Lenzerheide Motor Classics 2018 - klangstarke Rennwagen auf der Gebirgsrundstrecke

Erstellt am 11. Juni 2018
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
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Bruno von Rotz 
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Bildergalerie Lenzerheide Motor Classics 2018 - Teilnehmerfahrzeuge

Es war ein einzigartiges Zusammentreffen. Am gleichen Tag fanden in der Schweiz zwei Rundstrecken-Rennveranstaltungen statt und dies, obwohl Rundstreckenrennen in der Alpendemokratie seit 1955 verboten sind. Auslöser damals war der tragische Unfall bei den 24 Stunden von Le Mans, aber während alle umliegenden Länder Autorennen schon bald wieder zuliessen, erwirkten kirchliche Kreise in der Schweiz einen permanenten Bann. Ausnahmen gab es zwar ab und zu, aber nur auf kleiner Flamme. Bis am letzten Wochenende, da durften die Einsitzer der Formel E in der Stadt Zürich dank einer Ausnahmegenehmigung wieder im Kreis rennen.

Bild Talbot-Lago T26 C (1949) - Feld 8 - Lenzerheide Motor Classics 2018
Talbot-Lago T26 C (1949) - Feld 8 - Lenzerheide Motor Classics 2018

Da hat die Lenzerheide Motor Classics deutlich mehr Tradition, denn sie fand am 8. bis 10. Juni 2018 bereits zum siebten Mal statt.

Erstaunliche Parallelen

Die beiden Rundkurse in Lenzerheide und Zürich waren fast genau gleich lang, wiesen also eine Streckenlänge von 2,45 respektive 2,46 km auf. Auf beiden Rundkursen fuhren Formel-Autos, in Lenzerheide waren es ein gutes Dutzend, am Formel-E-Grand-Prix deren 20.

Bild Brabham BT16 (1965) - Feld 7 - Lenzerheide Motor Classics 2018
Brabham BT16 (1965) - Feld 7 - Lenzerheide Motor Classics 2018

Elf Kurven waren in Zürich zu bewältigen, in Lenzerheide waren es kaum weniger, allerdings fehlt da die lange Gerade, dafür bot die Strecke zwischen der Talstation Rothorn und dem Dorf über eine nur durch leichte Biegungen unterbrochene Fast-Gerade am See entlang.

Start und Stopp

Während aber die Boliden der Formel E in Zürich 50 Runden mit nur einem vollständigen Halt (zum Fahrzeugwechsel) absolvieren mussten, gab es für die Lenzerheide-Fahrer jede Runde eine Langsamzone und eine Durchfahrt beim Start. Nach jeweils 7 bis 10 Runden wurde ein Feld herausgewunken und hatte danach wieder einige Stunden Pause. Deutlich weniger Stress und mehr Freizeit für die Amateur-Rennfahrer im Gebirge also.

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Mercedes-Benz 190SL (1961)
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Bugatti T43 Pur Sang (1928)
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Der Ton macht die Musik

Den wohl grössten Unterschied machte aber die Tonkulisse aus. Während die Einheits-Formel-E-Rennwagen wie eine Mischung aus Tram und Autorennbahn tönen und dabei nur kaum über die Zimmerlautstärke kommen, ging es in der Lenzerheide akustisch richtig zur Sache.

Bild Ferrari 639 F1 (1989) - Feld 7 - Lenzerheide Motor Classics 2018
Ferrari 639 F1 (1989) - Feld 7 - Lenzerheide Motor Classics 2018

Dies wurde spätestens dann klar, wenn der Ferrari 639 Formel-1-Rennwagen von 1989 gestartet wurde. Von einem bis 12 Zylinder war in Lenzerheide fast alles zu hören und keiner Fans an der Strecke wäre auf die Idee gekommen, dass dies Lärm sei.

Formenvielfalt anstatt Einheitschassis

Noch grösser als der akustische Unterschied aber war sicherlich die formliche Vielfalt an der Lenzerheide Motor Classics.

Bild McNamara Formel V (1970) - Feld 7 - Lenzerheide Motor Classics 2018
McNamara Formel V (1970) - Feld 7 - Lenzerheide Motor Classics 2018

Während nämlich mit Ausnahme der Bemalung die Formel-E-Renner alle gleich aussehen (Einheitschassis), konnten die Besucher der historischen Veranstaltung im Bündnerland Autos aus über 100 Jahren miteinander vergleichen.

Bild LaFrance Typ 12 (1917) - Feld 3 - Lenzerheide Motor Classics 2018
LaFrance Typ 12 (1917) - Feld 3 - Lenzerheide Motor Classics 2018

Ältester Wagen auf dem Rundkurs war Schawalders brachialer LaFrance von 1917. Vier Zylinder und 14,5 Liter Hubraum produzieren über 100 PS, die der Pilot durchaus gekonnt durch die Serpentine am See entlang zu nutzen wusste.

Bild MV Agusta (1972) - Motorradfeld 4 - Lenzerheide Motor Classics 2018
MV Agusta (1972) - Motorradfeld 4 - Lenzerheide Motor Classics 2018

In Lenzerheide waren alle Fahrzeuggattungen von zwei bis vier Rädern am Start. Etwa 40 Motorräder/Gespanne und 160 Automobile hatten sich eingeschrieben, viele davon Wiederholungstäter, denn das stimmige Konzept überzeugt immer mehr Oldtimer- und Youngtimer-Besitzer. Als Baujahresgrenze war 1993 festgelegt, was auch jüngeren Autos die Möglichkeit verschaffte, mitzutun.

Bild Alpine-Renault A110 1300 Gordini (1970) - Feld 2 - Lenzerheide Motor Classics 2018
Alpine-Renault A110 1300 Gordini (1970) - Feld 2 - Lenzerheide Motor Classics 2018

Tourenwagen, Coupés und Cabriolets waren in grosser Zahl in den Feldern 1 bis 5 vertreten, die Felder 6 und 7 waren vor allem mit rennsportlichen Fahrzeugen besetzt, das Feld 8 dem Sponsor Villa Trasqua gewidmet und eigentlich mit sehr interessanten Fahrzeugen der Mille Miglia besetzt. Doch wer sich auf einen Alfa Romeo 6C 1750, eine Lancia Aurelia oder einen Alvis SB20 gefreut hatte, wurde enttäuscht. Am Start waren grossteils andere, wenn auch durchaus auch attraktive Fahrzeuge.

Am laufenden Band

Bei besten Wetterbedingungen an den beiden “Renntagen” bot nur gerade die Mittagspause Gelegenheit zum Verschnaufen, ansonsten umkreisten je zweimal alle Felder am Morgen und Nachmittag die Rundstrecke.

Bild Alfa Romeo Giulia TI (1969) - Feld 2 - Lenzerheide Motor Classics 2018
Alfa Romeo Giulia TI (1969) - Feld 2 - Lenzerheide Motor Classics 2018

Natürlich gab es keine Zeitnahme, es handelte sich schliesslich um reine Demofahrten. Die Piloten bedankten sich mit einer besonnenen Fahrweise, so dass es kaum Ausfälle gab und wenn, dann waren diese primär technischen Problemen geschuldet.

Exoten zum Geniessen

Unter den rund 160 Automobilen gab es manchen Wagen, den die Besucher der Motor Classics vermutlich zum zu Gesicht bekamen, etwa den VW SP2 aus Brasilien, den Nomad Mk1 von 1967 oder Hudson Hornet Six.

Bild VW SP2 (1975) - Feld 1 - Lenzerheide Motor Classics 2018
VW SP2 (1975) - Feld 1 - Lenzerheide Motor Classics 2018

Aber natürlich gab es auch manches Brot-und-Butter-Auto von früher zu sehen, vor allem die Dorfgruppe, die es deutlich gemächlicher angehen liess, bot hier ein Wiedersehen mit den alltäglichen Mobilitätshilfsmitteln von früher, vom Opel Kadett über den Fiat 500 bis zum Citroën Traction Avant. Einst waren sie im Strassenverkehr häufig zu sehen, heute sind sie oft exotischer als mancher Supersportwagen.

Bild Citroën Traction Avant (1952) - Dorfgruppe - Lenzerheide Motor Classics 2018
Citroën Traction Avant (1952) - Dorfgruppe - Lenzerheide Motor Classics 2018

Auch für 2019 ist eine Lenzerheide Motor Classics geplant, sie findet vom 14. bis 16. Juni 2019 nach Lenzerheide statt.

Wer ein bestimmtes Auto sucht oder keines der über 350 Fotos verpassen möchte, dem sei die separate Bildergalerie empfohlen.

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von xp******
27.06.2018 (09:22)
Antworten
...auch von einem MV August nicht...es sei es handle sich um ein MV-Agusta 08.1972 gebaut...
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
27.06.2018 (22:30)
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ja natürlich, ein ärgerlicher Tippfehler. Ist korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis!
von mekubb
12.06.2018 (14:09)
Antworten
Die '56 Maserati Sport Biposto - noch nie gesehen. Gibt es mehr Info über dieser Auto ? Kann via Google kaum etwas finden.
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Lenzerheide Motor Classics
8. bis 10. Juni 2018
Motor Classics auf der höchsgelegenen Rundstrecke der Welt.
Lenzerheide (CH)
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