Apal Porsche - Kunststoff-Sportwagen mit Abarth-Flair aus Belgien

Erstellt am 30. Dezember 2015
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
David Gooley - Courtesy RM/Sotheby's 
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Bruno von Rotz 
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Stephan Traber 
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FabPetersson Fotografie 
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Michael Alschner 
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Archiv 
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Der letzte belgische Autohersteller hiess Apal und kennen tut man vor allem die Buggies und die Porsche Speedster Replica, die in Lüttich hergestellt wurden. Der erste Apal aber war ein Coupé und ein schnelles dazu.


Apal Porsche Coupé (1962) - die Karosserie besteht aus Kunststoff
Copyright / Fotograf: David Gooley - Courtesy RM/Sotheby's

Eindrückliches Vorbild

Wer das Apal Coupé anschaut, der erkennt eindeutige Design-Ähnlichkeiten mit dem Porsche 356 GTL Abarth von 1960. Viel Zeit zum Kopieren hatten Edmond Pery und Bruno Vidick, die Gründer von APAL (Application Polyester Armé Liège) allerdings nicht, denn bereits 1959 begannen sie über einen eigenen Sportwagen nachzudenken. Schon 1960 hatten sie einen (nicht fahrbaren) Prototypen mit Blechkarosserie erstellt, der dann als Basis für die Negativformen zur Herstellung der Kunststoffkarosserie diente.

1961 dann entstand der erste eigene Sportwagen mit Polyesteraufbau. Eine Zusammenarbeit mit D’Ieteren wurde vereinbart, um an Volkswagen-Chassis und Motoren heranzukommen. Nun fehlte nur noch die Genehmigung als Fahrzeughersteller und los ging es mit der Vermarktung des attraktiven Sportwagens, der dem Carrera Abarth von Scaglione tatsächlich vor allem im Frontbereich sehr ähnlich sah.


Apal (1963) - mit VW- oder Porsche-Komponenten lieferbar
Archiv Automobil Revue

Mit Fernseh- und Zeitschriftenwerbung wurde der Neuankömmling bekannt gemacht und 1962 wie auch 1963 buchte man sogar einen Stand auf dem Autosalon von Brüssel.

In ihrer Berichterstattung von 1963 schrieb die Automobil Revue dazu:
“Ein besonders gefälliges Kunststoff-Coupé von sportlicher Linie, die an den Porsche Abarth Carrera erinnert, zeigt Apal. Die Firma verwendet dazu das VW-Chassis (ähnlich wie der Entlebucher Enzmann in der Schweiz) und den normalen oder auf 47 PS frisierten VW-Motor, dessen Okrasa-Version mit 55 PS oder eine Porsche- Maschine. In den drei letztgenannten Ausführungen erhält der Wagen Amadori-Scheibenbremsen. Der Plan scheint Erfolg zu haben, und die Konstrukteure dieser Karosserie suchen ausländische Partner. Vielleicht findet sich auch in der Schweiz eine interessierte Firma.”


Apal 1200 (1963) - Innenraum der Serienversion
Archiv Automobil Revue

Leichtbau und Spezialversionen

Zu jenem Zeitpunkt waren bereits rund 70 Leute damit beschäftigt, die Autos, die primär mit Volkswagen-Mechanik und modifiziertem Käfer-Chassis (zusätzliche Kunststoffverstärkungen), gebaut wurden, herzustellen.


Apal 1200 (1963) - mit verschiedenen Motoren lieferbar
Archiv Automobil Revue

Als Vorteile gegenüber der Konkurrenz wurden vor allem die rostresistente Karosserie, die günstigen Reparaturen und das geringere Gewicht (rund 200 kg liessen sich gegenüber dem Porsche 356 einsparen) ausgespielt.

Für Leute mit sportlichen Ambitionen gab es leistungsstärkere VW-Motoren mit Okrasa- und Decker-Technik, die die Spitzengeschwindigkeit auf 155 km/h anheben konnten, während die Normalvariante 130 km/h schnell war und 680 kg wog.


Apal Porsche Coupé (1962) - Armaturen aus dem Porsche 356
Copyright / Fotograf: David Gooley - Courtesy RM/Sotheby's

Wer über genügend Kleingeld verfügte, der griff zur Porsche-Variante mit viel Technik aus Zuffenhausen und einem Gewicht von rund 720 kg, was immer noch deutlich weniger war, als das, was die 356 Carrera Abarth Variante aus Italien wog.

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Nicht billig

129’500 belgische Francs (damals rund 11’300 Schweizer Franken) kostete 1963 die einfachste Apal-Variante mit VW-Standard-Maschine und elektronischem Drehzahlmesser. Die hinteren Ausstellfenster waren Serie, aber bereits ein Lenkrad von Carlotti kostete weitere 1800 FB (belgische Francs) zusätzlich, ein Ölthermometer schlug mit 1006 FB zu Buche, Sportsitze mit 3200 FB.

Eine deutlich sportlichere Variante mit 1300 cm3, grösseren Vergasern, Scheibenbremsen und Marchal-Nebelscheinwerfern kostete bereits 156’000 FB (ca. CHF 13’400) und damit zwar weniger als ein Porsche 356 (damals als Super 75 18’500 Franken), aber rund doppelt soviel wie ein VW 1200 De Luxe Käfer.

Doch es ging noch teurer, denn man konnte sich den Apal auch mit Porsche-Mechanik bestellen, der kostete aber über 220’000 FB und damit praktisch gleich viel wie ein Porsche 356. Weil er aber deutlich leichter war, als sein Zuffenhausner Kollege, wurde er vor allem für den Einsatz im Rennsport gekauft.

Sporterfolge

Und tatsächlich tauchte der Apal (vornehmlich mit Porsche-Mechanik) an einigen Rennveranstaltungen, darunter auch die berühmte Langsstrecken-Rallye Liège-Sophia-Liège, bei der 5500 km praktisch ohne Pause zurückgelegt wurde.

Die extremste Variante des Apals war wohl jenes Coupé, das auf Basis eines gebrauchten Porsche RS 550 entstand. Pierrot Bonvoisin pilotierte dieses Fahrzeuge bei Rallyes und Rundstreckenbewerben.

Als grösster Erfolg gilt die 1-3-5-Ankunft bei den 12 Stunden von Huy mit den Piloten Bonvoisin, Charlier und Lejeune.


Apal GT Porsche (1963)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Nur bis 1965

Das Coupé wurde von 1961 bis 1965 gefertigt, viel Geld konnte APAL damit nicht verdienen, bei den Rennwagen legte man sogar drauf. Kein Wunder, war die Firma froh, noch Polyester-Teile für allerlei Anwendungen herstellen zu können, die sehr rentabel waren. Parallel hatte man zudem noch begonnen Formel-V-Einsitzer zu verkaufen und Ende der Sechzigerjahre begann man auf die boomenden Buggies zu setzen. Selbst ein heftiges Feuer in der Fertigung vermochte Pery nicht aufzuhalten.

Rarität geblieben

Die genauen Produktionszahlen des Apal Coupés sind nicht exakt bekannt, die Produktionsbücher wurden ein Raub der Flammen. Nicht alle diese Coupés entstanden auf Basis neuer Volkswagen-Chassis und auch die Motoren stammten aus den verschiedensten Quellen. Man spricht von 97 bis 150 Coupés, die zwischen 1961 und 1965 entstanden sein sollen, 30 bis 35 davon dürften mit Porsche-Mechanik ausgerüstet worden sein.

Die Überlebensrate ist sicherlich deutlich niedriger sein als beim 20 Mal gebauten Porsche 356 Carrera Abarth, wer also einen originalen Apal Porsche sieht, steht einer echten Rarität gegenüber.


Apal Porsche Coupé (1962) - individuelle Formgebung am Heck
Copyright / Fotograf: David Gooley - Courtesy RM/Sotheby's

Wertvoll geworden

Kein Wunder, verlangen verkaufswillige Apal-Besitzer hohe fünf- oder gar sechsstellige Summen für ihr Schätzchen. Eines mit Jahrgang 1962 und komplett restaurierter Porsche-Mechanik wird durch RM/Sotheby’s am 28./29. Januar 2016 an der Versteigerung von Arizona angeboten.


Apal Porsche 356 - sieht einem Carrera Abarth sehr ähnlich, hat aber eine Kunststoffkarosserie aus Belgien, rund Euro 150'000 teuer - Retro Classics Stuttgart 2015
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Ob es ähnlich teuer verkauft wird, wie das an der Techno Classica 2015 angebotene Exemplar für Euro 150’000, wird sich zeigen. 2012 jedenfalls wollte in Paris bei Bonhams niemand mehr als Euro 30'000 für ein ähnliches Coupé bieten.

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