Am bayrischen Ammersee gerieten Passanten am letzten Maiwochende ins Staunen. Denn eine ganze Armada seltener FMR Tg 500 knatterte fröhlich die Seestrasse entlang. Bekannter sind die Kleinstwagen aber viel mehr unter ihrem umgangssprachlichen Namen "Messerschmitt Tiger". Sie sind in puncto Höchstgeschwindigkeit und Leistung die Spitzenmodelle unter den Kabinenrollern, zu denen einst auch BMW Isetta und Heinkel Kabine gehörten.
Die vierrädrigen Tiger sind die schnellsten Exemplare der von Fritz Fend ab Ende der Vierzigerjahre entwickelten Kabinenrollerfamilie. Die eigentlich dreirädrigen Rollermobile wurden später auch in den einstigen Flugzeughallen von Messerschmitt hergestellt. So erhielten sie im Volksmund ihre Bezeichnung, die sich bis heute hält.
Die Tiger-Technik ist anspruchsvoller als die der dreirädrigen Varianten. Denn dessen Zweizylinder ist ursprünglich ein Entwurf vom Hersteller Sachs. Fritz Fend übernahmmt die Zweitaktkonstruktion, die allerdings damals nicht ausgereift war und bis heute gerne thermische Probleme bereitet. Er vergrösserte den Hubraum auf 500 Kubikzentimeter und konstruierte ein Getriebe dazu. Dennoch hat der Motor manchmal Allüren.
Warum Tiger gern auf Berge klettern
Beim viertägigen Treffen in Oberbayern fand auch ein Ausflug zum nahegelegenen Tegernsee statt. Von hier aus ging es mittags weiter zum Wallberg in den Alpen. Dort, bei früheren Rennen auf der wildromantischen Bergrennstrecke, sorgten einst ab 1959 wilde Tiger-Ritte für Begeisterung bei den Zuschauern an der Strecke.
Auch jetzt Ende Mai liessen es die Tiger-Bändiger hoch zum Wallberg richtig krachen. Denn das sportliche Fahrverhalten kombiniert mit einer extrem direkten Lenkung und einem Fahrzeuggewicht von unter 400 Kilogramm bedeutet trotz lediglich 20 PS jede Menge Fahrspass. Oben auf dem Pass wird Pause gemacht.
Besonders bestaunt wurde einer der vier britischen Fahrer. Denn Mark Smith war von England auf eigener Achse bis nach Bayern gefahren und bewies so, dass der Tg 500 auch langstreckentauglich ist. Allzu temperaturempfindlich sollten die Fahrer aber nicht sein: Unter der Glaskuppel wurde es bei teils sommerlichen Temperaturen in Bayern ganz schön heiss. Einige Teilnehmer fuhren deshalb auch die Version mit Cabrioverdeck.
Beim Tanken gilt es mitzudenken: Da es heute keine Tanksäulen mit Zweitaktgemisch mehr gibt, muss der Fahrer zuvor eine Dosis selbstmischenden Zweitaktöls in den Tank geben, bevor er die dazu passende Menge Super hinterhergiesst.
22 Einzelstücke
Unter den mehr als 30 Teilnehmern des Treffens am Ammersee mit insgesamt 22 Autos war auch der letztgebaute Tiger, der 1961 ausgeliefert wurde. Aber auch nicht ganz originale Fahrzeuge waren mit dabei, die statt des Sachs-Motors entweder einen Viertakter von Honda oder aber einen Zweitakter vom Trabant unter der Motorhaube haben.
Jedes Fahrzeug war ohnehin ein Unikat. Denn damals wurden die Tiger in Handarbeit gebaut. Ständig gab es kleinere Änderungen und Modifikationen in der Serie. Dabei wurden insgesamt nur etwa 320 Tiger bei FMR produziert – 167 Überlebende davon sind bis heute bekannt.
Die Tiger-Fahrer sind wie die Besitzer der KR175- und KR200-Modelle im Messerschmitt-Club Deutschland organisiert. Der wurde 1974 gegründet und hat aktuell 785 Mitglieder, davon 83 im Ausland von Europa bis in die USA. Der Club gibt eine monatliche Zeitschrift heraus und veranstaltet Regional- sowie Jahrestreffen. Zudem verfügt er über ein grosses Ersatzteillager für alle Messerschmitt- und FMR-Kabinenrollertypen. Club-Vorsitzender Alfred Barth aus Mannheim nahm ebenfalls beim Treffen in Oberbayern teil – schliesslich fährt er selbst einen Tiger.
























































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