Seit 27 Jahren gibt es das O-iO, Oldtimer in Obwalden. Das Treffen gehört seither zur Obwaldner Kulturlandschaft, wurde zum Vorbild ähnlicher Veranstaltungen und zählt heute zu den bedeutendsten Oldtimertreffen der Zentralschweiz – mit Ausstrahlung weit über die Landesgrenzen hinaus.
Die Ausgabe 2026 war geprägt von perfektem, hochsommerlichem Wetter mit Temperaturen gegen 30 Grad. Deshalb erschien es ratsam, bereits am frühen Samstagmorgen anzureisen. Dem Drang Richtung Süden waren nämlich so viele Automobilisten gefolgt, dass sich rund um Luzern schon bald lange Staus bildeten. Nur wer die Schleichwege kannte und längere Standzeiten vermeiden konnte, blieb von Überhitzungsproblemen verschont. Das galt besonders für die zahlreich angereisten Vorkriegswagen. Gemäss Organisator Ruedi Müller standen über 80 Fahrzeuge auf der Meldeliste – eine beachtliche Zahl bei insgesamt rund 500 Fahrzeugen, vom Kleinwagen bis zum ausgewachsenen Lastwagen.
Wer erst nach 10 Uhr in Sarnen eintraf, musste sich mit einem Platz am Rand begnügen. Die Veranstaltung war ohnehin schon lange vor dem Termin ausgebucht. Dass sich die Gassen des Kantonshauptortes jedes Jahr so dicht und dennoch reibungslos füllen, grenzt an ein Wunder – möglich gemacht durch die routinierte Arbeit der zahlreichen Helfer. Wer das Gewusel im Verlauf des Tages erlebt, fragt sich unweigerlich, wie das überhaupt funktionieren kann.
O-iO bedeutet „Oldtimer ganz nah bei den Leuten“ – und genau das spürt man in Sarnen. Hier trifft man auf ein anderes Publikum als bei vergleichbaren Veranstaltungen. Natürlich sind viele Enthusiasten darunter, allen voran jene, die mit ihrem Fahrzeug angereist sind. Doch dazu gesellen sich interessierte Besucherinnen und Besucher mit einer gewissen Affinität zu alten Autos, wodurch immer wieder spannende Gespräche entstehen. Es wird gefragt, erklärt, da und dort eine Motorhaube geöffnet oder auf die Mitfahrgelegenheit hingewiesen, die jeweils am Samstagnachmittag angeboten wird.
Die Stimmung ist freundlich und ausgelassen. Wer sich davor fürchtet, am Abend ein paar Kinderhände auf dem Lack zu entdecken, ist in Sarnen allerdings nicht ganz am richtigen Ort. Es gibt keine VIP-Zonen, keine roten Teppiche und keine Absperrkordeln rund um die Fahrzeuge – und genau das macht den Reiz aus. Der Umgang ist respektvoll, und selbst Kinder spüren sofort, dass sie hier etwas Besonderem begegnen.
Genau das ist die Absicht von Organisator Ruedi Müller. Wie er in der Beschreibung des Anlasses betont, rechnet er stets mit rund zehn Prozent Kindern unter den Besuchern. Das O-iO versteht sich als Familienanlass – und das nicht nur wegen ein paar Ballonen oder einer Hüpfburg. Vielleicht trägt auch der Veranstaltungsort mitten im Dorf dazu bei, dass alle etwas finden, womit sie sich die Zeit vertreiben können.
Apropos Zeitvertreib: Parallel zum O-iO fand erneut das Sarner Seifenkistenrennen statt. 71 Schülerinnen und Schüler legten sich dafür ins Zeug, bauten gemeinsam zwölf Seifenkisten und traten am Samstag gegeneinander an. Verschiedene Handwerksbetriebe unterstützten das Projekt tatkräftig. Vielleicht fällt es einfacher, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, wenn man sich kennt, das Umfeld vertraut ist und das Universum insgesamt etwas kleiner erscheint als anderswo. Denn ohne die breite lokale Unterstützung wäre ein Anlass wie das O-iO schlicht nicht möglich.
So ist dieses Oldtimertreffen weit mehr als nur ein Zusammenkommen Gleichgesinnter an einem bestimmten Ort. Es ist eine Einladung einer ganzen Region – von Sarnen und dem Kanton Obwalden – an die Freunde historischer Fahrzeuge. Hier wird das automobile Kulturgut tatsächlich gefeiert. Türen und Gassen werden geöffnet, Gäste willkommen geheissen und alles darangesetzt, dass sich alle wohlfühlen.
Und wer etwas mehr von der Obwaldner Landschaft sehen wollte, konnte eine gemütliche Runde über Nebenstrassen unter die Räder nehmen. Manche blieben jedoch lieber noch etwas länger in einer der gemütlichen Beizen sitzen, kamen mit wildfremden Menschen ins Gespräch und genossen eine Stimmung, der man kaum etwas hinzufügen könnte.
Nun gut – vielleicht doch noch etwas: Tiroler Schunkelmusik mag zwar volkstümlich sein, doch es gibt auf Anhieb fast 30 Obwaldner Ländlerformationen, die wohl besser gepasst hätten, wenn es schon urchig sein soll. Und für ein jüngeres Publikum wäre beim nächsten Mal vielleicht ein anderer DJ eine Überlegung wert. Oder aber – weil man es ohnehin nie allen recht machen kann – man setzt gleich auf verschiedene Stile mit Livebands an unterschiedlichen Standorten. Doch das ist nur ein winziger Klecks inmitten eines grossartigen Bilds. Oldtimer in Obwalden war auch an diesem Pfingstwochenende ein Ereignis. Und so, wie es sich Ruedi Müller immer wieder wünscht, werden wohl auch von der Ausgabe 2026 einige Besucherinnen und Besucher nach Hause gegangen sein mit der Absicht, wenn sie mal gross sind einen eigenen Oldtimer zu fahren.
Apropos Nachwuchs: Bei der Rückkehr des Autors zu seinem Wagen hatte dieser einen platten Reifen. Die Radkappe hat sich beim Fahren gedreht und das Ventil buchstäblich gekappt. Ein sehr hilfsbereiter, junger Enthusiast mit einem vor gerade drei Wochen erworbenen, bestens erhaltenen Volvo 240 bot spontane Hilfe an. Der DeSoto war relativ rasch wieder Flott. Und der Volvo 240 mit einer ab Werk gelieferten Front des 264 in Nachwuchshand ist demnächst ein Artikel wert. Darum als Fazit: Das O-iO-Elixier scheint zu wirken!
















































































































































































































































































































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