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Bild (1/1): Buick Reatta Convertible (1990) - seltene Cabriolet-Version, die nur knapp über 2400 Mal gebaut wurde (© Daniel Rockafellow - Courtesy RM/Sotheby's, 2018)
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    Buick Reatta - Rarität mit Showcar-Look und Alltagstechnik

    25. März 2018
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Rockafellow - Courtesy RM/Sotheby's 
    (20)
    General Motors / GM 
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    Der Name assoziierte den Buick Reatta scheinbar mit Nautik und tatsächlich erlitt der Hersteller damit sogar Schiffbruch, denn die erhofften Produktionszahlen liessen sich in keiner Weise realisieren. Aber eigentlich war der Zweisitzer, den als als Coupé und Cabriolet gab, ein gut konstruiertes Auto, der gut in die Zeit passte.

    Buick Reatta Convertible (1990) - Klappscheinwerfer waren in den Achtzigerjahren ein übliches Design-Element
    © Copyright / Fotograf: Daniel Rockafellow - Courtesy RM/Sotheby's

    Vor allem aber sollte der Reatta das doch etwas angestaubte Image der Marke Buick, der jungendliches Publikum fehlte, dynamisieren.

    Leuchtturm-Auto benötigt

    Tatsächlich galten Buick-Fahrzeuge in den Achtzigerjahren nicht gerade besonders aufregend. Ob sie nun Regal oder Century hiessen, es handelte sich meist um brave Limousinen oder halbwegs familientaugliche Coupés mit Achtzylindermotoren und konservativer Optik. Dabei konnten die Ingenieure und Designer von GM/Buick durchaus auch anders, das hatten sie schon in den Fünfzigerjahren mit den Wildcat-Studien bewiesen.

    Buick Wildcat II (1954) - Konzeptfahrzeug elegant in Szene gesetzt
    © Copyright / Fotograf: General Motors / GM

    Und dass sie nichts verlernt hatten, bewiesen sie Mitte der Achtzigerjahre.

    Der Wildcat von 1985

    An der SEMA Show in Las Vegas im Jahr 1985 präsentierte Buick ein Konzeptfahrzeug namens Buick Wildcat. Das zweisitzige Coupé verfügte über Mittelmotor und Vierradantrieb, zumindest auf dem Papier. Das gezeigte Auto war nämlich ein nicht funktionierender Prototyp.

    Buick Wildcat (1985) - mit Mittelmotor und Allradantrieb
    © Copyright / Fotograf: General Motors / GM

    Doch Buick baute noch einen zweiten Wildcat auf und dieser fuhr. Statt Türen verfügte der Wagen über eine Glaskuppel, die man hochheben konnte, um einzusteigen. Im Innern verfügte der Wagen über jede Menge Hightech-Gimmicks, etwa Headup-Displays, LCD-Anzeigen im innern de Lenkrads oder eine Anzeige für Längs- und Querbeschleunigung. Angetrieben wurde der Wagen über einen V6-Motor mit 3,8 Liter Hubraum und 24 Ventilen. Mehr als 230 PS wurden über eine Viergangautomatik auf alle vier Räder verteilt.

    Der damalige Buick-Projektleiter Ed Roselle soll der Zeitschrift “Car and Driver” damals erzählt haben, dass dies der Wagentyp sei, den ein Mann (“a guy”) in den Neunzigerjahren über die Woodward Avenue in Detroit fahren wolle.

    Nun, soweit kam es nicht, auch nicht in den Neunzigerjahren, was der Mann oder die Frau aber im Jahr 1988 kaufen konnte, war der Buick Reatta.

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    Der Reatta von 1988

    Tatsächlich gab es durchaus Parallelen zwischen dem Konzeptfahrzeug Wildcat und dem Serien-Reatta, der anfangs 1988 als Coupé vorgestellt wurde.

    Buick Reatta (1988) - als Coupé, bei Buick intern gezeichnet
    © Copyright / Fotograf: General Motors / GM

    Es war wiederum ein 3,8-Liter-V6-Motor, der den Wagen antrat, im Innern gab es moderne Elektronikspielereien und das Design, inhouse im Studio 2 entstanden, hob sich wohltuend vom üblichen US-Einheitsbrei ab, zeigte gar in den Details Reminiszenzen an das aufregende Showcar Wildcat.

    Technik aus dem Konzern-Regal

    Unter dem Blech, nur die Kotflügel bestanden aus nachgiebigem Kunststoff, zeigte sich konventionelle GM-Technik. Der Unterbau war eine verkürzte Eldorado-Riviera-Toronado-Plattform mit 2,5 Meter Radstand. Der V6-Motor mit Graugussblock und Zweiventil-Technik hatte sich bereits in anderen GM-Automobilen bewährt und war quer eingebaut. Er leitete seine 167 PS via Viergangautomatik auf die Vorderräder.

    Buick Reatta Convertible (1990) - der Quer-Einbau des V6-Motors war mit über 1,9 Meter Breite kein Problem
    © Copyright / Fotograf: Daniel Rockafellow - Courtesy RM/Sotheby's

    Während die Räder vorne mit McPherson-Federbeinen, Längs- und Querlenkern geführt wurden, sorgten hinten Einzelradaufhängungen mit Dreiecksquerlenkern, Federbeinen und Fiberglas-Blattfedern für weitgehend sturzneutrale Seitenführungskräfte.

    Mit 4,69 Metern Länge und 1,99 Metern Breite war der Wagen für amerikanische Verhältnisse kompakt, mit 1,545 Tonnen Leergewicht aber nicht gerade leicht geraten. Auch der Kofferraum war mit 290 Litern Volumen kein Hilfsmittel für Wohnungsumzüge, immerhin aber konnten Skier dank Durchlademöglichkeit hinten im Innern mitgeführt werden.

    ZG Archiv AMS 2019

    Europäischer Beitrag

    Man hatte für den Reatta, dessen Name auf die Bezeichnung eines Cowboy-Lassos zurückgeht und damit eigentlich nichts mit Schiffen (Regatta) zu tun hatte, nichts dem Zufall überlassen. 32 Prototypen waren in England auf die Räder gestellt worden und dann in harten Prüfungen quer über halb Europa gejagt worden. Zuständig für dieses Vorserienprogramm war die in London domizilierte Firma Hawtal Whiting.

    Produziert aber wurde der Reatta dann ausschliesslich in den USA, im Werk in Lansing (Michigan), um genau zu sein. Rund 20’000 Exemplare wollte man pro Jahr fertigen, den Preis hatte man mit rund USD 27’000 rund auf halber Höhe des konzeptionell ähnlichen Cadillac Allanté angesiedelt, womit das Auto nicht billig, aber immerhin erschwinglich und zudem weitgehend komplett ausgestattet war.

    Computerspiel, lange vor der Playstation

    Von der Konkurrenz unterschied sich neben dem Design vor allem durch die auffällige Verwendung von LCD-Bildschirmtechnik im Innern, auch dies eine Parallele zur Wildcat-Studie.

    Buick Reatta (1988) - Interieur der ersten Serie
    © Zwischengas Archiv

    Neben den derartig ausgeführten Hauptinstrumenten gab es in der Mittelkonsole auch noch einen berührungsempfindlichen Bildschirm für die Bedienung der Unterhaltungselektronik, der Heizung/Lüftung und elektronischer Hilfsfunktionen wie eine persönliche Agenda.

    Amerikanisch, aber auf eine gute Weise

    Die deutsche Zeitschrift “Auto Motor und Sport” testete das DM 77’800 teure Coupé im Winter 1988/1989 und fand durchaus wohltuende Worte für den hierzulande sicherlich nicht ganz günstigen Wagen.Immerhin beschleunigte der Reatta in 10,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und legte im Maximum 205 km pro Stunde zurück, was als Beleg für den kommunizierten niedrigen Luftwiderstand (cW 0.34) diente.

    Buick Reatta (1988) - als Coupé unterwegs
    © Zwischengas Archiv

    Dabei blieb er leise (67 dB(A) bei 100 km/h, 73 dB(A) bei 140 km/h und akzeptabel sparsam (Testverbrauch 14,1 Liter pro 100 km, Minimalverbrauch 12,2 Liter pro 100 km).

    Selbst dem Fahrwerk konnte Tester Götz Leyrer positive Worte entringen: “Der Fortschritt, den die Amerikaner auf dem Fahrwerkssektor machen, ist unverkennbar. Der Buick wirkt handlich, erreicht ohne Spektakel ziemlich hohe Kurvengeschwindigkeiten und ist frei von jeder Tücke. Nur auf schlechten Strassen kommt er bisweilen ins Trampeln, was freilich mehr den Komfort als die Fahrsicherheit beeinträchtigt. Ohnehin zeigt die Federung Schwächen, das gute Handling wurde durch eine sehr straffe Abstimmung erkauft, die nach wie vor zeigt, dass ich die Europäer auf gelungene Fahrwerkskompromisse besser verstehen.”

    Ob sich Leyrer wohl daran erinnerte, dass die Abstimmung in England entstanden war? Jedenfalls Schloss Leyrer seinen Test mit einem positiven Schlusswort ab: “Das Beste daran ist, daß der Reatta, trotz aller Annäherung an europäische Maßstäbe, so durch und durch amerikanisch geblieben ist.”

    SC73

    Und dann noch das Cabriolet

    Bereits kurz nach der Präsentation des Coupés zeigte Buick an der Detroit Auto Show im Jahr 1988 dann auch noch die Cabriolet-Version, deren Auslieferung sich aber noch bis in den August 1989 verzögerte. Das Cabriolet war mit USD 34’995 auch deutlich teurer als das Coupé, verfügte aber über ein voll versenkbares Verdeck, das im geöffneten Zustand unter einer Klappe zugedeckt ruhte.

    Buick Reatta Convertible (1990) - die offene Version kam wohl zu spät und war zu teuer
    © Copyright / Fotograf: Daniel Rockafellow - Courtesy RM/Sotheby's

    Schon bald ersetzte man den vielen Käufern zu komplizierten Bordcomputer in der Mittelkonsole durch ein konventionelleres Modell, das dann allerdings auch nicht mehr alle Funktionalitäten des Vorgängers abdecken konnte. Für das Baujahr 1990 gab es zusätzlich einen Airbag im Lenkrad und im folgenden Baujahr einen neuen Motor sowie eine elektronisch gesteuerte Automatik sowie einen “Cup Holder”.

    Produktionserwartungen nicht erfüllt

    Doch alle Modellpflege konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die geplanten Stückzahlen in keiner Weise erreicht werden konnten. Dem traditionellen Buick-Eigentümer war der Wagen wohl zu modern und zuwenig geräumig, neuen Käufern konnte er keine echte Alternative zum Ford Mustang oder europäischen Sportcoupés bieten. Im Mai 1991 berichtete die New York Times, dass GM das Ende der Reatta-Produktion bestimmt habe.

    Buick Reatta Convertible (1990) - die LCD-Hauptinstrumente, die Geschwindigkeit wurde analog und digital angezeigt
    © Copyright / Fotograf: Daniel Rockafellow - Courtesy RM/Sotheby's

    Bis dahin waren fast nur 21’751 Autos gebaut worden, wovon gerade einmal 2437 ein offenes Dach hatten. In vier Jahren hatte man also gerade soviele Fahrzeuge produziert, wie man pro Jahr fertigen wollte - der Reatta hatte Schiffbruch erlitten.

    Rarität

    Obwohl auch in Europa verkauft, gehören die Buick Reatta hierzulande zu den Exoten, kaum je wird ein Wagen angeboten. In den USA findet man sowohl Coupés als Cabriolets, erstere natürlich in der Überzahl. Die Preise liegen meist im vierstelligen USD-Bereich, Cabrios sind deutlich wertvoller.

    Buick Reatta Convertible (1990) - gegenüber dem Coupé verlor das Cabriolet wegen des Dachmechanismus etwas an Innenraum hinter den Sitzen
    © Copyright / Fotograf: Daniel Rockafellow - Courtesy RM/Sotheby's

    Wer sich einen Reatta, zumal als seltenes Cabriolet, zulegen möchte, der könnte sich bei RM/Sotheby’s an der Fort Lauderdale Versteigerung am 7. April 2018 eindecken, wo ein rotes Auto (Chassis 1G4EC33C5LB906704) in augenscheinlich gutem Zustand für USD 14’000 bis 18’000 angeboten wird.

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    Stefan Fritschi:
    25.03.2018 (09:08)
    Noch ein kleiner Nachtrag: Der Designer des Reatta ist
    David North, der u. a. 1966 und 1971 die Serien I und II des Oldsmobile Toronado und 1995 den Oldsmobile Aurora entworfen hatte. Der Reatta war eine seiner letzten Arbeiten vor der Rente.
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