Vergessene rare Klassiker wieder aufgetaucht – grosser Garagenfund in der Schweiz

Erstellt am 21. September 2022
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
61
Die trocken gelagerten und zugedeckten Klassiker
Staubplanen als Schutz vor Staub und Schmutz
Nur ein Experte würde bereits hier einen Cadillac V16 unter dem Tuch vermuten
Von Staubtüchern geschützt
Die Räder von einem Packard und einem Jaguar werden hier sichtbar
Cadillac 452-B V-16 Town Coupe (1931) - noch fast nicht zu erkennen

Nicht jeden Tag kann man sieben interessante Klassiker, die praktisch über 30 Jahre nicht mehr an der Öffentlichkeit waren, von Staub und Abdecktüchern befreien! Im Herzen der Schweiz war dies unlängst der Fall. In einer Lagerhalle kamen zwei Jaguar, ein Cadillac, ein Pierce Arrow, ein Packard und ein MG TF zum Vorschein.

Bild Staubplanen als Schutz vor Staub und Schmutz
Staubplanen als Schutz vor Staub und Schmutz

Investitionsobjekte

Der Besitzer hatte die sieben Autos anfangs der Neunzigerjahre bei Auktionen gekauft, wohl mit dem Sinn, eine gute Investition zu tätigen. Dazu muss man wissen, dass der Markt für historische Automobile sich damals gerade auf einem Höhepunkt befand und beispielsweise für einen Ferrari 308 GTS schon einmal CHF 250’000 bezahlt wurden.

Vor gut dreissig Jahren gehörten auch die späteren Vorkriegsfahrzeuge amerikanischer und europäischer Luxusmarken zu den wertvollsten Wagen überhaupt, bei denen man sich zu jenem Zeitpunkt gute Hoffnungen auf weitere Preissteigerungen machen konnte.

Bild MG TF 1250 (1954) - teilentblättert
MG TF 1250 (1954) - teilentblättert

Und auch ein Jaguar XK 150 S oder ein MG TF waren begehrte Klassiker, für die man teilweise damals sogar deutlich mehr zahlte als heute. Der MG TF 1250 von 1954 war damals beispielsweise auf CHF 50’000 bis 60’000 geschätzt, das wäre heute ein absoluter Spitzenpreis.

Um zu verstehen, wieso gerade diese sieben Autos damals als Investition in einer trockenen Halle landeten, lohnt es sich, genauer auf einige der Autos einzugehen.

16 Zylinder im Cadillac

Der Cadillac 452-B V16 war im Jahr 1930 lanciert worden und repräsentierte das Maximum, was damals an Komfort und Fahrbarkeit erreicht werden konnte. Von fünf bis 145 km/h konnte ein V16-Cadillac im obersten Gang beschleunigen. Knapp über 3000 Umdrehungen reichten, um dem auf nur 5,3:1 verdichteten Motor 165 PS zu entlocken.

Bild Cadillac 452-B V-16 Town Coupe (1931) - der Luxus-Reisewagen wird von der Staubplane befreit
Cadillac 452-B V-16 Town Coupe (1931) - der Luxus-Reisewagen wird von der Staubplane befreit

Der Cadillac V16 war edel, aber auch teuer. Nur rund 750 Exemplare konnten im Jahr 1931, als das Town Coupé mit Chassisnummer 1400233 die Fabrik verliess, hergestellt werden. Die Modelle sind auch heute noch bei Sammlern begehrt, je nach Karosserietyp und Zustand schwanken die Preise allerdings stark, aber auch im Jahr 1990 mussten deutlich sechsstellige Summen für einen V16 bezahlt werden.

Angebote eines Zwischengas-Händlers
Rover 200 B.R.M. (1999)
Rover 200 B.R.M. (1999)
Fiat 124 CC Sport 1600 (1974)
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Jaguar XJ6 4.2 Liter Coupé (1976)
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Lancia Kappa 2.0 Turbo LS Coupé (1997)
Lancia Kappa 2.0 Turbo LS Coupé (1997)
+41 79 445 32 04
Gommiswald (oberer Zürichsee), Schweiz

Acht Zylinder im Packard

Ähnlich luxuriös und teuer wie ein Cadillac oder ein Pierce Arrow war auch ein Packard Standard Eight 733 Roadster. Sein Achtzylinder-Reihenmotor leistete rund 90 PS bei 3200 Umdrehungen und wurde im neu gestalteten Roadster ab 1929 verbaut.

Bild Packard Standard Eight 733 Roadster (1930) - Stück für Stück zeigt sich hier ein überaus begehrenswertes Fahrzeug
Packard Standard Eight 733 Roadster (1930) - Stück für Stück zeigt sich hier ein überaus begehrenswertes Fahrzeug

Vier Gänge durften von Hand geschaltet werden, das war auch beim Chassis 295046 so, das die Basis für einen der insgesamt 6528 bis im August 1930 gebauten 733 Roadster bot. Auch Packard überlebte als Marke nicht und wurde in den Fünfzigerjahren mit Studebaker fusioniert.

Einer von 2692 Pierce Arrows

Im Jahr 1932 zeigte es sich, dass die wirtschaftlichen Probleme (Stichwort “Great Depression”) nicht spurlos an Pierce Arrow vorbeigegangen waren. Von 8386 Autos im Jahr 1929 sank die Produktion auf 2692 Fahrzeuge, eines davon war ein Model 54 Convertible Coupe mit Chassisnummer 1050968. 125 PS leistete der Reihen-Achtzylinder und er war in eine elegante offene Karosserie verpackt. Wer damals einen Pierce Arrow fuhr, der gehörte zu den Reichsten der Welt oder er war Präsident der Vereinigten Staaten.

Bild Pierce Arrow Model 54 Convertible Coupe (1932) - auch hier wird die Plane entfern
Pierce Arrow Model 54 Convertible Coupe (1932) - auch hier wird die Plane entfern

Doch trotz Qualitätsimage überlebte die Marke nicht, am 13. Mai 1938 schloss die Fabrik ihre Tore endgültig, im Jahr davor waren gerade noch 167 Autos gebaut worden, die Konkurrenz hatte der einstigen Kultmarke mit günstigeren Modellen die Kunden abgezogen.

Der Nachkriegs-Jaguar mit Vorkriegsoptik

Mit dem Jaguar Mark IV Drophead Coupé von 1948 (Chassis 637122) wechseln wir in die Nachkriegszeit. Im Jahr 1991 präsentierte sich der Wagen in toprestauriertem Zustand und verband Luxus, Eleganz und angenehmes Offenfahren.

Bild Jaguar Mk IV 3.5-Litre Drophead Coupe (1948) - gehobener Schatz
Jaguar Mk IV 3.5-Litre Drophead Coupe (1948) - gehobener Schatz

Kein Wunder wurde der Schätzwert damals sechsstellig festgelegt.

Der Vorflossen-Cadillac

Der Eldorado Biarritz von 1958 ging dem deutlich berühmteren 1959-er-Cadillac-Modell voraus, wirkte noch deutlich mehr wie ein Fünfzigerjahreauto, verkörperte aber die ganzen Cadillac-Tugenden, die der luxusorientierte Autokäufer schätzte. Chassis 58E038129 mit roter Lackierung, viel Chrom und ausladenden Dimensionen (Länge 5,72 m, Breite 2.03 m) machte da keine Ausnahme. 335 PS wurden dem V8 unter der Haube zugestanden- Die Luftfederung sorgte für aussergewöhnlichen Komfort.

Bild Cadillac Eldorado Biarritz (1958) - wird sorgfältig entblättert
Cadillac Eldorado Biarritz (1958) - wird sorgfältig entblättert

Dass ein solches Auto nicht günstig war, versteht sich von selber. Und im Jahr 1990 schätzten hiesige Oldtimerkäufer den unnachahmlichen Charme dieses Luxus-Cabriolets.

Später Jaguar XK150S 3,4 Litre

Die S-Versionen des Jaguar XK150 gehören mit nur 888 Exemplaren zu den raren Vertreter der insgesamt 9342 mal produzierten Baureihe. Als Nachfolger des XK140 leistete im S-Trimm rund 250 PS und lief locker 200 km/h.

Bild Jaguar XK150S 3,4 Litre Open Two Seater (1959) - intakt und vollständig
Jaguar XK150S 3,4 Litre Open Two Seater (1959) - intakt und vollständig

Auch heute noch sind die S-Versionen wie das in die USA ausgelieferte Chassis S830830DN begehrt, schon 1991 lag der Schätzwert für den frisch lackierten und mit neuem Interieur ausgestatteten offenen Jaguar bei CHF 125’000 bis 150’000.

Trocken gelagert

Über 30 Jahre sind seit dem Kauf der sieben Klassiker vergangen, nach der Einlagerung gingen die Autos fast vergessen. Jetzt kommen sie am 15. Oktober 2022 wieder auf den Markt. Die Zeit hat dank trockener und vorausschauender Lagerung weniger an ihnen genagt, als man befürchten könnte. Sogar Luft war noch in den Reifen!

Bild Packard Standard Eight 733 Roadster (1930) - kein Leichtgewicht
Packard Standard Eight 733 Roadster (1930) - kein Leichtgewicht

Alle Wagen rollten frei und auch die Motoren drehen. Natürlich werden vor der nächsten ausgedehnten Ausfahrt einige Arbeiten nötig sein, die über das einfache Reinigen von Ledersitzen und Lack hinausgehen, aber man kann davon ausgehen, dass sie in gutem fahrbereiten Zustand eingelagert wurden vor drei Jahrzehnten.

Allzu oft kommen derartige Autos ja nicht mehr auf den Markt, umso gespannter darf man sein, wie sich die Bieter darauf einstellen werden.

Weitere Informationen zu den sieben Autos wird es schon bald auf der Website der Oldtimer Galerie Toffen geben, respektive im Katalog zur Oktober-Versteigerung.

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Die trocken gelagerten und zugedeckten Klassiker
Staubplanen als Schutz vor Staub und Schmutz
Nur ein Experte würde bereits hier einen Cadillac V16 unter dem Tuch vermuten
Von Staubtüchern geschützt
Die Räder von einem Packard und einem Jaguar werden hier sichtbar
Cadillac 452-B V-16 Town Coupe (1931) - noch fast nicht zu erkennen
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