Alfa Romeo Junior Z - Nachwuchs im Designeranzug

Erstellt am 5. April 2014
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Balz Schreier 
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Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Wir schreiben das Jahr 1972. Man hat hart gearbeitet und jetzt ist es an der Zeit sich etwas Gutes zu gönnen, etwas Sportliches, das man nicht an jeder Ecke sieht. Eindruck machen soll es auch, aber vor allem soll es Spass machen. Nicht ganz zufällig besucht man den lokalen italienischen Alfa Romeo Händler.

Die Auswahl, die sich da bietet, macht den Entscheid nicht einfach. Da gibt es den Alfa Romeo GT Junior mit dem 1,3 Liter Motor und den Spider mit demselben Motor, beide sehr hübsch. Sowohl den Bertone gestalteten Sprint GT als auch für den aus dem Haus Pininfarina stammenden Spider kann man auch mit grösseren Motoren haben. Und dann gibt es noch den Junior Z, ein unorthodox aussehendes Fastback-Coupé, das preislich alle anderen hinter sich lässt, und nur für zwei Personen Platz hat.


Alfa Romeo Junior Z (1972) - klassische Fastback-Silhouette mit hohem Glasanteil
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Nach reiflichem Überlegen entscheidet man sich schliesslich für den Spider mit Notsitz und ist überzeugt, die richtige, weil günstigere Wahl getroffen zu haben und zudem das hübschere Fahrzeug zu besitzen. Richtig oder falsch?

Gestaltet von einem Meister seines Fachs

Eigentlich hätte die Wahl auf den Junior Z fallen sollen. Das “Z” steht für Zagato und von a kam denn auch die Karosserie. Genauer gesagt war es ein gewisser Ercole Spada, dessen Namen den meisten Autointeressierten zwar weniger geläufig ist als Sergio Pininfarina, Giorgetto Giugiaro oder Nuccio Bertone, der aber immerhin bereits anfangs der Sechzigerjahre mit dem Aston Martin DB 4 GT Zagato und der Giulia Tubolare Zagato auf sich aufmerksam gemacht hat, beides Sportwagen-Legenden und Design-Meilensteine.

Leichter, aerodynamisch und kompakter

Das Pflichtenheft führte vier wichtige Punkte auf: Die Form sollte dem Luft wenig Widerstand entgegensetzen, der Wagen kompakt und wendig sein, die Karosserie so leicht wie möglich konstruiert werden und die Form sollte originell sein und sich von den beiden Geschwistern aus der Hand Bertones und Pininfarinas deutlich unterscheiden.


Alfa Romeo Junior Z (1969) - Skizzen in Entwicklungsstufen
Archiv Automobil Revue

Genutzt werden sollte aber die technische Plattform der bestehenden 1300-er-Modelle von Alfa Romeo, womit Bodengruppe, Motor, Getriebe und Aufhängungen gegeben waren.

Ercole Spada zeichnete eine Karosserie mit kurzen Überhängen, einer keilförmigen Silhouette und einer deutlichen Abrisskante am Heck.
Der Luftwiderstand wurde durch Minimierung der Querschnittsfläche mittels stark eingezogenem Dach und durch eine glattfächige Gestaltung der Aussenhaut erreicht. Ein besonderes Kennzeichen des Junior Z war die mit einer Plexiglasscheibe abgedeckte Front, die genausoviel Luft durch die angedeutete klassische Alfa-Kühleröffnung liess, wie der Motor benötigte.


Alfa Romeo Junior Z (1972) - neckische Lüftungsöffnungen nider Plexiglasscheibe, filigrane Stossstangen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der Optimierung der Luftströmung durch Motor- aber auch Innenraum wurde viel Gewicht beigemessen und so entstand auch die ungewöhnliche Entlüftungslösung mit der Glasheckklappe, die mittels eines Stellmotors angehoben werden konnte.

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Nüchterner Innenraum

Vergleichsweise einfach und ohne Spielereien war das in nüchternem Schwarz gehaltene Interieur gestaltet. Keine Spur von Holz, zwei Hauptinstrumente für Drehzahl und Geschwindigkeit, drei Zusatzanzeigen für Wassertemperatur, Öldruck und Benzinstand mussten reichen. Der direkt ins Getriebe führende Schaltstock sass auf einer in Aluminium gehaltenen Mittelkonsole.


Alfa Romeo Junior Z (1972) - einfach gehaltenes Armaturenbrett ohne Holz, dafür mit Aluminium
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Die Sitze wiesen als Besonderheit ausdrehbare Kopfstützen auf. Der Gepäckraum hinter der Besatzung war für jedermann offen einsehbar, eine Abdeckung war nicht vorgesehen.

Tatsächlich, mit besonderen Luxusattributen konnte der Zagato-GT nicht protzen. Doch mit seiner zukunftsweisenden Form lockte er bereits bei seiner Vorstellung am Turiner Autosalon 1969 die Autopresse zu kritischen Kommentaren.


Alfa Romeo Junior Z (1969) - erstmals präsentiert am Turiner Autosalon 1969
Archiv Automobil Revue

“Die mastigen Heckstossstangen wie die farblose Plexiglasfront des neuen Alfa Romeo 1300 von Zagato finden im Gegensatz zu der Keilform des Zweisitzers nicht durchwegs Anklang”, schrieb etwa die Automobil Revue im Oktober 1969 in ihrem Messebericht und ergänzte im weiteren Text: “Von der Seite ansprechend, ist sowohl die Front mit
dem grossen Aufwand von farblosem Kunststoff wie das Heck mit dunklem Kunststoffmaterial und dicken Gummistreifen exklusiv und nicht jedermanns Sache.”

Technisch mit den Geschwistern identisch

Der Aluminium-1,3-Liter-Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen und 89 DIN-PS teilte er genauso mit seinen Alfa-Brüdern GT 1300 Junior und Spider Junior, wie das Fünfganggetriebe, die vorderen Einzelradaufhängungen und die hintere Starrachse sowie die vier Scheibenbremsen.


Alfa Romeo Junior Z (1972) - klassischer Aluminium-Doppelnockenwellen-Motor
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der Zagato-Wurf geriet aber etwas flacher und auch etwas schmäler, vor allem aber deutlich kürzer als seine Schwestern, was sich aber zumindest in den offiziellen technischen Daten nicht durch einen grossen Gewichtsvorteil auszahlte, obschon Hauben und Türen aus Aluminiumblech geformt waren, oder dies zumindest so geplant war.

In Handarbeit hergestellt

Man ging von Anfang an von relativ geringen Stückzahlen aus und baute den Junior Z daher weitgehend in Handarbeit. Bei Zagato in Terrazzano di Rho (Mailand) wurden die aus Arese angelieferten Spider-Bodengruppen mit einem Gerippe ergänzt und dann mit den gepressten Karosserieblechen komplettiert.


Alfa Romeo Junior Z (1969) - Endmontage - Innenausbau
Archiv Automobil Revue

Das Ergebnis wurde dann wieder nach Arese gesandt, wo die Grundierung aufgetragen wurde, um dann wiederum bei Zagato in Turin in den Farben Rot, Weiss, Gelb, Silber oder Blau lackiert zu werden. Dann wurden die Fahrzeuge innen ausgebaut und fertiggestellt.
1108 Fahrzeuge wurden so bis 1972 gebaut, dann liess man auch dem Zagato-Zögling ein kleines Facelift angedeihen.

Modellpflege nach drei Jahren

Der “1600 Z” erhielt den 1,6-Liter-Motor mit mehr Leistung, neu geformte Stossstangen vorne und ein verlängertes Heck (plus 10 cm Länge, plus 70 kg Gewicht). In diesem Zusammenhang wanderte die Tankklappe von rechts nach links, weil der vorher aufwändig montierte Benzinbehälter des Alfa Romeo Montreals wohl aus Kostengründen durch denjenigen der Giulia ersetzt wurde, und das Lenkrad erhielt drei Speichen und einen Holzkranz. Der Fahrer freute sich über hängende anstatt stehende Pedale.

Ercole Spada war übrigens von den Modifikationen an seinem Entwurf überhaupt nicht begeistert. Seiner Ansicht nach wurde mit der Verlängerung und der Absenkung der Abrisskante, die wegen des Tankwechsels nötig wurde, die gesamte Ausgewogenheit des Designs zerstört.


Alfa Romeo 1600 Z (1973) - Interieur der verbesserten Variante mit 1600-er-Motor
Archiv Automobil Revue

Bis 1975 wurde der Junior Zagato so weiter produziert, nach 1510 Exemplaren war Schluss.

Er blieb damit selten und rar, die kaum vorhandene Rostvorsorge raffte viele der Wagen dahin.

Ein Fahrerauto


Alfa Romeo Junior Z (1972) - über 180 km/h schnell
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Man mag über die Form des Wagens denken, was man will. Hat man aber den Motor - am besten bei offenem Seitenfenster - angeworfen, dann gibt es kein Halten mehr. Nur wenige Vierzylinderfahrzeuge bieten eine derart attraktive Geräuschkulisse.

Auch an der Sitzposition gibt es selbst als ausgewachsenen Mitteleuropäer wenig auszusetzen und das Armaturenbrett kommt einem im 20. Jahrhundert auch nicht mehr übermässig hoch, wie die Kritiker damals monierten, vor.

Die Rundumsicht ist tadellos, wenn man einmal den mässigen Ausblick nach hinten ignoriert. Die Hand fällt wie von selbst auf den Schaltstock, die Gangwechselmanöver erfreuen mit Präzision.

Der Komfort ist besser als erwartet und das kleine Coupé wächst einem mit jedem zusätzlichen Kilometer mehr ans Herz. Etwas mehr Leistung würde man sich vielleicht ab und zu wünschen, aber die kam ja dann mit der 1,6-Liter-Version.

Ungewöhnliche Erscheinung

Der Junior Zagato polarisiert auch heute noch. Die meisten Betrachter würden ihn wohl den Achtzigerjahren zuordnen, was seine Zukunftsorientierung bezeugt. Immerhin folgten auch das später präsentierte Alfetta Coupé und der Alfasud Sprint - beide von Giugiaro entworfen - derselben Linienführung, verzichteten aber natürlich auf den doch etwas mondänen Plexiglas-Kühlergrill.

Der Alfa Romeo Junior Z hatte einiges von einem Konzeptfahrzeug und wollte auch nicht allen gefallen. Und diese Tradition setzt er bis heute fort. Wer ihn allerdings gefahren hat, der wird ihn für seine hervorragende Fahrdynamik in guter Erinnerung halten.

Und, wohl war der “Z” 1972 teurer als seine Cabriolet- und Coupé-Brüder, heute aber liegt sein Wert immerhin 50% über seinen Geschwistern und dieser Abstand dürfte in den kommenden Jahren kaum schrumpfen. Geschickte Investoren hätten also zum Zagato gegriffen ...

Der für diesen Bericht portraitierte Alfa Romeo Junior Z wird am 26. April 2014 an der Versteigerung der Oldtimer Galerie in Toffen unter den Hammer kommen.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von za******
21.06.2020 (15:01)
Antworten
Ich habe mich 1989 für einen roten Zagato junior 1,3 entschieden
und das bis heute noch keine Sekunde bereut ....
von ib******
26.02.2017 (15:01)
Antworten
Ein schöner Bericht über ein tolles Auto: es gab ihn allerdings auch in Grün.

Ihr Ingo Buschmann
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