Die meisten Oldtimer haben einiges erlebt – sei es auf der Strasse oder in Werkstätten. Vielleicht wurden sie schon einmal mit mehr oder weniger Akribie restauriert, vielleicht sind sie auch vor vielen Jahren mal nach einem Rempler oder nach Rostschäden “zeitwertgerecht” repariert worden. Unter der Farbe verbergen sich jedenfalls oft Überraschungen in Form von weiteren, alten Farbschichten, Spachtel, Rost oder besagten zeitwertgerechten Reparaturen.
Wer in solchen Fällen bei einer Restaurierung auf Nummer sicher gehen will, greift am besten zu einer Radikalkur. Die Karosserie wird dabei von sämtlichen alten Farb- und Spachtelschichten befreit – so wird eine perfekte Grundlage geschaffen für die anschliessende Restaurierung.
Ein Spezialist auf diesem Gebiet ist die Firma meier.rafz in Rafz im Kanton Zürich. Geschäftsleiter Didier Lengacher ist es wichtig, die Karosserien schonend und trotzdem effektiv zu entlacken und zu entrosten: “Beim Sandstrahlen wird das Blech mechanisch belastet und viele Winkel in der Carrosserie werden gar nicht erreicht. Beim thermischen Entlacken muss das Blech 400 Grad aushalten und man risikiert Verformungen. Deshalb wählen wir die schonende chemische Entlackung und Entrostung. Dabei entstehen kein Verzug und kein Metallabtrag.”
Die Karosserien verbringen etwa vier Wochen in Rafz. Sie können mit oder ohne Voranmeldung angeliefert werden. Dabei sollten sämtliche Anbauteile und demontierbaren Karosserieteile wie etwa Kotflügel oder Hauben bereits demontiert sein. Auch Wärmedämmungen und ähnliches müssen entfernt sein.
Anschliessend geht es darum sicherzustellen, dass die Flüssigkeiten bei den Tauchbädern wieder abfliessen können. Sind zuwenig oder gar keine Bohrungen vorhanden, werden welche angelegt. Sie können in einer späteren Phase für die Hohlraumversiegelung verwendet werden.
Für den Entlackungsvorgang wird das Fahrzeug zunächst sorgfältig in ein Spezialgestell eingespannt. Für rund 48 Stunden wird die Karosserie in ein Entlackungsbad getaucht. Wärme und Lösungsmittel sorgen dabei für die Entfernung der Lackschicht. Die Entlackung der Anbauteile findet separat statt.
Danach wird die Karosserie zum Abspritzplatz befördert, wo sie während mehrerer Stunden mit Wasserhochdruck von gelösten Farbresten befreit und gereinigt wird. Die Entfernung von Spachtelmasse wird manuell ausgeführt. Danach folgt ein in zweiter Gang ins Entlackungsbad, um noch das restliche Fremdmaterial zu entfernen, anschliessend wird alles erneut gewaschen und die Hohlräume werden gespült.
Hinterher folgt die 24- bis 48-stündige Entrostungsphase in einem weiteren Bad. “Eine spezielle Lösung auf Basis von Phosphor zersetzt dabei den Rost, ohne das gesunde Blech anzugreifen”, erklärt Didier Lengacher.
Spätestens nach dieser Kur offenbart sich der wirkliche Zustand der Karosserie… Vom Rost angegriffene Blechpartien werden dabei oft löchrig – das sieht zwar auf den ersten Blick etwas verheerend aus, ist aber eine gute Grundlage für die Restaurierung. Damit der Rost nicht gleich wieder angreift, wird die Entrostung mit einem weiteren Tauchbad zur Kurzzeitrostschutzbehandlung (Eisenpassivierung) abgeschlossen.
Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Karosserie und die separaten Teile nach der Trocknung gleich wieder dem Kunden übergeben, oder aber es wird ein optionaler Langzeitrostschutz aufgetragen. Dabei handelt es sich um einen Washprimer. “Unserer Erfahrung nach ist eine Karosserie damit besser geschützt als etwa bei einer elektrolytisch aufgetragenen KTL-Grundierung. Wir arbeiten manuell und sehr sorgfältig. Das Ziel ist, möglichst alle entlackten Stellen mit der Grundierung wieder zu schützen. Dies erfordert sehr viel Erfahrung”, erklärt Didier Lengacher. Besonders wichtig ist dies in Hohlräumen, und zwar nicht nur etwa in Schwellern, sondern auch in den Verstrebungen an Motorhauben oder Kofferraumdeckeln, Wasserkasten und weiteren Bereichen. “Wir haben für die verschiedenen Bereiche ein ganzes Set an Lanzen, mit denen wir annähernd alle Stellen erreichen”, erklärt Didier Lengacher.
Der Langzeitrostschutz ist vor allem dann angebracht, wenn die Restaurierung längere Zeit dauert. Der Washprimer bietet einen guten Schutz während der Restaurationszeit und ermöglicht auch Schweissarbeiten.
meier.rafz behandelt in seinem Werk in Rafz rund 100 Karosserie pro Jahr und freut sich über den guten Ruf, den die Arbeit über die Landesgrenzen hinaus geniesst.
Weitere Informationen gibt es auf der Website von meier.rafz.





































