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Mazda K360 – Dreirad mit Mittelmotor/Pritsche und der Geburtshelfer für die Personenwagenproduktion

Erstellt am 29. März 2020
, Leselänge 5min
Text:
Daniel Koch
Fotos:
Courtesy of RM Sothebys/Theodore W. Pieper 
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Mazda Presse 
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Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's 
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Archiv 
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Mazda K360 (1960) - Rund 280'000 Mal gebaut
Mazda K360 (1960) - Funktionales Design
Mazda K360 (1960) - Motor in der Mitte
Mazda K360 (1960) - Japanischer Pritschenwagen
Mazda K360 (1960) - Für den Kleinhersteller ein beachtlicher Erfolg
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Seit 1948 wird der Piaggio Ape gebaut, und läuft in stets leicht modernisierter Form immer noch vom Band. Das kleine Dreirad mit Vespatechnik erfreut sich bei Handwerkern und Individualisten ungebrochener Beliebtheit und wird auch gerne als Mini-Food Truck oder Werbeträger eingesetzt.

Über den Teich geschaut?

Dass die Japaner bei Mazda mit dem K360 von 1959 bis 1969 ein Fahrzeug nach ähnlichem Konzept bauten, das in einer Stückzahl von fast 300'000 vom Band lief, dürfte aber den wenigsten bekannt sein. Bei einer Bevölkerung von rund 90 Millionen im Jahr 1960 kam dabei immerhin ein K360 auf rund 300 Einwohner. Wie stark sich die Mazda-Designer bei der Konstruktion des K360 vom italienischen Ape inspirieren liessen, ist unklar.

Bild Mazda K360 (1960) - Funktionales Design
Mazda K360 (1960) - Funktionales Design

Der K360 kann als Weiterentwicklungder ab 1931 gebauten offenen Dreirad-Rikscha angesehen werden. Die Konstruktion wurde mit einer geschlossenen Kabine und zwei Sitzen ergänzt, und war für den kleinen Hersteller zum beachtlichen Erfolg. Schon in den Sechzigerjahren zeichnete sich ab, welch kreative Köpfe bei Mazda ihre Ideen entwickelten.

Ähnlich klein wie der Italiener

Das kleine Dreirad war mit knapp 3 Meter Länge etwa 50 Zentimeter kürzer als ein vergleichbarer Piaggio Ape. Die Breite war mit 1,28 Meter aber fast identisch, während der Piaggio den Mazda mit seinen 1,55 Metern um rund 10 Zentimeter überragte.

Bild Mazda K360 (1962) - dreirädriger Pickup
Mazda K360 (1962) - dreirädriger Pickup

Mit dem 356 ccm kleinen Motörchen soll es der Japaner immerhin auf rund 65 km/h gebracht haben. In der knapp bemessenen Fahrerkabine fanden zwei Personen Platz. Die 16 PS und 22 Newtonmeter, die der luftgekühlte Zweizylinder-Viertaktmotor abgab, mussten für den Vortrieb reichen. Der Motor verfügte über einen Zylinderkopf aus Aluminium, was damals für einen Kleinwagen bemerkenswert war.

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Ford (USA) Mustang V8 Cabriolet (1966)
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Vom Nutzfahrzeug zum Personenwagen

 

Am 28. Mai 1960 wurde mit dem R360 ein zweitüriger Vierplätzer mit selbsttragender Coupé-Karosserie vorgestellt, der als erstes Personenfahrzeug von Mazda gilt. Heute würde er als 2+2-Sitzer bezeichnet, damals wurde der Innenraum als "ausreichend für zwei Erwachsene und zwei Kinder" beworben.

Bild Mazda R360 (1962) - Durchsichtszeichnung
Mazda R360 (1962) - Durchsichtszeichnung

Der modern konstruierte Kleinwagen verfügte über Einzelradaufhängungen und hydraulische Trommelbremsen an allen vier Rädern. Geschaltet wurde über ein  Viergangetriebe mit unsynchronisiertem ersten Gang. "Für den Stadtverkehr, in dem regelmässig angehalten werden muss, empfiehlt sich das Automatikgetriebe", pries der Verkaufsprospekt von 1962 das zusätzlich erhältliche Automatikgetriebe an. Der Wendekreis betrug lediglich acht Meter.  Parallelen zum Subaru 360 waren unübersehbar, auch dieser verfügte über zwei Türen, vier Plätze und eine ähnliche Motorisierung im Heck.

Die Produktion bei Mazda nahm rasch Fahrt auf, und so präsentierten die Japaner bereits 1961 das viertürige Modell 700 mit einem auf 660 ccm vergrösserten Motor.

Fehlende Strassen-Infrastruktur

Japan war in den Sechzigerjahren noch im Aufbau des Strassennetzes begriffen. Während in Tokyo bereits mehrspurige Strassen gebaut wurden, waren ländliche Gegenden mehrheitlich nur durch Landstrassen erschlossen. Die Automobil Revue Nr. 49 vom 16. November 1961 berichtete:
"In Japan selbst steht die Volksmotorisierung noch vor grossen Problemen, da die Fahrzeuge im Verhältnis zu den Einkommen (die übrigens selbst in den gleichen Berufen ausserordentlich unterschiedlich sind) noch fast unerschwinglich teuer er scheinen. Dasselbe gilt auch für den Betriebsunterhalt.
Des weiteren wird die Volksmotorisierung durch das noch rückständige Strassennetz erschwert. Man bleibt praktisch auf relativ kleine Aktionsradien beschränkt. Ganz im Gegensatz dazu steht das hochentwickelte Eisenbahnnetz. Eine Reise längs durch die japanische Insel ist, auf der Strasse ausgeführt, ein Unternehmen von etwa 2 Wochen, während die Eisenbahn die Strecke in zwei Tagen bewältigt. Aber auch im Strassenbau steht Japan am Anfang einer gewaltigen Entwicklung, die wahrscheinlich direkt zur Autobahn führt."

Bild Mazda K360 (1960) - Optimistischer Tachometer bis 100 km/h
Mazda K360 (1960) - Optimistischer Tachometer bis 100 km/h
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Lange Geschichte

Die Gründung von Mazda reicht ins Jahr 1920 zurück. Der Name wird mit "Ahura Mazda" in Verbindung gebracht, dem "Gott des Lichtes", wobei sich der Maschinenbau-Hersteller Anfangs "Toyo Cork Kogyo Co." nannte. Ab 1931 wurden auch Fahrzeuge hergestellt, wobei man sich erst auf die Konstruktion von offenen, dreiräderigen Rikschas spezialisierte. Während des zweiten Weltkrieges produzierte Mazda, wie viele andere Industrieunternehmen auch, vor allem Waffen.

Bild Mazda K360 (1960) - Rund 280'000 Mal gebaut
Mazda K360 (1960) - Rund 280'000 Mal gebaut

Blick nach Europa

Welchen Einfluss die japanische Automobilindustrie nach Ende des Krieges in den folgenden Dekaden haben sollte, war in den frühen Sechzigerjahren wohl niemandem bewusst. Die Automobil Revue schrieb in Ausgabe Nr. 48 vom 8. November 1968 zum Automobilsalon in Turin:
"Mit den beiden Kleinwagen Mazda R360 und P360 sowie dem Coupé «Hino» ist dieses Jahr auch erstmals Japan als Automobilproduzent an einem europäischen Salon vertreten. Offensichtlich gehen die Bemühungen des Landes der aufgehenden Sonne nun auch dahin, mit den Erzeugnissen der japanischen Automobilindustrie ebenfalls in die europäischen Absatzgebiete vorzudringen. Unbeantwortet bleibt jedoch die Frage, in welchem Masse diesen japanischen Erzeugnissen Erfolgsaussichten eingeräumt werden können, zumal in Europa der Kleinwagentyp seine letzten Tage gefristet zu haben scheint."

Bild Mazda P360 (1962) - zusammen mit Mazda R360 auf dem Turiner Autosalon 1962
Mazda P360 (1962) - zusammen mit Mazda R360 auf dem Turiner Autosalon 1962

Vom R360 war die AR Zeitung in Ausgabe 49 vom 15. November 1962 offenbar nicht überzeugt und berichtete:
"Mit diesem kompakten Zweisitzer, dessen Fertigung nicht das Niveau europaischer Erzeugnisse aufweist, versucht Japan auch auf unserem Absatzgebiet Fuss zu fassen.Gummi-Torsionsfederung und luftgekühlter V2-Motor von 360 cm3 Inhalt im Heck bilden die besonderen Merkmale."

Innovative Ideen

Nach den drei- und vierrädrigen "Kei-Car" genannten Strassenflöhe der 360er Serie entstand 1967 ein weiterer Meilenstein der Mazda-Geschichte, der Cosmo mit Wankelmotor. Der Rotationskolben-Antrieb sollte die Japaner über viele Jahrzehnte begleiten. Automobile Legenden wie der NSU Ro80 wurden vom RX-7 und RX-8 sogar überlebt. Und im neuesten Elektrofahrzeug der Japaner, dem MX-30, soll der Wankelmotor demnächst sogar als Range Extender eingesetzt werden.

Der vorgestellte K360 wird an der RM/Sotheby's Auktion "The Elkhart Collection" versteigert, die für den 23. und 24. Oktober 2020 angesetzt ist. Einen Mazda K360 wie auch andere Meilensteine aus der Geschichte von Mazda können Sie im Mazda Classic - Automobilmuseum in Augsburg bewundern.

Bild “Mazda Classic - Automobil Museum Frey”
“Mazda Classic - Automobil Museum Frey”

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Bild Mazda K360 (1960) - Rund 280'000 Mal gebaut
Bild Mazda K360 (1960) - Funktionales Design
Bild Mazda K360 (1960) - Motor in der Mitte
Bild Subaru 360 (1968) - auf einer historischen Werbe-Aufnahme
Bild Mazda K360 (1960) - Japanischer Pritschenwagen
Bild Mazda K360 (1960) - Für den Kleinhersteller ein beachtlicher Erfolg
Bild Mazda K360 (1960) - Praktischer Pritschenwagen
Bild Mazda K360 (1960) - Eine Sitzverstellung sucht man veregebens
Bild Mazda K360 (1960) - Es gab immerhin zwei Einzelsitze
Bild Mazda K360 (1960) - Optimistischer Tachometer bis 100 km/h
Bild Mazda K360 (1960) - 16 PS mussten reichen
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