Ascari Ecosse – übersehener Supersportwagen

Erstellt am 31. Januar 2021
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Dirk de Jager - Courtesy RM/Sotheby's 
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Archiv 
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Ein Sportwagen mit dem Namen “Ascari” muss einfach schnell sein und vermutlich aus Italien stammen, genau wie sein Namensvetter Alberto Ascari, der 1952 und 1953 die Formel-1-Fahrer-Weltmeisterschaft (notabene auf Ferrari) gewann. Doch der Sportwagen Ascari Ecosse hat nichts mit dem italienischen Fahrer und kaum etwas mit Italien zu tun.

Zunächst für die Rennstrecke

Der Brite Lee Noble ist ein Mann mit Benzin im Blut. Bereits 1983 lancierte er einen Bausatz-Mittelmotorsportwagen namens Ultima Mk1, der mit einem Euro-V6-Motor ausgerüstet war und Teile aus den Lagern der Grossserienhersteller nutzte. Die Basis bildete ein Rohrrahmen. Es entstand allerdings nur ein Exemplar. Die Weiterentwicklung Mk2 brachte es dann zu einigen Rennerfolgen in Grossbritannien, für die Strasse entstanden Fahrzeuge, die optisch allesamt an den Porsche 956 erinnerten.

Noble tüftelte weiter, entwickelte unter anderem einen modernen Nachfahren des Lotus Seven namens Midtec Spyder und begann 1991, einen neuen britischen Supersportwagen zu bauen. Etwa 1993 war der erste Prototyp fertig, das Projekt kam eigentlich zum Stillstand, weil das Geld nun aufgebraucht war.


Ascari FGT (1995) - als Rennwagen für die British GT-Meisterschaft
Zwischengas Archiv

In Silverstone wurde der holländische Unternehmer und Rennfahrer Klaas Zwart auf den interessanten Wagen aufmerksam und beschloss, nicht nur das Auto, sondern gleich die ganze Projekt darum herum zu kaufen. Zu diesem Zwecke wurde die Firma Ascari gegründet.

Gründung eines fast schottischen Herstellers mit holländischer Hilfe

“Ascari” stand für “Anglo Scottish Car Industry” und die klangliche Nähe zum legendären Rennfahrer war natürlich durchaus erwünscht. Der Prototyp wurde in den Ascari FGT weiterentwickelt. Als Motor diente statt des eingespritzten Chevrolet-V8-Motor nun ein Ford-V8 als Antriebsquelle.

In dieser Form meldete ihn Klaas Zwart für die Britische GT-Meisterschaft an und konnte in Silverstone im Jahr 1995 auch einen Sieg einfahren. Die Qualifikation für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans verpasste der Sportwagen allerdings.

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Strassenversion mit deutscher Unterstützung

Die Früchte der Entwicklung und der Renneinsätze sollten nun mittels kommerziellen Erfolgen einer Strassenversion geerntet werden. Im Jahr 1997 wurde der Ascari FGT als Supersportwagen für die Strasse lanciert. Anstelle der Renntriebwerke wurde nun ein V8-Motor von BMW eingebaut. Während die ersten Exemplare noch mit der Vierlitermaschine und Fünfganggetriebe vorlieb nehmen mussten, kam schon bald ein 4,4-Liter-V8 mit 350 PS und Sechsgangschaltbox zum Einsatz.

Ascari FGT von 1997 (© AR)

In der Automobil Revue wurde der Ascari FGT im Mai 1997 wie folgt beschrieben:
“In der bei solchen Konstruktionen üblichen Art handelt es sich beim Chassis um eine hochgezogene Rohrrahmenkonstruktion. Sie ist mit Leichtmetallflächen verbunden und vernietet, und sie umfasst einen integrierten Überrollkäfig. Der Karosserieaufbau besteht aus
glasfaserverstärktem Verbundmaterial.
Die Hinterachse ist mit einer Differentialbremse dotiert. Vorder- wie Hinterräder werden von doppelten Dreieckquerlenkem asymmetrischer Länge geführt, und die Reifendimension wird mit 225/40 bzw. 285/35 ZR 18 angegeben. Mit 2,1 Umdrehungen vom einem zum andern Anschlag ist die servofreie Zahnstangenlenkung besonders sportlich direkt ausgelegt.
In der Standardausführung präsentiert sich das Armaturenbrett teils im Kohlefaserlook, teils mit Lederüberzug; ebenso werden die Sitze mit Leder überzogen. Die übrige Ausstattung hängt von den individuellen Kundenwünschen ab.”

Der Luftwiderstandsbeiwert wurde mit 0,39 cw genannt, das Leergwicht mit 1230 kg angegeben. Um den Wagen auf dem Boden zu halten, war der Unterboden mit einem Venturikanal auf Bodeneffekt ausgelegt. Zudem sorgte ein über die ganze Breite geführter Heckflügel für zusätzlichen Anpressdruck.

Wer einen alltagstauglichen Sportwagen suchte, um damit in die Ferien zu fahren, der wurde mit dem Ascari kaum glücklich, denn grosse Stauräume gab’s beim Schotten nicht, dafür Fahrfreude pur und ohne Filter. Selbst eine Servolenkung fehlte. Ansonsten aber verhielt sich der Sportwagen dem Vernehmen nach sehr gesittet, sogar etwas Komfort durfte von der Fahrwerksabstimmung verlangt werden.

Produktion in homöopathischen Dosen

Für die Massenproduktion war der Wagen nicht gedacht, gemäss Zwart sollte der Supersportwagen noch exklusiver bleiben als rare Schweizer Uhren. Erste Auslieferungen erfolgten noch im Jahr 1997, als Preis für den 428 x 183 x 110,5 cm grossen Sportwagen wurden damals umgerechnet DM 220’000 angegeben.


Ascari Ecosse (1997) - geschmackvoll eingerichtetes Interieur
Copyright / Fotograf: Dirk de Jager - Courtesy RM/Sotheby's

Um die Strassenversionen besser von der Rennausführung abzugrenzen, nannten man den Sportwagen schon bald Ascari Ecosse und verbesserte ihn weiter. Anlässlich der London Motorshow wurde Chassis Nummer 15 gezeigt, das dank aerodynamischer Feinarbeit auf cw 0,31 kam und nun einen von Hartge auf 400 PS gebrachten 4,7-Liter-BMW-V8-Motor hinter dem Cockpit trug. Ein Jahr später sprach man bereits von fünf Litern Hubraum. Das Getriebe konnte man auf Wunsch nun auch sequentiell schalten und für den Spurt von 0 auf 96,6 km/h wurde eine Zeit von 4,1 Sekunden genannt. £ 93’500 sollte der Sportwagen nun kosten.


Ascari Ecosse (1997) - der sehr kurze Überhang und das weit vorne positionierte Cockpit charakterisieren die Form
Copyright / Fotograf: Dirk de Jager - Courtesy RM/Sotheby's

Insgesamt sollen 17 Strassenversionen des bis zu 322 km/h schnellen Ecosse entstanden sein. Dass sie aus einem Rennwagen entstanden sind, sieht man auch den Strassenfahrzeugen sofort an, Eleganz wurde Funktionalität geopfert.

Schönere Sprösslinge

Auf den Ascari Ecosse folgten die heute noch etwas bekannteren Ascari KZ1, KZ1-R und schliesslich der Ascari A10, die allesamt ästhetisch mehr überzeugen konnten. Konstruktiv waren sie mit ihrem Vorgänger verwandt.


Ascari Ecosse (1997) - Ascari-Schriftzug auf dem Heck
Copyright / Fotograf: Dirk de Jager - Courtesy RM/Sotheby's

Indirekte Nachfolger waren Lee Nobles unter eigenem Namen produzierten Noble-Sportwagen.

Kein langfristiger Erfolg

Heute ist die Sportwagenmarke Ascari schon fast vergessen, während der Rennfahrer Ascari wenigstens dank einer Kurvenkombination auf dem Rundkurs von Monza in Erinnerung bleibt. In jener “Variante Ascari”, respektive in der Vorgängerkurve “Curva del Vialone” verlor Alberto Ascari am 26. Mai 1955 sein Leben anlässlich einer Testfahrt mit dem Ferrari 750 Monza. Im Jahr 2010 stellte die Sportwagenfirma Ascari ihre Tätigkeiten endgültig ein.


Ascari Ecosse (1997) - schwungvoller Namensschriftzug mit Flagge
Copyright / Fotograf: Dirk de Jager - Courtesy RM/Sotheby's

Der fotografierte Ascari Ecosse von 1997 mit Chassisnummer SA9FGT1BNVT074008 wird durch RM/Sotheby’s anlässlich der Paris-Versteigerung am 13. Februar 2021 angeboten.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von di******
03.02.2021 (14:57)
Antworten
The guy behind this car is Klaas Zwart not Klaus Zwart. He is from the Netherlands like me. He probably also struggles with writing German ohne Fehler.
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
03.02.2021 (15:03)
jawohl, einmal falsch, einmal richtig geschrieben macht das Ganze nicht richtiger. Jetzt also Klaas. Wir entschuldigen den Fehler und bedanken und für den Hinweis!
von Al******
02.02.2021 (12:38)
Antworten
Der Radstand ist doch ein wenig arg gestreckt. Sieht unharmonisch aus.
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