Die "Jim-Clark-Revival" hat seinem Ruf als eine der grössten und attraktivsten Veranstaltungen Europas für historischen Motorsport einmal mehr alle Ehre gemacht. Vor einer Rekordkulisse von mehr als 35'000 Fans ließen rund 500 Fahrzeuge in elf Rennserien das Motodrom erbeben. Rennwagen gab's in allen Spielarten und Ausführungen zu bewundern – vom Maserati 6 CM des Baujahrs 1938 aus dem bunten Reigen des "Raceclub Germany" über die filigranen Formel-Junior-Monoposti aus der Lurani Trophy, den Original-Formel-3-Autos von Michael Schumacher und Heinz-Harald Frentzen, den diversen Sportwagen und GT-Fahrzeugen bis hin zu den Dreiliter-Formel-1-Boliden der "Masters Racing Legends for 1966/1985 F1 Cars".
Der Zugewinn der "Masters Historic Racing" ins Programm der Bosch Hockenheim Historic erwies sich als Volltreffer. Ron Maydons vielfältiges Portfolio mit Formelrennwagen, Sportwagen und GT kam bei den sachkundigen Fans auf Anhieb bestens an und mauserte sich so aus dem Stand zum Publikumsliebling.
Motorsport zum Anfassen
Im Fahrerlager herrschte das gewohnte, im heutigen Rennsport aber nicht mehr salonfähige Gewusel. Rennwagen bahnten sich ihren Weg durch die Massen der Fans, die den automobilen Kostbarkeiten hier so nahe kommen wie nirgendwo sonst. Genau das zeichnet die historische Szene eben aus – sie ist mitunter unstrukturierter und hemdsärmeliger als der moderne Motorsport, aber auch nahbarer und unkomplizierter.
So gibt es mittlerweile zahlreiche ehemalige Profirennfahrer, die ihre zweite Berufung im historischen Rennsport gefunden haben. Roland Asch, Altfrid Heger oder Olaf Manthey zum Beispiel, die sich bei den "Tourenwagen Goldene Ära" mit rund 35 Gleichgesinnten auf der Piste balgten, während Harald Grohs leider wegen eines technischen Problems am Vogelsang-BMW-M3 passen musste. Oder Stanley Dickens, der mittlerweile 71 Jahre alte Schwede, der 1989 gemeinsam mit Manuel Reuter und Jochen Mass im Sauber C9 die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hatte und in einem Gruppe-C-Rennwagen noch immer eine exzellente Figur macht. Oder Ex-Formel-1-Pilot Antonio Pizzonia aus Brasilien, der in der BOSS GP in seinem Dallara-Gibson einen lupenreinen Doppelsieg einfuhr.
Einer, der dem Klassik-Virus komplett erlegen ist, heißt Marco Werner, seines Zeichens Le-Mans-Gesamtsieger 2005, 2006 und 2007, Gewinner der 12 Stunden von Sebring 2003, 2005 und 2007 sowie der 24 Stunden von Daytona 1995. Der 57-jährige Dortmunder, der sein Domizil vor beinahe 20 Jahren ans Schweizer Bodensee-Ufer verlegt hat, startete bei der Bosch Hockenheim Historic in nicht weniger als drei Rennserien. "Raus aus dem LMP2, rein in die Gruppe C und danach gleich rüber in den Formel 1 – was für ein Stress", lächelte der Sportwagen-Haudegen. Leider kam Werner dann doch nicht so intensiv zum Fahren, nachdem seinem Lotus 87 B im Samstagsrennen der Öldruck abhandengekommen war, worauf der Dreiliter-Cosworth im Heck des gold-schwarzen Boliden den Dienst quittierte.
Apropos gold-schwarz: Die "Black & Gold Collection" der Chrome-Cars-Mannschaft rund um Kai Nieklauson war einer der herausragenden Hingucker der Ausstellungsfläche auf dem Boxendach. Mehrere Formel-1-Lotus, ein LMP2-Bolide und ein waschechtes F1-Rennboot zählten ebenso zu den exklusiven Exponaten wie zwei Ferrari 126C Turbo der französischen GP-Piloten René Arnoux und Patrick Tambay. Die wunderbare Jim-Clark-Ausstellung im Kongress-Pavillon sowie zahlreiche Verpflegungs- und Merchandising-Stände, eine große Slotcar-Anlage und diverse Kinder-Bespaßungs-Attraktionen rundeten das familienfreundliche Programm ab.
Blumen für Jim Clark
Unter den prominenten Gästen der Bosch Hockenheim Historic, die nicht selbst ins Lenkrad griffen, fanden sich Jochen Mass und Kurt Ahrens. Vor allem für Ahrens ist die Bosch Hockenheim Historic mehr als nur irgendeine Classic-Veranstaltung, zählt der mittlerweile 83-jährige Braunschweiger doch zu den Weggefährten Jim Clarks. Und so ließ es sich Ahrens auch einmal mehr nicht nehmen, am Jim-Clark-Gedenkstein Blumen zu Ehren des zweimaligen Formel-1-Weltmeister aus Schottland niederzulegen.
"Ich genieße das Jim Clark Revival", betont Ahrens. "Überall sehe ich Rennwagen, die ich selbst gefahren bin – und es freut mich zu sehen, in welch gepflegtem Zustand sie sind und wie gekonnt sie bewegt werden. Ich habe mich direkt mit den Teams unterhalten und ihnen Tipps gegeben, was sie mit den Autos machen sollen. Und tatsächlich reizt es mich manchmal noch sehr, wieder ins Cockpit zu steigen. Zutrauen würde ich es mir …"




































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