Mit der Retro Classics Bavaria schloss die letzte Messe des Jahres 2023 ihre Tore. Auf 30'000 m2 Ausstellungsfläche in drei Hallen zeigte die siebte Auflage einige interessante Ausstellungen. Von 8. bis 10. Dezember strömten 15'900 Besucher durch das Messezentrum Nürnberg.
Zu Ehren des 2023 im Alter von 90 Jahren verstorbenen Erich Bitter und des 50-jährigen Jubiläums seines Bitter CD zeigte der Stand "90 50" in einer tollen Sonderausstellung zahlreiche Fahrzeuge des einst achtgrössten Autoherstellers Deutschlands. Zu Bitters Kundschaft gehörten auch einige Promis wie die Fussballer Günther Netzer und Karl-Heinz Rummenigge oder die Skifahrer wie Christian Neureuther und Rosi Mittermeier, die den optischen Ferrari mit problemloser Opel-Technik schätzten.
Aus dem Sachsenring-Werksmuseum fanden einige Trabant den Weg nach Nürnberg. Unter ihnen war auch der schnellste aller Trabis: ein 601, der von Klaus Schumann getunt wurde und statt 26 satte 70 PS aus seinen 597 cm3 holt. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h wurde die "Rennpappe" fünfmaliger DDR-Meister und dreimal Vizemeister. Aber auch der erste aller Trabis – der Prototyp des AWZ P 50 von 1954 – wurde gezeigt.
Unter dem Namen "Rallyelegenden Cup" brachte der Enthusiast Thilo Macht ein ganzes Arsenal an historischen Rallye-Fahrzeugen nach Nürnberg: Opel, Audi, Fiat, Lancia, Ford, Skoda, Mitsubishi, Peugeot, Renault und Porsche standen eng gestaffelt in Halle 3A. Der "Rallyelegenden Cup" wurde in der Corona-Zeit gegründet und bringt klassische Rallye-Wagen zurück auf die Strassen und Schotterwege, wenn auch nur in Gleichmässigkeits-Veranstaltungen. Selbst Walter Röhrl und Harald Demuth gaben sich am Samstag zusammen mit Gerhard Müller die Ehre in Nürnberg.
Auch zum Thema "Tiefer – Breiter – Schneller", eigentlich das Motto der gleichzeitig laufenden Essen Motor Show, waren einige Fahrzeuge in Nürnberg vor Ort. Nie war die automobile Szene individueller und schriller als in den Achtziger- und Neunzigerjahren. Das Tuning kannte damals keine Grenzen, alles schien möglich: Breite Karosserien im Testarossa-Look, thekenartige Heckspoiler à la F40, Flügeltüren wie beim Mercedes-Benz 300 SL, Felgen grösser und tiefer als Miele-Waschtrommeln, dazu grelle Farben wie Gummi-Süssigkeiten und Hi-Fi vom Feinsten. Da war der Umbau eines Mercedes-Benz 560 SEL zum Kombi schon fast zurückhaltend, auch wenn er gut eine Viertelmillion D-Mark gekostet hat.
Generell präsentierte sich das Klassiker-Sortiment in Nürnberg eher jung. Vorkriegswagen fand sich nur eine Handvoll. Auffallend war, dass kein einziger Mercedes-Benz 300 SL – weder als Flügeltürer noch als Roadster – in den drei Hallen stand. Dafür bot sich eine reichhaltige Ferrari-Palette vom 250 GT/L bis zum 512 M. Tatsächlich waren auf deutschem Boden ungewöhnlicherweise mehr Ferrari als Porsche zu bestaunen. Ein besonderes Exemplar war der graue Ferrari 250 GT aus dem Jahre 1961: nicht nur, weil er als einer von wenigen nicht rot war, sondern weil er mit Wolfgang Graf Berghe von Trips auch einen sehr berühmten Vorbesitzer hat.
Weihnachtlich ging es vor allem bei Goggomobil und BMW Isetta zu, die klein genug sind, um als Geschenk unter dem Tannenbaum Platz zu finden. Mit ihnen verabschiedet sich das Oldtimer-Messejahr 2023. Doch bereits im Februar 2024 beginnt ein neues.
















































































































































































































































































































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