Muss eine Messe unbedingt 2000 oder mehr Autos zeigen und Hundertausende Quadratmeter “bespielen”? Renate und Peter Hürlimann streben schon seit Jahren lieber eine übersichtliche und persönliche Messe an. Sie verzichten auf Aussteller, die nicht ins Konzept passen und wollen einfach die Freude am alten Blech erhalten. Sie sind auch keine Originalfetischisten, schliesslich hat man Autos schon früher umgebaut. So passen auch Käfer-Dragster gut ins Konzept und der Besucherzuspruch zeigt, dass die Rechnung aufgeht.
Und die Besucher kamen scharenweise, ungefähr 4000 waren es gemäss Renate Hürlimann. Das warme Herbstwetter schadete gewiss nicht.
Zwei Hallen, rund 100 Aussteller
Im Gegensatz zu früher sind nun alle Aussteller in zwei aneinandergrenzende Hallen mit insgesamt ca. 6000 Quadratmetern untergebracht. Es gibt einen Ein- und Ausgang, verirren kann sich niemand. Man übersieht auch keinen Stand und kann sich in den übersichtlichen Hallen gut zurechtfinden.
Dass man länger als zwei Stunden verweilt, liegt weniger an der Grösse der Messe, als an der Tatsache, dass man auf viele gut gelaunte Leute trifft, die nur allzu gerne bereit sind, einem die Technik der Ausstellungsobjekte zu erklären oder Fragen zu beantworten, die man zu seinen eigenen (oder anderen) Oldtimern hat.
Zwischen den Ständen trifft man ständig auf Bekannte und weil alles so herrlich ungestresst wirkt, hat man immer Zeit für ein Schwätzchen.
Raritäten und anderes
Beim Spazieren durch die Ausstellung stiess man irgendwann auf den Wisconsin Special, das Auto, mit dem Sig Haudahl 1922 am Strand von Daytona 180 Meilen pro Stunde (umgerechnet fast 300 km/h). Damit war er 24 Meilen schneller als der bisherige Weltrekord.
Weil aber Haugdahl nicht Mitglied der “American Automobile Association” war, wurde der Rekord nicht anerkannt.
Das Auto kam einst ohne Getriebe aus, die Kraft führte vom Motor direkt auf die Hinterachse. Damit der Wagen überhaupt losfahren konnte, wurde er angezogen. Heute verfügt das Rekordauto zwecks Fahrbarkeit zwar über eine Schaltbox, blieb aber ansonsten so original wie möglich erhalten.
1979 zeigte die Firma Horag am Genfer Autosalon einen Golf-GTI-Motor mit Turbolader.
Rund 140 PS leistete zwangsbeatmete der 1,6-Liter-Motor, etwa 50 so ausgerüstete Fahrzeuge konnte Horag verkaufen. Eines davon stand in St. Gallen zum Verkauf.
Ein paar Meter weiter stiess man auf das Chassis eines Bugatti Typ 51 der Dreissigerjahre. Das Besondere an diesem in die Schweiz ausgelieferten Wagen war, dass ein früherer Besitzer den Wagen mit Alfa-Romeo-Teilen (inkl. Motor) der Zeit anpasste.
Ein Teil dieser Alfa-Teile sind heute noch montiert, als Motor ist nun aber wieder der Reihen-Achtzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen verbaut. Zu einem Auto aufgebaut wird das Chassis vorerst nicht, es soll in nächster Zeit das Wohnzimmer des Besitzers zieren.
Natürlich gab es in St. Gallen auch einiges zu kaufen, egal ob ganze Autos, Ersatzteile oder Modellautos. Das Angebot war reichhaltig und wer genügend lange suchte, fand bestimmt eine Rosine, auf die er sonst nicht gestossen wäre.
Ruhiger Markt
Gespräche mit den vor Ort ausstellenden Händlern und Spezialisten erinnerten daran, dass 2024 doch eher ein ruhiges Oldtimerjahr war. Der Verkauf lief schleppender, Kunden mussten eindringlicher überzeugt werden.
Die Besitzer von Klassikern liessen ihre Autos wegen des häufig schlechten Wetters zudem häufiger in der Garage, was zu weniger Nachfrage nach Wartungsdienstleistungen führte. Die anwesenden Aussteller waren aber durchaus frohen Mutes für die Zukunft und freuten sich, alte und neue Kunden zum Gespräch zu treffen.
Erfolgsrezept Besucherparkplatz
Ein Höhepunkt jedes Jahr in St. Gallen ist der Besucherparkplatz zwischen den Hallen. Auch hier gab's bei sonnigem Herbstwetter und Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad viele Autos zu entdecken, die man sonst nur selten antrifft.
Da wurde ein Bugatti 35 genauso bewundert wie der Schai Spezial DKW, der Jowett Javellin oder der Vorkriegs-Fiat Balilla. Und beim Spazieren durch die Fahrzeugreihen ergaben sich erneut Gelegenheiten, Freude und Bekannte zu treffen und auf einen Schwatz zusammenzustehen.
Ja, es ging familiär und sympathisch zu in St. Gallen, gut gemacht Renate und Peter Hürlimann.























































































































































































Kommentare