DKW F 12 im (historischen) Test – Kompakter Zweitakter mit zwiegespaltenem Charakter
Zusammenfassung
Dass eine grosse Mehrheit die Ansichten einer kleinen Minderheit nicht nachvollziehen kann und kollektiv resigniert den Kopf schüttelt, gibt es nicht nur in Zeiten medizinischer Krisen. In einem automobilen Kontext dürfte die Gesellschaft anfangs der Sechziger ähnlich gespalten gewesen sein. Damals war die Vorherrschaft der Viertaktmotoren schon lange etabliert, doch noch immer produzierten einige renitente Hersteller Zweitakt-Wagen, unter ihnen DKW. Deren F 12 hatte zwar seine Macken, seine Fahrleistungen und Ausstattung konnten sich aber auch im Vergleich mit der Viertakt-Konkurrenz mehr als sehen lassen… Im Original-Testbericht von 1963 und anhand des historischen Bildmaterials kann mehr über dieses kleine Mittelklasse-Auto erfahren.
Dieser Artikel enthält folgende Kapitel
- Starke Verbindung zum Motorsport
- Eigenheiten im Zweitakt
- Motor gar nicht kleinwagenmäßig
- Feines Getriebe
- Federung und Innenraum
- Sitze, Sicht, Ausstattung
- Wie er sich fährt
- Wenig anspruchsvoll in der Wartung
- Ist er sein Geld wert?
- Technische Daten und Testergebnisse
Geschätzte Lesedauer: 20min
Leseprobe (Beginn des Artikels)
Leuten, die Pfeife rauchen, kann man die schönsten Zigarren anbieten. Sie mögen sie nicht. Mit eingefleischten DKW-Fahrern ist das nicht viel anders: sie sind sozusagen „auf Zweitakter abgerichtet" und kommen mit „Normalautos" nicht zu einem intimen Kontakt. Sie sind verwöhnt, wie sie selbst meinen… Das ist der Grund für ein gewisses Unbehagen, das mich stets beschleicht, wenn ich als „Außenstehender” einen DKW-Test schreiben soll. Man kann es dann niemandem recht machen. Die Zweitaktgemeinde schreit Mord und Brand, weil sie sich unweigerlich angegriffen glaubt, die „Viertakter" unter unseren Lesern schreiben böse Briefe, weil nach ihrer Ansicht mit diesen stinkenden Relikten der Zeit zwischen zwei Weltkriegen allzu freundlich verfahren wurde.
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Bilder zu diesem Artikel

Als Unfallwagen (leichter Auffahrunfall vorne mit lädiertem Grill und kaputter Zündplatte) für 1400.- DM in München gekauft. Auch eine Geschichte für sich wie ich das (ursprünglich aus Garmisch-Partenkirchen stammende) Unfallauto nach Pforzheim (der Gold- und Uhrenstadt zwischen Karlsruhe und Stuttgart) gefahren habe.
Allerdings blieb das Wägelchen nicht lange serienmäßig. Am Ende war statt der Lenkradschaltung eine Knüppelschaltung drinn, mit Gestänge und Schalthebel eines 356er Porsche. Dann flogen die Seriensitze heraus und wurden durch zwei lederne Liegesitze, ebenfalls eines 356er stammten, ausgetauscht. Die haben mich 200,- DM gekostet, was etwa einem Drittel meines damaligen Monatseinkomments entsprach. Die Porscheliebhaber mögen mir verzeihen, alte 356er waren damals nichts Besonderes. Unser Abteilungsmeister hatte einen potthäßlichen 356A und wurde deshalb etwas belächelt ("der Werner mit seinem alten Porsche").
Selbstverständlich blieb es nicht nur bei diesen Kleinigkeiten. Wer ein wenig von der Sache verstand, kannte Bilstein und Kleber (Reifen). Und da die Serienräder lächerlich schmale Felgen hatten und die Spurweite eines Gogomobils, habe ich mir von Lemmerz (oder von Kronprinz, weiß das heute nicht
mehr genau) die losen Felgen des F102 (Vorläufer des Audi 60) und die losen Radstenre vom F12 gekauft. Ja, das war damals noch möglich.
Die Felgen wurden umgedreht und die Radsterne wurden mittels Presse (im Betrieb in dem ich damals arbeitete) sauber eingepreßt und schön mitei-nander verschweißt. Das Ergebnis waren Räder mit breiteren Felgen und einer negativen Einpreßtiefe was die Radhäuser ordentlich ausfüllte. Aluräder waren bei uns damals noch weitgehend unbekannt. BBS, Ronal & Co. kamen erst ein paar Jahre später.
Na ja, und was den Motor betrifft, so flog der 900er samt Getrenntschmierung heraus und ich baute einen 1000er ein, der selbstverständlich nach Strich und Faden getunt war (man hatte ja hier genug Erfahrung aus der Moped- und Kleinkraftradzeit). Die Auspuffanlage stammte ebenfalls vom 1000er. Wie ich den seitlich unter der Fahrertür unter 45" herausführenden Auspuffausgang beim TÜV durchbekommen habe, weiß ich nicht mehr so genau. Ich kann mich nur daran erinnern, daß der Prüfer nur ganz kurz gestutzt hat als er in dem Auto keine Lenkradschaltung vorfand, dann aber wie selbsverständlich mit meiner Knüppelschaltung herumrührte.
Hier kürze ich ab, erwähne aber nur noch kurz, daß ich die Chance einen der ersehnten und damals sehr seltenen Motorblöcke mit drei Überström-kanälen erst Jahre später bekam als der F12 schon Geschichte war (habe damit meinen ersten und hoffentlich letzten Totalschaden meines Lebens gemacht, als ich trotz Warnung meines Beifahrers den absolut gut liegenden F12 mit etwa 120-130 km/h in eine mir unbekannte Hundekurve hinein-laufen ließ).
Hoffe, die kleine Geschichte hat Euch gefallen...
Karl Ruschak
Wie dem auch sei, das Auto bekam dann ich und habe damit die Tankstellen & die Verkäufer von Rostumwandlern glücklich gemacht! Das Autounion-Motto "3=6" stimmte bis auf den unruhigen Leerlauf.
Der Test vom "F12" hat mir sehr gut gefallen, gerade weil er alle Höhen und Tiefen des kleinen DKW erfasst. Einige böse Seitenhiebe habe ich wohl bemerkt, aber das musste er wohl loswerden...
Schlecht, wenn man keinen Kollegen hat - armer Olaf!
Herzliche Grüße an seinen Stiefsohn, falls er das zufällig liest - meine Schwester lebt auch noch!
Axel Kranz
















































































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