Als Youngtimer werden meist Fahrzeuge bezeichnet, welche mehr als zwanzig Jahre auf dem Buckel, respektive den Rädern haben. Die nächste Unterscheidung macht man nach 30 Jahren Betrieb. Dann ist der Status "Oldtimer" erreicht. Gemein haben beide, dass sie meist über wenige bis gar keine Fahrerassistenzsysteme verfügen. Dies kann im Alltag auf den Strassen aber seine Tücken haben.
Aus diesem Grund bietet "TCS Training & Events" eigene Fahrsicherheitstrainings für die historischen Zeitzeugen an. Alte Fahrzeuge erfordern mitunter spezielle Fahrweisen, die heute von keiner Fahrschule mehr unterrichtet werden. Diese können im Rahmen des Oldtimer-Trainings einen ganzen Tag lang gelernt und geübt werden. Hier wird nicht über Vor- und Nachteile von ESP oder ABS diskutiert. Hier fallen Schlagwörter wie "Duo-Duplex" und "Zwischengas", "Trommelbremse" oder "unsynchronisiertes Getriebe".
Zu Beginn wird in der kurzen Theorie die Basis für den Tag gelegt. Ein paar Gedanken zu fahrdynamischen Begriffen wie Kraftübertragung, Lastwechsel oder Bremsmethoden schaden nie. Ebenso wird das Thema Abstand und Anhalteweg aufgegriffen, weil die letzte Fahrstunde bei den meisten Fahrern doch Jahre zurück liegt. Gerade bei dieser Fahrzeugart hat es Sinn, sich darüber ein paar Gedanken zu machen.
Bremsen ist nicht nur Pedaltreten
In die Praxis wird mit einem Slalom gestartet, wo Auto und Pilot warm werden und die Einflussfaktoren unterschiedlicher Haftverhältnisse erfahren. Der Lenk- und Blicktechnik kommen bei Oldtimern eine besondere Bedeutung zu. Sie sind viel anfälliger für Lastwechselreaktionen als aktuelle Autos. Gleichzeitig müssen Kompromisse bei der Sitzposition und Lenkradhaltung gemacht werden, weil oftmals kaum Einstellmöglichkeiten vorhanden sind. Kopfstützen oder Sicherheitsgurte fehlen komplett oder bieten kaum eine schützende Funktion.
Ein gleichwohl wichtiges Thema ist das Bremsen. Egal auf welchem Untergrund sollte jeder in der Lage sein, sein Auto schnellstmöglich und sicher bis zum Stillstand abzubremsen. Dass dabei fehlende Antiblockiersysteme die Sache erschweren, liegt auf der Hand, respektive im Fuss. Hier sind die Fahrer richtig gefordert. Blockierende Vorderräder sind noch das geringste Übel. Aber eine plötzlich blockierende Hinterachse, die das Heck ausscheren lässt, treibt die Schweissperlen auf die Stirn der Fahrer. Unterschiedliche Reifenalter, schlecht eingestellte Bremskraftregler oder ganz einfach nicht ausreichend vorhandene Bremswirkung kommen so unweigerlich ans Licht.
Trotzdem ist am Schluss meist jeder in der Lage, sein Oldtimer schnell und sicher zu stoppen – und macht sich seine Gedanken, welchen Abstand er künftig zum Vordermann wählt. Natürlich gehört auch das gegenseitige Begutachten der Fahrzeuge dazu. Stolz trägt jeder Teilnehmende zum Schwarmwissen bei und versorgt die Gruppe mit Informationen zum eigenen Fahrzeug. Nicht selten muss der Instruktor die Diskussionen beenden, damit die Fahrerei weitergehen kann.
Eigenlenken und Gegensteuern
So geht es Übung für Übung durch den Tag. Auch Fahren in der Kurven – Stichwort "Eigenlenkverhalten" – gehört zum Kursprogramm. Schliesslich will jeder wissen, wie sein Fahrzeug im Grenzbereich reagiert. Hier kommen die Begriffe "Untersteuern" und "Übersteuern" in der Praxis zur Anwendung. Es gilt, bei allen Situationen richtig zu reagieren und mittels Gegenlenken oder Auskuppeln die Fuhre wieder unter Kontrolle zu bringen. Auch das Bremsen in Kurven wird geübt, schliesslich beeinflusst die Physik die Autos aller Altersklassen. Dass es oft schwierig ist, das Fahrzeug unter Kontrolle zu halten oder es unter Kontrolle zu bringen, nagt doch so an manchem Ehrgeiz. Und das Driften sieht in Filmen doch immer so einfach aus…
Stündlich reift die Erkenntnis, dass man auf der Strasse nur mit ständiger Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft überhaupt eine Chance hat, einen drohenden Unfall abzuwenden. Zeit zum Überlegen fehlt im Ernstfall meistens. Im Schlussparcours werden Bremsen und Ausweichen, das Eigenlenkverhalten und die allgemeine Kurvenfahrt noch einmal in Kombination geübt. Am Ende des Tages steigen die Kursteilnehmer mit grosser Genugtuung in ihre rollenden Kulturgüter und wissen: "Wohin man schaut, dahin fährt man auch!"
Das Lenken eines Oldtimers erfordert ein höheres Mass an Eigenverantwortung, macht aber gleichzeitig unheimlich viel Freude. Und genau dieser Freude ist es zu verdanken, dass diese Fahrzeuggattung auch nur ganz selten in Unfälle verwickelt sind. Weil Oldtimer als Liebhaberstücke grundsätzlich "bewusster" gefahren werden. Denn fehlende technische Helferlein können nur durch Umsicht und angepasste Fahrweise kompensiert werden. Der Lenker allein ist für sein Tun und Handeln verantwortlich. Er wird zwar von keinen Assistenzsystemen unterstützt – aber auch von keiner Sprachsteuerung und keinem Touchscreen abgelenkt.

















































































































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