den Kommentar Messners gelesen. Jedenfalls setzte er auf den 1900 und der kam serienmässig mit 90 PS daher. Das war dann schon etwas vor über 40 Jahren.

Opel Rekord C 1900 (1971) - kräftige Front und gezielt eingesetzter Chrom
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Mit Lenkradschaltung und Frontsitzbank

Vieles am Opel Rekord C erinnert an Amerika, nicht zuletzt die breite Frontsitzbank und der Schalthebel am Lenkrad, der mehr Fussraum für die Passagiere garantierte. Gegen Aufpreis konnte man beim Rekord aber auch sportlich die Gänge mit Mittelschaltstock wechseln, “unser” Wagen aber hat Lenkradschaltung. Und die funktioniert ohne Fehl’ und Tadel. Und ohne lange Eingewöhnung.

Opel Rekord C 1900 (1971) - zur Not auch Platz für drei Personen vorne
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Überhaupt fährt sich der 45-jährige Oldie völlig problemlos und man kann verstehen, dass ihn die Käufer mochten. Und er hat noch die originalen Gummimatten im Fussraum, weil kein Heimwerker das Interieur mit Teppichen verschandelt hat. Viel originaler kann ein Rekord nicht sein, denkt man sich und düst von dannen, ungestresst und locker im Verkehr mitschwimmend.

Ein richtiges Auto

Mit mindestens 4,55 Metern Länge, 175 Metern Breite und 1,46 Metern Höhe ist und war der im August 1966 erstmals der Presse vorgestellte Opel Rekord C ein stattliches Auto. Gegenüber dem Vorgänger Rekord B, der nur gerade ein Jahr lang gebaut worden war, hatte er der Länge um 2 cm, in der Breite um 7 cm zugelegt, was vor allem der Innenbreite zugute kam.

Opel Rekord (1966) - das Model trägt Kleider Gianni Baldini Kollektion "Corsa"
Archiv Automobil Revue

Die Form, entstanden in der Rüsselsheimer Styling-Abteilung, war aus einem Design-Wettbewerb zweier rivalisierender Teams unter Herber Killmer und Erhard Schnell hervorgegangen. Schnell siegte mit einem kecken Hüftschwung, der, wie auch andere GM-Modelle aus der Zeit, an die Form der Coca-Cola-Flasche erinnerte.

Der Opel Rekord C verkörperte die gekonnte Umsetzung der “amerikanischen Linie” auf Europäische Mittelklasse-Dimensionen und die Form kam beim Publikum gut an.

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Baukastenprinzip

Aus heutiger Sicht mag die Opel-Vielfalt in der Rekord-Baureihe normal sein, damals aber verkauften viele Hersteller noch maximal eine oder zwei Variationen jedes Baumusters. Nicht so Opel! Der Kunde konnte zwischen der zwei- und viertürigen Limousine, einem zweitürigen Coupé und einem fünftürigen Kombi namens “Caravan” auswählen. Dazu kamen drei Motor-Varianten mit fünf Leistungsstufen, was eine Spreizung von 58 bis 106 PS erlaubte. Die Motoren konnte man zumindest teil- und zeitweise mit 3- oder 4-Gang-Getrieben, Lenkrad- oder Mittelschaltung, der Olymat-Kupplung oder der Getriebeautomatik Powerglide kombinieren.

Opel Commodore (1967) - Karosserie wie Rekord, aber mehr Komfort im Innern
Archiv Automobil Revue

Wem dies nicht genug war, der konnte auch den Commodore kaufen, der mit gleicher Karosseriebasis noch zwei Zylinder und einiges an Luxus dazu packte, manches konnte man sich allerdings auch beim Rekord gegen Aufpreis dazu bestellen.

Dies allerdings trieb schon damals den Preis nach oben, der zum Beispiel beim viertürigen Rekord 1900 L mit 90-PS-Motor in Deutschland DM 9531 (12’100 Franken  war dies 1968 in der Schweiz). Dazu konnte man Gürtelreisen (DM 170), eine Drehstromlichtmaschine (DM 13), elektrische Scheibenwascher anstelle des Gummiknopfs im Fussraum (DM 45), einen Stabilisator für die Hinterachse (DM 23), Liegesitze (DM 208) oder eine Verbundglasfrontscheibe (DM 133) dazubestellen.

Noch mehr ins Geld ging der Getriebeautomat (in der Schweiz CHF 1000) oder das Stahlschiebedach (CHF 450), während der Aufpreis für die Stockschaltung statt der Lenkradschaltung mit 100 Fränkli sicherlich eine Überlegung wert war.

Dynamik nach Mass

Mit den unterschiedlichen Motoren und der Wahl der Karosserieform (Limousine, Coupé oder Kombi) bot Opel Dynamik nach Mass an. Während in Deutschland die meisten Käufer zum 1700-er-Modell griffen, bestellten die Schweizer gerne das für die Berge besser geeignete 1900-er-Modell. Richtig sportlich zu ging es natürlich mit dem Coupé Sprint, das 106 PS leistete und 176 km/h erreichte, während die 90 PS der 1,9-Liter-Variante nur für 160 km/h reichten.

Opel Rekord C 1900 (1971) - viele wünschten sich einen damals
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Für den 1700-er mit 75 PS war allerdings bereits bei 148 km/h das Ende der Fahnenstange erreicht.

Der 1900-er lieferte einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Sport und beschleunigte die knapp 1,1 Tonnen schwere Limousine in 14,4 bis 16,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Interessant dabei die beträchtliche Leistungsstreuung, die sich in unterschiedlichen Testberichten zeigte.

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Unübersichtlich

Während die bereits für die Vorgänger-Baureihe Rekord B erneuerten Motoren mit obenliegenden Nockenwellen und hängenden Ventilen generell für Lob bei der Autotesterzunft sorgten, war man von der Übersichtlichkeit nach hinten nicht begeistert. Was heute kaum jemandem negativ auffallen würde, nämlich dass sich die Karosserieecken hinten aus dem Fahrersitz nicht einsehen liessen, störte damals beträchtlich.

Opel Rekord C 1900 (1971) - das unübersichtliche Heck erschwert das Parkieren
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Thomas Messner jedenfalls erörterte in seinem Test für die ADAC Motorwelt genüsslich, wie er beim Parken (für die Schweizer: Parkieren) auf einen Volkswagen auffuhr, dessen Fahrer ihn darauf fragte, ob er seinen Führerschein eigentlich in der Lotterie gewonnen habe. Die Antwort dürfte den VW-Fahrer kaum besänftigt haben, denn sie lautete: “Nein, in einem Preisausschreiben der Bahn”.

Vorwiegend gute Noten

Trotzdem erhielten die Opel-Rekord-Modelle gute Zensuren in den zahlreichen - es gab ja so viele Varianten zu prüfen - und umfangreich dokumentierten damaligen Testberichten. Zum einen erwiesen sie sich als zuverlässig, zum anderen überzeugten sie mit guten Komforteigenschaften.

Opel Rekord C 1900 (1971) - längs eingebauter Motor
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Nur am Fahrwerk wurde herumgemäkelt, die Automobil Revue kritisierte speziell die stärkere 1,9-Liter-Variante, die offensichtlich vor allem auf schlechtem Untergrund für Überraschungen sorgte: “Auf kurvenreichen Strasse, insbesondere auch auf Passstrecken, erkennt man die Grenzen dieses doch eher an Übermotorisierung leidenden Fahrwerks recht deutlich, wenn der Wagen untersteuernd in die Kurven hineinprellt und sie mit einem Übersteuereffekt, der mehr als eine willkommene Lenkhilfe ist, verlässt.”

Opel Rekord Coupé (1968) - Werbung - sicher geh'n, Opel fahren
Zwischengas Archiv

Bewährt sich auch gegen die modernere Konkurrenz

Während die Opel-Werbung vollmündig verkündete “Da werde immer wieder neue Autos gebaut; die jagen alle einem Rekord nach” reiften bei der Konkurrenz tatsächlich deutlich moderner gebaute Mittelklassewagen heran.

Opel Rekord (1969) - Werbung - die jagen alle einem Rekord nach
Zwischengas Archiv

Manfred Jantke verglich im Jahr 1971 den Opel Rekord 1900 mit dem VW K70 L und zog den bei NSU entwickelten Volkswagen dem Opel deutlich vor: “Der alte Erfolgstyp (gemeint ist der Opel Rekord) ist noch ein gutes Auto, aber kein ganz zeitgemässes mehr. Umso erfreulicher ist zu beobachten, dass bei der Neukonstruktion von VW durch kompakte Form, verbesserte Handlichkeit, zweckmässigere Anlage der Bedienungselemente und besseren Komfort wesentlich Anforderungen berücksichtigt wurden, die unsere Zeit an vernünftige Autos stellt.”

Allerdings schlug sich der Opel Rekord besser, als diese Zeilen vermuten lassen. Er erreichte die höhere Endgeschwindigkeit, beschleunigte ein Quäntchen besser und war im Innern spürbar leiser. Auch bei den Dynamik-Disziplinen gab er sich keine Blösse, nur gerade leer konnte der K 70 im 36-m-Pollerabstand-Slalom höhere Geschwindigkeiten erreichen, während sonst der Opel schneller war. Und der Rekord war da immerhin schon im fünften Baujahr.

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Der Zuverlässige?

Alle 5000 km musste beim Opel Rekord das Öl gewechselt werden, alle 10’000 km war ein grösserer Wartungsdienst angesagt, aber dies waren für viele Rekord-Besitzer nicht die einzigen Fahrtunterbrüche. 22% aller 1900-er-Besitzer blieben gemäss den Ergebnisses des ADAC-Praxistests aus dem Jahr 1970 mindestens einmal liegen, im Schnitt zweimal musste ausserhalb der Wartungsintervalle die Werkstatt aufgesucht werden. Die Mängel betrafen dabei weniger den Motor als vielmehr Auspuffanlage und Kupplung.

1.66 DM wendeten die ADAC-Untersuchungsteilnehmer im Schnitt pro 100 km für Wartungseingriffe auf. Damit lagen sie zwar deutlich tiefer als Besitzer eines Fiat 125 (2.40 DM), der Ford 17 M konnte es aber noch günstiger (1.53 DM), während der Renault 16 etwa gleichauf lag. Es ist zu ergänzen, dass Autos vor 50 Jahren generell weniger zuverlässig und deutlich wartungsintensiver waren.

Trotzdem waren 92% der Rekord-Besitzer sofort bereit, den Wagen ihrem Freund zu empfehlen, eine Zustimmungsrate, die nur vom Renault 16 (98%) geschlagen wurde. Selbst die Erkenntnis, dass mehr als die Hälfte der Mittelklasse-Opel-Fahrzeuge nach zwei Jahren schon Roststellen zeigen, dämpfte den Enthusiasmus der Besitzer nicht. Aber schliesslich war dies bei der Konkurrenz damals auch nicht besser, wenn nicht sogar schlimmer.

Millionenfach verkauft

Der Rekord C jedenfalls war ein gutes Auto und er verkaufte sich auch blendend. 1’274’362 Exemplare wurden von Mitte 1966 bis Januar 1972 gefertigt und einem weissen Rekord Caravan kam auch die Ehre zu, das zehnmillionste je gebaute Opel-Fahrzeug überhaupt zu sein, als dieser Meilenstein im September 1971 gefeiert werden konnte.

Opel Rekord C (1971) - ein weisser Kombi ist der zehnmillionste je gebaute Opel im September 1971
Copyright / Fotograf: GM Corporation / Opel

Ein Traum in Gold

Nicht jeder konnte sich Ende der Sechzigerjahre ein Auto leisten, das je nach Ausstattung einen fünfstelligen Anschaffungspreis aufwies. So träumte wohl mancher von einem goldfarbenen Rekord 1900 L und fuhr in der Realität einen gebrauchten Kadett oder Käfer. Wem es gegönnt war, sich auf die Polster eines fabrikneuen Rekord zu setzen, der hatte es zu etwas gebracht. Und ein wenig fühlt man sich auch heute wieder als etwas Besonderes, wenn man im damaligen Opel Rekord über den Asphalt rollt, denn seine Gestalt setzt sich sehr positiv vom Einheitsbrei der automobilen Moderne ab.

Opel Rekord C 1900 (1971) - eher für den Fabrikdirektor als für den Gärtner damals
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für Gelegenheit zur Probefahrt mit dem goldfarbenen Opel Rekord 1900 von 1971.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ro******
13.02.2018 (12:41)
Antworten
Unser Record war ein 68 iger, 1900, lapisblau, 4 türig, Stockschaltung. Schon nach 2 Jahren blätterte der Lack unter den Stossstangen und den Radausschnitten ab. Ich hatte Probleme beim Garagisten, dass die Schäden von GM übernommen werden. Als der Wagen dann mit ca 70 000 Km im Winter wegen einer geplatzten Wasserpumpe stehen blieb habe ich den Wagen bei einer anderen Marke eingetauscht. Der Service wurde immer gemacht.
P. Fleury, 4302 Augst BL
von 31******
05.02.2017 (21:30)
Antworten
Unser Rekord war ein besonderes Exemplar: 5-türiger Caravan in L-Ausführung. Er hatte ein serienmäßiges Schiebedach mit Kurbelbetätigung und keine Lenkrad-, sondern Mittelschaltung. Ursprünglich ein 1700er, erhielt er eines Tages einen stärkeren Austauschmotor, aber nicht wie wir zunächst dachten einen 19S-, sondern einen 19H-Motor aus einem ausgeschlachteten Rekord Sprint Coupé mit 103 PS (oder waren es 106?). Habe gute Erinnerungen an das Auto.
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